Ich war das erste Mal in Heidelberg, als ich fünfzehn Jahre alt war. Zu dem Zeitpunkt spazierte ich an einem Sommerabend über die Alte Brücke und kaufte in einem kleinen Deko-Laden ein kleines Windspiel mit einer blauen Perle in der Mitte, das seitdem bei mir im Zimmer hängt.Da wusste ich noch nicht, dass eine Zeit kommen würde, in der ich mich immer wieder in die Bahn oder in den Flixbus setzen würde, um nach Baden-Württemberg hinunterzufahren. Ich wusste auch noch nicht, dass ich einem Menschen begegnen würde, für den ich mich auf diese Reise begeben würde.
Es ist das erste Mal, das ich einen Blogbeitrag einer Stadt meines Heimatlandes widme. Doch da Heidelberg für mich eine zweite Heimat geworden und zudem eine wunderschöne Stadt ist, in die ich letztes Jahr insgesamt wesentlich öfter gefahren bin als ins Ausland, habe ich mich dafür entschieden. Dort zu sein, empfinde ich tatsächlich auch wie eine Auszeit, die ich zusammen mit meinem Freund M. erlebe.
Am Neckar liegt die Stadt, umgeben von Hügeln - M. und ich nennen sie Berge, während die angestammten Heidelberger wahrscheinlich darüber lachen würden- und kann mit alten Häusern in warmen Farben und schmalen Gässchen, in denen ich mich immer wieder gerne absichtlich verlaufe, punkten.
M. und ich lieben es, am Neckar längs zu laufen, über eine der Brücken auf die andere Uferseite zu gelangen und durch die Natur bergauf zu spazieren, wo es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt - einen neuen Weg, einen kleinen Wasserfall oder eine grandiose Aussicht. Wer historische Stätten mag, wird sich auch die Kloster und Ruinen nicht entgehen lassen, die in den Bergen zu finden sind.
Etwas, was mich während der ersten Besuche in Heidelberg besonders erstaunt hat, war die Erkenntnis, dass sich in Heidelberg grüne Papageien angesiedelt haben. Diese sind vor längerer Zeit aus dem Zoo ausgebrochen, so berichtete es mir M., und haben sich seither in dem süddeutschen Klima stark vermehrt, sodass sie an einigen Ecken der Stadt anzutreffen sind. Wenn ich in M.'s Wohnung am Frühstückstisch sitze und aus dem Fenster spähe, sitzen sie meistens im Baumwipfel und sind bereits lange vor mir wach. Dass diese Papageien in Heidelberg frei leben, ist kein Witz, wie ich meinen Freundinnen zuhause öfters in Whatsapp-Videos gezeigt habe.
Ein großes Highlight, das früher oder später auf Spaziergängen sichtbar wird, ist das Schloss. Teilweise ist eine Ruine und doch ist unverkennbar, dass es als märchenhaftes Bauwerk auf dem niedrigen Hügel hinter der Altstadt hervorsticht, abends sogar hell erleuchtet. Majestätisch und mit einem Hauch Romantik thront leicht erhöht über der Altstadt.
Nicht weit davon ist die Alte Brücke, die älteste und mit Abstand schönste Brücke der Stadt, die mit den Straßenlaternen auch im Dunkeln immer wieder eine Überquerung wert ist und eine besondere Atmosphäre besitzt. Nicht zuletzt die Spiegelung der Lichter im Wasser ist traumhaft schön.
Es gibt sehr viel, das ich aufzählen könnte, das an Heidelberg schön ist und das mich dazu gebracht hat, zu verstehen, weshalb M. sich dort wohlfühlt. Ich denke, das jeder, der durch die Hauptstraße in der Altstadt läuft und an der einen oder anderen Ecke das studentische Flair aufsaugt, seine persönlichen Highlights finden wird. Durch M. habe ich bereits viele kennen gelernt. Und wir werden, wenn wir zusammen da sind, immer wieder welche entdecken: Mein Rucksack wär dann schonmal gepackt. Bis bald, Heidelberg!
