Donnerstag, 17. Oktober 2024

Posen: Die polnische Perle

Meine Freundin L. und ich entschlossen uns, den goldenen Herbstanfang auszukosten und ein verlängertes Wochenende wegzufahren, um die polnische Stadt Posen kennenzulernen. Wir fuhren mit dem Fernbus über Berlin und waren von dort aus innerhalb von zwei Stunden dort. Unser Nachbarland Polen ist von unserer Hauptstadt schnell erreichbar und doch gehört es zu den Destinationen, die ich lange nicht so auf dem Schirm hatte. Apropos Schirm: Während unseres verlängerten Wochenendes Ende September schien die Sonne bei sommerlich warmen 24 Grad und es zogen zwischendurch kein einziges Mal graue Wolken auf. Einen schicken, bunt gemusterten Regenschirm kaufte sich L. trotzdem, denn das würde sie in unserer norddeutschen Heimatstadt noch gut gebrauchen können, wie sich nach unserer Rückkehr herausstellen sollte. 

Posen erschien mir auf den ersten Blick von den Ausmaßen, unter anderem beim Busbahnhof, größer und ausladender, als ich es zuerst erwartet hatte. Die Gebäude und Bürgersteige wirkten sehr modern und gepflegt, von dreckigen Gehwegen war keine Spur. Unsere Unterkunft am Rande der Altstadt Stary Rynek war für sich schon ein Highlight unseres Posen-Trips. Abends konnten wir hier sitzen und Smoothie oder trinken, mit Blick auf die Spitze des Rathauses, während die Stadt ringsum in goldenem Licht versank. "Das müssen wir ausnutzen", befand ich, "Nun müssten wir jeden Abend hier sitzen." Das taten wir dann auch.

In der Altstadt ging es ähnlich gepflegt zu. Der Platz um das Rathaus war riesig, sodass allein hier schon vier Brunnen mit Göttern aus der griechischen Mythologie Platz fanden. Um 12 Uhr war der Platz vorm Rathaus recht voll, weil aus der Rathausuhr zwei hölzerne, weiß angestrichene Ziegenböcke aus einer Klappe herausspazierten und sich pünktlich zur vollen Stunde mit ihren Hörnern duellierten. Allgemein sind die beiden Ziegenböcke Programm in dieser Stadt: Es gibt Statuen, Streetart-Bilder an den Wänden und jede Menge Souvenirs. Leider auch zwei echte, angebundene Ziegen, die ich an einem Vormittag in der Altstadt auf dem Marktplatz ausmachen konnte, mit denen sich Tourist*innen fotografieren lassen konnten- was die Menschen dabei als Spaß empfinden, ist für die Tiere eher selten ein Spaß, wenn sie den Geräuschen und Gerüchen ringsum ausgesetzt sind.

Insgesamt konnten wir viel Zeit in der Innenstadt verbringen: Es gab kleine, süße Cafés und Straßenlokale in bunten Farben zu entdecken, mit Blumen verzierte Wände und Streetart-Bilder. Die rosa Kathedrale, in der Orgel gespielt wurde, war auch nicht weit weg. Die Gebäude waren teilweise schon sehr alt, waren in der Vergangenheit jedoch immer wieder restauriert worden, sodass sie auf mich taufrisch wirkten und die Farben ziemlich klar waren. 

Von der Innenstadt aus gelangten wir auch ziemlich einfach zur Dominsel, dem ältesten Teil Posens, der sogar Jahrhunderte zuvor den ursprünglichen Stadtkern dargestellt werden. Der Dom selbst zeichnet sich durch den Backsteinbau aus, wirkt dadurch jedoch gar nicht so alt, wie er eigentlich ist. Hinter dem Dom fanden wir die fotogene rote Brücke, die die Dominsel mit dem Viertel Sródka verband. Sródka ist ein entspanntes und zugleich hippes Viertel mit kleinen Läden und Cafés, das sich vor allem durch verschiedene Streetart-Motive und -Installationen auszeichnet. 
Abends ging es für uns in den Zitadellenpark, einem großen Park mit weitläufigen Spazierwegen, Wiesen und modernen Skulpturen sowie einer Fläche, auf der Panzer und Kanonen ausgestellt waren. Auch gegen 19 Uhr war es noch so warm, dass wir hier auf einer Parkbank picknicken konnten. 

Am zweiten Tag erkundeten wir den Maltasee, der mit einem längeren Spaziergang von 30 Minuten von Stary Rynek fußläufig erreichbar ist. Dort gibt es nicht nur einige Wassersport-Anlagen für Wasserski und Sportboote, sondern auch einen kleinen Freizeitpark mit Bobbahn und Sommerrodelbahn. Das Erlebnis ließen wir uns nicht entgehen und zogen an einem Automaten Tickets für beide Bahnen. Kurz darauf sausten wir den Berghang hinauf und rasten nach einer Kurve abwärts die Schienen entlang mit Blick auf den Maltasee. Meine Bobbahn bremste ein wenig ab, als ich auf der Strecke durch einen Tunnel voller bunt gefärbter Blätter fuhr - quasi ein herbstlicher Märchenwald- und ich hielt kurz inne, um einen Blick ringsum zu werfen. Dann kam L. um die Ecke gesaust und auch ich gab wieder Gas, sodass wir die restliche Strecke zum Ziel schlitterten. 

Wir setzten unseren Spaziergang am Maltasee fort und bogen irgendwann in den Wald ob, wo sich ein Baumwipfelpfad befindet. Dieser schien noch recht neu zu sein, da das Holzgerüst noch taufrisch und hell wirkte. Hier konnten wir ein paar hundert Meter über die Holzkonstruktion spazieren, von oben in den Wald spähen und auf einer Holzbank eine Rast einlegen. Ein wenig später vollendeten wir unsere erste Runde um den See, bei der wir noch Adrenalinjunkies, die sich von einem Kran aus im Bungee-Jumping probierten, kreischen hören konnten (Ich hatte nicht vor, das auszuprobieren, was L. sehr beruhigte), war unsere Zeit am Maltasee noch nicht zu Ende: Wir fuhren noch ein paar Stationen mit der Maltanka, einer kleinen, dampfbetriebenen Eisenbahn) durchs Unterholz. Nun war auch dieser Tag in Posen ein Erlebnis, das wir nicht missen möchten.