Sonntag, 8. Juni 2025

Unterwegs in der Region Amsterdam

Dank des Mehrtagestickets für den Zugnahverkehr innerhalb der Region Amsterdams, hatten wir die Gelegenheit, uns noch ein paar Orte am Rand der Stadt anzuschauen, die mit der Bahn dennoch in weniger als einer halben Stunde erreichbar waren. In dem Städtchen Zaandam konnten wir, sobald wir aus dem Bahnhof heraustraten, direkt die etwas schräge Architektur bewundern. Es gab nämlich ein Hotel, das aussah, es bestünde es aus jede Menge ineinander verschachtelten Häusern. 
Zudem gab es noch ein Monet-Atelier, das zwar geschlossen war, doch dafür konnten wir von einer der Brücken im Zentrum Zaandams einen Blick darauf werfen. Der Maler hatte diese Ansicht, die wir von hier aus bewundern konnten, auch auf eines seiner vielen Werke verewigt, die er innerhalb der Niederlanden angefertigt hatte.

Eine Station mit der Bahn weiter erreichten L. und ich in der Region Zaanstreek den Ort Zaanse Schans, der für seine Mühlen und alten Holzhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert bekannt und sehenswert ist. In der damaligen Zeit wurden rund 600 Windmühlen hier gebaut. Mit den Mühlen wurden Gewürze, Holzspäne und sogar Farbe hergestellt, wobei die Windmühle "De Kat" in Zaanse Schans die einzige Windmühle der Welt ist, die immer noch in Betrieb ist. Das Museumsdorf, durch das wir spazieren konnten und in dem offenbar auch Menschen heute noch wohnten, wirkte sehr friedlich und pittoresk mit den sattgrünen Wiesen und hölzernen Brücken. Der erste Laden der Supermarkt-Kette Albert Heijn, bei der wir schon häufig eingekauft hatten, befindet sich seit 1887 im Museumsdorf und wurde rekonstruiert. Er war geschlossen, als wir dort waren, doch zumindest konnten wir durchs Schaufenster und in den urigen Laden selbst einen Blick werfen.

Abends kehrten wir ein bisschen erschöpft und gleichzeitig sehr zufrieden zu unserer Unterkunft im Ort Almere zurück, dass etwas außerhalb von Amsterdam lag und mithilfe des Mehrtages-Bahnticktes leicht erreichbar war: Unser Häuschen auf einem Steg inmitten eines Hafens, umgeben von Segelbooten, war ein eigenes Highlight für sich. Eigentlich waren wir erst nach langem Suchen nach einer bezahlbaren Unterkunft auf dieses kleine Juwel gestoßen. Aufgrund der Saison und des Koningdags-Wochenende waren die Unterkünfte zu großem Teil schon Wochen vorher ausgebucht oder kaum bezahlbar. So hatten wir Glück, dass wir die "Water bubble", wie die Unterkunft genannt wurde, gefunden hatten.

Die Meerluft, die wir nach dem Aufstehen am nächsten Tag einatmeten, war frisch und erinnerte mich bisschen an die Zeit als Kind, in der ich häufiger auf dem Segelboot meines Vaters übernachtet hatte. Wir packten unsere Rucksäcke und brachen nun wieder ins Zentrum von Amsterdam auf. Der Koningsdag war nun wieder Geschichte, nur ein paar Überreste an Müll zeugten davon, dass tags zuvor eine der größten Partys des Landes gefeiert worden waren. Dafür, dass es dabei so wild zugegangen war, hatten die Reinigungskräfte die Lage schnell wieder in den Griff bekommen. 

L. und ich spazierten zwischen den Grachten lang, über den bekannten Bloemenmarkt, bei dem Tulpen und andere Blumen verkauft werden und statteten dem Beginenhof einen Besuch ab, über den L. einiges geschichtliches Hintergrundwissen besaß: Der Beginenhof beinhaltete eine versteckte Katholische Kirche, die 1578 davon verschont blieb, wie andere katholische Einrichtungen gewaltsam zum protestantischen Glauben bekehrt zu werden.

Nach einem Tag, an dem wir uns quer durch Amsterdam hatten treiben lassen, stiegen L. und ich wieder in den Fernbus zurück nachhause. Unser Einstiegsort war tatsächlich Sloterdjik, den Busbahnhof, wo wir am gleichen Tisch wie ein Jahr zuvor auf der Rückreise von Großbritannien unser Lunch gegessen hatten. 

Samstag, 7. Juni 2025

Königstag in Amsterdam: Eskalation in Orange

Nach dem Erleben der Tulpenblüte erwartete mich und L. am folgenden Tag schon das nächste Event: Der Königstag, "Koningsdag" oder auch "Koninginnendag", der jährlich Ende April in den Niederlanden gefeiert wird, ist ein nationaler Feiertag in den Niederlanden, zu Ehren des Königs Willem-Alexander. Dabei steht das Land ganz im Zeichen der Nationalfarbe Orange. Schon als wir bei der Bahnstation nahe unserer Unterkunft einstiegen, konnten wir einige Passat*innen sehen, die einige orange Accessoires bei sich trugen. Auch L. und ich hatten uns dem Motto entsprechend angepasst, indem wir orangefarbene Kleidung trugen.

Als wir uns aus der ebenso orangefarbenen Masse an Menschen am Bahnhof Amsterdam Centraal ins Freie schoben und L. in einem Laden noch kurzerhand eine orangefarbene Käppi ergattert hatte, konnten wir Zeug*innen davon werden, wie sich die Partystimmung anlässlich des Koningsdags über die ganze Innenstadt ausgebreitet hatte. 700.000 Besucher*innen wurden heute erwartet und wir gehörten dazu. Die Sonne schien zu unserem Glück angenehm warm, sodass es für Ende April schon recht sommerlich wirkte und wir aufpassen mussten, keinen Sonnenbrand zu bekommen.

An den Hauptplätzen der Stadt wurde Musik gespielt, darunter eine Trommler*innen-Band, es gab unzählige Stände, die orangefarbenes Zeug verkauften und auf den Kanälen zog ein Partyboot nach dem anderen an uns vorbei. Wir taten es anderen Feiernden gleich und setzten uns an den Kanal, wo wir unsere Beine baumeln ließen. Auf den Decks der Partyboote, die mit orangefarbenen Ballons dekoriert waren, wummerte laute Musik, es wurde gelacht und getanzt. Irgendwo weiter hinten an einer Brücke stieg eine orangefarbene Pyrotechnik-Wolke in die Luft. Mehr oder weniger war es Zufall gewesen, dass wir das Wochenende erwischt hatten, an dem auch der Koningsdag stattfand - was es uns zuerst sehr schwer gemacht hatte, eine Unterkunft zu finden, doch dazu im nächsten Blogbeitrag mehr- doch nun waren wir sehr froh darüber, dass wir die Party in den Niederlanden auch erleben konnten.

Zur Tulpenblüte in die Niederlanden

In den vergangenen Jahren, in denen ich viel mit Bus und Bahn durch Europa gereist bin, habe ich auch mehrfach die Niederlanden passiert und dabei auch mit L. auf unserer Fahrten von Großbritannien Umstiege gehabt. Erst letztes Jahr saßen wir auf den Picknickbänken des Busbahnhofs Amsterdam Sloterdjik und aßen Bagels mit Erdnussbutter, die wir in London geschmiert hatten. Als wir mit dem Bus weiter durch die Niederlanden fuhren, sah L. begeistert aus dem Fenster. "Hier würde ich auch gern einmal hin", sagte sie, "Einmal die Niederlanden genauer erkunden." - "Zur Tulpenblüte möchte ich auch nochmal", sagte ich. Und so kam es, dass wir beschlossen, im April für drei Tage dorthin zu fahren.

Sehr bekannt für die Tulpenbeete ist der Keukenhof in den Niederlanden, der mir von meinen Recherchen jedoch nicht sehr zusagte. L. und ich buchten stattdessen ein Ticket für "The Tulip Barn", einem für Besucher*innen zugänglichen Tulpenfeld. 

Freitag morgens in aller Frühe ging es mit dem ICE und IC mit einem Umstieg in Osnabrück nach Amsterdam Centraal. Die Fahrt verlief sehr unkompliziert, sodass wir noch am Vormittag in Amsterdam ankamen und uns von dort aus entspannt auf den Weg nach Hillegom machen konnten, wo sich mehrere Tulpenfelder befanden. An dem Abend hatte The Tulip Barn, der Tulpenhof, den wir besuchten, sogar länger als an den anderen Tagen geöffnet. Bis zur sogenannten "Golden Hour", an dem das Tulpenfeld durch die untergehende Sonne in ein goldenes Licht getaucht ist. 

L. und ich bekamen einen Stempel auf den Handrücken gedrückt. Auf diese Weise konnten wir den Tulpenhof zwischendurch verlassen und kamen problemlos jederzeit wieder hinein. Auf dem Tulpenfeld waren verschiedenste Deko-Elemente verteilt, menschengroße Bilderrahmen, Spiegel, Schaukeln und Bänke sowie Stühle, einige hübsche oder witzige Elemente, die das Tulpenerlebnis noch ergänzten. Ein paar Besucher*innen waren außer uns hier unterwegs, doch es wirkte nicht übervoll.

Wir nutzten wenig später die Mittagssonne, um neben einem öffentlich zugänglichem, kleineren Tulpenhof neben "The Tulip Barn" zu picknicken und uns in die Sonne zu legen. Andere liegen am Strand- wir lagen bei einem Tulpenfeld und schwelgten in der Fülle an knalligen Farben. Es war angenehm warm an diesem Tag, sodass ich sogar mein Sommerkleid auspacken und anziehen konnte. Lust auf Frühling ist hier garantiert in Anbetracht der bunten Farben. In einem Zitat heißt es ganz treffend, Tulpen seien die Seele des Frühlings.

Zwischendurch konnten wir auf der Straße neben "The Tulip Barn" beobachten, wie die Tulpen durch einen Traktor geerntet wurden - das hatten L. und ich beide zuvor noch nie gesehen und uns bisher auch keine Gedanken darüber gemacht, wie die Tulpe vom Feld in die Vase auf unserem Küchentisch kommt. Nun hatten wir ein paar Erkenntnisse dazugewonnen - auch wie vielfältig Tulpenarten sein können: Spitz zulaufend, mit Füllung, mit geriffelten Kanten und Vieles mehr, wie uns ein Plakat auf "The Tulip Barn" verriet. Ich würde mich nicht als Botanik-Fan oder Gartenfreundin bezeichnen: doch in Hillegom konnte ich durchaus feststellen, dass es ein besonderes Erlebnis war, inmitten der untergehenden Sonne in einem Meer aus knallbunten Tulpen einzutauchen.