Donnerstag, 17. März 2022

Kopenhagen- auf ein Neues

Es kommt mir noch gar nicht so lange her vor, dass ich Ende 2019 nach Kopenhagen gereist bin - seitdem ist jedoch eine Menge passiert: Eine globale Pandemie hat unser alltägliches Leben verändert, mein Studium wurde vom Arbeitsleben abgelöst und vieles mehr ist geschehen. Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit, neue Ecken der dänischen Hauptstadt kennen zu lernen, als ich meine Freundin S. besuchte, die dort ein Auslandssemester verbringt. Bei der Anreise war ich wieder einmal fasziniert davon, dass sich Dänemark so nah dran an Norddeutschland befindet und doch vom Gefühl her so weit weg erscheint, da es ein anderes Land ist.

Als ich abends im Bahnhof Ingersleevgarde eintraf, noch beseelt von dem Sonnenuntergang auf dem Meer, den ich von der Fähre aus beobachten konnte, kam mir Kopenhagen ziemlich bekannt vor. Die Fahrgeschäfte des Tivoli, in denen ich vor zweieinhalb gesessen hatte, ragten neben dem Bahnhof in der Dunkelheit empor. Die Bürgersteige wirkten so sauber, als könnte man vom Boden essen, genau wie ich sie in Erinnerung hatte. Als S. und ich in die fahrerlose Metro stiegen, fand ich es wie auch letztes Mal äußerst faszinierend, von dem vordersten Sitzplatz durch die Glasscheibe in den Bahntunnel zu blicken. "Ein bisschen wie Achternbahnfahren", sprach S. meine Gedanken aus. Innerhalb ihrer Wohnung wurde ich mit einer Girlande aus dänischen Flaggen sowie einem leckeren Curryeintopf begrüßt. 

Die Tage danach bekam ich sowohl einen Einblick in S.'s alltägliches Studentenleben sowie in die Ecken der Stadt, in denen ich bisher noch nicht war. Anfang März war es hier im Norden ziemlich kalt und an den meisten Tagen etwas windig, jedoch hatten wir das Glück, dass die Sonne sich nur selten versteckte. Zusammen liefen wir über Nyhavn, die Hafenstraße mit den kunterbunten Häuserfassaden und den Segelbooten im Kanal, das Wasser entlang zum Park an der Langeline. Dort traf ich auch die kleine Meerjungfrau auf ihrem Felsen wieder, die mir eher unspektakulär in Erinnerung geblieben war, war die Bronzestatue doch eher klein und unscheinbar als Wahrzeichen Kopenhagens. Erstaunlicherweise tummelten sich um die Tageszeit weniger Tourist*innen als beim letzten Besuch dort und die Statue wirkte sogar ein  bisschen größer, als ich es erinnerte. Es wurde Zeit für ein obligatorisches Meerjungfrau-Foto.
Weiter ging es danach zum nahegelegenen "Kastellet", einem Kastellgelände mit hügeliger Parkfläche und einer roten Windmühle, in dem S. und ich oben auf einem Hügel auf einer Parkbank in der Sonne eine kleine Pause einlegten. Sehr begeistern konnte ich mich für die Windmühle hinter uns, die allzu gut einem Bilderbuch entsprungen sein könnte. 

Wie aus einem Bilderbuch oder aus einem Harry-Potter-Roman schien mir auch die Universitätsbibliothek zu sein, zu der mich S. und ihre Studienfreundin nach einem gemeinsamen Kaffeetrinken führten (hatte ich schon einmal erwähnt, dass Kopenhagen und Kaffee in all den Coffeeshops und schnuckeligen, studentischen Cafés für mich gewissermaßen zusammengehören?). In dem weitläufigen Raum standen Tische und Stühle in Reihen aus dunklem Holz, aufgepeppt durch grüne Lampen. "Da würde ich auch gern lernen, wäre ich hier Studentin", verkündete ich S., nachdem wir auf leisen Sohlen den Raum verlassen hatten. Einen Tag später sollte ich noch einige Räume kennen lernen, über die ich das Gleiche sagen sollte- und zwar innerhalb des Gebäudes, in dem sich S.'s Zimmer befand. Zwar befanden sich die Räume im Keller und waren daher recht dunkel, doch das Design war sehr modern und wirkte wie von einer*m Innenarchitekt*in kreiert, sodass der Platz dennoch sehr besonders zum Sitzen wirkte. Es gab mehrere Hollywoodschaukeln, Polsterlandschaften mit einem Tisch in der Mitte und mehrere mit tropischen Pflanzen aus Plastik versehene Raumtrenner. Auch eine Insel mit einem Kaffeeautomaten gab es in den Räumen. S. und ich verbrachten einen Nachmittag dort unten, wobei sie für die Uni lernte und ich ein Buch las. 

In den Tagen danach besuchten wir unter anderem die Schlösser Rosenborg und Christiansborg, die sich mitten in der Stadt befanden. Im Schloss Christiansborg konnten wir, ohne Eintritt zahlen zu müssen, den Fahrstuhl bis zu dem Aussichtspunkt hinauffahren, und einen Rundumblick über die Stadt genießen. Das Schloss Rosenborg sagte mir hingegen von seinem märchenhaften Aussehen am meisten zu, sodass ich im Park davor etwas länger mit S. verweilen konnte. Auch die szeneartigen Ecken wie den asphaltierten Sportpark Superskilen durchquerten wir, der mich mit seinen weiß gestreiften Beton-Hügeln an eine riesige Skaterlandschaft, vielleicht sogar Skaterparadies, erinnerte. Zudem besuchten wir das Elefantentor der Carlsberg-Brauerei, das durch jeweils zwei steinerne Elefanten an den Brückenpfeilern ein kleines Highlight darstellte. 

Am letzten Abend meines Trips führte S. mich zu dem Parkdeck Konditaget Lüders, auf dem wir bei strahlend blauen Himmel nicht nur auf das schicke Hafengebiet ringsum blicken konnten. Das Parkdeck hatte etwas zu bieten, das genau meinem Geschmack entsprach: Es war ein Sportpark, ausgestattet mit einer Vielzahl roter Klettergerüsten, Stangen und sogar einem Luftring. "Da kann ich nicht widerstehen", sagte ich zu S. und sie, die mich und meine Hobbys schon lange kennt, schmunzelte, wohlwissend, dass ich als Nächstes in den runden Luftring klettern würde. Danach ließen wir zusammen die Eindrücke des Tages in einer der Hollywood-Schaukeln auf uns wirken und konnten wieder einmal feststellen, wie viel wir in den letzten Tagen insgesamt erlebt hatten.

Über Dresden ins Elbsandsteingebirge

Zu Beginn meines 26. Lebensjahrs warteten die ersten Reise-Highlights des Jahres auf mich, während der ich mit meinen Leben eine tolle Zeit erleben wollte.
Einige Wochen vorher buchte ich somit mit meinem Freund M. ein Geburtstags-Wochenende in Dresden und im Elbsandsteingebirge. In meiner Kindheit war ich dort schon mehr als einmal gewesen, doch ich erinnerte mich nur wenig daran. Lediglich der Blick auf die herbstliche Felsenlandschaft war mir dunkel im Kopf geblieben. Als Kind hatte ich viele Orte und Landschaften noch bei Weitem nicht mit der Neugier und Faszination wahrgenommen, die ich jetzt des Öfteren auf meinen Reisen habe.

Die Dresdner Innenstadt wirkte auf uns ziemlich barock mit den schmucken Gebäuden im gotischen Baustil. Ich fühlte mich etwas zu meinem Trip nach Prag versetzt, da die Architektur dort verblüffend ähnlich ist- da wundert es auch nicht, dass Prag nicht weit entfernt von hier liegt. Doch wir sahen nicht nur die barocken, älteren Ecken der Stadt. Nachdem wir über die Brücke über die Elbe am goldenen Reiter-Denkmal vorbeigelaufen waren und uns nach etwas zu essen umsahen, konnten wir jede Menge Döner- und Pizzaläden ausmachen- was wiederum einen starken Kontrast zu dem Bild, das viele von Dresden im Kopf haben, darstellt. In einem veganen Restaurant mit asiatischen Speisen ließen wir uns schließlich nieder. Nach der kurzen Nacht zuvor und der Anreise merkte ich, wie meine Energie allmählich herunterfuhr, und machte mich voller Appetit über das Essen her. In der aufkommenden Dunkelheit spazierten M. und ich über die Brücke zurück zu unserem Hostel und konnten dabei noch einen Blick auf die golden angeleuchtete Kuppel der bekannten Frauenkirche sowie auf die anderen angeleuchteten Gebäude der Stadt werfen. Allzu lang wurde unser Abend nicht mehr, da unser Wecker am nächsten Morgen bereits gegen 5 Uhr klingelte- wir hatten etwas vor...

Mein Wunsch war es gewesen, zu Sonnenaufgang im Elbsandsteingebirge zu sein und die Stille der Natur zu Tagesbeginn zu genießen. M. und ich schmierten uns ein paar Sandwiches und stiegen in die Bahn, die an der Elbe entlang zum Kurort Rathen fuhr. Von der Bahn aus konnten wir kurz vor unserem Ziel bereits die Basteibrücke erspähen. Im nächsten Schritt mussten wir, um von der Bahnhofseite aus zu der Seite des Elbsandsteingebirges zu gelangen, die Elbe mit einem Boot überqueren. Witzigerweise funktionierte das Boot völlig ohne Motor, sondern wurde durch ein Seil gehalten, weshalb der Bootsführer es innerhalb kurzer Zeit mithilfe eines Ruders ans andere Ufer schaffen konnte. Da das Boot sich ohne Motor absolut leise und langsam durchs Wasser bewegte, bemerkten wir kaum, dass wir uns vom Fleck bewegten, befanden uns jedoch im Nu auf der anderen Seite. Stille umgab uns und in der Morgenluft war es sehr kalt, sodass wir uns vom Aufstieg zur Basteibrücke erhofften, durch die körperliche Anstrengung innerlich etwas warm zu werden. Da es so früh am Morgen war, hatten wir die Wege fast für uns allein. Nur zwei andere Wanderer mit Rucksäcken, die offenbar genauso verrückt eingestellt waren wie wir, kreuzten unseren Weg. 

Oben angekommen, übertraf ein Aussichtspunkt den anderen und wir spazierten zwischen den Felsen umher. Auf einer Seite war die Elbe im trüben Morgendunst zu erspähen und auf der anderen Seite lag die Basteibrücke gegenüber von uns. Die mittelalterliche Festung oder genauer gesagt, ihre Ruinen, das, was noch von ihr übrig war, die sich nahe der Basteibrücke befand, hatten wir ebenso für uns allein. M., der die Berge über alles liebt, war total begeistert von dem Bild, das sich uns bot, und hatte zugleich den länger gehegten Wunsch, einmal das Elbsandgebirge kennen zu lernen, erfüllt. Und ich konnte das Erlebnis noch bewusster wahrnehmen, als zu der Zeit, als ich als Kind und Teenager hier gewesen war, weshalb es mich im Vergleich dazu auch stärker beeindrucken konnte. Etwas müde und verfroren machten wir uns an den Abstieg, während die Zahl der Schaulustigen auf der Basteibrücke mit dem voranschreitenden Tag immer mehr zunahm. Auch wenn das Aufstehen in der Frühe im ersten Moment etwas Überwindung gekostet hatte, waren wir froh, zu so früher Stunde aufgebrochen zu sein und die Landschaft des verwunschenen Elbsandsteingebirges für uns allein zu haben und in der friedlichen Morgenatmosphäre zu genießen.