Schnee sollten wir jedoch auch noch erleben: Mit der längsten Seilbahn Europas fuhren wir den Berg vom Ort Encamp hinauf in die Schneelandschaft der andorranischen Bergwelt. Für mich war diese Seilbahnfahrt die erste, bei der ich mit M. allein eine Gondel teilte. Auf der 25-minütigen Fahrt hatten wir genügend Zeit, das Bergpanorama in uns aufzusaugen. Mir kam der Spruch "Paradise doesn't have to be tropical" in den Sinn, demnach Paradiese nicht zwingend immer tropisch sein müssen. Das Gesicht dieser Erde hat noch einiges mehr zu bieten. Wir stapften beim Gebiet um den Gipfel durch den Schnee, während einige Skifahrer*innen in unserer Nähe herumwuselten, und ließen uns die Sonne, die auf dieser Höhe sehr hell schien, auf die Nasenspitze scheinen. Ein Stück tiefer am Berghang liefen wir wenig später über eine Hängebrücke, die jedoch nicht ganz so hoch war, und spazierten an ein paar einsamen Steinhäusern in traditioneller andorranischer Bauweise vorbei. Dadurch, dass wir Schneehosen anhatten und warm eingepackt waren, froren wir auch nicht so schnell.
Am letzten Tag vor unserer Abreise ging es nach Canillo, einem Ort, der mit typischen andorranischen Steinhäusern im Tal und malerischen Aussichten in den Bergen lockt. Die Hängebrücke, die im Vergleich zu der in Canillo wesentlich höher gespannt war und dementsprechend ein adrenalinreiches Erlebnis zu werden versprach, war wetterbedingt leider geschlossen, weshalb wir sie nur aus der Ferne anschauen konnten. Roc El Quer, einer der bekanntesten Aussichtspunkte war jedoch geöffnet. Wir wanderten die Serpentinen der Straße den Berg hinauf, passierten irgendwann die Schneegrenze und wurden mit der Aussicht auf die Berge belohnt. Von hier aus konnten wir sogar den schlangenlinienartigen Weg zurückverfolgen, den wir bis hierher zurückgelegt hatten. Auf dem Rückweg nahmen wir den wesentlich steileren Fußgänger*innen-Weg an einem Bach entlang, der dementsprechend schneller ging als die Tour bergauf.
Am Abend, als M. und ich gerade aus Canillo zurückgekehrt waren und in unserem Hostelzimmer unser Abendessen zubereiteten, hörten wir plötzlich laute Musik von der Straße her. Uns war sofort klar, dass da draußen irgendetwas los war, wussten nur nicht, was. "Sollen wir kurz rausgehen und nachschauen?", fragte ich. Gesagt, getan. Wir schlüpften in unsere Jacken und gingen die Treppe zum Hinterhof hinaus. Bei der Hauptstraße ein paar Wegbiegungen entfernt erwartete uns eine Weihnachtsparade ganz in Weiß, die mit dem großen Mammut aus Pappmaché wohl unter dem Motto Steinzeit stand. Ein paar weiß gekleidete Tänzer*innen führten ihre Choreographie zu und das Ganze wurde mit einem weißen Konfettiregen abgerundet. Atemlos kehrten wir wenig später in unsere Unterkunft zurück und ich fand, dass das für uns der genau richtige Abschied gewesen war, bevor wir Tags darauf die Heimreise antraten.




