Dienstag, 1. August 2023

Mädelstrip nach Budapest

Wie schon beim letzten Mal kam ich wieder in Hamburg an und musste bereits einen Tag später feststellen, dass nach der Reise gleichzeitig vor der Reise bedeutet: Es gab ein ausgelassenes Wiedersehen mit meiner Freundin J., die schon länger mit mir die Idee im Kopf gehabt hatte, einen Mädelstrip in die ungarische Hauptstadt Budapest zu machen. Wir hatten beide noch frei, zumindest noch eine gemeinsame Woche. Schnell stand also die Frage im Raum: "Warum machen wir es jetzt nicht einfach spontan?" 

"Wenn ich zuhause bin, guck ich mal wegen den Verbindungen", versprach ich J., während wir im Park spazieren gingen und über den Trip sprachen. J. überlegte kurz, dann sagte sie: "Am besten bringe ich dich jetzt zum Bus und du schaust direkt nach, damit wir das fertig buchen können." Gesagt, getan. Wir hatten unglaubliches Glück, dass wir drei Tage vor Aufbruch sowohl eine schicke, preisgünstige Unterkunft als auch zwei Fernbusfahrten mit einmal Umsteigen fanden. Als wir im Bus saßen und die Nacht durchfuhren, konnte ich selbst kaum glauben, dass J. und ich es tatsächlich hinbekommen hatten, so spontan nach Budapest zu gelangen.

Budapest gilt als wunderschöne, ästhetische Stadt und ich kann nur bestätigen, dass sie diesem Ruf gerecht wird. Die Menschen wirken freundlich und entspannt, die Gebäude sowie die gesamte Innenstadt sind gepflegt und die Lebenshaltungskosten sind für ein europäisches Land relativ gering.
Vom Busbahnhof aus testeten wir zum ersten Mal den Nahverkehr der Stadt mit U-Bahn und Straßenbahn. In die gelben, nostalgischen Straßenbahnen, die J. und ich in ähnlicher Form auch in Lissabon erlebt haben, verliebte ich mich wieder direkt. Wenn wir die Wahl hatten, Straßenbahn oder ein anderes Verkehrsmittel zu unserem Zielort in Budapest zu nutzen, schlug ich am liebsten die Straßenbahn vor. Ich liebte es, mit J. darin zu sitzen und durch die Straßen zu rattern.

J. und ich entdeckten eine architektonische Augenweide nach der anderen, besonders am Ufer der Donau. Während einer Schifffahrt am ersten Abend kamen wir am Parlament vorbei, das in seiner Größe sogar genau einen halben Meter länger als die Titanic ist, und an der märchenhaft anmutenden Fischerbastei sowie passierten die Brücken, die in unterschiedlichem Baustil gebaut waren. Besondere Atmosphäre machte sich in der Dunkelheit breit, als wir das Schiff wieder verlassen hatten, sodass wir noch etwas an einer der Brücken verweilten, während die Lichter nach und nach aufleuchteten. 

Wer nach Budapest reist, wird früher oder später auf Lángos stoßen, einer ungarischen Spezialität aus frittierten Teig, der mit Sourcreme bestrichen und Reibekäse bestreut ist. Nachdem J. und ich durch das bunte jüdische Viertel zwischen Streetart und mehreren Bars bis hin zum Karavan Food-Markt geschlendert waren und dort noch kein Essen gefunden hatten, das uns überzeugte, entschieden wir uns dafür, vegane Lángos in dem beliebten Laden "Retro Lángos" zu holen, bei dem wir draußen sitzen konnten. Die Spezialität ist natürlich sehr gehaltvoll, doch etwas, das mir in Deutschland bisher unbekannt war und mich somit neugierig gemacht hatte. "Essen ist Kultur", sagt J. öfters und da kann ich ihr nur Recht geben. Vegane Lángos fanden wir auch danach häufiger an vielen Ecken der Stadt, genauso die zuckrigen "Chimney cakes", die ich in Prag auch schon kennen gelernt hatte. Generell war es leicht, vegane Angebote in Budapest zu finden, ob unterwegs oder im Supermarkt, obwohl die traditionelle ungarische Küche eigentlich recht fleischlastig ist. Wir kamen an einer Vielzahl veganer Restaurants und Cafés vorbei. Vermutlich liegt es daran, dass Budapest eine so junge Stadt ist.

Die Fischerbastei nahmen wir am Abend danach noch näher in Augenschein. Nach 21 Uhr war sie kostenfrei zugänglich und ich hatte den Eindruck, dass sich um diese Tageszeit auch weniger Menschen hier aufhielten. Die Luft war angenehm warm und trocken, während auf der anderen Flussseite der Donau der Himmel ganz andere Signale aussendete: Blitze erleuchteten zwischenzeitlich den Himmel in der Ferne, allerdings so weit weg, dass wir keinen Donner grollen hören konnten. "Hier hast du noch eine extra Lightshow dazu", sagte ich zu J., als wir erstaunt die Blitze wahrnahmen. Der Fischerbastei nahm das jedoch überhaupt nicht ihre Romantik und auch nicht dem in goldenen Licht angestrahlten Parlament auf der anderen Flussseite. Eine Straßenmusikerin spielte, die Stimmung war ausgelassen und wir beide genossen es, den Abend hier ausklingen zu lassen.

Meistens gingen wir abends noch einmal hinaus und unternahmen etwas, wie zum Beispiel einen Ausflug ins Open Air Kino. Innerhalb einer bunten Anlage mit Skaterbahnen, Essensbuden, bei denen J. sich einen veganen Lángos kaufen konnte, und bunten Streetart-Wällen gab es ein Beachvolleyball-Feld, das mit Liegestühlen versehen wurden. Mit einbrechender Dunkelheit wurde hier kostenfrei der Film "Bad Boys" abgespielt, während J. und ich bei einer Popcorn-Tüte in jeweils einem Liegestuhl saßen und die Stunts auf der Leinwand vor uns mitverfolgten. Da es zunehmend frischer wurde, blieben wir nicht bis zum Ende, doch ich war froh, die Atmosphäre des Open Air Kinos miterlebt haben zu dürfen.

Das Finale war die Radtour am letzten Tag, von der J. mich überzeugt hatte. Zuerst hatte ich große Zweifel, ob ich mich auf dem Fahrrad wohlfühlen und damit gut zurechtfinden würde, da es zu den Fortbewegungsmitteln gehört, die ich normalerweise meide. J. redete mir gut zu und letztendlich ließ ich mich auf das Experiment ein und radelte inmitten einer kleinen Gruppe über die Brücken und an den bekanntesten Plätzen der Stadt vorbei, während der Guide dazu etwas erzählte. Voller Eindrücke im Kopf saß ich in den Nachmittagsstunden vor unserer Abreise mit J. am Ufer der Donau neben dem Parlament und sog mit ihr die Schönheit dieser Stadt mit den Augen auf. 

Über Bari zurück nach Deutschland

Die letzte Etappe unserer Reise war erneut Bari, bevor es mit der Trenitalia und ÖBB zurück nach Deutschland gehen sollte. Von Korfu aus nahmen wir wieder über Nacht eine Fähre, in der wir wie auch letztes Mal in Sesseln schliefen. Ich wurde früh wach und ging an Deck, um mir den Sonnenaufgang anzusehen. Sonnenaufgänge und -untergänge hatte ich auf dieser Reise noch mehr lieben gelernt als zuvor.

M. und ich kosteten noch einen vollen Tag das süditalienische Leben mit Pizza Marinara, Focaccia Barese und Soia-Espressino in meinem Lieblingsbistro Vergnagno in Bari aus, sogen das Gefühl auf, durch die Altstadt zu wandern. Nach einigem Suchen fanden wir schließlich auch die Orecchiette-Dame wieder, bei der wir am ersten Abend in Bari Pasta gekauft hatten. Mit reichlich italienischem Essen, darunter auch Taralli und Olivenöl, im Gepäck würden wir demnach am nächsten Tag in die Trenitalia steigen und wieder nach Deutschland zurückkehren.
Mit gut gefüllten Mägen gingen wir abends schlafen und es wurde allmählich realer, dass nun der zweite Teil der Reise sich zum Ende neigte. M. und ich konnten gemeinsam feststellen, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, unsere Reise fortzusetzen und all die Dinge zu erleben, die wir in den letzten Wochen erlebt hatten. Wir hatten Italien nun noch besser kennen gelernt, fühlten uns dort erst recht zuhause und ich hatte einen intensiveren Eindruck von einigen südosteuropäischen Ländern und ihrer Vergangenheit bekommen. Wieder einmal war diese Reise zusammen mit M. ein Abenteuer, das ich nicht missen möchte.

Kerkyra: Griechisches Leben auf Korfu

Da Korfu zweimal der Zwischenstopp auf den Fahrten zwischen Italien und Albanien war, hatten wir Gelegenheit, hier einige Stunden zu verbringen, ohne hier zu nächtigen. Schon auf der Hinfahrt hatte mich Korfus Hauptstadt Kerkyra sehr begeistert, mit ihren warmen Farben, den Streetart-Kunstwerken mittendrin und der Freundlichkeit der Menschen. In Kerkyra holten wir uns in der heißen Nachmittagssonne einen kühlen, frisch gepressten Saft und bewegten uns mit ihm in der Hand durch die schattigen Seitengassen der Altstadt.

Auf der Rückfahrt von Saranda aus hatten M. und ich noch etwas vor: Wir wollten eine Tour mit dem örtlichen Piratenschiff  machen. Da sich die Zeit eine Stunde nach vorne verschob, war es bereits Mittagszeit, als wir dort ankamen und wieder einmal unser Gepäck in der Gepäckaufbewahrungsstation verstauten. Im Nachhinein erinnere ich mich sehr gern an diese Piratenschiff-Tour zurück. Das Schiff, die "Black Rose" war an sich schon ein Erlebnis, so reichlich, wie es in Gold und Schwarz im Detail verziert war, mit einer Schatztruhe auf dem Deck. 

In der Schatztruhe gab es Accessoires wie Piratenhüte und Säbel, sodass wir unser Äußeres auch piratenmäßig auf das Schiff abstimmen konnten. Das Schiff fuhr uns mit musikalischer Untermalung ein Stück die Küste entlang und bot uns somit noch ein bisschen Sightseeing. 

Es brachte uns zu einem Platz, an dem die Flugzeuge sehr dicht über unsere Köpfe hinwegflogen. Beeindruckt warfen wir unsere Köpfe in den Nacken und blickten der Maschine hinterher, die über uns hinwegsauste. M. und mir erschien die Fahrt wie das musikalisch begleitete Ende eines Films, was ganz gut passte, weil wir am Ende dieser Reise standen.