Montag, 6. April 2026

Brasov

Als eine der schönsten Städte Rumäniens. umgeben von den Karpaten, gilt Brasov, im Deutschen auch als "Kronstadt" bezeichnet. D., ihre Mutter und ich fuhren nach einem sonnigen Morgen in der Sommerküche dorthin. D.'s Mutter kannte sich vor Ort mit den Fahrzeiten der Busse aus und sprach sogar die rumänische Sprache fließend, sodass wir uns dank ihrer Unterstützung schnell zurechtfinden konnten. Wir spazierten durch die Altstadt von Brașov und kamen an einigen Gebäuden mit silberfarbenen Dächern vorbei, die mir bis heute sehr präsent in Erinnerung geblieben sind.  


Wir schlenderten durch die schattige Strada Sforii, die mit einer Breite von knapp über einem Meter als eine der schmalsten Gassen Europas gilt. Einige Menschen drängten sich durch die Straße, die ursprünglich ein Feuerwehr-Korridor gewesen war. 

Wir kamen auch an der ikonischen Schwarzen Kirche nahe des Hauptplatzes vorbei, deren Silhouette das Stadtbild von Brașov prägt. Zufälligerweise entdeckte D., die genauso wie ich vegan lebt, ein veganes Café nicht weit von dem Hauptplatz. 
Die Gelegenheit, dort für Kaffee bzw. andere Heißgetränke sowie Snacks einzukehren, ließen wir uns daraufhin natürlich nicht entgehen. Insgesamt konnten D. und ich während der Tage in Rumänien auch in diversen Supermärkten jede Menge Pflanzenmilch-Sorten und weitere vegan gekennzeichnete Produkte ausfindig machen, aus denen wir leckere Sachen kochen konnten.

Später ging es für uns weiter zur Weberbastei, einer mittelalterlichen Bastion im Süden der Altstadt, von der wir einen guten Blick auf die Hausdächer der Stadt hatten, und zum Katharinentor, durch das wir einmal durchspazieren konnten.

Vor dem Katharinentor befand sich ein kleiner Park mit ein paar Bänken – für uns perfekt für eine kurze Pause von unserem Rundgang in der Sonne. Es gab insgesamt jede Menge kleine Gassen und Pfade im Grünen zu entdecken- insgesamt fiel mir auf, wie grün Brasov war. Auch der Blick vom weißen Turm, zu dem wir nach einem kurzen Spaziergang an einem Bach und einem kurzen, steilen Aufstieg gelangten, zeigte, wie sehr die Stadt ins Grüne eingebettet war, inmitten der Berge.
An einem der anderen Tage, der ebenso sonnig war, gingen wir auf einen Ausflug zum Schloss Bran, das oft mit dem Schloss von Graf Dracula in Verbindung gebracht wird. Es weist eine entfernte Ähnlichkeit zum fiktiven Schloss des Grafen Dracula aus dem gleichnamigen Roman von Bram Stoker auf, obwohl der echte Graf Dracula, der ein grausamer Fürst gewesen sein soll, eigentlich in einem anderen Schloss Siebenbürgens gelebt hat. Der Vampir-Mythos hat Schloss Bran ziemlich berühmt gemacht. D. hatte mir schon oft von dem Souvenir-Markt vor dem Schloss erzählt, auf dem jede Menge Souvenirs, auch im Bezug auf Vampire zu finden waren. 
Nun konnte ich mir selbst ein Bild davon machen. Es war nicht nur spannend, die verschiedenen Winkel des Schlosses mit D. zu entdecken, sondern auch die Grünflächen rund um das Schloss wie der Schlossgarten mit Teichs und Stegen sowie eine Wiese mit tollem Blick auf die Schlosstürme luden uns zum Verweilen ein. Ich empfand das Schloss insgesamt gar nicht mal so gespenstisch, wie der Vampir-Mythos vermuten lässt, sondern eher recht einladend und ästhetisch, wozu der Sommertag wahrscheinlich noch sein Übriges tat.

Rasnov

Meine Freundin D. hatte mir schon oft von dem Haus erzählt, dass ihre Familie in Rumänien besaß; von den rumänischen Karpaten, den Bergen in der Nähe und auch von dem Schloss, das weltweit als "Dracula"-Schloss galt und oft mit Transsilvanien in Verbindung gebracht wird. 
"Das klingt so schön", sagte ich dann und stellte dabei fest, wie wenig ich eigentlich über Rumänien bisher wusste. Das sollte sich jedoch bald ändern. 

Ich bastelte an Reiseplänen für den September und verwarf sie wieder, doch nach einigem Planen stand meine Route fest: Ich würde zuerst meine Freundin N., die ihren Hauptwohnsitz in München hat, besuchen, dann mit dem Flixbus von Wien aus nach Rasnov, auch Rosenau, zu D. durchfahren und auf dem Rückweg in Berlin meine Freundin L. treffen und mit ihr dort das Wochenende verbringen. 
Nach einigen aufregenden Tagen mit N. in München saß ich schließlich im Bus nach Rumänien. Nach einer Fahrt und einigen Stunden mit Nackenkissen im Rücken, Schlafbrille auf den Augen sowie einem spannenden Buch (meine ideale Ausrüstung für jede lange Busreise) sowie einem Zwischenfall in Budapest, wo sich die Fahrt verzögerte, nachdem infolge einer Auseinandersetzung zwischen dem Busfahrer und zwei Mitfahrern die Windschutzscheibe einen Riss bekommen hatte, war ich mit einiger Verspätung da. Trotz wenig Schlaf war ich hellwach, als ich am Bahnhof Rasnov ankam.

Als ich in die Straße zu dem Haus von D.'s Familie einbog, erschien es mir immer noch etwas surreal, nun hier zu sein, in einem Land, das ich lange Zeit nicht auf dem Schirm gehabt hatte. Ich empfand unglaubliche Dankbarkeit, dank D. die Chance zu bekommen, hier zu sein und in dem Haus ihrer Familie wohnen zu dürfen.
Wenig später führte sie sich mich durch das Haus und über das Grundstück mit einem blühenden Garten und einer Sommerküche, die von dem Haus abgetrennt war und über eine große Fensterfront verfügte.

Noch am gleichen Tag spazierten wir durch Rosenau, das seinem Namen alle Ehre machte, da hier tatsächlich viele Rosen blühten. Zusammen mit ihrer Mutter, die hier regelmäßig Zeit verbrachte, gingen wir zuerst auf einen Markt, um Obst zu kaufen, und dann zur Bauern-Burg hoch. Unter dieser prangten gut sichtbar die Buchstaben des Ortnamens "Rasnov".

Rasnov wirkte durch die umliegende Natur sehr grün und entspannt, ein Eindruck, der sich die nächsten Tage noch verstärken sollte. Von D.'s Mutter erfuhr ich auch, das nahe der Burg Braunbären in den Wäldern lebten. Die Natur Rumäniens sollte ich in den nächsten Tagen durch unseren geplanten Trip in die Karpaten näher kennen lernen.