Samstag, 11. Januar 2020

Hygge

Dänemark gilt als sehr glückliche Nation, obwohl es viel regnet und die Sommer kurz sind. Es gibt ein Wort, das dieses Lebensgefühl auf den Punkt bringt: Hygge.
Dieses seltsam und auch gewissermaßen lustig klingende Wort ist eines, mit dessen Bedeutung ich mich auf dem Kurztrip mehr beschäftigt habe. Mein persönlicher Hygge-Moment war es im Nachhinein, mit J. im Tivoli-Park zu sitzen, von einem Lichtermeer umgeben, und Falafel zu essen. Im Kettenkarussell über die Stadt zu blicken, würde ich auch dazu zählen.

Und Nyhavn im Dunkeln zu betrachten, wozu J. und ich uns am letzten Abend nach einem gemeinsamen Trinkengehen im Restaurant noch entschieden, ebenfalls. Nachdem wir die bunt beleuchtenden Häuser der Hafenstraße betrachtet hatten, liefen wir über eine Brücke, die gleichzeitig eine Fahrrad-Autobahn darstellte,und hörten am anderen Ende die Musik, die auf der dortigen Eisbahn erklang. Die Vorstellung von meinem Kopenhagen'sche Wintermärchen hatte sich mit diesem Trip tatsächlich erfüllt.

Wer sich abschließend fragt, ob ich als Veganerin hier denn auch satt geworden bin, kennt die Antwort sicherlich bereits: Nicht nur, dass es in Kopenhagen auch die bekannten deutschen Supermarktketten wie Netto oder Lidl gibt, auch,wer nach Cafés und Restaurants sucht, die ein veganes oder sogar ausschließlich veganes Angebot haben, wird fündig werden- besonders in der Nähe von Christiania.
Insgesamt ist Kopenhagen - was angesichts der geringen Entfernung auch nicht so verwunderlich ist- deutschen Städten sehr ähnlich, natürlich auch, was das Wetter betrifft.

Für mich war es zum Abschluss des Jahres der letzte Trip und das achte Mal in 2019, dass ich im Ausland war, wie auf der Rückfahrt nach Hamburg realisiert habe.

Rückblickend kann ich sagen, dass 2019 für mich ein Jahr war, in dem ich so viel gereist bin wie noch nie- sogar innerhalb Deutschlands war ich im Vergleich zu den Vorjahren viel unterwegs.
Ich bin unglaublich dankbar für all das, was ich auf jedem einzelnen Trip erleben durfte, auch für all das, was eher unvorgesehenpassiert und mit Herausforderungen verbunden war.
Und an all die Menschen, die sich mit mir aufgemacht haben: Danke, dass ihr mich begleitet habt und euch von meinem Reisefieber habt anstecken lassen!

Tivoli Park

 Ursprünglich hatten J. und ich nicht vor, in den Tivoli Freizeitpark zu gehen, der in Kopenhagen sehr beliebt ist und direkt am Hauptbahnhof liegt. Ich hatte vor unserem Trip Geschichten gehört, nach denen der Eintritt sehr hoch sein sollte und die Fahrgeschäfte dann jedoch nicht inklusive, sondern extra zu bezahlen war.
Vor Ort stellten wir fest, dass der Eintritt, in Euro umgerechnet, normalerweise etwa fünfundfünfzig Euro gkostet hätte, und die Fahrgeschäfte jeweils auch über zehn Euro, wenn die Dänischen Kronen umrechnet werden (Im Vergleich: Beim Hamburger Dom in Deutschland kostet eine Fahrt der gleichen Länge etwa drei Euro).

Doch wir hatten wieder einmal Glück: Unsere Airbnb-Vermieterin hatte eine Gold Card, mit der man offenbar unlimitierten Eintritt in den Park hatte, und schlug uns vor, sie konnte uns einen Nachmittag hineinnehmen. Dieses Angebot nahmen J. und ich begeistert an. Wir lernten wieder einmal, wie viel Beziehungen ausmachen. Wenn man Menschen vor Ort kennt und mit ihnen in Kontakt tritt, wie es dank unserer Buchung über Airbnb der Fall war, eröffnen sich ganz andere Möglichkeiten.

H. führte uns somit am Nachmittag durch den Park, der mich an eine Mischung aus Disneyland und Jahrmarkt erinnerte. Er war nicht riesengroß, wie viele es möglicherweise von deutschen Freizeitparks gewohnt sind, doch sehr hübsch aufgeteilt, mit einem See an der Seite, verschiedenen Fahrgeschäften wie Kettenkarussell, Autoscooter und Achterbahnen.

Ein aufwendig gestalteter Weihnachtsmarkt mit Kunstschnee und dekorierten Weihnachtsbäumen war auch dabei. Ein Weihnachtsbaum schien sogar von Svarovski gestellt zu sein und glitzerte in den Abendlichtern, als die Dunkelheit einbrach. So einen mit Liebe zum Detail dekorierten Weihnachtsmarkt hatte ich bisher auch noch nicht gesehen.

Insgesamt war ich von Anfang an ziemlich begeistert von dem Park, weil ich bunte Kulissen und die ausgelassene Atmosphäre oft sehr genieße. Nachdem H. sich von uns verabschiedet hatte, gönnten J. und ich uns die Fahrt auf einem Fahrgeschäft: Einem Kettenkarussell, das sich immer weiter in die Höhe schraubt und einen Blick über die ganze Stadt bot. Kurz darauf ging es los. J. und ich saßen in einer Schaukel, die mit Metallketten befestigt war.

Christiania












Der Tag, an dem wir quer durch Kopenhagen spazierten, war noch nicht ganz vorbei, als wir sogar für weniger als eine Stunde die EU verließen. Wir betraten nämlich die Freistadt Christiania in Kopenhagen, einer alternativen Wohnsiedlung, die sich als autonome Gemeinde versteht und vom Staat geduldet wird. Es wird sogar vom Staat geduldet, dass weiche Drogen dort verkauft und konsumiert werden.

Als wir durch das mit Streetart versehene Tor spazierten und beherzigten, dass Fotos von den Einwohner/innen auf gar keinen Fall gern gesehen werden, weshalb ich mein Handy auch weggepackt hatte, betraten wir einen Bereich voller Baracken, Wohnwägen (nach diesen hielt ich insgeheim am meisten Ausschau, als Wohnwagenbesitzerin und -liebhaberin) und Aussteigerleben, dass sich durch den Geruch von Marihuana bemerkbar machte.
Es gab einige Stände mit Essen, auch veganem Essen, und bunten Souvenirs in Regenbogenfarben.
Ich hatte vorher mitbekommen, dass es innerhalb Christianias eine eigene Währung gab (LØN), die in Dänische Kronen umgerechnet werden konnte. Da ich während des Trips nur mit EC-Karte unterwegs war, bekam ich jedoch persönlich davon nichts mit.

Als J. und ich durch die Kommune spazierten und herauszufinden versuchten, ob der Ort wirklich so asozial und heruntergekommen war, wie viele es sich vorstellten und es uns geschildert worden war, begann es bereits, zu dämmern. Bevor es ganz dunkel wurde, verließen wir die Freistadt und betraten mit wenigen Schritten wieder die EU.

Ich kann mir vorstellen, dass Christiania außerhalb des Winters noch bunter erscheint und dann viele Blumen und Pflanzen aufgestellt werden, die zum Hippie-Flair passen. Einen Eindruck von der Kommune hatte ich an diesem Tag auf jeden Fall bekommen.

Spaziergang durch Kopenhagen

J.'s und meinen Plan, mit einem der vielen Fahrräder, die es in Kopenhagen gibt, umherzufahren, verwarfen wir am Morgen unseres ersten Tages, da unsere Wetter-App minus zwei Grad anzeigte. Stattdessen spazierten wir dick angezogen durch die Stadt, nachdem wir mit der Metro in die Innenstadt gefahren waren. Es war wieder ein kleines Erlebnis gewesen, im vorderen Zugteil mit Blick in den beleuchteten Tunnel zu sitzen.

In der Innenstadt angekommen, wollten wir uns zu Fuß weiter auf den Weg machen. Dabei schlenderten wir zuerst durch die bunte Gasse Nyhavn, die für ihre Kulisse aus Fachwerkhäusers und Segelbooten bekannt ist. die Segelboote waren über und über mit Lichterketten behängt. Wenn ich mich später an den Kopenhagen-Trip erinnern werde, werde ich dabei die meterlangen, unterschiedlich farbigen  Lichterketten immer mit im Kopf haben - selbst unsere Airbnb-Vermieterin H. hatte viele davon in ihrer WG. Am letzten Abend konnte ich zudem feststellen, dass Nyhavn im Dunkeln fast noch schöner ist als tagsüber, da die bunten Lichter noch mehr zur Geltung kommen.

Vn Nyhavn aus liefen wir am Wasser lang, wärmten uns zwischendurch in einer kleinen Kirche auf und machten uns auf die Suche nach der Statue der kleinen Meerjungfrau. Obwohl mir schon viele Freunde mitgeteilt hatten, dass die Statue als Wahrzeichen der Stadt kleiner sei, als man denken würde, und ansonsten auch nicht sehr spektak
ulär sei, wollte ich sie trotzdem einmal gesehen haben und mich selbst davon überzeugen.

Die kleine Meerjungfrau, eine bronzene Statue aus dem gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen, entpuppte sich tatsächlich als sehr klein. Das hielt eine Touristenschar jedoch nicht davon ab, sich in unterschiedlichster Weise davor in Szene  zu setzen. J. und ich scherzten darüber, dass die kleine Meerjungfrau selbst nachts im Dunkeln belagert sein könnte. "Die Armen sehen sie nur von hinten", sagte J., als ein Boot mit Touristen hinter der Statue vorbeifuhr und Fotos zu knipsen anfing. Hier war bisher der einzige Platz, an dem wir wirklich etwas von dem Tourismus in Kopenhagen zu spüren bekamen- und das im Vergleich zum Sommer wahrscheinlich immer noch wenig. Sehr interessant fand ich die Statue vom äußeren Erscheinungsbild wie erwartet tatsächlich nicht, doch ich war zufrieden, sie gesehen zu haben. Wir konnten weitergehen und gönnten uns als Nächstes eine Pause in einem Cafè einlegen, um uns nach den kalten Temperaturen draußen etwas aufzuwärmen.


Danach liefen wir noch die Einkaufsstraße, in der J. sich spontan mit Handschuhen und Mütze versorgte, um noch wärmer eingepackt mit mir unseren Spaziergang fortzusetzen. Mir fiel auf, dass in der ausladenden Weihnachtsdeko, die zwischen die Häuser gespannt war, sich viele dicke rot leuchtenden Herzen befanden - vielleicht hatte das auch etwas mit der Einstellung hier zu tun. Auf einem Platz mit Brunnen spielte ein Musiker so schön, dass J. es am Ende des Tages als ihr Highlight bezeichnete. Wir blieben eine Weile stehen und lauschten den Liedern.

Mit Flixbus und Fähre nach Dänemark

2019 ist vorbei - doch bevor sich das Jahr ganz dem Ende zuneigte, hatten meine Freundin J. und ich noch ein Highlight vor uns: Einen Kurztrip nach Kopenhagen.
Da wir vor den Feiertagen sehr viel Zeit mit Lernen fürs Studium und der Anwesenheit an unserer Uni beschäftigt waren, war es uns nur recht, noch einmal zum Abschluss dieses Jahres wegzufahren- als winterliche Stadt erschien Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen dafür sehr passend. Fünf Stunden brauchten wir mit dem Flixbus in den Norden, inklusive einer Fährenfahrt.
Auf dem Schiffdeck war es so windig, dass unser Urlaub mit ein paar Sturmfrisur-Videos begann, die uns auf J.'s Smartphone noch Tage später zum Lachen bringen sollten.

Auf der Fahrt zu unserer Unterkunft stellten wir fest, wie ruhig Kopenhagen zwischen den Feiertagen war- offenbar hatten wir einen Zeitraum gewählt, in dem die Stadt nicht überlaufen war. In den Bahnen war jede Menge Platz für Fahrräder vorgesehen. Insgesamt erinnerte mich Kopenhagen von der Fahrrad-Freundlichkeit sehr an Amsterdam- die Fahrradautobahnen und Fahrradparkhäuser sollte ich die folgenden Tage in Kopenhagen noch erspähen.
Die Ankunft bei unserem Airbnb-Zimmer gestaltete sich zuerst etwas abenteuerlich, da unsere Vermieterin noch nach uns aus ihrer Heimat England eintrudelte und sich herausstellte, dass sie selbst auf dem Sofa schlief, während J. und ich ihr Zimmer bewohnten, das mit Jesusbildern gespickt war. J. und ich nutzten den ersten Abend, um etwas anzukommen.

Wir entschieden uns, vorwiegend die Zeit im Hellen zu nutzen, um die Stadt zu erkunden, da es sehr früh dunkel wurde - bereits um 16 Uhr nachmittags war es draußen stockfinster. Daher machten wir es uns am ersten Abend mit ein paar Mais-Wraps in unserer Airbnb-Unterkunft im Viertel Frederiksberg gemütlich und beschlossen, am nächsten Tag voller neuer Energie in den Tag zu starten und die Stadt am hellichten Tag zu entdecken.