Dienstag, 15. Oktober 2019

Prag für Anfänger

Im Nachhinein kann ich sagen, dass A. und ich während unseres Prag-Trips, der nur vier Tage gedauert hat, wieder eine Menge erlebt und dazugelernt haben. So schnell werde ich die Eindrücke dieser Tage in der nostalgischen Stadt nicht mehr vergessen.  

1. Was ich sehr witzig fand, waren die orangefarbenen, retrohaften Autos, die total zu dem nostalgischen Charme der Stadt passen, auch wenn diese eher für Touristenfahrten ausgelegt sind. Nostalgisch war auch die Tram, die wir einmal benutzen, und die von außen wie aus einer anderen Zeit zu stammen scheint. Die Tickets dafür kauft man in den kleinen Kiosks am Straßenrand.

2. Die Jerusalem-Synagoge in Prag, auch im Stadtzentrum, ist das farbenprächtigste Gotteshaus, das ich je gesehen habe. A. und ich sind einmal an dem Gebäude vorbeispaziert, das in der kleinen Seitenstraße, in der es liegt, einen ziemlichen Hingucker darstellt.

3. Als deutsche Touristinnen mussten wir uns erstmal an die tschechische Sprache gewöhnen, mit der wir bisher noch nie in Berührung gekommen waren. Viele Tschech/innen sprechen auch kein Englisch, weshalb man sich notfalls unterstützend mit Händen und Füßen verständigen kann. Jedenfalls fand ich es sehr interessant, diese Sprache überall zu lesen oder zu hören und zu überlegen, was das bedeuten könnte. 

4. Innerhalb Prags waren unsere ausgewählten Plätze alle fußläufig erreichbar, doch in die Stadt waren wir von Deutschland aus mit dem Auto gelangt, was auch meine erste Autoreise (vom Bus einmal abgesehen) in den letzten Jahren darstellte. Diese werde ich so schnell nicht vergessen. Weder A. und ich kennen uns wirklich aus mit tschechischen Parkgesetzten noch Parkzonen und waren überzeugt davon, dass uns nichts Schlimmeres als ein banaler Strafzettel passieren könnte. Falsch gedacht! Als wir aus der Haustür traten, fielen wir beide erstmal aus allen Wolken: Der Platz, an dem das Auto stehen sollte, war leer. Wurde es geklaut, fragten wir uns, oder abgeschleppt? Und jetzt? Bei der Polizei stellte sich heraus, dass es abgeschleppt wurde. Deshalb ist es als Autofahrer/in in Tschechien empfehlenswert, genau darauf zu achten, wo man parkt.

4. A. und ich entdeckten viele historische Gebäude, doch ein Highlight unter den modernen Bauwerken fanden wir auch noch: Das Tanzende Haus. Das Gebäude liegt an der Moldau an einer Straßenkreuzung, nicht weit von der Karlsbrücke entfernt. Abends ist es blau ausgeleuchtet und soll von der Architektur her und den versetzt eingebauten Fenstern an einen Tanz erinnern.

5. In der Nationalbibliothek gibt es ein kleines Bücher-Highlight, das mich an die Libreria Acqua Alta in Venedig erinnerte, nur in moderner und geometrischer Weise. Am Eingang der Bibliothek steht ein kreisförmiger Bücherturm, der aus unzähligen Büchern errichtet ist. A. und ich nutzten den Platz, um ein paar Schnappschnüsse zu machen.

Montag, 14. Oktober 2019

Aussicht über die Stadt

Als ich A. auf dem Rückweg im Auto fragte, welches Erlebnis in Prag ihr am besten gefallen hätte, antwortete sie: "Die Aussicht von unserem Geheimplatz, die wir vom Berg hatten." Ich konnte ihr da nur beipflichten.

Am Tag vorher hatten wir den Hügel hinter der Karlsbrücke erklommen, nachdem wir an der Prager Burg und den umliegenden prachtvollen Gebäude vorbeigekommen waren. Auf dem Hügel stand der Turm Petřín, der äußerlich von seiner Stahlkonstruktion her stark dem Eiffelturm in Paris ähnelt. So groß wie der Eiffelturm war er nicht und meiner Meinung nach auch nicht so beeindruckend, aber trotzdem sehenswert und sehr hübsch. Das achteckige Gebäude wirkte für mich in seinem Graublau inmitten bunter Laubbäume und vergleichsweise wenigen Menschen drumherum, als wäre es Disneyland entsprungen.

A. und ich setzten uns in ein Cafe, statt seine Stufen zu erklimmen, und gönnten uns Kaffee und Tee, bis wir unsere Tour fortsetzten. Wir entschieden, diesmal an der anderen Seite, an der der Weg nicht zwischen der Burg und den anderen zugehörigen Gebäuden längs führte, ins Tal hinabzusteigen. Auf dem Weg begegneten wir kaum anderen Menschen und gerieten nach einer Weile auf einen Trampelpfad, der an einem privaten Haus vorbeiführte und in einer Sackgasse mündete. Doch es war nicht irgendeine Sackgasse: Es gab einen kleinen Vorsprung, hinter dem der Hügel ein wenig abfiel, von dem wir aus über die Dächer Prags blicken konnten und die Gleise der Zahnradbahn unter uns verliefen.

In dem Moment hatten wir diesen Platz ganz für uns allein. Wir setzten uns ein wenig auf den Vorsprung und genossen die Aussicht. Manchmal sind es die kleinen Orte am Rande der bekannten Attraktionen, die für uns das Highlight darstellen. In diesem Fall war das unser Aussichtsplatz.

Nachts in Prag

Bei unserer Ankunft in Prag war es bereits dunkel  und der Regen prasselte gegen die Windschutzscheibe. Unsere Unterkunft, die wir über Airbnb herausgesucht hatten, lag ziemlich zentral, direkt hinter dem Nationaltheater, das in der Dunkelheit wie viele weitere Gebäude hell erleuchtet war.

Dann gingen wir den Abend noch ein wenig durch die Straßen in Richtung eines indischen Imbisses, an hell erleuchteten Schaufenstern und Restaurants vorbei. Dabei bekamen wir mit, wie Prag in der Dunkelheit wirkt. Es wirkt tatsächlich und zwar dadurch, dass alles hell erleuchtet zu scheint: Die Gebäude, die Brunnen und mit sehr viel Liebe zum Detail, die sich sowohl in der Architektur als auch in der Beleuchtung widerspiegelt.

Bekannt ist Prag auch für sein Nachtleben und als Partystadt für deutsche Tourist/innen, für günstige Drinks und günstige Eintritte in Clubs. Es stand auf meiner und A.'s To-do-Liste einmal in Prag feiern gewesen zu sein. Ein Club namens Duplex, der fünf Gehminuten von unserer Unterkunft entfernt war, warb mit seiner Rooftop-Tanzfläche und damit, dass Mick Jagger seinen 60. Geburtstag hier verbracht hatte. In Glitzer- und Pailettentops fuhren A. und ich wir den Aufzug kurz vor Mitternacht zum Club hinauf. Draußen auf dem Weg dorthin war bereits ein Betrunkener an uns vorbeigetorkelt und hatte sich in die Büsche übergeben, weshalb A. mich schleunigst aus dem Weg gezogen hatte. Für uns ging der Abend erst jetzt los. Leider war die Rooftop-Tanzfläche geschlossen, doch A. und ich lernten wieder eine Menge an diesem Abend über das Prager Nachtleben dazu. Auch, dass in dem Club offenbar hauptsächlich Deutsche unterwegs waren.

Vegan in Tschechien: Mehr als Trndlnik

Als ich von meiner Freundin J. zuhause vor dem Trip erfuhr, dass es ein ganz typisches Gebäck in Prag gibt, versuchte ich, herauszufinden, wie es hieß und ob es das auch in vegan gab. Dabei stieß ich auf den unaussprechlichen Namen Trndlnik, den ich vermutlich immer noch nicht richtig aussprechen kann. A. und ich fanden das Gebäck, das aus gezuckerten Teig besteht und in der Mittel hohl ist, an jeder Ecke, ganz besonders um die Karlsbrücke herum. In allen Variationen war es zu finden, mit Schokolade, mit Eiskugeln darin oder mit Marmelade. A. stellte beim ersten Probieren fest, dass es nicht so fluffig war wie gedacht. Auch ich musste feststellen, dass es mir zuckrig war, nachdem ich ziemlich schnell die vegane Variante gefunden hatte (die allerdings nicht als solche ausgeschildert war, sondern "zufällig" vegan war und online zu finden). Zudem fühlte ich für den Rest des Tages gesättigt, nachdem ich das Teil verputzt hatte.

Ansonsten waren in Prag durchaus mehr vegane Ecken zu finden, als man denkt.
Am ersten Abend sah dies noch ganz anders aus. Hungrig und leicht erschöpft von einer langen Autobahnfahrt, war ich begeistert, einen indischen Imbiss um die Ecke unserer Unterkunft ausfindig zu machen. Auf den Anzeigetafeln hinter den Mitarbeitern stand auch dick und fett: Vegan. "Voila", dachte ich. "Das bestelle ich mir." A. und ich bestellten auf Englisch und bekamen einige Minuten später unsere Tabletts ausgehändigt.

Als wir einen Blick auf meine Soße warfen, stutzten wir. "Da ist Fleisch drin", stellte A. fest und auch mir kam der Verdacht, dass dies kein Tofu sein konnte. "Ist da Fleisch drin?", fragte A. den Mitarbeiter. "Sollte das nicht vegan sein?" - "Es ist vegan, da ist Fleisch drin, aber keine Milch", lautetete die Antwort. Allmählich schwante mir, dass das Schild, das dieses Gericht als "vegan" kennzeichnete, von jemanden angebracht worden sein musste, der sich der Bedeutung nicht bewusst gewesen war. Daraufhin bekamen wir hundert Tschechische Kronen, der Preis für mein Essen (ca. vier Euro), zurück, bar auf die Hand (was uns nicht ungelegen kam) und ich bekam ein Gericht, das diesmal garantiert fleischfrei war.

Die beiden Abende darauf gingen A. und ich ein veganes Restaurant, mit dem Namen "Forky's", in dem uns die Wahl bei der Speisekarte nicht sehr leicht fiel. Ich bestellte mir einen Kebap Wrap und einen Bagel mit Räuchertofu, was an sich erstmal nicht sehr aufregend klingt, in meinen Augen jedoch unschlagbar war. A. probierte einen "No fish"-Teller mit Seitan, der Fisch offenbar sehr ähnlich schmeckt.

Auch in den Supermärkten wurde ich fündig. Da die Zutatenlisten meistens nicht auf Englisch auf den Verpackungen standen, sondern ausschließlich auf Tschechisch, wandte ich zum ersten Mal im Ausland Google Übersetzer an, um herauszufinden, woraus der Hummus bestand, und lernte dabei nebenbei, was Kichererbse (crzna) und Weizenmehl (pšeničná mouka) bedeuten.

In der Seitenstraße, durch die wir zur Prager Rathausuhr gelangt waren, gab es sogar einen Bioladen mit allerhand veganem Gebäck zu niedrigen Preisen, dem ich daraufhin mehr als einen Besuch abstattetete.
Auch, wenn viele der Menschen hier nicht wissen, was Veganismus bedeutet und einem möglicherweise etwas andrehen wollen, was man nicht möchte, weshalb man als Veganer/in auf der Hut sein sollte: Es gibt sie durchaus, die veganen Ecken und Restaurants, wenn man genau hinschaut und weiß, wo man sie findet.

Die Altstädter Astronomische Uhr


Unser erstes Highlight war die Astronomische Uhr, die sich am Prager Rathaus befindet. Diese existiert bereits seit 1410 und veränderte sich im Laufe der Zeit, sodass eines Tages das heutige Kulturdenkmal aus ihr entstand. A. und ich schlenderten von unserer Unterkunft aus durch die Stadt und versuchten, die Uhr zu erreichen, bevor diese zur vollen Stunde schlug. Doch die alten, barocken Bauten um uns herum lenkten uns zeitweilig ab. Einige Fotos später erreichten wir das Prager Rathaus und den Platz davor, auf dem sich zahlreiche Menschen tummelten und die prächtig verzierte Uhr mit den Tierkreiszeichen über ihren Köpfen bewunderten. Ich konnte auch mein Sternzeichen Fische und A.'s Sternzeichen Widder darauf ausmachen.

Am nächsten Abend schafften wir es zur vollen Stunde, da zu sein, als wir auf dem Rückweg von unserem Restaurant noch einmal zufällig wieder zu dem Rathausplatz gelangten. Nachdem die Uhr angefangen hatte. Die Menschen um uns herum warteten schon gespannt und A. zückte ihre Handykamera. "Bestimmt passiert jetzt etwas Magisches", neckte ich sie. Das war nicht ganz der Fall, jedoch passierte etwas anderes: In den Fenstern erschienen Figuren der zwölf Apostel.

 An den Seiten des Ziffernblattes erschienen weitere Figuren, die sich durch Marionettenfäden bewegten. Auf einer Seite ein Sensenmann, der mit den Händen die Glocke über sich klingelt, auf der anderen Seite die Personifizierungen der Eitelkeit und Habsucht. Zum Abschluss des Apostelzugs und nach dem Verklingen der Glocke, dreht die Sensenmannfigur das Stundenglas.
Für mich war diese Rathausuhr mit Abstand die schönste Uhr, die ich je in einer Altstadt gesehen habe.

Schwäne auf der Moldau

Was viele mit Prag verbinden, ist die historische Altstadt und der gotische Baustil, der sich überall widerspiegelt. Tatsächlich hat Prag einiges zu bieten, was das betrifft.

Bei unserer Tour zu Fuß durch die Stadt am ersten Tag liefen A. und ich quer durch die Gassen Prags, an jede Menge barocker Hausfassaden in zarten Pastellfarben vorbei und an zahlreichen Gebäckläden. Nachdem wir absichtlich einige Umwege gemacht hatten und dabei einige gotische Kirchen und Tore entdeckt hatten, machten wir uns auf den Weg zur Karlsbrücke bzw. Charles Bridge. Die Karlsbrücke ist die älteste Brücke, die über die Moldau führt und heute noch erhalten ist. Auf dem Weg dorthin fanden wir zuerst eine andere Brücke, auf der auch Autos fuhren und von der man einen tollen Blick auf die parallel verlaufende Karlsbrücke hatte.

 A. und ich konnten, als wir die andere Seite unserer Brücke erreichten, einige Schwäne am Moldauufer entdecken. Bei ihnen befanden sich einige Menschen, die trotz eines Verbots, das ausnahmsweise einmal auf Englisch übersetzt worden war, die Schwäne fütterten. Als die Schwäne sich vor unseren Augen ausgiebig um die Brotkrümel zu zanken und gegenseitig zu beißen begannen, versuchten A. und ich nach kurzem Überlegen, die fütternden Personen darauf aufmerksam zu machen. Dies jedoch ohne Erfolg, denn entweder verstanden sie unser Englisch nicht oder wollten unsere Kritik nicht hören.

Jedoch fanden wir es wunderschön, die Schwäne auf dem Wasser zu beobachten und in der Ferne die Karlsbrücke sehen zu können. Als wir unseren Weg fortsetzten, liefen wir durch die überdimensional großen, regenbogenfarben schimmernden Seifenblasen eines Straßenkünstlers, der sich in der Nähe der Schwäne positioniert hatte.
Einige Schritte später erreichten wir die Karlsbrücke tatsächlich, jedoch begann es, in Strömen zu regnen, sodass wir die Brücke mit aufgesetzten Kapuzen im Schnelldurchlauf überquerten und ins in der Hauptstraße in ein Café setzten.

Einen wirklichen Eindruck von der Karlsbrücke erhielten wir somit erst einen Tag später. Kunsthandwerker und Karikaturist/innen hatten sich an der Seite positioniert und boten den vielen vorbeigehenden Menschen ihre Waren und Dienstleistungen an. An den Seiten hatten A. und ich einen weiten Blick über die Moldau, diesmal bei Sonnenschein und konnten gemächlich hinüberlaufen.