Montag, 14. Oktober 2019

Vegan in Tschechien: Mehr als Trndlnik

Als ich von meiner Freundin J. zuhause vor dem Trip erfuhr, dass es ein ganz typisches Gebäck in Prag gibt, versuchte ich, herauszufinden, wie es hieß und ob es das auch in vegan gab. Dabei stieß ich auf den unaussprechlichen Namen Trndlnik, den ich vermutlich immer noch nicht richtig aussprechen kann. A. und ich fanden das Gebäck, das aus gezuckerten Teig besteht und in der Mittel hohl ist, an jeder Ecke, ganz besonders um die Karlsbrücke herum. In allen Variationen war es zu finden, mit Schokolade, mit Eiskugeln darin oder mit Marmelade. A. stellte beim ersten Probieren fest, dass es nicht so fluffig war wie gedacht. Auch ich musste feststellen, dass es mir zuckrig war, nachdem ich ziemlich schnell die vegane Variante gefunden hatte (die allerdings nicht als solche ausgeschildert war, sondern "zufällig" vegan war und online zu finden). Zudem fühlte ich für den Rest des Tages gesättigt, nachdem ich das Teil verputzt hatte.

Ansonsten waren in Prag durchaus mehr vegane Ecken zu finden, als man denkt.
Am ersten Abend sah dies noch ganz anders aus. Hungrig und leicht erschöpft von einer langen Autobahnfahrt, war ich begeistert, einen indischen Imbiss um die Ecke unserer Unterkunft ausfindig zu machen. Auf den Anzeigetafeln hinter den Mitarbeitern stand auch dick und fett: Vegan. "Voila", dachte ich. "Das bestelle ich mir." A. und ich bestellten auf Englisch und bekamen einige Minuten später unsere Tabletts ausgehändigt.

Als wir einen Blick auf meine Soße warfen, stutzten wir. "Da ist Fleisch drin", stellte A. fest und auch mir kam der Verdacht, dass dies kein Tofu sein konnte. "Ist da Fleisch drin?", fragte A. den Mitarbeiter. "Sollte das nicht vegan sein?" - "Es ist vegan, da ist Fleisch drin, aber keine Milch", lautetete die Antwort. Allmählich schwante mir, dass das Schild, das dieses Gericht als "vegan" kennzeichnete, von jemanden angebracht worden sein musste, der sich der Bedeutung nicht bewusst gewesen war. Daraufhin bekamen wir hundert Tschechische Kronen, der Preis für mein Essen (ca. vier Euro), zurück, bar auf die Hand (was uns nicht ungelegen kam) und ich bekam ein Gericht, das diesmal garantiert fleischfrei war.

Die beiden Abende darauf gingen A. und ich ein veganes Restaurant, mit dem Namen "Forky's", in dem uns die Wahl bei der Speisekarte nicht sehr leicht fiel. Ich bestellte mir einen Kebap Wrap und einen Bagel mit Räuchertofu, was an sich erstmal nicht sehr aufregend klingt, in meinen Augen jedoch unschlagbar war. A. probierte einen "No fish"-Teller mit Seitan, der Fisch offenbar sehr ähnlich schmeckt.

Auch in den Supermärkten wurde ich fündig. Da die Zutatenlisten meistens nicht auf Englisch auf den Verpackungen standen, sondern ausschließlich auf Tschechisch, wandte ich zum ersten Mal im Ausland Google Übersetzer an, um herauszufinden, woraus der Hummus bestand, und lernte dabei nebenbei, was Kichererbse (crzna) und Weizenmehl (pšeničná mouka) bedeuten.

In der Seitenstraße, durch die wir zur Prager Rathausuhr gelangt waren, gab es sogar einen Bioladen mit allerhand veganem Gebäck zu niedrigen Preisen, dem ich daraufhin mehr als einen Besuch abstattetete.
Auch, wenn viele der Menschen hier nicht wissen, was Veganismus bedeutet und einem möglicherweise etwas andrehen wollen, was man nicht möchte, weshalb man als Veganer/in auf der Hut sein sollte: Es gibt sie durchaus, die veganen Ecken und Restaurants, wenn man genau hinschaut und weiß, wo man sie findet.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen