Das Erste, das ich vollführte, als ich unsere Airbnb-Unterkunft in Straßburg betrat, war ein kleiner Freudentanz. In der Airbnb-Anzeige hatten wir bereits gelesen, dass unser Zimmer den Blick auf die in Straßburg beliebte Kathedrale "Notredame" (nicht nur in Paris gibt es eine "Notredame", daher bitte nicht damit verwechseln) gerichtet hatte. Doch mit einer solch guten Sicht auf das Bauwerk hatte ich nicht gerechnet und auch nicht damir, dass wir uns im Dachgeschoss befanden, von wo wir über die Dächer der Altstadt den Turm des Münsters erspähen und sogar fast nach Deutschland hinüberblicken konnten, damit hatte.Als wir am gleichen Abend nach einem kleinen Erkundungs-Spaziergang fast wieder bei unserer Unterkunft angekommen waren, konnten wir beobachten, dass sich auf dem Platz vor dem Münster ganz viele Menschen versammelten. Der Bereich war abgesperrt, die Handtaschen wurden kontrolliert und der Mindestabstand betrug ein Meter. Mir fiel ein, dass ich gehört hatte, es würden abends Lightshows am Münster stattfinden, bei denen ich zuerst geglaubt hatte, diesen würden aufgrund der Corona-Sicherheitsmaßnahmen ausfallen.
Als wir das Sicherheitspersonal danach fragten, stellte sich heraus, dass sich die Leute tatsächlich versammelt hatten,
um den in den bunten Farben angestrahlten Münster mitzuerleben. M. und ich befanden uns ziemlich weit vorne, sodass die Kathedrale in all ihrer Größe vor uns aufragte. Wir legten uns auf das Straßenpflaster, teilten uns seinen Rucksack als Kopfkissen und hörten, wie die Menschen ringsum den Countdown bis zur Beginn der Lightshow herunterzählten: "...cinq, quatre, trois, deux, on, zero..." Der Münster wurde daraufhin in bunte Lichteffekte getaucht, mit Musik unterlegt. Zwar hätte die Show unserem Geschmack nach noch dynamischer sein können, besonders zum Ende hin, doch sie anzusehen, war auf jeden Fall ein Highlight am ersten Abend. Da diese Show mehrmals am Abend stattfindet, konnten wir sie wenig später auch durch unser Zimmerfenster aus beobachten. Und nicht nur an diesem Abend: Auch die folgenden Abende, unter anderem, wenn wir gerade schlafen gingen, fand immer wieder die Show vor unserem Fenster statt. Wir witzelten darüber, wie es sein müsste, wenn Menschen hier wohnten und die Lightshow in der Dauerschleife miterlebten, ob sie es wollten oder nicht.
Gegen Eintritt können die 332 Stufen des Münsters zu seiner weit oben liegenden Plattform auch bestiegen werden. M. und ich taten dies ein paar Tage später, nachdem er mich davon überzeugt hatte, ich würde es schaffen. Ich bin bisher schon einige Bauwerke während meiner Reisen hochgelaufen, jedoch fühlten sich meine Beine zu dem Zeitpunkt unglaublich schwer an, nachdem ich sie die Wochen vor dem Trip beim Sport sehr gefordert hatte.
Stück für Stück ging es di
e Wendeltreppe hinauf, sodass ich Mühe hatte, keinen Drehwurm zu bekommen. Auf dem halben Weg mussten wir draußen einen schmalen Weg an der Kathedrale längs laufen, um auf dem gegenüberliegenden Turm weiter die Wendeltreppe bis zur Aussichtsplattform hochzulaufen.
Von dort aus hatten wir einen Blick über die verschiedenen Viertel Straßburgs, über Petit France bis zum Europaviertel auf der anderen Seite des Münsters. Hier wurde noch einmal ganz deutlich, dass die Häuser kreuz und quer in die Gegend gebaut worden waren. Auch das Haus, in dem sich unsere Unterkunft befand, konnten wir von hier aus sehen. In der Ferne konnten wir den Schwarzwald erkennen, hinter dem sich Deutschland befand und auch Heidelberg, wohin wir am Folgetag wieder zurückkehren sollten. Für mich war es ein unglaubliches Gefühl, so weit oben auf diesem antiken Bauwerk stehen. Bis an den Rand zu treten und über die Stadt zu blicken, die sich zu meinen Füßen erstreckte, kostete mich erst etwas Überwindung.
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