Mittwoch, 4. August 2021

Paris

Unsere erste Etappe auf der Reise war Paris. Wir kamen spät abends an und waren beeindruckt von der Metro, in die wir auf dem Weg zu unserer Unterkunft stiegen. Sie donnerte durch den Pariser Untergrund und ließ die Türen an jeder Station nur wenige Sekunden offen, bevor sie sie wieder schloss. Als wir abends durch die Gassen liefen, kam es uns vor, als würde die ganze Stadt zu später Stunde in Partylaune sein. An den Ufern der Seine wurde musiziert und Menschen tanzten, obwohl es nicht Wochenende, sondern ein Wochentag war. M. und ich überlegten, ob es eine Nachwirkung der Corona-Einschränkungen sei, dass die Menschen nun wieder eine unglaubliche Lust besaßen, lange draußen zu sein und zusammen den Abend ausklingen zu lassen.

Unser Abend in Paris wurde viel länger als geplant, sodass wir die Seine entlang und an der Notre-Dame letztendlich bis zum Eiffelturm liefen. So konnten wir auch einen Blick auf den im Dunkeln golden glitzernden Eiffelturm erhaschen. Beim Näherkommen an den Eiffelturm stellten wir fest, dass er von einem Schutzwall umgeben war, der fest installiert war. Die Wiese unter dem Eiffelturm, über die ich die vergangenen Male gelaufen war, war nun nicht mehr vorhanden. Daher betrachteten M. und ich das Bauwerk lieber aus ein wenig Entfernung. Bei der Notre-Dame erging es uns ähnlich, auch die bekannte Kirche war umgeben von einem Wall, sodass nur ein Stück aus der Entfernung von ihr zu sehen war. Es wirkte, als würden sich in Paris zurzeit viele Baustellen befinden. Wir waren so lange unterwegs, dass wir noch das letzte Funkeln des Eiffelturms für diese Nacht mitbekamen, als wir uns auf dem Rückweg zu unserer Unterkunft befanden. 

Insgesamt fiel mir an diesem Abend auf, dass die Gassen Paris nicht mehr so gepflegt wie in meiner Erinnerung waren, und es offensichtlich keine Seltenheit war, dass die Menschen an die Hauswände urinierten. In Paris war ich schon einige Male in meinem Leben gewesen. Und jedes Mal hatte ich einen anderen Eindruck davon. Wenn wir zu einem Ort zurückkehren, an dem wir schon waren, hat es immer etwas mit der Jahreszeit, der aktuellen Situation und unserer individuellen Perspektive zu tun, wie wir den Ort wahrnehmen. Als Kind wirkte die Stadt auf mich laut und aufregend, später lernte ich sie durch die märchenhafte Brille Disneylands kennen  und ansonsten hatte ich es, besonders im Frühling, sehr charmant in Erinnerung. Diese Nacht zeigte sich Paris mir von seiner großstädtischen und unperfekten Seite und doch empfanden wir es als aufregenden Auftakt am ersten Abend unserer Reise zur Einstimmung auf den Monat, der vor uns lag, nachdem wir mehrere Stunden mit dem Zug aus dem deutschen Norden hierhergelangt waren.

Am Tag schlenderten M. und ich über den Montmartre, wo wir einige Maler*innen und Künstler*innen auffinden konnten, und blickten auf der Aussichtsplattform vor der hübschen weißen Kirche Sacre Coeur über die Stadt. Zu Fuß liefen wir den Hügel wieder hinunter und statteten dem Arc de Triomphe, dem Triumphbogen einen Besuch ab. Um ihn herum befindet sich ein Kreisel, in den mehrere Straßen münden, und dementsprechend ist der Verkehr dort ein Spektakel für sich- hupende Autos und Rollerfahrer*innen düsen hier in hoher Geschwindigkeit vorbei, was etwas chaotisch aussieht.

Neben diesen typischen Sehenswürdigkeiten, die nahezu kein*e Paris-Urlauber*in auslassen wird, besuchten M. und ich die Freiheitsstatue in Paris. Wer jetzt an New York denkt (über die Freiheitsstaue dort habe ich auch vor zwei Jahren geschrieben), liegt damit gar nicht so falsch, denn diese war ursprünglich auch ein Geschenk Frankreichs. Die kleine Schwester der großen Freiheitsstatue, die bei Weitem nicht so bekannt ist, verbirgt sich hinter einem Spazierweg in einem Park, der von der Seine umgeben ist. Wer einmal eine Freiheitsstatue sehen möchte, muss demnach gar nicht so weit reisen. 

Am Folgetag brachen M. und ich zu dem Bahnhof Gare du Lyon auf, um in den Zug nach Spanien zu steigen. Gare du Lyon ist ein nostalgischer Bahnhof, dessen Turm mit der großen Uhr und die hellen Farben ein wirklich schöner Anblick ist. Wir waren bereit für Barcelona, unser nächstes Ziel.

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