Samstag, 23. August 2025

Dolce far niente: Was ich während meiner Italienreisen gelernt habe


Es gibt ein paar Dinge, die ich erst lernte, nachdem ich einige Male nach Italien gereist bin und die ich hier gern mit euch teilen möchte:

1. In Italien ist es allgemein üblich, den Espresso am Tresen genossen und dann geht's weiter. Es ist immer eine gute Idee, den Caffé am Tresen zu trinken. Dort ist er am günstigsten und es kommt kein Coperto, eine in Italien allgemeine Gebühr für den Sitzplatz, drauf.  Übrigens: Latte Macchiato und Capuccino werden in Italien nicht mehr nach 11 Uhr getrunken, mit allem anderen outet sich mensch direkt als Tourist*in.

2. Pasta wird grundsätzlich nur mit einer Gabel in Italien gegessen, nicht mit dem Löffel. Einen Löffel zu benutzen ist quasi so, als würden wir die Italiener*innen in ihrer Esskultur beleidigen. In etwa so schlimm, als würden wir Pizza Hawaii in einer Pizzeria bestellen (ich habe in vielen italienischen Städten sogar Initiativen gegen Ananas auf Pizza gesehen).

3. Wenn der Urlaub nicht gerade in Tourismus-Hochburgen stattfindet (und selbst hier), sollte nicht davon ausgegangen werden, dass die Kommunikation auf Englisch stattfinden kann. Ein paar grundlegende Vokabeln wie Buongiorno (Guten Tag), "grazie" (danke) und "per favore" (bitte) sowie einige weitere können die Unterhaltung erleichtern und erfreuen das Herz der Muttersprachler*innen.

4. Für Bahnfahrer*innen: Wenn am Bahnhof ein Ticket für eine Fahrt mit der Trenitalia, der italienischen Bahn, gekauft wird, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass sie an entsprechenden Automaten abgestempelt wird. Sonst ist sie trotz Uhrzeit auf dem Ticket nicht gültig. Busfahrkarten können meistens in einer Tabacceria, also in Tabakläden oder Kiosks nahe der Halrestelle erworben werden.

5. Bei Urlauber*innen ist der Verkehr in Italien oft gefürchtet. "Wenn man durch Neapel fährt, muss man aufpassen, dass man nicht stirbt", stellte meine Freundin T. einmal nach einer Klassenfahrt dorthin fest. Und doch haben M. und ich herausgefunden: Der Verkehr mag chaotisch, laut und wild sein und doch findet alles seinen Weg. Wenn wir zielstrebig über die Straße gelaufen sind und quasi nonverbal mit den Autofahrer*innen kommuniziert haben (Italiener*innen halten sehr viel auf nonverbale Kommunikation, siehe die zahlreichen Handgesten), hielten die Autos auch brav und nicht zu knapp für uns an.

6. Je unspektakulärer ein Laden aussieht in Italien, desto mehr lohnt er sich öfters. Zwei Straßen von der hoch gehypten Piazza gibt es den Caffé für 1,20 Euro statt 4 oder 5 Euro (Am Markusplatz sogar noch mehr), die Atmosphäre wirkt entspannter und authentischer und die Lebensmittel sind oft besser. 

7. In Italien ticken die Uhren langsamer. Es wird sich Zeit genommen, Essen zu genießen (das sich in Italien absolut lohnt, wie ich schon häufig berichtet habe), Kaffee wird nicht gekippt als Wachmacher wie so häufig in Deutschland - nein, Kaffee ist Genuss, ein Erlebnis für sich- und die Tätigkeiten werden mit Hingabe gemacht. Gleichzeitig ist da "Dolce far niente", das süße Nichtstun, das zelebriert wird und alles andere als Faulheit oder Unproduktivität bedeutet, sondern den Genuss des gegenwärtigen Moments. Das ist wahrscheinlich mit ein Aspekt, weshalb viele Besucher*innen, inklusive M. und mir, im Land das Lebensgefühl dort voller Begeisterung aufsaugen.

Auf Wiedersehen, Italien

Am Morgen unserer Abreise machten M. und ich uns an den Abstieg mit unseren Koffern in Richtung des Bahnhofs Vietri sul Mare. 
Ich spähte noch ein letztes Mal einmal zur Terrassentür hinaus, wo sich die aufgehende Sonne abzeichnete. Nun war es Zeit, nach dieser tollen Woche Abschied von der Amalfiküste zu nehmen.
Doch mit unserem Abschied ging auch die Gewissheit einher, dass wir zwei Monate später wieder in Italien sein würden- und selbst Ende dieses Jahres noch einmal an der Amalfiküste reisen würden, um Weihnachten in Atrani zu verbringen.
Ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn der nächste Trip gebucht ist, fühlt sich der Abschied schon nicht mehr ganz so schwer an. Dann würden wir unter anderem wieder in Ligurien sein, das uns schon einmal sehr begeistert hatte. 

Wir nahmen den Zug nach Padua, wo wir den kurzen Aufenthalt für einen Einkauf nutzten, und dann ging es weiter unsere Lieblingsstrecke durch die Alpen bis nach München. In München hatten wir direkt am Hauptbahnhof ein Zimmer gebucht und fielen nach dem Reisetag erschöpft, doch immer noch beseelt von den letzten Tagen ins Bett. Den Tag danach hatten wir noch etwas Zeit, die Innenstadt Münchens zu Fuß erkunden. 
Dort war gerade die Erdbeersaison eingeläutet worden, sodass wir ein paar Erdbeeren naschen konnten. Zudem hatte ich ein veganes Restaurant ausfindig gemacht, das äthiopisches Essen anbot: Wir bestellte jeweils eine Platte mit einem Mix aus den verschiedenen Spezialitäten und waren damit gut gestärkt für die weitere Fahrt nachhause. Dort angekommen, würden wir schon anfangen, uns auf das nächste Mal Italien zu freuen.

Freitag, 22. August 2025

Unterwegs auf dem Limonenpfad

Rund um die Amalfiküste gibt es auch einige Wanderwege, die zwischen Zitronenplantagen entlang führen. Als M. und ich zum Valle di Ferrerie hinaufstiegen, bekamen wir schon die eine oder andere Zitronenplantage zu Gesicht und konnten eine Limonade trinken. Nun wollten wir uns noch den Sentiere di Limoni vornehmen, dessen Name bereits verrät, dass Zitronen hierbei das Programm sind.

Mit der Fähre ging es hinüber in den Ort Minori, in dem entspanntes morgendliches Treiben auf den Straßen herrschte.
Von hier aus wanderten wir den Limonenpfad über den Berg hinüber zu dem benachbarten Ort Maiori. Einige Katzen begrüßten uns und strichen uns um die Beine, als wir bei einem Aussichtspunkt auf Minori eine Pause einlegten. In der Sonne wurde
es nach und nach wärmer, doch war die ganze Zeit angenehm, zudem spendeten die Zitronenhaine auf dem Weg ringsum immer mal wieder Schatten und teilweise konnten wir sogar unter einem Dach aus Zitronen entlang laufen.

M. und ich passierten ein paar Cafés zur Einkehr, doch irgendwann kamen wir an einem vorbei, das uns sofort begeisterte und genau dem entsprach, was ich mir gewünscht hatte: Einen Zitronengarten auf dem Berg, in dem wir unter Zitronenbäume eine ungesüßte Zitronenlimonade schlürfen konnten, mit ein wenig Blick aufs Meer an der Seite. M. und ich wurde uns klar, dass dies hier eines der Highlights zum Abschluss dies
er Reise war. Ich klappte noch meine neueste Lektüre "Unter dem Limonenhimmel" aus und hatte das Gefühl, gerade am genau richtigen Platz zu sein.

Nachdem M. und ich noch ein Stück gelaufen waren und das Ende des Limonenpfads schon in Sicht war, beschlossen wir, doch noch einmal umzukehren und uns eine weitere Zitronenlimonade in dem Garten zu gönnen. Die Gastronomin im Zitronengarten grinste uns freudig an, als wir zum zweiten Mal erschienen und um eine weitere Zitronenlimonade baten. "Ich bin Antonella", stellte sie sich uns auf Englisch vor, sichtlich erfreut über unsere Rückkehr.

Nach diesem Erlebnis stand unsere Ankunft in Maiori an. Wir konnten direkt an der schmucken Domkuppel mit den schuppenförmigen Ziegeln vorbeilaufen, die in der Sonne ockerfarben und grün leuchteten. Maiori wirkte wesentlich größer als die Orte und besitzt zudem eine lange Strandpromenade, weshalb es auch als der Strandort der Amalfiküste gilt. An der Strandpromenade fanden wir einen Eiswagen, an dem M. sich eine Granita kaufen konnte. Nach ein wenig Schlendern durch den Ort deckten wir uns mit ein paar kleinen Flaschen Limoncello ein, die wir als Mitbringsel nach Deutschland mitnehmen wollten. 

M. hatte auch den Plan gefasst, den ersten Limoncello seines Lebens an der Amalfiküste zu trinken. Diesen setzte er dann am gleichen Abend auf der Terrasse unserer Unterkunft um, nachdem wir mit der Fähre nach Vietri sul Mare zurückgefahren und den Berg nach Raito erneut erklommen hatten. Draußen konnten wir unseren letzten Abend nach diesem wunderschönen Tag ausklingen lassen, bis sich der Himmel rötlich färbte. 

Sonntag, 17. August 2025

Zur Insel Capri

Während unserer Tage an der Amalfi-Küste unternahmen wir auch einen Tagesausflug zur Insel Capri. Es war die bisher längste Schifffahrt auf dieser Reise, wobei wir an allen Küstenorten der Amalfi-Küste vorbeifuhren. Bevor unsere Fähre im Marina Grande einlief, drehte sie noch eine Extrarunde an der Küste, an den Faraglioni-Felsen vorbei, eines der Wahrzeichen der Insel. Nachdem wir den Hafen mit der bunten Häuserpromenade erreicht hatten, machten wir uns an den Aufstieg nach Anacapri. In der sommerlichen Hitze, die mehr und zunahm, war dies körperlich herausfordernd, doch wir kamen schneller voran als gedacht.

Zwischendurch hatten wir immer wieder eine schöne Aussicht von oben auf die Bucht.  Unser nächstes Ziel in Anacapri war der Sessellift auf dem Monte Solaro. Dies war eines der Top-Erlebnisse, die wir auf dieser Reise erleben sollten. Ich begab mich in die Seilbahnstation und ließ mich in dem Sessellift nieder, der von hinten angerauscht kam, M. nahm den hinter mir. In entspanntem Tempo glitten wir der Berg hinauf, unter uns viel Grün und an der Seite konnten wir auf die Dächer der weißen Stadt blicken, hinter der das Meer schimmerte. Auf dem Gipfel das Monte Solaro angekommen, konnten wir in der Ferne den Vesuv erblicken, mit dem wir vor zwei Jahren von Neapel aus schon nähere Bekanntschaft gemacht hatten. In der Ferne konnten wir zudem mehrere Inseln im Golf von Neapel ausmachen, darunter auch Procida, eine meiner Lieblingsinseln. Bei der Talfahrt mit dem Sessellift konnten wir noch einmal die Perspektive mit Blick Richtung Tal erleben.

Nach dem Sessellift-Erlebnis spazierten wir durch Gassen und Spazierwegen durch Zitronengärten ins Zentrum von Capri, was sich als sehr durch Menschen belebt und teuren Läden versehen entpuppte. Eine schicke Boutique reihte sich an die andere. Dahinter befanden sich ein paar gepflegte Gärten, bei denen ich mich wesentlich wohler fühlte als im trubeligen Zentrum der Stadt. 

M. und ich schlenderten ein wenig durch die Gärten und farbenfrohen Parkanlagen, bis wir uns wieder auf dem Weg zur Küste Capris, am Marina Grande gelegen, begaben. Mit einem Snack und Getränk aus den Geschäften an der Hafenpromenade entspannten wir noch ein wenig am Strand neben dem Marina Grande. Von dort nahmen wir die Fähre wieder zurück zu unserer Unterkunft in Vietri Sul Mare. Dort konnten wieder einmal auf einen erfüllten Tag zurückblicken.

Positano und Cetara

Das Bild, das die meisten im Zusammenhang mit der Amalfiküste zuerst im Kopf haben, ist die Küste von Positano. Auch diese steuerten wir mit der Fähre an und näherten uns den stufenartig gebauten, bunten Häusern. Nun sah ich diese Kulisse nicht nur auf Bildern, nun lag sie real vor mir, daneben das blau schimmernde Meer. Ich zog meine Sandalen aus und spazierte mit M. ein Stück über den Strand, der direkt neben dem Hafen lag.

Nicht weit entfernt vom Strand schossen wir ein Foto von der Kirche Positanos mit der auffälligen Kuppel, um es meiner Mutter zu schicken. Diese hatte mir neulich im Familienalbum ein Foto gezeigt, dass mein Großvater aus der gleichen Perspektive in Positano aufgenommen hatte. Nun, ca. 70 Jahre später, hatte sich um das Gebäude die Stadt etwas verändert, die Kuppel ragte jedoch empor wie eh und je. 

Wir spazierten ein wenig durch das emsige Treiben in den verwinkelten, kurvenreichen Gassen von Positano, die abwechselnd aufwärts und abwärts gingen. Jede Menge Läden boten Keramik in knallbunten Farben an, in Form von Vasen und Deko-Artikeln.

Die Amalfitana fuhren wir zwar nicht mit einer Vespa lang, dafür legte ich ein Stück in roten High Heels zurück- die trug ich allerdings nur zwischendurch, bevor ich dann wieder in meine Sneakers schlüpfte- Positano und High Heels ist keine Kombination, die ich für mehrere Stunden empfehle, daher diese wichtige Anmerkung. 
Daher kehrten wir wieder um ins Zentrum des Ortes und gönnten uns einen Caffé unter einem Sonnenschirm mit Blick auf die Küste von Positano. Caffé in Italien zu trinken ist an sich schon immer ein Erlebnis und etwas, das ich auf Dauer mit diesem Land in Verbindung bringen werde- und diesen einen Caffé mit Blick auf die Küste Positanos werde ich erst recht nicht so schnell vergessen.

Als wir auf dem Rückweg auf die Fähre stiegen und wieder in Richtung Vietri sul Mare fuhren, legten wir noch in dem malerischen Ort Cetara einen kurzen Stopp ein. 
Am Hafen wachte wie an so vielen Orten in der Umgebung eine Marienstatue über die Seefahrer*innen, an der Strandpromenade spielten ein paar Kinder und die Dorfbewohner*innen saßen auf dem Marktplatz zusammen. 

Genau so, wie ich mir das oft an einem entspannten Küstenort vorstelle. In einer Frutteria kauften wir ein paar saftige Nektarinen, die fast aufplatzten, als wir hineinbissen: "Das ist so gut, das Obst", schwärmte M. "Das ist Italien...!".
Bei Einbruch der Dämmerung nahmen wir den Bus vom Marktplatz aus und fuhren die eine Station zurück nach Raito hinüber.

Amalfi und Atrani

Bei der Erkundung der Amalfiküste nahmen wir morgens die Fähre nach Amalfi. Es gibt auch eine Verbindung mit dem Bus, doch bei der Fahrt mit dem Schiff ist der Vorteil, dass das Panorama der Amalfiküste vom Wasser aus zu sehen ist. Und es lohnte sich, die Amalfiküste vom Wasser aus zu sehen: Die bunten Häuschen zwischen Berg und Wasser waren wirklich ein Anblick, den ich nicht missen möchte.

Es waren hier schon mehr Tourist*innen als in Vietri sul Mare, insbesondere in Sommerkleidern mit Zitronenmustern, doch es war immer noch nicht voll Ende Mai. Der Dom von Amalfi befand sich im Zentrum und wies eine imposante Treppe vor sich auf. Drumherum befanden sich jede Mange Läden, die Lebensmittel und andere Artikel verkauften, die alle im Zeichen der Zitrone standen. 

Es wurden auch Zitronen verkauft, die handtellergroß oder fast so groß wie ein Fußball waren. "Sollen wir solch eine mitnehmen?", fragte ich M. und zeigte auf eine der ganz großen, knubbeligen Zitronen. "Können wir machen, doch dann müssen wir zusehen, wie wir sie verbrauchen", merkte M. an. Daher entschieden wir uns auf dem Rückweg für eines der kleinen Exemplare, die immer noch das dreifache an Größe der deutschen Zitronen aufwiesen.

Hinter dem Örtchen Amalfi wartete noch ein Ausflugsziel in der Natur auf uns: Valle delle Ferriere. Daher durchquerten wir die Stadt und erklommen den Berg. Bevor wir ganz in die Natur eintauchten, kehrten wir noch spontan auf der Aussichtsterrasse bei einer Nonna, einer freundlichen, älteren Gastgeberin ein, bei der wir einen Zitronensaft und einen Caffé trinken konnten.

Im Naturpark "Valle de Ferriere", wandelten wir unter grünem Blätterdach durch die Natur, während zu unseren Füßen jede Menge Salamander entlang huschten. Für 5 Euro Eintrittsgeld konnten wir ein kleines Naturreservat mit zwei bis drei Wasserfällen besichtigen, in das von einem Wärter am Eingang gelassen wurden. Das Geld wurde darin investiert, die Natur zu schützen und das Gebiet zu pflegen. Der Radius war nicht sehr groß und die Wasserfälle nicht überwältigend groß, doch einen Hauch Wildnis hatte das Ganze trotzdem. Es gab darunter einen moosbewachsenen Wasserfall, der über einen Felsvorsprung rann und wie eine Dusche anmutete

Auf dem Rückweg nach Amalfi gelangten M. und ich versehentlich auf einen anderen Pfad, was sich jedoch als Glück erwies, da hier noch ein anderer Wasserfall vor sich hin plätscherte: Dieser gefiel mir sogar noch besser als die, die zuvor im Naturreservat gesehen hatten.

Sobald wir Amalfi wieder erreicht hatten, entlud sich ein Platzregen über uns.
Zusammen mit vielen anderen Besucher*innen des Ortes, die ihre Regenschirme aufgespannt hatten, drängten wir uns unter die Dächer der schmalen Seitengassen. Doch der Schauer hielt nicht lang an. 

Als sich der Himmel wieder aufgeklart hatte, kaufte sich M. eine große Zitrone, in der sich Zitroneneis befand. Da ich nicht so auf Süßes abfahre, es sei denn, es handelt sich um Früchte, löffelte ich kurzerhand das weiße und erstaunlich süße Fruchtfleisch der Zitrone aus. Dies war nicht vergleichbar mit der dünnen, harten Schale der Zitronen, die wir in deutschen Supermärkten kaufen können. Es war süßlich, weich und schmeckte für mich unglaublich gut.

Anschließend liefen wir die Amalfitana, die Küstenstraße, die sich zwischen den Bergen und dem Meer die gesamte Amalfiküste lang schlängelt, zum Ort Atrani hinüber. Atrani ist zwar nur einen Spaziergang von Amalfi entfernt, doch wesentlich weniger touristisch. Wir bekamen einen ersten Eindruck, bei dem es jedoch nicht bleiben wird: M. und ich planen, Weihnachten dieses Jahr dort zu verbringen, wo es ein großes Feuerwerk geben wird.

Samstag, 16. August 2025

Den Berg hinauf von Vietri Sul Mare nach Raito und Albori

Unsere Unterkunft lag oben auf dem Berg in Raito, sodass wir zuerst ein bisschen mit unseren
Rollkoffern die Gassen hinaufklettern mussten und ein Kurven rund um den Berg entlanggingen. Ein erstes Stück der Amalfitana erstreckte sich vor uns. Ein Straßenschild wies uns darauf hin, dass beim Folgen der Straße die Orte Amalfi, Maiori und Positano erreicht werden würden. Das hatten wir die nächsten Tage auch vor, allerdings auf dem Weg über Wasser mit der Fähre.

Als wir das Örtchen Raito auf dem Berg erklommen hatten, das durch zahlreiche mit Keramik-Fliesen verzierte Wände und Treppen aufwies, wurden wir von einer neugierigen Katze begrüßt. Unsere Gastgeberin M. ließ uns kurz danach in die Unterkunft und gab uns noch den einen und anderen Tipp mit. 

Die Terrasse unserer Unterkunft war riesig und ermöglichte uns einen ausschweifenden Blick auf Vietri sul Mare zu unseren Füßen und auf die Häuser Salernos in weiterer Entfernung. Insgesamt war die Unterkunft ziemlich groß, mit urigen Schränken, einem Himmelbett, über dem an der Decke sich ein barockes Deckengemälde befand, und einem Badezimmer, aus dessen Dusche tatsächlich auch ein winziges Fenster die Aussicht aufs Meer bereit hielt. Ich inspizierte die extravagante Einrichtung, an die ich mich zuerst etwas gewöhnen musste, doch mit der Zeit schwante mir, was für ein Juwel wir ergattert hatten und wie sehr sich der Aufstieg zu dieser Unterkunft lohnte.

Nach dem Ankommen machten M. und ich uns daran, ein wenig die nähere Umgebung zu erkunden. Hinter Raito auf dem Berg lag ein Dorf namens Albori, das zu einem der schönsten Dörfer Italiens gekürt worden war. Und doch lag es ziemlich unbekannt und versteckt hinter einer Straßenkurve, eingebettet in grüne Natur, die nach einem Regenschauer und daher wolkenverhangen etwas Romantisches an sich hatte. Genauso romantisch und pittoresk war Albori selbst mit den schmalen Gassen und weißen Häusern, die sich an den Berghang schmiegten, während einige Katzen auf dem Steinboden uns anblinzelten. Ich verliebte mich sofort in dieses Bergdorf.

Auf dem Rückweg nach Raito erwartete uns ein Regenschauer, auf den ein Regenbogen über der Küste folgte und den wir entdeckten, als wir bei einem Aussichtspunkt im Zentrum Raitos standen. "Das ist extra für uns", verkündete ich M., "Ein Regenbogen für uns bei der Ankunft an der Amalfiküste."

Mit der aufkommenden Dämmerung spazierten wir noch einmal die Treppen nach Vietri sul Mare hinunter und schlenderten durch den Ort zum Strand. Auch hier waren viele mit Fliesen verzierte Wände und Marienfiguren zu entdecken. Das Wahrzeichen des Ortes war ein kleiner blauer Keramikesel nicht weit von der Bahnstation entfernt. Zudem konnte ich in zahlreichen Abbildungen, Figuren und sogar bebilderten Sitzbänken Meerjungfrauen in verschiedener Form erkennen. 

Farbenfroh war Vietri sul Mare definitiv, wie auch ein Park mit unebenen Linien und bunten Mosaiksteinchen in den Wänden zeigte, der M. und mich ein wenig an Park Güell in Barcelona erinnerte. Eine Gasse mit bunten Farben nahe des Zentrums gefiel mir besonders: Ganz in blau, mit rosafarbenen Akzenten und Muschelverzierungen, gekrönt von einer Marienfigur in einem Schaukasten. Vom Strand aus konnten M. und ich noch die Due Fratelli, zwei Felsformationen bestaunen.

Abwärts zur Amalfiküste: Mit dem Nachtzug nach Salerno


Eine Reise, auf die M. und ich schon lange hingefiebert hatten, war die Reise an die Amalfi-Küste. Auf die an den Berghang gebauten Häuser am Meer, auf goldgelbe Zitronen und auf das italienische Leben in einer schönen Kulisse. Wir hatten schon vor Jahren davon geträumt, dorthin zu reisen. Nun war endlich der Moment gekommen, an dem wir diesen Traum Wirklichkeit werden ließen.

Zuerst ging es mit dem Zug aus Norddeutschland nach Mailand. Von Mailand, das ich bereits kennen gelernt hatte, war ich bisher noch nicht überzeugt gewesen. Ich hatte es bisher immer als zu großstädtisch, zu schick und zu wenig charmant im Vergleich zu den anderen italienischen Orten, in denen ich gewesen war, empfunden. M. und ich verstauten unser Gepäck in einer Gepäckaufbewahrungsstation am Bahnhof und drehten dann eine ausgiebige Runde durch die Stadt. Die Top-Sehenswürdigkeiten wie die Gallerie Vittorio Emmanuelle und den Mailänder Dom sah ich nun zum zweiten Mal. Auch die nostalgische gelbe Straßenbahn drehte wieder ihre Runden durch die Stadt.

Abends wartete ein Erlebnis auf uns, auf das ich mich besonders freute: Wir stiegen in den Nachtzug nach Salerno. Der Zug hielt auch in Neapel, das noch vor Salerno liegt und womit M. und ich noch zahlreiche Erinnerungen an unsere längere Reise in 2023 durch Italien verknüpfen. 

Nachtzugreisen innerhalb Italiens habe ich inzwischen sehr schätzen gelernt. Sie machen eine nächtliche Bahnfahrt durch dieses wunderschöne Land zu einem Erlebnis und kosten auch nur den Bruchteil von dem, was Nachtzugfahrten in Deutschland und Österreich kosten. Pro Person zahlten wir etwa 70 Euro für eine Schlafwagen-Kabine, die wir privat für uns beide hatten. Es gab eine Schlafmaske sowie ein Hygieneset zur Begrüßung. Am nächsten Morgen hingen gegenüber unserer Kabinentür im Gang zwei Zeitungen auf Italienisch- zwar lese ich normalerweise keine Zeitung, doch ein gewisses Feeling kam dabei definitiv auf. Auf einem Tablett wurden uns zwei Caffé (Espresso) serviert. Die Sonne ging auf und wir konnten aus dem Fenster den Vesuv in weiter Ferne erkennen: Den Vulkan, auf dem wir zwei Jahre zuvor nach einigem Weg durch den Schnee in den dampfenden Krater schauen konnten. Hatte ich schon erwähnt, wie sehr mich Vulkane faszinieren? Jetzt hatten wir beim Schlürfen unseres Kaffees auf dem Bett das Panorama des Vesuvs direkt vor unseren Augen.

Ein weiteren Kaffee besorgten wir uns noch in Salerno und taten es den Italiener*innen damit gleich, die zum Frühstück kaum mehr als Kaffee und ein Cornetto zu sich nehmen. Dafür war das Mittagessen umso größer: Im Zentrum von Salerno fanden wir neapolitanische Pizza Marinara und setzten uns damit an die Strandpromenade. Daran, dass eine Pizza nur 4 Euro kostete und nicht einmal klein ausfiel, konnten wir wieder einmal erkennen, dass wir uns in Süditalien befanden. Ein römisches Aquädukt war hier sogar mitten in der Stadt zu finden und zog sich über eine Straße hinweg. Die Gassen waren mit allerhand an die Wand gemalten Bildern voller Blumen, Küsten und bunten Häusern verziert. An der Strandpromenade, an der wir unsere Pizza genossen, konnten wir in Richtung der Berge schon einen ersten Blick auf Vietri sul Mare erhaschen, unserer nächsten Etappe an diesem Tag, von der aus wir zu unserer Unterkunft gelangen wollten.

Sonntag, 8. Juni 2025

Unterwegs in der Region Amsterdam

Dank des Mehrtagestickets für den Zugnahverkehr innerhalb der Region Amsterdams, hatten wir die Gelegenheit, uns noch ein paar Orte am Rand der Stadt anzuschauen, die mit der Bahn dennoch in weniger als einer halben Stunde erreichbar waren. In dem Städtchen Zaandam konnten wir, sobald wir aus dem Bahnhof heraustraten, direkt die etwas schräge Architektur bewundern. Es gab nämlich ein Hotel, das aussah, es bestünde es aus jede Menge ineinander verschachtelten Häusern. 
Zudem gab es noch ein Monet-Atelier, das zwar geschlossen war, doch dafür konnten wir von einer der Brücken im Zentrum Zaandams einen Blick darauf werfen. Der Maler hatte diese Ansicht, die wir von hier aus bewundern konnten, auch auf eines seiner vielen Werke verewigt, die er innerhalb der Niederlanden angefertigt hatte.

Eine Station mit der Bahn weiter erreichten L. und ich in der Region Zaanstreek den Ort Zaanse Schans, der für seine Mühlen und alten Holzhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert bekannt und sehenswert ist. In der damaligen Zeit wurden rund 600 Windmühlen hier gebaut. Mit den Mühlen wurden Gewürze, Holzspäne und sogar Farbe hergestellt, wobei die Windmühle "De Kat" in Zaanse Schans die einzige Windmühle der Welt ist, die immer noch in Betrieb ist. Das Museumsdorf, durch das wir spazieren konnten und in dem offenbar auch Menschen heute noch wohnten, wirkte sehr friedlich und pittoresk mit den sattgrünen Wiesen und hölzernen Brücken. Der erste Laden der Supermarkt-Kette Albert Heijn, bei der wir schon häufig eingekauft hatten, befindet sich seit 1887 im Museumsdorf und wurde rekonstruiert. Er war geschlossen, als wir dort waren, doch zumindest konnten wir durchs Schaufenster und in den urigen Laden selbst einen Blick werfen.

Abends kehrten wir ein bisschen erschöpft und gleichzeitig sehr zufrieden zu unserer Unterkunft im Ort Almere zurück, dass etwas außerhalb von Amsterdam lag und mithilfe des Mehrtages-Bahnticktes leicht erreichbar war: Unser Häuschen auf einem Steg inmitten eines Hafens, umgeben von Segelbooten, war ein eigenes Highlight für sich. Eigentlich waren wir erst nach langem Suchen nach einer bezahlbaren Unterkunft auf dieses kleine Juwel gestoßen. Aufgrund der Saison und des Koningdags-Wochenende waren die Unterkünfte zu großem Teil schon Wochen vorher ausgebucht oder kaum bezahlbar. So hatten wir Glück, dass wir die "Water bubble", wie die Unterkunft genannt wurde, gefunden hatten.

Die Meerluft, die wir nach dem Aufstehen am nächsten Tag einatmeten, war frisch und erinnerte mich bisschen an die Zeit als Kind, in der ich häufiger auf dem Segelboot meines Vaters übernachtet hatte. Wir packten unsere Rucksäcke und brachen nun wieder ins Zentrum von Amsterdam auf. Der Koningsdag war nun wieder Geschichte, nur ein paar Überreste an Müll zeugten davon, dass tags zuvor eine der größten Partys des Landes gefeiert worden waren. Dafür, dass es dabei so wild zugegangen war, hatten die Reinigungskräfte die Lage schnell wieder in den Griff bekommen. 

L. und ich spazierten zwischen den Grachten lang, über den bekannten Bloemenmarkt, bei dem Tulpen und andere Blumen verkauft werden und statteten dem Beginenhof einen Besuch ab, über den L. einiges geschichtliches Hintergrundwissen besaß: Der Beginenhof beinhaltete eine versteckte Katholische Kirche, die 1578 davon verschont blieb, wie andere katholische Einrichtungen gewaltsam zum protestantischen Glauben bekehrt zu werden.

Nach einem Tag, an dem wir uns quer durch Amsterdam hatten treiben lassen, stiegen L. und ich wieder in den Fernbus zurück nachhause. Unser Einstiegsort war tatsächlich Sloterdjik, den Busbahnhof, wo wir am gleichen Tisch wie ein Jahr zuvor auf der Rückreise von Großbritannien unser Lunch gegessen hatten. 

Samstag, 7. Juni 2025

Königstag in Amsterdam: Eskalation in Orange

Nach dem Erleben der Tulpenblüte erwartete mich und L. am folgenden Tag schon das nächste Event: Der Königstag, "Koningsdag" oder auch "Koninginnendag", der jährlich Ende April in den Niederlanden gefeiert wird, ist ein nationaler Feiertag in den Niederlanden, zu Ehren des Königs Willem-Alexander. Dabei steht das Land ganz im Zeichen der Nationalfarbe Orange. Schon als wir bei der Bahnstation nahe unserer Unterkunft einstiegen, konnten wir einige Passat*innen sehen, die einige orange Accessoires bei sich trugen. Auch L. und ich hatten uns dem Motto entsprechend angepasst, indem wir orangefarbene Kleidung trugen.

Als wir uns aus der ebenso orangefarbenen Masse an Menschen am Bahnhof Amsterdam Centraal ins Freie schoben und L. in einem Laden noch kurzerhand eine orangefarbene Käppi ergattert hatte, konnten wir Zeug*innen davon werden, wie sich die Partystimmung anlässlich des Koningsdags über die ganze Innenstadt ausgebreitet hatte. 700.000 Besucher*innen wurden heute erwartet und wir gehörten dazu. Die Sonne schien zu unserem Glück angenehm warm, sodass es für Ende April schon recht sommerlich wirkte und wir aufpassen mussten, keinen Sonnenbrand zu bekommen.

An den Hauptplätzen der Stadt wurde Musik gespielt, darunter eine Trommler*innen-Band, es gab unzählige Stände, die orangefarbenes Zeug verkauften und auf den Kanälen zog ein Partyboot nach dem anderen an uns vorbei. Wir taten es anderen Feiernden gleich und setzten uns an den Kanal, wo wir unsere Beine baumeln ließen. Auf den Decks der Partyboote, die mit orangefarbenen Ballons dekoriert waren, wummerte laute Musik, es wurde gelacht und getanzt. Irgendwo weiter hinten an einer Brücke stieg eine orangefarbene Pyrotechnik-Wolke in die Luft. Mehr oder weniger war es Zufall gewesen, dass wir das Wochenende erwischt hatten, an dem auch der Koningsdag stattfand - was es uns zuerst sehr schwer gemacht hatte, eine Unterkunft zu finden, doch dazu im nächsten Blogbeitrag mehr- doch nun waren wir sehr froh darüber, dass wir die Party in den Niederlanden auch erleben konnten.

Zur Tulpenblüte in die Niederlanden

In den vergangenen Jahren, in denen ich viel mit Bus und Bahn durch Europa gereist bin, habe ich auch mehrfach die Niederlanden passiert und dabei auch mit L. auf unserer Fahrten von Großbritannien Umstiege gehabt. Erst letztes Jahr saßen wir auf den Picknickbänken des Busbahnhofs Amsterdam Sloterdjik und aßen Bagels mit Erdnussbutter, die wir in London geschmiert hatten. Als wir mit dem Bus weiter durch die Niederlanden fuhren, sah L. begeistert aus dem Fenster. "Hier würde ich auch gern einmal hin", sagte sie, "Einmal die Niederlanden genauer erkunden." - "Zur Tulpenblüte möchte ich auch nochmal", sagte ich. Und so kam es, dass wir beschlossen, im April für drei Tage dorthin zu fahren.

Sehr bekannt für die Tulpenbeete ist der Keukenhof in den Niederlanden, der mir von meinen Recherchen jedoch nicht sehr zusagte. L. und ich buchten stattdessen ein Ticket für "The Tulip Barn", einem für Besucher*innen zugänglichen Tulpenfeld. 

Freitag morgens in aller Frühe ging es mit dem ICE und IC mit einem Umstieg in Osnabrück nach Amsterdam Centraal. Die Fahrt verlief sehr unkompliziert, sodass wir noch am Vormittag in Amsterdam ankamen und uns von dort aus entspannt auf den Weg nach Hillegom machen konnten, wo sich mehrere Tulpenfelder befanden. An dem Abend hatte The Tulip Barn, der Tulpenhof, den wir besuchten, sogar länger als an den anderen Tagen geöffnet. Bis zur sogenannten "Golden Hour", an dem das Tulpenfeld durch die untergehende Sonne in ein goldenes Licht getaucht ist. 

L. und ich bekamen einen Stempel auf den Handrücken gedrückt. Auf diese Weise konnten wir den Tulpenhof zwischendurch verlassen und kamen problemlos jederzeit wieder hinein. Auf dem Tulpenfeld waren verschiedenste Deko-Elemente verteilt, menschengroße Bilderrahmen, Spiegel, Schaukeln und Bänke sowie Stühle, einige hübsche oder witzige Elemente, die das Tulpenerlebnis noch ergänzten. Ein paar Besucher*innen waren außer uns hier unterwegs, doch es wirkte nicht übervoll.

Wir nutzten wenig später die Mittagssonne, um neben einem öffentlich zugänglichem, kleineren Tulpenhof neben "The Tulip Barn" zu picknicken und uns in die Sonne zu legen. Andere liegen am Strand- wir lagen bei einem Tulpenfeld und schwelgten in der Fülle an knalligen Farben. Es war angenehm warm an diesem Tag, sodass ich sogar mein Sommerkleid auspacken und anziehen konnte. Lust auf Frühling ist hier garantiert in Anbetracht der bunten Farben. In einem Zitat heißt es ganz treffend, Tulpen seien die Seele des Frühlings.

Zwischendurch konnten wir auf der Straße neben "The Tulip Barn" beobachten, wie die Tulpen durch einen Traktor geerntet wurden - das hatten L. und ich beide zuvor noch nie gesehen und uns bisher auch keine Gedanken darüber gemacht, wie die Tulpe vom Feld in die Vase auf unserem Küchentisch kommt. Nun hatten wir ein paar Erkenntnisse dazugewonnen - auch wie vielfältig Tulpenarten sein können: Spitz zulaufend, mit Füllung, mit geriffelten Kanten und Vieles mehr, wie uns ein Plakat auf "The Tulip Barn" verriet. Ich würde mich nicht als Botanik-Fan oder Gartenfreundin bezeichnen: doch in Hillegom konnte ich durchaus feststellen, dass es ein besonderes Erlebnis war, inmitten der untergehenden Sonne in einem Meer aus knallbunten Tulpen einzutauchen.

Dienstag, 22. April 2025

Bratislava: Kurztrip in die slowakische Hauptstadt

Über meinen 29. Geburtstag hatte ich mir gewünscht, mit M. wieder unterwegs zu sein. Die Wahl fiel dabei auf die slowakische Hauptstadt, die auch für einen Kurztrip mit der Bahn gut angebunden ist. Wir fuhren aus Norddeutschland hinunter bis Wien, wo wir noch etwas Zeit verbrachten und kauften uns dort vor Ort ein Fernbusticket, das uns innerhalb von eineinhalb Stunden nach Bratislava brachte.

Wien kam mir anders vor seit dem letzten Mal, als ich mit achtzehn Jahren eine Studienfahrt kurz vor meinem Abitur dorthin gemacht hatte. Das war allerdings im Sommer gewesen und ich erinnere mich besonders an den Sonnenuntergang an der Donau, an bunte StreetArt, an geschäftiges Treiben in den sauber gepflegten Straßen und jede Menge Touris in Sommerkleidern und Bubble Tea in der Hand. M. hatte Wien eher als Stadt im Kopf, die sich durch Kaffeehäuser und barocke Architektur auszeichnet. Diese Seiten der Stadt nahm ich diesmal eher wahr, als wir durch das Zentrum liefen und uns etwas zu essen aus dem veganen Supermarkt "Billa Pflanzilla" holten. An den "Rewe-Voll Pflanzlich" in Berlin reichte er meiner Meinung zwar nicht heran, zudem befand er sich direkt neben einem gewöhnlichen Billa, doch ihn einmal kennen zu lernen lohnte sich allemal.

Bratislava begrüßte uns mit hellem Sonnenschein, zugleich war es Anfang März entsprechend kalt. 

Am nächsten Tag nahmen wir uns ausführlich Zeit, die Stadt zu erkunden. Es war morgens sehr frisch und die Straßen vor 9 Uhr noch ziemlich leer, doch auch um diese Zeit kam die Sonne schon sehr hervor. M. und ich suchten Cumil auf, die Bronzefigur eines Straßenbauarbeiters, der aus dem Gully kriecht. Bronzefiguren konnten wir im Zentrum einige finden, auf einer Bank oder bei einem Marktplatz in Form eines Mannes, der seinen Zylinder lüpft. Durch das Michaelstor schlenderten wir hinauf zur Burg, von der aus wir einen schönen Blick auf die Stadt hatten.

Besonders gefiel mir die blaue Kirche, die in einer etwas ruhigeren Wohngegend lag und etwas versteckt wirkte. Als wir vor ihr standen, stach sie uns in ihrer hellblauen Farbe als Farbtupfer in der Gegend ins Auge. "Sie sieht aus, als wär sie aus Pappmaché gemacht", bemerkte M.. Tatsächlich wirkte die Kirche gar nicht mal so alt und rustikal, sondern eher, als wär sie einem Zeichentrickfilm entsprungen. Für mich war sie eines der größten Highlights in Bratislava.


Gegen Mittag füllte sich die Innenstadt ein bisschen mehr, es wurde zudem etwas wärmer und mein Magen begann, sich zu melden. M. und ich gingen daraufhin zu einem Laden namens "Made with Leaf", bei dem wir traditionelle slowakische Küche in der veganisierten Variante kosten konnten. Leider war es kein in sich abgeschlossenes veganes Restaurant, sondern ein separater Tresen im Untergeschoss, an dem das vegane Essen ausgegeben wurde, und gegessen wurde zusammen im Restaurant, in dem omnivore Küche serviert wurde.

Eigentlich wollten wir am selben Nachmittag eine Fahrt mit einem Sessellift im Wald erleben, weshalb wir mit dem Bus in das nahegelegene Waldgebiet fuhren. Leider war die Sessellift-Station geschlossen, entgegen der Angabe auf Google Maps. Glücklicherweise war die Stadt nicht so weit entfernt, sodass wir in kurzer Zeit wieder zurück im Zentrum waren.

Abends bei Einbruch der Dunkelheit ging es nochmal in ein rein veganes Café, "Vegan Kiosk", in dem wir zuerst allein an einem Tisch saßen. Während wir einen Chai Latte tranken, entdeckte ich ein paar Kärtchen auf dem Tisch mit Fragen auf Slowakisch. Ich übersetzte sie per Google Translator auf meinem Smartphone und konnte sie M. daraufhin vorlesen. Es waren Fragen unter anderem darüber, was wir an unserem Gegenüber besonders bewundern und wofür wir im Leben am meisten dankbar sind, quasi eine Einladung zum Deep Talk. Obwohl es "nur" ein Cafébesuch in einer fremden Stadt war, ist mir dieser Abend als besonderes Highlight im Kopf geblieben. Anschließend spazierten wir im Dunkeln noch ein wenig durch die Gassen der Altstadt, konnten die angeleuchtete weiße Burg auf dem Hügel bewundern. Wir besuchten zuletzt an diesem Abend ein Einkaufszentrum, in dem - genau richtig für mich- einige Zirkus-Skulpturen wie eine Luftring-Artistin in der Passage ihren Platz an der Decke in schwindelerregender Höhe hatten.

Am nächsten Tag stiegen M. und ich in den Zug zurück nachhause, der ca. 12 Stunden lang die komplette Strecke von Bratislava nach Hamburg durchfuhr. Voller Erinnerungen im Kopf ließ ich nun die Landschaft an mir vorbeiziehen, bis wir unseren Heimatbahnhof erreichten.

Sonntag, 2. März 2025

A trip to Berlin is always a good idea...


Wer meinen Blog aufmerksam verfolgt hat, wird bereits festgestellt haben, dass M. und ich immer
wieder ganz gern in die deutsche Hauptstadt reisen, um veganes Essen zu schlemmen, tolle Unternehmungen zu machen und Berlin immer wieder aufs Neue zu entdecken. Jedes Mal, wenn wir in Berlin waren, fanden wir wieder neue Dinge, die wir dort erleben wollten. Nach Berlin zu fahren, war jedes Mal toll und auch diesmal konnte mich die Stadt wieder begeistern.

Dieses Mal war es kein klassisches Hotel oder eine Ferienwohnung, in der wir übernachteten: Wir nächtigen im Space Night Hostel, das ganz unter dem Motto Weltraum steht. Die Räumlichkeiten waren blau beleuchtet und die Wände mit Weltraum- und Nordlicht-Animationen angestrahlt. Wir hatten eine weiße Doppelkapsel mit Schiebetür, in der wir schliefen. Als wir in der Licht in der Kapsel ausschalteten, konnten wir sogar eine Art künstlichen Sternenhimmel schwach an der Decke aufleuchten sehen.

Nach der ersten Nacht besuchten wir zuerst die Espressobar, die tatsächlich auch so heißt und als Logo drei Kaffeebohnen besitzt. In den Genuss der veganen Cornetti kamen wir an dem Tag leider nicht, da sie keine vorrätig hatten, doch allein für den guten Kaffee lohnte es sich schon, hinzugehen: Espresso-Liebhaber M. war überzeugt. Danach ging es für uns zu der bunten Ausstellung IKONO, in der es allerdings Räume mit verschiedensten Farb- und Lichtinstallationen zu entdecken gab. Selbst ein Bällebad, wie heutzutage in vielen Ausstellungen zu finden, war vorhanden.

In der REWE-Filiale "Voll pflanzlich" nahe der Warschauer Straße schauten M. und ich während des Trips mehrmals vorbei- das überbackene vegane Käsebrötchen hatte es mir dabei besonders angetan. Der Laden ist für mich eine absolute Wohlfühl-Zone: Ich muss nicht nachsehen, welche Inhaltsstof
fe in den Produkten drin sind, sondern kann mich einfach bedienen. "Würden wir hier wohnen", sagte ich zu M. "Dann würde ich fast täglich hier vorbeischauen". Wenn wir über die Straßenkreuzung bei Rewe-voll pflanzlich gingen, erreichten wir direkt das RAW-Gelände, das sich als ziemlich Streetart-Paradies entpuppte. Hier gibt es eine Disco-Telefonzelle, in der wir 2 Euro einwerfen konnten und ein Lied aussuchen konnten, das bei Partynebel und Discokugel im Inneren der Telefonzelle abgespielt wurde: Das ist die kleinste Disco Berlins und sorgt für ziemlichen Spaß. So viel Spaß, das wir das am nächsten Tag noch einmal wiederholten. Fotostreifen und Videos waren gegen Aufpreis auch möglich.

Auch auf dem RAW-Gelände fand eine Immersive Show statt zum Thema Planeten und Universum, bei der wir in einer Halle auf Sitzsätzen saßen und den an die Wand gestrahlten Sternenhimmel betrachteten- an sich waren ein paar schöne Animationen dabei, jedoch im Vergleich zu Vorstellungen in Planetarien oder anderen immersiven Shows fanden wir diese nicht ganz so aufregend. 

Ein anderes Highlight fand sich jedoch noch auf dem RAW-Gelände, das wir durch Zufall entdecken. M. bestellte sich bei einem veganen Foodtruck mit dem Namen "Wat' is mit vegan" eine pflanzliche Currywurst. Der Betreiber des Stands kam mit uns in Gespräch, während wir an einem der Stehtische in der Februarsonne standen und bot uns einen veganen Ayran mit Mango-Geschmack an. Bisher hatte ich noch keine so guten Erfahrungen mit Ayran-Getränken gesammelt, doch von diesem war ich das erste Mal überzeugt, was ich dem Standbetreiber auch sagte, bevor wir losgingen. "Dann nimm nochmal einen mit für eure Rückfahrt", e
rwiderte der Standbetreiber gut gelaunt und drückte uns einen weiteren Ayran in die Hand. "Ich glaube, ihm macht sein Job wirklich Spaß", sagte ich zu M., während wir das RAW-Gelände verließen.

Zum Abendessen des ersten Tages hatten wir einen Tisch in der veganen Pizzeria Stella Nera reserviert. Der Laden hat ein Konzept, innerhalb dessen im Kollektiv zusammengearbeitet wird. Die Pizza, Pasta und Dolci sind absolut einen Besuch wert. Auch ein Besuch im Sanctuary und zwar der etwas weiter in einer Wohngegend gelegenen Filiale mit Sitzbereich, durfte bei diesem Berlin-Trip nicht fehlen.

Mein kulinarisches Highlight während dieses Trips ereignete sich im veganen Restaurant Dervish. Es war das erste Mal, das M. und ich usbekische Küche kosteten. Ich hatte einen Platz auf Sitzkissen unter einem Baldachin reserviert für die Extra-Portion Flair. Und was soll ich sagen: Es war ein Erlebnis, das ich nicht missen möchte. Die Fladen mit gewürzten Soßen und verschiedenen Füllungen war unglaublich lecker und die Atmosphäre des Laden luden zu einem Wohlfühl-Abend ein.

Was wir nächstes Mal in Berlin vorhaben? Das werden wir sehen, bei M. und ich entstehen auf jeden Fall schon wieder neue Ideen...