Unsere Unterkunft lag oben auf dem Berg in Raito, sodass wir zuerst ein bisschen mit unseren Rollkoffern die Gassen hinaufklettern mussten und ein Kurven rund um den Berg entlanggingen. Ein erstes Stück der Amalfitana erstreckte sich vor uns. Ein Straßenschild wies uns darauf hin, dass beim Folgen der Straße die Orte Amalfi, Maiori und Positano erreicht werden würden. Das hatten wir die nächsten Tage auch vor, allerdings auf dem Weg über Wasser mit der Fähre.
Als wir das Örtchen Raito auf dem Berg erklommen hatten, das durch zahlreiche mit Keramik-Fliesen verzierte Wände und Treppen aufwies, wurden wir von einer neugierigen Katze begrüßt. Unsere Gastgeberin M. ließ uns kurz danach in die Unterkunft und gab uns noch den einen und anderen Tipp mit.
Die Terrasse unserer Unterkunft war riesig und ermöglichte uns einen ausschweifenden Blick auf Vietri sul Mare zu unseren Füßen und auf die Häuser Salernos in weiterer Entfernung. Insgesamt war die Unterkunft ziemlich groß, mit urigen Schränken, einem Himmelbett, über dem an der Decke sich ein barockes Deckengemälde befand, und einem Badezimmer, aus dessen Dusche tatsächlich auch ein winziges Fenster die Aussicht aufs Meer bereit hielt. Ich inspizierte die extravagante Einrichtung, an die ich mich zuerst etwas gewöhnen musste, doch mit der Zeit schwante mir, was für ein Juwel wir ergattert hatten und wie sehr sich der Aufstieg zu dieser Unterkunft lohnte.
Nach dem Ankommen machten M. und ich uns daran, ein wenig die nähere Umgebung zu erkunden. Hinter Raito auf dem Berg lag ein Dorf namens Albori, das zu einem der schönsten Dörfer Italiens gekürt worden war. Und doch lag es ziemlich unbekannt und versteckt hinter einer Straßenkurve, eingebettet in grüne Natur, die nach einem Regenschauer und daher wolkenverhangen etwas Romantisches an sich hatte. Genauso romantisch und pittoresk war Albori selbst mit den schmalen Gassen und weißen Häusern, die sich an den Berghang schmiegten, während einige Katzen auf dem Steinboden uns anblinzelten. Ich verliebte mich sofort in dieses Bergdorf.
Auf dem Rückweg nach Raito erwartete uns ein Regenschauer, auf den ein Regenbogen über der Küste folgte und den wir entdeckten, als wir bei einem Aussichtspunkt im Zentrum Raitos standen. "Das ist extra für uns", verkündete ich M., "Ein Regenbogen für uns bei der Ankunft an der Amalfiküste."
Mit der aufkommenden Dämmerung spazierten wir noch einmal die Treppen nach Vietri sul Mare hinunter und schlenderten durch den Ort zum Strand. Auch hier waren viele mit Fliesen verzierte Wände und Marienfiguren zu entdecken. Das Wahrzeichen des Ortes war ein kleiner blauer Keramikesel nicht weit von der Bahnstation entfernt. Zudem konnte ich in zahlreichen Abbildungen, Figuren und sogar bebilderten Sitzbänken Meerjungfrauen in verschiedener Form erkennen.
Farbenfroh war Vietri sul Mare definitiv, wie auch ein Park mit unebenen Linien und bunten Mosaiksteinchen in den Wänden zeigte, der M. und mich ein wenig an Park Güell in Barcelona erinnerte. Eine Gasse mit bunten Farben nahe des Zentrums gefiel mir besonders: Ganz in blau, mit rosafarbenen Akzenten und Muschelverzierungen, gekrönt von einer Marienfigur in einem Schaukasten. Vom Strand aus konnten M. und ich noch die Due Fratelli, zwei Felsformationen bestaunen.
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