Samstag, 23. August 2025

Dolce far niente: Was ich während meiner Italienreisen gelernt habe


Es gibt ein paar Dinge, die ich erst lernte, nachdem ich einige Male nach Italien gereist bin und die ich hier gern mit euch teilen möchte:

1. In Italien ist es allgemein üblich, den Espresso am Tresen genossen und dann geht's weiter. Es ist immer eine gute Idee, den Caffé am Tresen zu trinken. Dort ist er am günstigsten und es kommt kein Coperto, eine in Italien allgemeine Gebühr für den Sitzplatz, drauf.  Übrigens: Latte Macchiato und Capuccino werden in Italien nicht mehr nach 11 Uhr getrunken, mit allem anderen outet sich mensch direkt als Tourist*in.

2. Pasta wird grundsätzlich nur mit einer Gabel in Italien gegessen, nicht mit dem Löffel. Einen Löffel zu benutzen ist quasi so, als würden wir die Italiener*innen in ihrer Esskultur beleidigen. In etwa so schlimm, als würden wir Pizza Hawaii in einer Pizzeria bestellen (ich habe in vielen italienischen Städten sogar Initiativen gegen Ananas auf Pizza gesehen).

3. Wenn der Urlaub nicht gerade in Tourismus-Hochburgen stattfindet (und selbst hier), sollte nicht davon ausgegangen werden, dass die Kommunikation auf Englisch stattfinden kann. Ein paar grundlegende Vokabeln wie Buongiorno (Guten Tag), "grazie" (danke) und "per favore" (bitte) sowie einige weitere können die Unterhaltung erleichtern und erfreuen das Herz der Muttersprachler*innen.

4. Für Bahnfahrer*innen: Wenn am Bahnhof ein Ticket für eine Fahrt mit der Trenitalia, der italienischen Bahn, gekauft wird, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass sie an entsprechenden Automaten abgestempelt wird. Sonst ist sie trotz Uhrzeit auf dem Ticket nicht gültig. Busfahrkarten können meistens in einer Tabacceria, also in Tabakläden oder Kiosks nahe der Halrestelle erworben werden.

5. Bei Urlauber*innen ist der Verkehr in Italien oft gefürchtet. "Wenn man durch Neapel fährt, muss man aufpassen, dass man nicht stirbt", stellte meine Freundin T. einmal nach einer Klassenfahrt dorthin fest. Und doch haben M. und ich herausgefunden: Der Verkehr mag chaotisch, laut und wild sein und doch findet alles seinen Weg. Wenn wir zielstrebig über die Straße gelaufen sind und quasi nonverbal mit den Autofahrer*innen kommuniziert haben (Italiener*innen halten sehr viel auf nonverbale Kommunikation, siehe die zahlreichen Handgesten), hielten die Autos auch brav und nicht zu knapp für uns an.

6. Je unspektakulärer ein Laden aussieht in Italien, desto mehr lohnt er sich öfters. Zwei Straßen von der hoch gehypten Piazza gibt es den Caffé für 1,20 Euro statt 4 oder 5 Euro (Am Markusplatz sogar noch mehr), die Atmosphäre wirkt entspannter und authentischer und die Lebensmittel sind oft besser. 

7. In Italien ticken die Uhren langsamer. Es wird sich Zeit genommen, Essen zu genießen (das sich in Italien absolut lohnt, wie ich schon häufig berichtet habe), Kaffee wird nicht gekippt als Wachmacher wie so häufig in Deutschland - nein, Kaffee ist Genuss, ein Erlebnis für sich- und die Tätigkeiten werden mit Hingabe gemacht. Gleichzeitig ist da "Dolce far niente", das süße Nichtstun, das zelebriert wird und alles andere als Faulheit oder Unproduktivität bedeutet, sondern den Genuss des gegenwärtigen Moments. Das ist wahrscheinlich mit ein Aspekt, weshalb viele Besucher*innen, inklusive M. und mir, im Land das Lebensgefühl dort voller Begeisterung aufsaugen.

Auf Wiedersehen, Italien

Am Morgen unserer Abreise machten M. und ich uns an den Abstieg mit unseren Koffern in Richtung des Bahnhofs Vietri sul Mare. 
Ich spähte noch ein letztes Mal einmal zur Terrassentür hinaus, wo sich die aufgehende Sonne abzeichnete. Nun war es Zeit, nach dieser tollen Woche Abschied von der Amalfiküste zu nehmen.
Doch mit unserem Abschied ging auch die Gewissheit einher, dass wir zwei Monate später wieder in Italien sein würden- und selbst Ende dieses Jahres noch einmal an der Amalfiküste reisen würden, um Weihnachten in Atrani zu verbringen.
Ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn der nächste Trip gebucht ist, fühlt sich der Abschied schon nicht mehr ganz so schwer an. Dann würden wir unter anderem wieder in Ligurien sein, das uns schon einmal sehr begeistert hatte. 

Wir nahmen den Zug nach Padua, wo wir den kurzen Aufenthalt für einen Einkauf nutzten, und dann ging es weiter unsere Lieblingsstrecke durch die Alpen bis nach München. In München hatten wir direkt am Hauptbahnhof ein Zimmer gebucht und fielen nach dem Reisetag erschöpft, doch immer noch beseelt von den letzten Tagen ins Bett. Den Tag danach hatten wir noch etwas Zeit, die Innenstadt Münchens zu Fuß erkunden. 
Dort war gerade die Erdbeersaison eingeläutet worden, sodass wir ein paar Erdbeeren naschen konnten. Zudem hatte ich ein veganes Restaurant ausfindig gemacht, das äthiopisches Essen anbot: Wir bestellte jeweils eine Platte mit einem Mix aus den verschiedenen Spezialitäten und waren damit gut gestärkt für die weitere Fahrt nachhause. Dort angekommen, würden wir schon anfangen, uns auf das nächste Mal Italien zu freuen.

Freitag, 22. August 2025

Unterwegs auf dem Limonenpfad

Rund um die Amalfiküste gibt es auch einige Wanderwege, die zwischen Zitronenplantagen entlang führen. Als M. und ich zum Valle di Ferrerie hinaufstiegen, bekamen wir schon die eine oder andere Zitronenplantage zu Gesicht und konnten eine Limonade trinken. Nun wollten wir uns noch den Sentiere di Limoni vornehmen, dessen Name bereits verrät, dass Zitronen hierbei das Programm sind.

Mit der Fähre ging es hinüber in den Ort Minori, in dem entspanntes morgendliches Treiben auf den Straßen herrschte.
Von hier aus wanderten wir den Limonenpfad über den Berg hinüber zu dem benachbarten Ort Maiori. Einige Katzen begrüßten uns und strichen uns um die Beine, als wir bei einem Aussichtspunkt auf Minori eine Pause einlegten. In der Sonne wurde
es nach und nach wärmer, doch war die ganze Zeit angenehm, zudem spendeten die Zitronenhaine auf dem Weg ringsum immer mal wieder Schatten und teilweise konnten wir sogar unter einem Dach aus Zitronen entlang laufen.

M. und ich passierten ein paar Cafés zur Einkehr, doch irgendwann kamen wir an einem vorbei, das uns sofort begeisterte und genau dem entsprach, was ich mir gewünscht hatte: Einen Zitronengarten auf dem Berg, in dem wir unter Zitronenbäume eine ungesüßte Zitronenlimonade schlürfen konnten, mit ein wenig Blick aufs Meer an der Seite. M. und ich wurde uns klar, dass dies hier eines der Highlights zum Abschluss dies
er Reise war. Ich klappte noch meine neueste Lektüre "Unter dem Limonenhimmel" aus und hatte das Gefühl, gerade am genau richtigen Platz zu sein.

Nachdem M. und ich noch ein Stück gelaufen waren und das Ende des Limonenpfads schon in Sicht war, beschlossen wir, doch noch einmal umzukehren und uns eine weitere Zitronenlimonade in dem Garten zu gönnen. Die Gastronomin im Zitronengarten grinste uns freudig an, als wir zum zweiten Mal erschienen und um eine weitere Zitronenlimonade baten. "Ich bin Antonella", stellte sie sich uns auf Englisch vor, sichtlich erfreut über unsere Rückkehr.

Nach diesem Erlebnis stand unsere Ankunft in Maiori an. Wir konnten direkt an der schmucken Domkuppel mit den schuppenförmigen Ziegeln vorbeilaufen, die in der Sonne ockerfarben und grün leuchteten. Maiori wirkte wesentlich größer als die Orte und besitzt zudem eine lange Strandpromenade, weshalb es auch als der Strandort der Amalfiküste gilt. An der Strandpromenade fanden wir einen Eiswagen, an dem M. sich eine Granita kaufen konnte. Nach ein wenig Schlendern durch den Ort deckten wir uns mit ein paar kleinen Flaschen Limoncello ein, die wir als Mitbringsel nach Deutschland mitnehmen wollten. 

M. hatte auch den Plan gefasst, den ersten Limoncello seines Lebens an der Amalfiküste zu trinken. Diesen setzte er dann am gleichen Abend auf der Terrasse unserer Unterkunft um, nachdem wir mit der Fähre nach Vietri sul Mare zurückgefahren und den Berg nach Raito erneut erklommen hatten. Draußen konnten wir unseren letzten Abend nach diesem wunderschönen Tag ausklingen lassen, bis sich der Himmel rötlich färbte. 

Sonntag, 17. August 2025

Zur Insel Capri

Während unserer Tage an der Amalfi-Küste unternahmen wir auch einen Tagesausflug zur Insel Capri. Es war die bisher längste Schifffahrt auf dieser Reise, wobei wir an allen Küstenorten der Amalfi-Küste vorbeifuhren. Bevor unsere Fähre im Marina Grande einlief, drehte sie noch eine Extrarunde an der Küste, an den Faraglioni-Felsen vorbei, eines der Wahrzeichen der Insel. Nachdem wir den Hafen mit der bunten Häuserpromenade erreicht hatten, machten wir uns an den Aufstieg nach Anacapri. In der sommerlichen Hitze, die mehr und zunahm, war dies körperlich herausfordernd, doch wir kamen schneller voran als gedacht.

Zwischendurch hatten wir immer wieder eine schöne Aussicht von oben auf die Bucht.  Unser nächstes Ziel in Anacapri war der Sessellift auf dem Monte Solaro. Dies war eines der Top-Erlebnisse, die wir auf dieser Reise erleben sollten. Ich begab mich in die Seilbahnstation und ließ mich in dem Sessellift nieder, der von hinten angerauscht kam, M. nahm den hinter mir. In entspanntem Tempo glitten wir der Berg hinauf, unter uns viel Grün und an der Seite konnten wir auf die Dächer der weißen Stadt blicken, hinter der das Meer schimmerte. Auf dem Gipfel das Monte Solaro angekommen, konnten wir in der Ferne den Vesuv erblicken, mit dem wir vor zwei Jahren von Neapel aus schon nähere Bekanntschaft gemacht hatten. In der Ferne konnten wir zudem mehrere Inseln im Golf von Neapel ausmachen, darunter auch Procida, eine meiner Lieblingsinseln. Bei der Talfahrt mit dem Sessellift konnten wir noch einmal die Perspektive mit Blick Richtung Tal erleben.

Nach dem Sessellift-Erlebnis spazierten wir durch Gassen und Spazierwegen durch Zitronengärten ins Zentrum von Capri, was sich als sehr durch Menschen belebt und teuren Läden versehen entpuppte. Eine schicke Boutique reihte sich an die andere. Dahinter befanden sich ein paar gepflegte Gärten, bei denen ich mich wesentlich wohler fühlte als im trubeligen Zentrum der Stadt. 

M. und ich schlenderten ein wenig durch die Gärten und farbenfrohen Parkanlagen, bis wir uns wieder auf dem Weg zur Küste Capris, am Marina Grande gelegen, begaben. Mit einem Snack und Getränk aus den Geschäften an der Hafenpromenade entspannten wir noch ein wenig am Strand neben dem Marina Grande. Von dort nahmen wir die Fähre wieder zurück zu unserer Unterkunft in Vietri Sul Mare. Dort konnten wieder einmal auf einen erfüllten Tag zurückblicken.

Positano und Cetara

Das Bild, das die meisten im Zusammenhang mit der Amalfiküste zuerst im Kopf haben, ist die Küste von Positano. Auch diese steuerten wir mit der Fähre an und näherten uns den stufenartig gebauten, bunten Häusern. Nun sah ich diese Kulisse nicht nur auf Bildern, nun lag sie real vor mir, daneben das blau schimmernde Meer. Ich zog meine Sandalen aus und spazierte mit M. ein Stück über den Strand, der direkt neben dem Hafen lag.

Nicht weit entfernt vom Strand schossen wir ein Foto von der Kirche Positanos mit der auffälligen Kuppel, um es meiner Mutter zu schicken. Diese hatte mir neulich im Familienalbum ein Foto gezeigt, dass mein Großvater aus der gleichen Perspektive in Positano aufgenommen hatte. Nun, ca. 70 Jahre später, hatte sich um das Gebäude die Stadt etwas verändert, die Kuppel ragte jedoch empor wie eh und je. 

Wir spazierten ein wenig durch das emsige Treiben in den verwinkelten, kurvenreichen Gassen von Positano, die abwechselnd aufwärts und abwärts gingen. Jede Menge Läden boten Keramik in knallbunten Farben an, in Form von Vasen und Deko-Artikeln.

Die Amalfitana fuhren wir zwar nicht mit einer Vespa lang, dafür legte ich ein Stück in roten High Heels zurück- die trug ich allerdings nur zwischendurch, bevor ich dann wieder in meine Sneakers schlüpfte- Positano und High Heels ist keine Kombination, die ich für mehrere Stunden empfehle, daher diese wichtige Anmerkung. 
Daher kehrten wir wieder um ins Zentrum des Ortes und gönnten uns einen Caffé unter einem Sonnenschirm mit Blick auf die Küste von Positano. Caffé in Italien zu trinken ist an sich schon immer ein Erlebnis und etwas, das ich auf Dauer mit diesem Land in Verbindung bringen werde- und diesen einen Caffé mit Blick auf die Küste Positanos werde ich erst recht nicht so schnell vergessen.

Als wir auf dem Rückweg auf die Fähre stiegen und wieder in Richtung Vietri sul Mare fuhren, legten wir noch in dem malerischen Ort Cetara einen kurzen Stopp ein. 
Am Hafen wachte wie an so vielen Orten in der Umgebung eine Marienstatue über die Seefahrer*innen, an der Strandpromenade spielten ein paar Kinder und die Dorfbewohner*innen saßen auf dem Marktplatz zusammen. 

Genau so, wie ich mir das oft an einem entspannten Küstenort vorstelle. In einer Frutteria kauften wir ein paar saftige Nektarinen, die fast aufplatzten, als wir hineinbissen: "Das ist so gut, das Obst", schwärmte M. "Das ist Italien...!".
Bei Einbruch der Dämmerung nahmen wir den Bus vom Marktplatz aus und fuhren die eine Station zurück nach Raito hinüber.

Amalfi und Atrani

Bei der Erkundung der Amalfiküste nahmen wir morgens die Fähre nach Amalfi. Es gibt auch eine Verbindung mit dem Bus, doch bei der Fahrt mit dem Schiff ist der Vorteil, dass das Panorama der Amalfiküste vom Wasser aus zu sehen ist. Und es lohnte sich, die Amalfiküste vom Wasser aus zu sehen: Die bunten Häuschen zwischen Berg und Wasser waren wirklich ein Anblick, den ich nicht missen möchte.

Es waren hier schon mehr Tourist*innen als in Vietri sul Mare, insbesondere in Sommerkleidern mit Zitronenmustern, doch es war immer noch nicht voll Ende Mai. Der Dom von Amalfi befand sich im Zentrum und wies eine imposante Treppe vor sich auf. Drumherum befanden sich jede Mange Läden, die Lebensmittel und andere Artikel verkauften, die alle im Zeichen der Zitrone standen. 

Es wurden auch Zitronen verkauft, die handtellergroß oder fast so groß wie ein Fußball waren. "Sollen wir solch eine mitnehmen?", fragte ich M. und zeigte auf eine der ganz großen, knubbeligen Zitronen. "Können wir machen, doch dann müssen wir zusehen, wie wir sie verbrauchen", merkte M. an. Daher entschieden wir uns auf dem Rückweg für eines der kleinen Exemplare, die immer noch das dreifache an Größe der deutschen Zitronen aufwiesen.

Hinter dem Örtchen Amalfi wartete noch ein Ausflugsziel in der Natur auf uns: Valle delle Ferriere. Daher durchquerten wir die Stadt und erklommen den Berg. Bevor wir ganz in die Natur eintauchten, kehrten wir noch spontan auf der Aussichtsterrasse bei einer Nonna, einer freundlichen, älteren Gastgeberin ein, bei der wir einen Zitronensaft und einen Caffé trinken konnten.

Im Naturpark "Valle de Ferriere", wandelten wir unter grünem Blätterdach durch die Natur, während zu unseren Füßen jede Menge Salamander entlang huschten. Für 5 Euro Eintrittsgeld konnten wir ein kleines Naturreservat mit zwei bis drei Wasserfällen besichtigen, in das von einem Wärter am Eingang gelassen wurden. Das Geld wurde darin investiert, die Natur zu schützen und das Gebiet zu pflegen. Der Radius war nicht sehr groß und die Wasserfälle nicht überwältigend groß, doch einen Hauch Wildnis hatte das Ganze trotzdem. Es gab darunter einen moosbewachsenen Wasserfall, der über einen Felsvorsprung rann und wie eine Dusche anmutete

Auf dem Rückweg nach Amalfi gelangten M. und ich versehentlich auf einen anderen Pfad, was sich jedoch als Glück erwies, da hier noch ein anderer Wasserfall vor sich hin plätscherte: Dieser gefiel mir sogar noch besser als die, die zuvor im Naturreservat gesehen hatten.

Sobald wir Amalfi wieder erreicht hatten, entlud sich ein Platzregen über uns.
Zusammen mit vielen anderen Besucher*innen des Ortes, die ihre Regenschirme aufgespannt hatten, drängten wir uns unter die Dächer der schmalen Seitengassen. Doch der Schauer hielt nicht lang an. 

Als sich der Himmel wieder aufgeklart hatte, kaufte sich M. eine große Zitrone, in der sich Zitroneneis befand. Da ich nicht so auf Süßes abfahre, es sei denn, es handelt sich um Früchte, löffelte ich kurzerhand das weiße und erstaunlich süße Fruchtfleisch der Zitrone aus. Dies war nicht vergleichbar mit der dünnen, harten Schale der Zitronen, die wir in deutschen Supermärkten kaufen können. Es war süßlich, weich und schmeckte für mich unglaublich gut.

Anschließend liefen wir die Amalfitana, die Küstenstraße, die sich zwischen den Bergen und dem Meer die gesamte Amalfiküste lang schlängelt, zum Ort Atrani hinüber. Atrani ist zwar nur einen Spaziergang von Amalfi entfernt, doch wesentlich weniger touristisch. Wir bekamen einen ersten Eindruck, bei dem es jedoch nicht bleiben wird: M. und ich planen, Weihnachten dieses Jahr dort zu verbringen, wo es ein großes Feuerwerk geben wird.

Samstag, 16. August 2025

Den Berg hinauf von Vietri Sul Mare nach Raito und Albori

Unsere Unterkunft lag oben auf dem Berg in Raito, sodass wir zuerst ein bisschen mit unseren
Rollkoffern die Gassen hinaufklettern mussten und ein Kurven rund um den Berg entlanggingen. Ein erstes Stück der Amalfitana erstreckte sich vor uns. Ein Straßenschild wies uns darauf hin, dass beim Folgen der Straße die Orte Amalfi, Maiori und Positano erreicht werden würden. Das hatten wir die nächsten Tage auch vor, allerdings auf dem Weg über Wasser mit der Fähre.

Als wir das Örtchen Raito auf dem Berg erklommen hatten, das durch zahlreiche mit Keramik-Fliesen verzierte Wände und Treppen aufwies, wurden wir von einer neugierigen Katze begrüßt. Unsere Gastgeberin M. ließ uns kurz danach in die Unterkunft und gab uns noch den einen und anderen Tipp mit. 

Die Terrasse unserer Unterkunft war riesig und ermöglichte uns einen ausschweifenden Blick auf Vietri sul Mare zu unseren Füßen und auf die Häuser Salernos in weiterer Entfernung. Insgesamt war die Unterkunft ziemlich groß, mit urigen Schränken, einem Himmelbett, über dem an der Decke sich ein barockes Deckengemälde befand, und einem Badezimmer, aus dessen Dusche tatsächlich auch ein winziges Fenster die Aussicht aufs Meer bereit hielt. Ich inspizierte die extravagante Einrichtung, an die ich mich zuerst etwas gewöhnen musste, doch mit der Zeit schwante mir, was für ein Juwel wir ergattert hatten und wie sehr sich der Aufstieg zu dieser Unterkunft lohnte.

Nach dem Ankommen machten M. und ich uns daran, ein wenig die nähere Umgebung zu erkunden. Hinter Raito auf dem Berg lag ein Dorf namens Albori, das zu einem der schönsten Dörfer Italiens gekürt worden war. Und doch lag es ziemlich unbekannt und versteckt hinter einer Straßenkurve, eingebettet in grüne Natur, die nach einem Regenschauer und daher wolkenverhangen etwas Romantisches an sich hatte. Genauso romantisch und pittoresk war Albori selbst mit den schmalen Gassen und weißen Häusern, die sich an den Berghang schmiegten, während einige Katzen auf dem Steinboden uns anblinzelten. Ich verliebte mich sofort in dieses Bergdorf.

Auf dem Rückweg nach Raito erwartete uns ein Regenschauer, auf den ein Regenbogen über der Küste folgte und den wir entdeckten, als wir bei einem Aussichtspunkt im Zentrum Raitos standen. "Das ist extra für uns", verkündete ich M., "Ein Regenbogen für uns bei der Ankunft an der Amalfiküste."

Mit der aufkommenden Dämmerung spazierten wir noch einmal die Treppen nach Vietri sul Mare hinunter und schlenderten durch den Ort zum Strand. Auch hier waren viele mit Fliesen verzierte Wände und Marienfiguren zu entdecken. Das Wahrzeichen des Ortes war ein kleiner blauer Keramikesel nicht weit von der Bahnstation entfernt. Zudem konnte ich in zahlreichen Abbildungen, Figuren und sogar bebilderten Sitzbänken Meerjungfrauen in verschiedener Form erkennen. 

Farbenfroh war Vietri sul Mare definitiv, wie auch ein Park mit unebenen Linien und bunten Mosaiksteinchen in den Wänden zeigte, der M. und mich ein wenig an Park Güell in Barcelona erinnerte. Eine Gasse mit bunten Farben nahe des Zentrums gefiel mir besonders: Ganz in blau, mit rosafarbenen Akzenten und Muschelverzierungen, gekrönt von einer Marienfigur in einem Schaukasten. Vom Strand aus konnten M. und ich noch die Due Fratelli, zwei Felsformationen bestaunen.

Abwärts zur Amalfiküste: Mit dem Nachtzug nach Salerno


Eine Reise, auf die M. und ich schon lange hingefiebert hatten, war die Reise an die Amalfi-Küste. Auf die an den Berghang gebauten Häuser am Meer, auf goldgelbe Zitronen und auf das italienische Leben in einer schönen Kulisse. Wir hatten schon vor Jahren davon geträumt, dorthin zu reisen. Nun war endlich der Moment gekommen, an dem wir diesen Traum Wirklichkeit werden ließen.

Zuerst ging es mit dem Zug aus Norddeutschland nach Mailand. Von Mailand, das ich bereits kennen gelernt hatte, war ich bisher noch nicht überzeugt gewesen. Ich hatte es bisher immer als zu großstädtisch, zu schick und zu wenig charmant im Vergleich zu den anderen italienischen Orten, in denen ich gewesen war, empfunden. M. und ich verstauten unser Gepäck in einer Gepäckaufbewahrungsstation am Bahnhof und drehten dann eine ausgiebige Runde durch die Stadt. Die Top-Sehenswürdigkeiten wie die Gallerie Vittorio Emmanuelle und den Mailänder Dom sah ich nun zum zweiten Mal. Auch die nostalgische gelbe Straßenbahn drehte wieder ihre Runden durch die Stadt.

Abends wartete ein Erlebnis auf uns, auf das ich mich besonders freute: Wir stiegen in den Nachtzug nach Salerno. Der Zug hielt auch in Neapel, das noch vor Salerno liegt und womit M. und ich noch zahlreiche Erinnerungen an unsere längere Reise in 2023 durch Italien verknüpfen. 

Nachtzugreisen innerhalb Italiens habe ich inzwischen sehr schätzen gelernt. Sie machen eine nächtliche Bahnfahrt durch dieses wunderschöne Land zu einem Erlebnis und kosten auch nur den Bruchteil von dem, was Nachtzugfahrten in Deutschland und Österreich kosten. Pro Person zahlten wir etwa 70 Euro für eine Schlafwagen-Kabine, die wir privat für uns beide hatten. Es gab eine Schlafmaske sowie ein Hygieneset zur Begrüßung. Am nächsten Morgen hingen gegenüber unserer Kabinentür im Gang zwei Zeitungen auf Italienisch- zwar lese ich normalerweise keine Zeitung, doch ein gewisses Feeling kam dabei definitiv auf. Auf einem Tablett wurden uns zwei Caffé (Espresso) serviert. Die Sonne ging auf und wir konnten aus dem Fenster den Vesuv in weiter Ferne erkennen: Den Vulkan, auf dem wir zwei Jahre zuvor nach einigem Weg durch den Schnee in den dampfenden Krater schauen konnten. Hatte ich schon erwähnt, wie sehr mich Vulkane faszinieren? Jetzt hatten wir beim Schlürfen unseres Kaffees auf dem Bett das Panorama des Vesuvs direkt vor unseren Augen.

Ein weiteren Kaffee besorgten wir uns noch in Salerno und taten es den Italiener*innen damit gleich, die zum Frühstück kaum mehr als Kaffee und ein Cornetto zu sich nehmen. Dafür war das Mittagessen umso größer: Im Zentrum von Salerno fanden wir neapolitanische Pizza Marinara und setzten uns damit an die Strandpromenade. Daran, dass eine Pizza nur 4 Euro kostete und nicht einmal klein ausfiel, konnten wir wieder einmal erkennen, dass wir uns in Süditalien befanden. Ein römisches Aquädukt war hier sogar mitten in der Stadt zu finden und zog sich über eine Straße hinweg. Die Gassen waren mit allerhand an die Wand gemalten Bildern voller Blumen, Küsten und bunten Häusern verziert. An der Strandpromenade, an der wir unsere Pizza genossen, konnten wir in Richtung der Berge schon einen ersten Blick auf Vietri sul Mare erhaschen, unserer nächsten Etappe an diesem Tag, von der aus wir zu unserer Unterkunft gelangen wollten.