Sonntag, 7. April 2019

Aussicht über Manhattan


Wir hätten, wie viele uns empfohlen hatten, zum Top of the Rock im Rockefeller Center gehen können, um die Skyline von Manhattan von ganz oben bestaunen zu können. Oder auf das Empire
State Building, das aus zahlreichen Hollywoodfilmen bekannt ist, nur dass man das Gebäude an sich nicht so sehr erkennt, wen man sich darauf befindet. Doch L. und ich hatten andere Pläne, zudem waren wir Low-Budget-Reisende (Wie geht das denn in New York,
werden einige von euch jetzt fragen, und ich kann sagen, bei manchen Attraktionen geht das durchaus). Wir riefen bei Sixty-Five Rainbow Bar an, die sich im 65. Stockwerk des Rockefeller Centers befindet, und reservierten für den gleichen Abend einen Platz - so überbucht wie befürchtet war sie gar nicht. Ich sah meine Chance gekommen, mir für den Abend mein pinkes Partykleid anzuziehen, das ich extra für derartige Anlässe eingepackt hatte. “Warum nennen die sich Rainbow-Bar?“, überlegte L. laut, als wir unsere Robe raussuchten. “Vielleicht ist das eine Schwulen- und Lesbenbar?“. “Ich glaube, der Name ist einfach total kitschig“, sagte ich nach einem Blick auf die Homepage, die ziemlich edel aussah.

Abends ließen wir uns mit dem Fahrstuhl in den 65. Stock transportieren und waren noch rechtzeitig da, um den Sonnenuntergang hinter den Wolkenkratzern mitzuerleben.


Das Empire State Building befand sich praktisch direkt vor unserer Nase. Mir kamen einige US-amerikanische Filme in den Sinn, in denen eine ähnliche Aussicht auf das Empire State Building vorkommt. L. und mir wurde ein Platz zugewiesen und sobald wir einen Cocktail für sie und ein Mermaid-Bier für mich (typisch deutsch eigentlich) bestellt hatten, standen wir wieder von unserem Tisch auf, um den Anblick der glutrot untergehenden Sonne zu zelebrieren. Die Bar war fast rundum verglast, sodass wir freie Sicht auf die Skyline hatten. Wir hatten fast ganz New York City im Blick, ein Meer aus Wolkenkratzern, in dem nach und nach die Lichter Manhattans angingen, bis es ganz dunkel wurde. L. und ich stießen auf unseren Urlaub an und waren zu dem Zeitpunkt sehr zufrieden mit dem, was wir bisher erlebt hatten. Nachdem wir den Tag über durch den Central Park marschiert waren, war dies ein Highlight zum Abschluss des Tages.

John Lennon im Central Park

 

Dieses Zitat fanden L. und ich im Central Park in dem Garten, der John Lennon gewidmet war. Jemand hatte es mit Kreide auf den Asphalt gemalt, als Erinnerung an die Botschaft der verstorbenen Musiklegende.


Spaziergang im Central Park

Als L. und ich einen halben Tag durch den Central Park liefen, wurde mir klar, dass es die ganzen Jogger nicht nur in den Filmen gibt. Tatsächlich sind sie überall und auch für Radfahrer gibt es befestigte Wege. Umrahmt von der Großstadt ist der Central Park ein rechteckiges Erholungsgebiet, in mehrere kleine Themenbereiche aufgeteilt. Wir liefen durch einen bewaldeten Teil des Parks, in dem Bäche flossen und sich Eichhörnchen mit schwarzen Knopfaugen beobachten ließen. Solchen Eichhörnchen sollte ich noch öfters begegnen in den USA. Ich konnte mich an den putzigen Tieren kaum sattsehen und fing an, ein paar Videos aufzunehmen.
Als wir etwa in der Mitte des Central Parks angekommen waren, machten wir erstmal Lunch Break und genossen das zwar kühle, aber sonnige Wetter, während wir unsere Erdnussbutter-Sandwichses aßen.

In einem Bereich entdeckten wir eine Statue von Alice, dem Kaninchen und den Figuren aus "Alice im Wunderland" mit Zitaten aus dem Buch, die in den Gehweg eingraviert waren. Ich fand das Buch schon immer toll, weshalb ich die Gelegenheit nutzte, mit L. vor den verrückten Gestalten zu posieren.

Zitate von bekannten Poeten fanden wir zudem in extra angelegten Gärten, die den Persönlichkeiten gewidmet waren. Besonders gefiel mir der Garten, der John Lennon gewidmet war und ein Gedenken an ihn darstellte.Jemand hatte Blumen auf das kreisrunde Muster im Boden gelegt, das mit dem Songtitel "Imagine" versehen war, John Lennons Hymne für die Friedensbewegung in den Siebzigern. Zudem war auf den Asphalt mit Kreide ein Zitat von ihm aufgeschrieben worden, in dem es ebenso um Liebe und Frieden ging. Ich fand es schön, dass der Musiker in diesem Park so gewürdigt und auch heute offenbar noch so gefeiert wurde.

L. und gingen noch zu Bethesda Fountain, einem Brunnen mit einer Engelstatue mitten im Central Park, mit einem mosaikverzierten Torbogen, unter dem Gitarrenspieler Musik machen, wie auch an diesem Tag. Der hübsche Torbogen in hellen Farben wirkte im Vergleich zu den anderen architektonischen Elementen des Parks ziemlich historisch und so gar nicht amerikanisch.

Als wir am Ende des Central Parks angekommen waren, befanden wir uns wieder in der Nähe des Times Squares und waren von unserem nächsten Ausflugsziel gar nicht weit entfernt. Das Rockefeller Center stand als Nächstes auf unserer Liste.

Samstag, 6. April 2019

Im High Line Park

Durch einen Park zwischen den Wolkenkratzern New Yorks durchspazieren? Ja, das geht! Ursprünglich war der High Line Park, wie der Name bereits vermuten lässt, eine Eisenbahnstrecke, wovon noch die Überreste von Bahngleisen zeugen, die sich dort bewundern lassen. Inzwischen wurde die High Line zu einem Park umgebaut, dessen Weg in einigen Metern Höhe längs führt. L. und ich besuchten in vor Sonnenuntergang und hatten großen Spaß daran, zwischen den hohen Häusern durchzuspazieren.
Wir blickten dabei an den meterhohen Hausfassaden hoch und versuchten zu zählen, wie viele Stockwerke sie hatten - vergebens. Einige künstlerische Elemente fanden wir auch auf dem Weg: Skulpturen (eine sah aus wie Donald Trump, doch ein Blick auf das entsprechende Schild zeigte, dass es nicht so war) und bemalte Hauswände befanden sich um uns herum. Bepflanzte Beete und Sträucher umgaben uns, allerdings war es noch zu früh dafür, dass die Pflanzen in aller Pracht wuchsen.
Mich reizte besonders der Ausblick auf die Straße von einer Glasfront, die an dem Überbleibsel der Eisenbahnbrücke eingesetzt worden war. Davor waren sogar einige Sitzbänke eingelassen. Es war wie eine andere Art von Autokino...

Der High Line Park ist etwa zweieinhalb Kilometer lang, die wir von einem Ende zum anderen abgingen. Je weiter wir gingen, desto höher erschienen mir auch die Hochhäuser, durch die sich der Park durchschlängelte. Ganz zum Schluss konnten wir beobachten, wie die Sonne hinter dem Fluss versank und sich dabei in der Glasfront der Wolkenkratzer spiegelte.

Staten Island Ferry

Über den Fluss fahren einige Fähren, besonders zwischen Manhattan und den umliegenden Orten. Auch von unserer Airbnb-Unterkunft New Jersey aus, wie L. und ich an unserem zweiten Tag in New York feststellten. Der Himmel war strahlend blau und die Sonne schien hell, jedoch kam leider kein Bus in Sicht, mit dem wir in New York City hereinfahren konnten.
L. schaltete daraufhin Google Maps ein und lotste mich damit durch New Jersey, bis wir unerwarteterweise an einem Pier ankamen, an dem uns eine Fähre nach Manhattan bringen konnte. Der Pier und kurze Zeit später auch die Fenster der Fähre boten einen fantastischen Anblick auf die Skyline Manhattans - diesmal von der anderen Seite als von der Brooklyn Bridge aus. "Eigentlich ist es gar nicht so schlecht, dass der Bus nicht so gekommen ist", stellte ich fest. "Sonst hätten wir das hier gar nicht gesehen.


Noch am selben Tag sollten wir die Skyline vom Fluss aus beobachten können, vom Staten Island Ferry aus, einer Fähre, die Manhattan mit Staten Island verband. Die Fähre, die von Einheimischen vorwiegend dazu genutzt wird, nach Staten Island zu pendeln und somit nicht ausschließlich für Touristen gedacht ist, war ziemlich voll. Doch nicht alle drängten sich ans Fenster, um hinauszublicken, wie wir. L. und ich standen an der großen Glasfront der Fähre warteten gespannt, dass die Freiheitsstatue in unser Sichtfeld rückte. Majestätisch stand sie auf einem Steinblock, die Feuerfackel in die Höhe erhoben. Von der Fähre aus hatten wir eine ideale Aussicht.

Die Brooklyn Bridge


Als wir an unserem ersten Tag über die Brooklyn Bridge liefen, war es ein nebelverhangender Nachmittag und nur wenige Leute waren unterwegs, was die Tour für uns sehr angenehm machte. Vereinzelte Radfahrer und Jogger kamen uns entgegen. L. und ich sind uns einig, dass wir, würden wir in dieser Stadt wohnen, auch die schöne Kulisse der Brooklyn Bridge nutzen würden, um laufen zu gehen.

Als wir den Torbogen der Brücke passierten, kam die Skyline Manhattans in Sicht. Es war der erste Mal, dass ich sie wirklich sah, obwohl ich das Bild von zig Postkarten und Fotografien kannte. L. und ich liefen immer weiter und sogen den Anblick in uns auf. Sogar einen Blick auf die Freiheitsstatue in der Ferne konnten wir erhaschen, durch den Nebeldunst. An diesem Tag befanden sich noch die Überreste von Schnee in den Straßen New Yorks und so auch auf der Brücke. Dennoch war es nicht allzu kalt, eher etwas verregnet und bedeckt.

 Die Wolkenkratzer verschwanden leicht im Nebel, diese Großstadt-Romantik stellte einen eindrucksvollen Anblick dar. Wir näherten uns immer mehr dem anderen Ufer und gelangten nach dem Spaziergang über die Brücke nach Manhattan, wobei wir immer wieder Pause machten, um die Kulisse genauer zu betrachten. Die Brooklyn Bridge wirkt keinesfalls wie irgendeine Brücke: Von der Architektur ist sie nicht nur wunderschön, nostalgisch und dazu ziemlich riesig, sondern die Kulisse dahinter, nämlich die Skyline Manhattans, macht einen Spaziergang darüber zu einem ziemlichen Erlebnis.



Dienstag, 19. März 2019

Zum ersten Mal am Time Square


L. und ich trafen uns zu Beginn
meiner Reise am John-F.-Kennedy-Flughafen bei New York. Nach der Zeitverschiebung von fünf Stunden zwischen Deutschland und New York kam ich spätabends an, nachdem ich abends in Frankfurt los geflogen war. Ich war etwas aufgeregt und freute mich, L. nach fast einem Dreivierteljahr wiederzusehen. Durch die Vorfreude machte sich der Jetlag glücklicherweise auch nicht wirklich bemerkbar. Gemeinsam fuhren wir in unsere Unterkunft in New Jersey, das an Manhattan angrenzt und eine etwas ruhigere Wohngegend darstellt, im Gegensatz zum trubeligen New York.

Tags darauf aßen wir in der Airbnb-Unterkunft Toast mit Erdnussbutter (ich sollte feststellen, dass dies hier zum Frühstück sehr üblich ist) und machten uns auf dem Weg zum Time Square.
Als L. und ich aus Port Authority, dem Busbahnhof, heraustraten und die überall blinkenden Werbeschilder erblickten sowie die ganzen quietschgelben Taxis, konnten wir es kaum fassen. So oft hatte ich Fotos und Filme gesehen, die sich in diesen Straßen abspielten, doch tatsächlich hier zu sein und das Ganze mit eigenen Augen zu sehen, war etwas ganz anderes. Es war ein kühler, etwas nebliger Tag, doch L. und ich störten uns nicht daran. Je mehr wir uns dem Time Square näherten, desto voller wurde die Straße und umso mehr Werbescreens leuchteten uns entgegen. Es wurde für zahlreiche Broadway-Musical wie König der Löwen, Pretty Woman oder Aladdin geworben.  Auf dem Time
Square tummelten sich viele verkleidete Menschen, darunter auch eine Person, die sich als Freiheitsstatue verkleidet hatte, sowie einige im Micky-Maus-Kostüm oder im Superhelden-Outfit. Die amerikanischen Klischees erfüllten sich hier, doch das machte den Reiz des Times Squares aus.

L. und ich gingen in die quietschbunten, sehr gut besuchten Läden, die rund um den Time Square lagen, und sahen uns alles an. Der Disney Store, in dem die einzelnen Abteilungen an die jeweiligen Figuren bzw. bekannten Filme angepasst waren, passte sehr gut zu dem bunten Treiben ringsum, und auch der M&M's-Laden, der mich ein wenig an den Film “Charlie und die Schokoladenfabrik“ erinnerte, hatte etwas für sich. Es fühlte sich an, als würde ich allein vom Ansehen der riesigen M&M's-Behälter einen Zuckerschock bekommen. Zudem gab es viele Fanartikel, Shirts und überdimensional große M&M-Figuren, die zu uns herunterlachten.

Ich empfand den Trubel am Time Square als ziemlich aufregend und berauschend. Egal, was für ein Tag es ist, hier pulsiert das Leben rund um die Uhr. Unterschiedlichste Menschen aus aller Welt tummeln sich hier (die wenigstens davon leben tatsächlich in New York) zwischen den Werbescreens und bunten Geschäften.