Sonntag, 8. September 2024

Comer See

Die Zugfahrt von Basel nach Como führte durch die Schweiz und gehört mit Abstand zu den schönsten Zugfahrten, die ich auf dieser Reise erleben durfte. Zwar war es voll im Zug und zwischendurch machte sich die Mittagshitze bemerkbar, die Aussicht jedoch war ein Traum: Aus dem Zugfenster konnten wir kitschig hellblaue Seen entdecken, sattgrün bewachsene Berge und hier und da zwischendurch plätschernde Wasserfälle. Italien war schön, doch auch der Schweiz wohnte ein gewisser Zauber inne.

In Como kamen wir in der schwülen Nachmittagshitze an.
Als wir im Hotel eincheckten, war ich erleichtert, dass es keine Komplikationen aufgrund der zuvor verpassten Nacht gab. Nachdem wir die erste Nacht ungeplant in Basel verbracht hatten, hatten wir nur eine Nacht in Como. Als wir das Zimmer betraten, fanden wir eine Panorama-Tapete mit dem Motiv des Comer Sees bedruckt vor, dafür kein Fenster. Insofern war ich im Nachhinein gesehen gar nicht einmal so böse darum, die eine Nacht in dem lichtdurchfluteten Hotelzimmer in Basel verbracht zu haben. Hier waren wir ohnehin nur zum Schlafen.

Nachdem wir Focaccia und Obst zur Stärkung besorgt hatten, wurde es langsam etwas kühler. Ein guter Zeitpunkt, um am Comer See entlang zu spazieren. Der Comer See selbst ist ziemlich groß, sodass ein einzelner Tag lange nicht ausreicht, um alles zu entdecken. Wir gingen von der Bahnstation Como di Lago dorthin. Dabei passierten wir einige Gassen und Marktplätze des Ortes, in denen das gastronomische Leben pulsierte. Das italienische Lebensgefühl war hier sofort wieder zu spüren, auch wenn Como als sehr touristisch empfunden werden mag. J. und ich merkten, wie wir uns beim Gehen und mit der aufkommenden Abendstimmung immer mehr entspannten.

Es gab eine Fontäne direkt am Wasser, die munter vor sich hin sprudelte. Einige Menschen standen unter dem spritzenden Wasser und hatten damit die perfekte Abkühlung. "Wollen wir?", fragte ich. Wir überlegten einen Moment, da wir nicht wussten, ob der Boden zu rutschig war, doch bei den anderen schien es auch zu funktionieren. Also traten wir in den Sprühnebel und genossen die kühlen Wassertropfen auf der Haut.

Der Sonnenuntergang verwandelte den Comer See in ein schönes Farbspiel, sodass ich mich wieder einmal fragte, warum ich so selten dazu kam, Sonnenuntergänge anzuschauen. Dabei gibt es jeden Tag einen, auch in Deutschland, und trotzdem verpasse ich die meisten davon. Mit der Dunkelheit erschienen die warmen Lichter, spiegelten sich im Wasser und es wurde Straßenmusik gespielt wie auch gestern in Basel. Das Gefühl eines lauen Sommerabends machte sich breit. "Eigentlich sollte man so etwas viel öfter machen", sagte J.. "Dorthin fahren, wo es schön ist, und die Atmosphäre genießen wie hier." Würde nicht am nächsten Morgen die Weiterfahrt nach Sanremo auf uns warten, hätten wir noch länger hier auf der Bank mit Blick auf den See sitzen können. 

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