Nach einem kurzen Zwischenstopp in Mailand, den wir dazu nutzten, um Focaccia zu kaufen, und einem weiteren Zwischenstopp in Genua, wo sich die Nachmittagshitze allmählich merklich aufstaute, gelangten wir nach Sanremo. Dort waren wir am Ziel dieser Reise angelangt. Durch einen schier endlosen Tunnel ging es durch das Bahnhofsgebäude hinaus. Durch die Rolltreppen, die geradeaus verliefen, fühlte ich mich, als befänden wir uns in einer Flughafenhalle.
Etwas erschöpft durchquerten J. und ich das Stadtzentrum von Sanremo und rollten unsere Koffer durch die Fußgängerzone in Richtung unseres Apartments. Das pulsierende Leben empfing uns direkt und wir kamen bereits am Casino und der architektonisch prachtvollen russisch-orthodoxen Kirche vorbei, ehe wir einen Fuß in die Unterkunft gesetzt hatten.
Zuerst wunderte ich mich, dass es hier keinen ausgeprägten Busverkehr gab. Offenbar besaß die Mehrheit der Menschen hier ein eigenes Auto. Insgesamt wirkten die Menschen auf uns hier ziemlich wohlhabend. Als J. und ich auf einer Bank an der mit Palmen gesäumten Promenade unser selbst gekochtes Mittagessen, Pasta mit gebratenem Gemüse, aßen, wurden wir von einigen vorbeilaufenden Familien recht schief angeschaut. Anscheinend war das unter Urlaubenden hier nicht unbedingt üblich.
Als wir abends nach einem Strand suchten, um uns ein wenig im Sand bzw. auf Steinen zu entspannen, stellten wir fest, dass die meisten Strände zu einer Anlage gehörten und damit zu dieser späten Zeit bereits abgeschlossen waren. Das Meeresrauschen war in einiger Entfernung zu hören und wirkte sehr verlockend. Zwar gilt Sanremo als einer der schönsten Badeorte von Ligurien, ist in der Hochsaison allerdings auch ein klassischer Fall von Sonnenschirmchen-Liegen-Strand. Was Strände angeht, reizen mich die am meisten, an denen ich kilometerweit durch die Brandung und den Sand laufen kann und das Rauschen der Wellen im Ohr habe, ohne dass der Strand überfüllt und voller Lärm der Menschen ringsum ist.
Da wir zunächst nichts anderes fanden, verbrachten J. und ich einen Vormittag an einem kostenpflichtigen Strand unweit unserer Unterkunft.
Der Vorteil war hierbei, dass wir unsere Sachen in einen Spind schließen und somit zusammen im Wasser sein konnten. Dabei machte ich Bekanntschaft mit einem Fisch, der sich im wahrsten Sinne des Wortes an meine Fersen heftete und (ohne Scherz) daran zu knabbern begann. Erst fragte ich mich, was da kitzelte, dann schaute ich an mir herab ins klare Wasser und begann, zu lachen. "Solange es kein Petermännchen ist", sagte ich grinsend zu J., "Ich hab es offenbar mit den Fischen." Über mein Zusammentreffen mit dem giftigen Petermännchen in Gibraltar vor drei Jahren habe ich ebenfalls in einem Blogbeitrag berichtet.
J. und ich fanden während unserer Zeit in Sanremo doch noch einen Strand, der nicht überfüllt war und an dem wir erneut einen Sonnenuntergang genießen konnten. In Sanremo nutzten wir nun sogar ziemlich häufig die Gelegenheit, Sonnenuntergänge anzusehen, da wir mehr abends als tagsüber draußen waren. Tagsüber war es ziemlich heiß, sodass wir uns zwischendurch in unsere Unterkunft zurückzogen und uns mit Wassermelone erfrischten. Als wir uns einem Nachmittag in die Altstadt Sanremos wagten und viele Treppen hinauf zu einem Park stiegen, gerieten wir dabei ganz schön ins Schwitzen. Die Aussicht auf die Dächer der Stadt von oben war letztlich ein Besuch wert, doch ist bestimmt auch frühmorgens oder in der Abendstimmung wunderschön.
Jeden Abend gehörte es zu meinen Highlights, die Silhouetten der Palmen im Abendrot zu sehen. Ich liebe nämlich nicht nur Sonnenuntergänge, sondern auch Palmen. Und: Pizza Marinara liebe ich auch. J. und ich holten uns die älteste Pizza der Welt (die von Grund auf vegan ist und nicht etwa mit Meeresfrüchten, wie viele glauben) und setzten uns damit an den Strand, an dem zum Glück viel Platz war und an dem wir auch bis zum Einbruch der Dunkelheit bleiben konnten. Leider erinnerte die Pizza eher an Flammkuchen, wie wir feststellten, und entsprach nicht dem, was eine neapolitanische Pizza mit dickem Rand ausmacht. "Wie eine Frisbeescheibe", meinte J. trocken mit einer entsprechenden Handbewegung und wir lachten. Ein paar Tage später wiederholten wir den Pizzaabend. Ich fand einen Pizzaladen mit großem, iglu-förmigen Ofen und ein paar mit Pizzateig davor hantierenden Pizzaiolos- hier schienen wir richtig zu sein. Als wir diese Pizza mit Blick aufs Meer vernaschten, waren wir diesmal auch mit unserem Abendessen sehr zufrieden.



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