
Dass Venedig eine schöne Stadt ist, ist in dieser Welt kein Geheimnis. Somit ist es auch kein Wunder, dass der Markusplatz tagsüber von unzähligen Tourist/innen bevölkert ist und die Stadt in der Nachmittagssonne vor lauter Tagesausflügler/innen fast überzulaufen scheint.
S. und ich lieben schöne Städte, doch wir lieben es auch, schöne Plätze für uns alleine zu haben.
An unserem ersten Abend in Venedig liefen wir quer durch die Gassen und gelangten dabei irgendwann in der Dunkelheit zum Markusplatz, auf dem Livemusik gespielt wäre. S. und ich verstanden allmählich, warum die Stadt als beliebtes Reiseziel für Pärchen galt. Dabei waren wir uns uns jedoch schnell einig, dass wir mit unseren Partnern nicht hierher fahren müssen, um einen tollen Pärchenurlaub zu verbringen. Als Freundinnen ging dies genauso gut. Der Markusplatz war in der Dunkelheit nicht leer, jedoch angenehm, da nicht so viel los war wie tagsüber. Somit konnten wir die Atmosphäre des lauen Sommerabends hier genießen und uns anschließend etwas in den umliegenden Gassen verlaufen und dabei ein paar Kanäle entdecken, in denen das Wasser im geringen Lichtschein schimmerte.
Da S. und ich schöne Plätze auch gern mal fast ganz für uns alleine haben, standen wir konsequent an einem unserer Urlaubstage um halb sieben auf, nachdem die Sonne gerade ihre Strahlen zaghaft über die Stadt gereckt hatte und besonders den Dogenpalast in ein magisches Licht getaucht hatte. Auf dem Weg dorthin kamen wir an der beliebten Seufzerbrücke vorbei. S. vermutete, dass der Name daher kam, dass die Brücke aussah wie ein Gesicht, dessen Mundwinkel nach unten zeigen. Tatsächlich kommt der Name aber daher, wie wir später herausfanden, dass durch die Brücke der Dogenpalast mit dem Neuen Gefängnis verbunden wurde.

Auch den geflügelten Löwen, ein bekanntes Symbol Venedigs, auf der Säule neben dem Dogenpalast konnten wir hier einmal bei Tageslicht sehen. Die Straßenlaternen mit den rosafarben getönten Gläsern hatten es mir zudem sehr angetan. Zu dem romantischen Flair der Stadt passten sie.
Ich nutze die Gelegenheit, eine Runde zu jonglieren, da wir den Platz ganz für uns hatten. Außer uns waren nur ein paar Brautpaare unterwegs, die offenbar die Gunst der Stunde nutzten, ohne den sonst vorherrschenden Rummel zu heiraten.

An diesem Morgen gönnten S. und ich es, in einem teuren Cafés rund um den Markusplatz einen Kaffee zu trinken. In Italien und besonders in Venedig bezahlt man meistens das Doppelte dafür, an einem Tisch zu sitzen, weshalb wir für unsere Cappucchinos mit einem Krug Wasser dazu jeweils 6 bis 7 Euro zahlten. Wer nicht so viel zahlen möchte als Tourist/in, ist am besten mit einem Kaffee to go bedient, und sollte eher das berühmte Café Florian am Markusplatz meiden, in dem ein Kaffee am Tisch fünfundvierzig Euro kostet. Ich kann jedoch sagen, unser kleiner Cafebesuch hat sich gelohnt. Wir hatten das schnuckelige Cafe in einer Seitengasse spontan gefunden und hatten es um diese Zeit auch fast für uns allein. "Ein Kaffee mit Sojamilch an einem schönen Ort, damit ist mein Tag schon von vornerein gerettet", erklärte ich S., als wir zufrieden unsere Kaffees schlürften.
Klares Fazit: Früh aufstehen lohnt sich in Venedig, denn dann entfaltet diese Stadt ihre ganz besondere Magie.