Montag, 1. April 2024

Auf Umwegen in die Arktis


Meistens kommt alles anders, als man denkt. So erging es mir auf meiner Reise mit F., als wir einen Tag, nachdem wir ins Jahr 2024 gestartet waren, zu unserer Reise nach Nordnorwegen aufbrachen. Es sollte eine Nachtzugreise werden. Dachten wir. Doch es kam anders. 
Ich habe es schon oft erlebt, dass auf Reisen nicht immer alles glatt geht, zum Beispiel, dass sich Unterkünfte ganz anders darstellen, als sie auf den Fotos aussahen, dass die Bahn streikt oder sich die Eigentümer einer Unterkunft erst zwei Minuten vorm Check-In melden. Manchen Stolperstein konnte ich erleben, wenn ich reiste, und ich lernte nirgendwo mehr, meine Komfortzone zu verlassen und flexibel zu reagieren. Immer wieder konnte ich feststellen, dass all die Erlebnisse auf Reisen, die mir den Atem raubten, wie die grünen Berglandschaften der Schweiz oder die Wasserfälle in Bosnien, und mir ein Lächeln auf die Lippen zauberten, mich all die vorangegangenen Strapazen vergessen ließen. 

Was auf dieser Reise passieren sollte, damit hätten F. und ich jedoch nie gerechnet: Die Temperaturen an der schwedisch-norwegischen Grenze waren während unserer Reisetage so kalt, mit knackigen minus vierzig Grad (ich wiederhole: minus vierzig Grad!), dass weder Busse, Bahnen oder Autos nach Tromsö fuhren. Auch wenn der Norden Europas auf tiefe Temperaturen eingestellt war, toppte dies noch einmal alles. Unser Nachtzug fiel aus, wie uns einen Tag vorher, als wir im Zug nach Stockholm saßen, mitgeteilt wurde. Wir fielen aus allen Wolken und versuchten, uns am Bahnhof in Stockholm durch die schwedische Bahn Hilfe zu holen: Wir sollten das online regeln und uns die Bahntickets zurückerstatten lassen, hieß es dort. Was ich bei der Gelegenheit lernte: Skandinavien ist noch weiter in der Digitalisierung vorangeschritten als es in Deutschland und Südeuropa der Fall ist.
Nach langen Überlegungen, Diskussionen und einigen Tränen nahm ich mit F. einen Zug nach Oslo und stieg nach einer weiteren Übernachtung in Oslo letztlich ins Flugzeug, um nach Tromsö zu kommen: Meinen Vorsatz, innerhalb Europas nicht mehr zu fliegen, den ich seit fünf Jahren konsequent verfolgt hatte, warf ich zum ersten Mal über den Haufen: Andernfalls wäre die Reise, die zudem auch nicht gerade billig war, völlig geplatzt. 
Es fühlte sich merkwürdig an, nach all den Jahren wieder zu fliegen: Das erste Mal war ich mit meinem Prinzip, der Umwelt zuliebe nicht mehr zu fliegen, in ein absolutes Dilemma geraten: Vor allem betraf die Situation nicht nur mich, sondern auch meine Freundin und Mitreisende F..
Lange Rede, kurzer Sinn: Trotz allem schafften wir es letzten Endes, in Tromsö zu landen und erlebten das erste Mal in unserem Leben die Polarnacht. Das Abenteuer Arktis, das wir lange ersehnt hatten, konnte nun beginnen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen