Dienstag, 24. September 2019

Ausblick über die Dächer Venedigs



Die Rialto-Brücke in Canale Grande, den wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten, war von der Dachterrasse des dortigen Luxus-Kaufhauses gut zu beobachten. Das erste Mal auf unserem Trip, als wir mit dem Wasserbus den Canale Grande entlangfuhren, fuhren wir unter der weißen Rialto-Brücke durch, um uns wenig später das jüdische Ghetto anzusehen. Für S. als Studentin der Kultur der Metropole war dieses von großem Interesse. Uns fiel auf, dass das Ghetto, das im 16. Jahrhundert unter Napoleon entstanden und 1796 wieder aufgehoben wurde, eine andere Architektur aufwies als das restliche Venedig: Die Wohnungen schienen viel kleiner zu sein und die Häuser etwas schlichter gebaut.
Zudem herrschte hier nicht so viel Rummel wie an der Rialto-Brücke.

Zu dieser gelangten wir an einem anderen Tag erneut, mit dem Vorhaben, auf die Terrasse des Luxuskaufhauses zu gehen, um den Ausblick über Venedig zu genießen. Vor Ort konnten wir uns den Ausflug auf die Dachterrasse zu einer bestimmten Uhrzeit reservieren, der Eintritt war sogar ein kostenfreies Angebot des Kaufhauses. S. und ich spazierten zuerst durch die vielen Etagen des glamourösen Kaufhauses und gelangten bis ganz nach oben zum Dachgeschoss, in dem schon einige andere Ausflügler/innen warteten. Einige Minuten später gingen wir die Treppe zur Dachterrasse hinauf.

Von hier aus hatten wir nun den Rundumblick über die Dächer Venedigs und konnten die Krümmung des Canale Grandes sehen und die Rialto-Brücke unter uns. Unzählige Dachziegeln, manche davon unebenmäßig und schief, umgaben uns. Ich liebe dieses Unperfekte, Abgerockte, das auf seine individuelle Art schön und einzigartig ist.

Die Sonne schien warm an diesem Nachmittag und war in der Höhe besonders spürbar. S. und ich wanderten einmal rundum über die Dachterrasse und erspähten einige Gebäude ringsum, die wir bisher nur von unten kannten."Ich muss gerade an den Film 'Herr der Diebe' denken", sagte ich zu S. und holte meine venezianische Maske aus meiner Handtasche, die ich vor einigen Tagen gekauft hatte. "Der ist immer über die Dächer der Stadt gelaufen." S. und ich hatten diesen Film, der auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Cornelia Funke basiert, vor einigen Wochen zur Einstimmung auf den Urlaub geschaut.

Murano

Neben Burano gibt es noch Murano, die Glasbläser-Insel, auch als "Klein-Venedig" bekannt, von der das bekannte Murano-Glas stammt. Hier fuhren S. und ich so früh hin, dass wir nur den Einwohner/innen bei ihrem morgendlichen Spaziergang begegnet. Wir hatten inzwischen selbst die Erfahrung gemacht, was für einen Unterschied es macht, Venedig und die umliegenden Inseln morgens statt nachmittags zu erkunden. Zudem ist Murano generell nicht so überlaufen wie Venedig selbst. Es dauerte nur zwanzig Minuten mit dem Wasserbus, in Murano anzukommen.

Im Zentrum stießen wir auf einen knallbunten Weihnachtsbaum komplett aus Glas, der mich eher an moderne Kunst als ein kitschiges Exemplar zum Hinstellen erinnerte.
Die Gebäude am Wasser waren wieder auf ihre Art wunderschön, mit Blumenkästen vor den Fenstern und Säulen, die teilweise schief geratene Gebäude stützten. Am Rand der Kanäle parkten wieder jede Menge Boote, die die Gebäude zu ergänzen scheinen. Zudem reiht sich ein Glasgeschäft ans andere, in deren Schaufenstern Glaskunst in allen möglichen Formen ausgestellt wird.

S. und ich durchquerten über einige Brücken Murano bis zum Rand, von wo aus wir über die Adria blicken konnten und wieder einmal bei strahlend blauem Himmel die Alpen am Horizont schemenhaft entdecken konnten. Die entspannte, ursprüngliche Atmosphäre in Murano sagte mir und S. sehr zu. 

Samstag, 21. September 2019

Burano: Die bunteste Stadt der Welt


Wenn man sich die Insel Burano bei Venedig auf sozialen Netzwerken anguckt, wird sie als bunteste Stadt der Welt angepriesen, weshalb es auch viele Instagramer/innen dorthin zieht. S. und ich waren nicht als einzige auf die Idee gekommen, die Insel mit den bunten Häusern in den knalligsten Farben zu besuchen.
Etwa eine Dreiviertelstunde fuhren wir mit dem Wasserbus dorthin und konnten unterwegs sogar am Horizont wieder die Umrisse schneebedeckter Alpen ausmachen.
In Burano befanden S. und ich uns schnell inmitten von fotografierenden und posierenden Menschen, woraufhin wir uns einen Seitenarm eines Kanals suchten und Grissini snackten, während wir am Wasser saßen, mit Blick auf eine knallbunte Hausfassade.


Als wir die Kanäle in Burano entlang schlenderten, wusste ich zuerst nicht, wohin ich zuerst blicken sollte. Der Legende nach hatten die Bewohner/innen der Stadt die Häuser so bunt angemalt, damit Fischer ihre Häuser leichter finden konnten und ihnen das Anlegen an der richtigen Stelle leichter fiel.
In der Lagune von Venedig gehört Burano zu den am dichtesten besiedelten Inseln, mit über 2700 Einwohner/innen. 

Vegan in Italien: La dolce Vita

Pizza, Pasta und Eiscreme- wer schlemmen möchte, ist in Italien genau richtig, wie Elizabeth Gilbert, die Autorin des Reise-Bestsellers "Eat, pray, love" schon wusste. "Mit meinem Freund sollte ich auch mal Schlemm-Urlaub in Italien machen", kündigte S. an, nachdem sie sich wieder einmal ihre tägliche Eiswaffel bei unserem Stadtspaziergang geholt hatte. Jeden Tag probierte sie eine neue Sorte, weshalb bei ihr zuhause bereits Wetten darüber abgeschlossen wurden, welche Eissorte sie als Nächstes wählen würde.

Veganer/innen wie ich sind, was dieses Schlemmen betrifft, nicht ausgenommen: Veganes Eis wurde oft als solches gekennzeichnet, wie ich feststellen konnte (und nicht etwas nur Sorbet-Sorten wie Erdbeere oder Zitrone, sondern auch Sorten wie Schokolade und Nuss), in Supermärkten gab es ganze Kühlregale voller Sojajoghurt, Milchalternativen und Tofu-Produkte, und ein paar Schritte vor unserer Haustür gab es ein Restaurant, das auf seiner Speisekarte mit "Pizza vegana" warb. La dolce vita geht somit selbstverständlich auch vegan.

Als ich im Café beim Markusplatz anfragte, erstmal damit rechnend, dass ich meinen Kaffee schwarz trinken würde, ob es auch Sojamilch gäbe, hatte ich Glück und bekam einen Capucchino mit Sojamilch serviert. Sogar der Keks dazu war - zufällig- vegan. La dolce vita, das süße Leben, ist nie weiter als eine Gasse um die Ecke entfernt. ;)

Gondelfähre Triaghetto

Ohne seine Gondeln wäre Venedig nicht das, was es ist. Überall in der Stadt sind die an den Enden spitz verlaufenden Boote mit ein oder zwei stehenden Gondolieren dabei zu beobachten, wie sie durch die Kanäle fahren. Meistens sind es Tourist/innen, die sich in den roten Samtsitzen räkeln. Und diese sind offensichtlich bereit, achtzig bis hundert Euro auf den Tisch bzw. in die Hand des Gondolieres zu legen, um sich eine halbe Stunde Fahrt zu gönnen, nach dem Motto: Einmal im Leben kann man das machen.

Überhaupt macht es die Stadt sehr besonders, dass hier keine Autos unterwegs sind, sondern sich nur zu Fuß oder mit Booten fortbewegt wird.
Selbst Polizei und Sanitäter sind mit Booten, in der Regel wohl Motorbooten, unterwegs, wie S. und ich häufiger beobachten konnten. Wir stellten auch Überlegungen an, wie häufig es hier wohl passierte, dass jemand über Bord ging.

S. und ich hatten auch Interesse an einer Gondelfahrt, jedoch nicht so sehr, dass wir als Low-Budget-Reisende so viel Geld dafür ausgeben würden. Deshalb entschieden wir uns für eine andere Variante der Gondelfahrt: Die Triaghetto Gondelfähre. Als wir vom Markusplatz aus das Wasser in Richtung Rialtobrücke entlang liefen, gelangten wir zu einem Anleger, von dem aus wir mit einer Gondel von einem Ufer des Canale grande zum anderen hinübergebracht wurden.

Außer S. und mir sowie den beiden Gondolieren - an jedem Ende einer- war die Gondel leer. Für diese Fahrt, die fünf Minuten dauerte, zahlten wir pro Person nur zwei Euro und konnten trotzdem echtes venezianisches Gondelfeeling erleben, direkt auf dem Canale Grande.

Sonnenaufgang am Markusplatz

Dass Venedig eine schöne Stadt ist, ist in dieser Welt kein Geheimnis. Somit ist es auch kein Wunder, dass der Markusplatz tagsüber von unzähligen Tourist/innen bevölkert ist und die Stadt in der Nachmittagssonne vor lauter Tagesausflügler/innen fast überzulaufen scheint.
 S. und ich lieben schöne Städte, doch wir lieben es auch, schöne Plätze für uns alleine zu haben.

An unserem ersten Abend in Venedig liefen wir quer durch die Gassen und gelangten dabei irgendwann in der Dunkelheit zum Markusplatz, auf dem Livemusik gespielt wäre. S. und ich verstanden allmählich, warum die Stadt als beliebtes Reiseziel für Pärchen galt. Dabei waren wir uns uns jedoch schnell einig, dass wir mit unseren Partnern nicht hierher fahren müssen, um einen tollen Pärchenurlaub zu verbringen. Als Freundinnen ging dies genauso gut. Der Markusplatz war in der Dunkelheit nicht leer, jedoch angenehm, da nicht so viel los war wie tagsüber. Somit konnten wir die Atmosphäre des lauen Sommerabends hier genießen und uns anschließend etwas in den umliegenden Gassen verlaufen und dabei ein paar Kanäle entdecken, in denen das Wasser im geringen Lichtschein schimmerte.

Da S. und ich schöne Plätze auch gern mal fast ganz für uns alleine haben, standen wir konsequent an einem unserer Urlaubstage um halb sieben auf, nachdem die Sonne gerade ihre Strahlen zaghaft über die Stadt gereckt hatte und besonders den Dogenpalast in ein magisches Licht getaucht hatte. Auf dem Weg dorthin kamen wir an der beliebten Seufzerbrücke vorbei. S. vermutete, dass der Name daher kam, dass die Brücke aussah wie ein Gesicht, dessen Mundwinkel nach unten zeigen. Tatsächlich kommt der Name aber daher, wie wir später herausfanden, dass durch die Brücke der Dogenpalast mit dem Neuen Gefängnis verbunden wurde.

Auch den geflügelten Löwen, ein bekanntes Symbol Venedigs, auf der Säule neben dem Dogenpalast konnten wir hier einmal bei Tageslicht sehen. Die Straßenlaternen mit den rosafarben getönten Gläsern hatten es mir zudem sehr angetan. Zu dem romantischen Flair der Stadt passten sie.
Ich nutze die Gelegenheit, eine Runde zu jonglieren, da wir den Platz ganz für uns hatten. Außer uns waren nur ein paar Brautpaare unterwegs, die offenbar die Gunst der Stunde nutzten, ohne den sonst vorherrschenden Rummel zu heiraten.

An diesem Morgen gönnten S. und ich es, in einem teuren Cafés rund um den Markusplatz einen Kaffee zu trinken. In Italien und besonders in Venedig bezahlt man meistens das Doppelte dafür, an einem Tisch zu sitzen, weshalb wir für unsere Cappucchinos mit einem Krug Wasser dazu jeweils 6 bis 7 Euro zahlten. Wer nicht so viel zahlen möchte als Tourist/in, ist am besten mit einem Kaffee to go bedient, und sollte eher das berühmte Café Florian am Markusplatz meiden, in dem ein Kaffee am Tisch fünfundvierzig Euro kostet. Ich kann jedoch sagen, unser kleiner Cafebesuch hat sich gelohnt. Wir hatten das schnuckelige Cafe in einer Seitengasse spontan gefunden und hatten es um diese Zeit auch fast für uns allein. "Ein Kaffee mit Sojamilch an einem schönen Ort, damit ist mein Tag schon von vornerein gerettet", erklärte ich S., als wir zufrieden unsere Kaffees schlürften.
 Klares Fazit: Früh aufstehen lohnt sich in Venedig, denn dann entfaltet diese Stadt ihre ganz besondere Magie.

Aufbruch nach Venedig

Jedes Mal, wenn ich von meinen Plänen berichtet hatte, mit meiner Freundin S. aus Schulzeiten nach Venedig zu fahren, begannen meine Gesprächspartner/innen, von der Stadt mit den unzähligen Kanälen, den verwinkelten Gassen und schmucken Brücken zu schwärmen. Dass Venedig beliebt ist, steht außer Frage. Fast jede/r möchte dorthin, inklusive mir und S..

Zuerst entwickelten wir nur grob die Idee, einen Mädelsurlaub in Italien zu machen und schauten uns einige Orte auf der Karte an. Mein Blick wanderte die Karte nach Norditalien hoch und blieb an Venedig hängen. Nach einigen Überlegungen entschieden wir, dass wir dorthin fahren wollten.
In diesem Monat schafften wir es, unseren Plan in die Tat umzusetzen und waren vor Ort dann so begeistert wie alle, die uns von der Stadt erzählt hatten.

An einen Sonntagabend setzte ich mich in den Flixbus in Heidelberg. Mein Freund M. hatte mich noch mit einem leckeren Frühstück für die Fahrt versorgt und verabschiedete mich am Bus. Während dieser Nacht, in der ich nur wenig schlief, aber voller Vorfreude auf mein nächstes Reiseziel war, durchquerte mein Bus Süddeutschland, Österreich und dann die Alpen nach Italien. S. konnte am nächsten Mittag die schneebedeckten Bergspitzen aus dem Flugzeug betrachten, die erstaunlicherweise nicht weit weg von Venedig und den umliegenden Inseln lagen.

Als sie landete, befand ich mich bereits in einem Wasserbus (Das ist ein Boot, das als öffentliches Verkehrsmittel dient) auf dem Weg zu unserer Unterkunft. Diese lag in einer schmalen Gasse, an der ich zuerst fast vorbeigelaufen wäre, und als ich aus dem Fenster blickte, sah ich die Wäsche aus den Fenstern hängen, wie es für italienische Gassen typisch ist. Ein paar Stunden später, nachdem ich mich nach meiner Nachtfahrt etwas aufgefrischt hatte, konnte ich noch etwas aus dem Fenster erspähen: S., die gerade mit Backpacker-Rucksack und Sonnenbrille auf der Nase in die Gasse einbog. Nun hatten wir beide den Weg hierher gefunden: Unser Venedig-Trip konnte beginnen.