Dienstag, 25. Oktober 2022
Wanderung nach San Fruttuoso
Mittwoch, 19. Oktober 2022
Camogli
Insgesamt konnten M. und ich von Genua die Küste Liguriens Stück für Stück entdecken. Ein malerischer Ort reihte sich an der Küste an den anderen. Einen Ort gibt es allerdings, der uns beide besonders im Gedächtnis und auch im Herzen geblieben ist: Das verträumte Küstenstädtchen Camogli.
Allein der Bahnhof, auf dessen Bahnsteigen Palmen gepflanzt waren, war der Schönste, den ich je gesehen habe. Er war gepflegt, ruhig und bereits von hier aus war das Meer an der Seite zu erahnen. Mit Eiskaffee und einem Fruchtsaft in der Hand spazierten wir die Promenade in Richtung Hafen hinunter. Das Panorama mit der gelben, etwas verwitterten Burg am Meer war allein schon romantisch. Ein paar Leute waren unterwegs, doch es war nicht voll, sondern es herrschte eine entspannte Atmosphäre.
In dem Hafen, der von hellgelben Häusern umrahmt war begegnete uns ein Reiher, der auf einem der Boote thronte. Er posierte wie ein Model in der Sonne und sich dabei von vorbeilaufenden Passant*innen wie uns nicht stören ließ. Zum Model wurde er dann tatsächlich, als ich kurzerhand ein Foto nach dem anderen von ihm aufnahm. M. sprach genau das aus, was ich auch über Camogli dachte: Der kleine, charmante Ort war einfach zum Verlieben. Wir hatten das Gefühl, dass wir stundenlang am Hafen verweilen könnten und den Reiher beobachten konnten, der nun seine weiten Flügel ausbreitete und dabei ein majestätisches Bild abgab.
Bei unserer weiteren Tour von Camogli kletterten wir auf den Felsen hinter der Burg herum und streiften durch die Gassen, in denen die Wäsche zwischen den Hauswänden hoch über uns aufgehangen war und die Treppenstufen zu den Hauseingängen grün bepflanzt waren.Dienstag, 18. Oktober 2022
Weiter durch den Nationalpark der Cinque Terre
In den bunten, verwinkelten Gassen von Corniglia bekamen wir allmählich wieder Durst nach der schweißtreibenden Wanderung und auch etwas Hunger. So beschlossen wir, in einem der Hinterhöfe zu pausieren und bestellten einen eisgekühlten Fruchtsmoothie. Ich entdeckte zudem einen veganen Burger auf der Karte, den sich M. bestellte. Als ihm ein schmaler Teller mit ein paar Rucola- und Salatblättchen sowie einem veganen Burger-Pattie, jedoch ohne Brötchen oder anderen Beilagen, serviert wurde, konnte ich es kaum fassen. "Das ist doch kein Burger!", sagte ich kopfschüttelnd. Das Essen in Cinque Terre konnte uns zwar nicht überzeugen, die Natur und die charmanten Dörfer schon.
Wir wanderten als Nächstes durch die Berge nach Manarola, wo wir am Nachmittag eintrudelten. Das kleine Dorf erschien uns am trubeligsten von allen, was jedoch auch der Uhrzeit geschuldet sein könnte. Unzählige schnatternde Menschen mit Sonnenhüten auf dem Kopf wie ich liefen die Straße zwischen den Cafés entlang, badeten an den Felsen der Bucht und orderten kühle Drinks. Wir suchten uns ein Plätzchen im Schatten und beobachteten des Treiben. Nun wurde uns erst recht bewusst, wie erschöpft wir waren. So entschieden wir, dass wir für das Stück zu dem letzten Dorf, Riomaggiore, in den Zug stiegen.
Riomaggiore sticht besonders durch den Hafen , an dem sich die Häuser in kräftigen warmen Farben nebeneinander auftürmen. Es gab eine verhältnismäßig große Hauptstraße im Vergleich zu den anderen Dörfern, in der M. und ich uns ein paar Snacks besorgen konnten. Auch die weniger belebten Seitenstraßen, in denen uns schmale Pfade zwischen den verwitterten Häusern auf- und abwärts führten, waren für uns interessant.
Abends fuhren wir die Strecke von Riomaggiore nach Monterosso durch und hatten noch etwas Zeit, bevor wir in den Zug zurück nach Genua umstiegen. Ich freute mich nun auf nichts mehr als auf ein Bad im Meer am Strand von Monterosso. Zu meinem Erstaunen war der Strand immer noch nicht - oder inzwischen nicht mehr- überfüllt, sondern angenehm ruhig. M. setzte sich in den Sand und ich sprang ins Wasser. Nach der vielen körperlichen Anstrengung und nach all den Eindrücken der letzten Stunden empfand ich das Schwimmen im angenehm kühlen Wasser als sehr wohltuend. Meine Kopfschmerzen waren inzwischen vergessen. Außerdem fand ich den Steinstrand wunderschön - tatsächlich mag ich Steinstrände manchmal sogar lieber als Sandstrände- mit den Bergen und der Dorfkulisse Monterossos sowie den Felsen im Wasser. Ja, Cinque Terre, du bist wirklich wunderschön, so wie viele es sagen...
In den malerischen Bergdörfern der Cinque Terre
Die Cinque Terre gilt als einer schönsten Orte Italiens und besticht durch fünf bunte Bergdörfer, die in den Felsen ans Wasser gebaut sind. Unser Fernzug hielt im ersten Dorf Monterosso. Dort kauften wir eine Karte, in der die Wanderung der Nationalparks der Cinque Terre sowohl beliebig viele Bahnfahrten durch die fünf Dörfer mit inbegriffen waren.
M. und ich hatten uns entschieden, den Hinweg zu wandern. Schilder wiesen uns daraufhin, dass die Wanderung nur für körperlich fitte Menschen geeignet sei und das Tragen von Flipflops währenddessen unter Strafe stehe. Zwar hatten wir keine professionellen Wanderschuhe dabei, jedoch festes Schuhwerk. Der Wanderweg klang herausfordernd und wir nahmen die Herausforderung an. Zuvor verweilten wir jedoch noch einen Moment in Monterosso. Monterosso hat einen wunderschönen Strand mit Felsen, die aus dem Wasser ragen. Da wir bei Sonnenaufgang dort ankamen, ging ich mit M. an den noch einsamen Strand. In ein paar Stunden, so vermutete ich es, würde er von vielen Leuten belagert sein.
Von Monterosso aus wanderten wir durch die Berge nach Vernazza. Wir durchquerten Weinanbauflächen, Olivenhaine und Wälder. Zwischendurch blitzte immer mal wieder das Meer weit unten hervor. Es gab sogar auf einem einsamen Weg einen Straßenmusiker, der zu spielen anfing, als wir in Sichtweite waren.Delfine vor Genua
Worauf ich mich am Anfang der Zeit in Genua besonders freute, war die geplante Delfintour, die vom Hafen aus in Genua startete. Da ich es auf keinen Fall verpassen wollte, eine gute Sicht aufs Wasser zu haben, wenn das Boot sich nah bei den Delfinen befand, setzten M. und ich aufs Außendeck statt ins Innere des Schiffs. Schattenplätze gab es nicht, demnach würden wir die nächsten Stunde unter der hell scheinenden Sonne verbringen. Meinen Sonnenhut hatte ich zuhause gelassen, da ich Sorge hatte, bei der windigen Fahrt würde er über Bord geweht werden. Somit cremte ich mich dick ein, als das Boot den Hafen von Genua langsam verließ.
Auf dem offenen Meer bekamen wir eine Meeresschildkröte zu Gesicht, die ihren Kopf aus dem Wasser reckte. Sie war ziemlich groß für eine Schildkröte wurde auf etwa achtzig Jahre geschätzt. Damit war das Reptil, das unser Schiff aus dunklen Knopfaugen beäugte, fast dreimal so alt wie ich und hatte den Zweiten Weltkrieg miterlebt. Was für ein verrückter Gedanke. Ich stellte mir vor, dass die Meeresschildkröte schon vor Jahrzehnten auf Boote mit Tourist*innen getroffen war, die ihre Retro-Kameras gezückt hatten, während heute alle ihre Smartphones zückten. Sie musste viel erlebt haben in ihren achtzig Jahren, die Meeresschildkröte.
Danach verging Stunde und Stunde, bei der M. und ich nur auf die tiefblaue Wasserfläche neben uns blickten und sich allmählich Kopfschmerzen bei mir bemerkbar machten. Auch M. bekam die Hitze allmählich zu spüren, weshalb wir ihm aus dem Inneren des Schiffes eine eiskalte Cola besorgten. Die Delfine waren noch nicht in Sicht, dabei waren wir bereits über vier Stunden auf dem Meer unterwegs. Als auch nach fünf Stunden noch keine gesichtet worden waren und die Delfintour sich von der Dauer allmählich dem Ende zuneigte, kroch etwas Enttäuschung in mir hoch. "Das ist die Natur", sagte M. und da konnte ich ihm nur Recht geben: "Da lässt sich nichts erzwingen. Die Delfine kommen nur, wenn sie es wollen." Und sie kamen tatsächlich. Helle Aufregung machte sich an Bord breit, als eine Delfinschule, eine Gruppe aus Delfinen, neben dem Boot her aus dem Wasser sprang. Die Delfine waren immer für den Bruchteil eine Sekunde zu sehen, wie sie aus dem Wasser sprangen, tauchten dann wieder in die Wellen und sprangen erneut über die glitzernde Wasseroberfläche. M. und ich sowie all die anderen Fahrgäste waren ganz begeistert, sie dabei zu beobachten.
Doch seinen Höhepunkt erreichte das ganze noch ein wenig später, als das Tourboot schon allmählich den Rückweg zum Hafen antrat: Vor dem Schiffbug erschienen plötzlich noch einmal mehrere Delfine. Sie sprangen gleichzeitig aus dem Wasser und schienen offensichtlich großen Spaß an dem zu haben, was sie taten. Sie wirkten unglaublich verspielt. Ein Delfin sauste knapp unter der Wasseroberfläche am Boot entlang, was von uns Fahrgästen über die Reling hinweg mit großer Faszination registriert wurde. Das Warten hatte sich letztendlich doch gelohnt. Erschöpft erreichten M. und ich am frühen Abend den Hafen von Genua. Die Sonne hatte uns zu schaffen gemacht, was sich in den folgenden Stunden noch bemerkbar machen sollte. Doch ich war glücklich, den Delfinen begegnen zu dürfen. Für mich und M. stand als Nächstes eine Pizza Marinara zur Stärkung auf dem Programm.
Es gibt keine Garantie, wann und wo genau wir ihnen begegnen, doch sie dann in ihrem natürlichen Lebensraum erleben zu können, (mehr oder weniger) stille*r Beobachter*in des Geschehens zu sein, ist eine bereichernde Erfahrung. Wenn wir die Wildtiere auf diese Art und Weise beobachten, respektieren wir sie im Gegensatz dazu, wenn wir sie in Delfinarien besuchen. Dort werden sie in viel zu kleinen Becken, die den Meeressäugern verglichen mit der Weite des Ozeans keinen Bewegungsspielraum bieten, gehalten und daran gehindert, ihre natürlichen Bedürfnisse auszuleben. Da mag es nicht verwundern, dass Delfine infolgedessen in Gefangenschaft nicht sehr alt werden. Doch wer Delfine gern aus der Nähe erleben möchte- und zwar, wie sie durchs Wasser pflügen und springen- hat dank Bootsausflügen wie dieser die Möglichkeit dazu. Ich würde jederzeit wieder einen Delfinausflug planen, wenn ich die Möglichkeit dazu habe












