Insgesamt konnten M. und ich von Genua die Küste Liguriens Stück für Stück entdecken. Ein malerischer Ort reihte sich an der Küste an den anderen. Einen Ort gibt es allerdings, der uns beide besonders im Gedächtnis und auch im Herzen geblieben ist: Das verträumte Küstenstädtchen Camogli.
Allein der Bahnhof, auf dessen Bahnsteigen Palmen gepflanzt waren, war der Schönste, den ich je gesehen habe. Er war gepflegt, ruhig und bereits von hier aus war das Meer an der Seite zu erahnen. Mit Eiskaffee und einem Fruchtsaft in der Hand spazierten wir die Promenade in Richtung Hafen hinunter. Das Panorama mit der gelben, etwas verwitterten Burg am Meer war allein schon romantisch. Ein paar Leute waren unterwegs, doch es war nicht voll, sondern es herrschte eine entspannte Atmosphäre.
In dem Hafen, der von hellgelben Häusern umrahmt war begegnete uns ein Reiher, der auf einem der Boote thronte. Er posierte wie ein Model in der Sonne und sich dabei von vorbeilaufenden Passant*innen wie uns nicht stören ließ. Zum Model wurde er dann tatsächlich, als ich kurzerhand ein Foto nach dem anderen von ihm aufnahm. M. sprach genau das aus, was ich auch über Camogli dachte: Der kleine, charmante Ort war einfach zum Verlieben. Wir hatten das Gefühl, dass wir stundenlang am Hafen verweilen könnten und den Reiher beobachten konnten, der nun seine weiten Flügel ausbreitete und dabei ein majestätisches Bild abgab.
Bei unserer weiteren Tour von Camogli kletterten wir auf den Felsen hinter der Burg herum und streiften durch die Gassen, in denen die Wäsche zwischen den Hauswänden hoch über uns aufgehangen war und die Treppenstufen zu den Hauseingängen grün bepflanzt waren.
Irgendwo dazwischen gab es diesen kleinen Feinkostladen, in dem M. einkaufte. Er wollte Italien nach dieser Reise nicht verlassen, ohne ein paar Delikatessen mitgenommen zu haben und wurde nun fündig. Als er sich in dem Laden umschaute, einige Gewürze und regionale Pasta in der Hand hatte, kam die Verkäuferin zu uns, um uns zu beraten.
"Siamo vegani", erklärte ich ihr daraufhin, um sie darauf hinzuweisen, dass M. und ich beide vegan leben. Sie überlegte kurz, dann strahlte sie und zauberte aus dem Regal neben uns einen veganen Pesto hervor. Der wanderte auch direkt zu den Lebensmitteln, die M. kaufen wollte. "Bring mich hier bloß weg", sagte er zu mir, als er seinen Einkauf begutachtete, "Sonst kaufe ich noch den ganzen Laden leer!". "Wenn, dann hast du hier die Gelegenheit", erwiderte ich und ging mit ihm zum Kassentisch, "Nun bist du aber wirklich gut ausgestattet."
Am nächsten Morgen fuhren wir in aller Frühe wieder nach Camogli. Wir hatten ohnehin vor, von hier aus durch den Nationalpark am Meer zum Kloster in der Bucht von San Fruttuoso zu wandern. Davor nutzten wir die Gelegenheit, in Camogli in aller Frühe den Strand entlangzulaufen und draußen einen Espresso zu trinken. M. fand sogar in dem kleinen Barista-Laden, den wir spontan aufgesucht hatten, ein veganes Cornetto. Wir waren beide erstaunt, wie viel dies kleine Städtchen an veganen Optionen aufwies, ohne dass wir gezielt danach gesucht hätten. Es war der perfekte Start in den Tag, an den ich immer wieder gern zurückdenke und M. genauso.
Es gibt Orte, die dich auf merkwürdige Art berühren, obwohl du davor überhaupt nicht damit gerechnet hast, und mit denen du fortan ein Lebensgefühl verbindest, das sich nur schwer in Worte fassen lässt. Jemand anders mag das wiederum ganz anders erleben, das ist individuell verschieden, doch für dich ist dieser eine Ort mit deinen Erinnerungen und Emotionen verknüpft. Einer dieser Orte ist für mich und M. Camogli.
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