Montag, 1. April 2024

Oslo: Unverhoffter Zwischenstopp in der norwegischen Hauptstadt

In Oslo waren wir nur kurz und hatten den Zug spontan nur deshalb dahin gebucht, um von dort aus nach Tromsö zu fliegen. Das Zentrum von Oslo macht einen recht modernen, gar futuristischen Eindruck auf mich, sobald wir den Bahnhof verließen und in Richtung Unterkunft stiefelten. Zwischen gläsernen Bauten zogen wir über die gefrorenen Straßen unsere Rollkoffer hinter uns her - es war nur allzu leicht, auf dem glatten Untergrund auszurutschen, deshalb bewegten wir uns Schritt für Schritt, fast wie Pinguine, durch die Straßen. So kalt, wie es laut Wetterbericht ein paar Tage auch hier gewesen sein sollte, um die minus dreißig Grad, war es inzwischen auch nicht mehr.

Die Zeit reichte , um uns am nächsten Morgen ein wenig auf dem Gelände des Opernhaus in Oslo umzusehen. Was uns am meisten beeindruckte, war der Sonnenaufgang hinter dem Opernhaus. F. war den vorherigen Sommer schon dort gewesen, wobei sie auch ihre Liebe zu Norwegen im Allgemeinen entdeckt hatte, und freute sich nun, das Ganze noch einmal im Winter bei Schnee zu erleben. Nun sah das Ganze aus wie eine futuristische Eisscholle. 

Wir spazierten noch ein wenig am Hafen und in der Umgebung herum, sahen ein paar Passagieren dabei zu, wie sie Möwen und Enten fütterten, danach wärmten wir uns wieder ein wenig in unserem Hotelzimmer aus. 
Ich war dankbar dafür, einen Eindruck von der norwegischen Hauptstadt bekommen und dabei direkt ihr Wahrzeichen kennen gelernt zu haben. Auf die Magie der Natur, die Nordnorwegen nachgesagt wurde, war ich nun erst recht gespannt.

Stockholm

Nach unserem Chaos mit dem ausgefallenen Zug versuchten wir dennoch, unsere Zeit in Stockholm etwas zu nutzen. 
Von Norddeutschland waren wir über Kopenhagen mit dem Zug zu unserer ersten Etappe Stockholm gelangt. Das Wetter war kalt, jedoch längst nicht so kalt, wie ich es erwartet hätte. Ich begann schon hier, mich zu fragen, ob mir Nordnorwegen noch wesentlich kälter vorkommen würde.
Während es dunkel wurde, fuhren wir durch schneebedeckte Wohnsiedlungen, die in ihrer heimeligen Beleuchtung und in ihren üppigen Lichterketten hervorstachen. Diese war jedoch immer stilvoll und elegant, niemals kitschig. Je mehr unser Zug nach Norden fuhr, desto mehr Schnee konnten wir aus dem Zugfenster sehen. Schweden offenbarte sich uns als einziges, verträumtes Wintermärchen.

Während vereinzelte Schneeflocken vom Himmel fielen, spazierten wir durch Gamla Stan, was im Schwedischen nichts anderes als "Altstadt" bedeutet. Das Viertel besteht aus Häusern in warmen Farben wie Orange, Ocker und Rot sowie gepflasterten Straßen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Auch das Stockholmer Schloss befindet sich hier.

Ein großes Highlight, wenn nicht eines der Highlights der schwedischen Hauptstadt, waren die Bahnstationen, die als längste Art Gallery Europas gelten. Die kreativ und farbenfrohen Bahnhöfe sind wirklich eine Augenweide. F. und ich kauften uns nur deshalb ein Bahnticket für umgerechnet etwa vier Euro pro Person, um zu einigen bunten Bahnhöfen zu fahren. Die Bahnen, mit denen wir fuhren, wirkten fast nebensächlich zu dem, was sich bot, wenn wir ausstiegen. Die Bahnhöfe waren riesig und entführten uns quasi in eine andere Welt aus Regenbögen, bunten Farben und extravaganten Details.

Auf der Rückreise von Tromsö nach Deutschland verbrachte ich einen weiteren Tag in der schwedischen Hauptstadt. Hierbei war es ein merkwürdiges Gefühl, das erste Mal nach einer Woche die Sonne wieder richtig zu sehen - ich stellte mich mit meinem gekauften Mittagessen in das Licht der Wintersonne und sog ihre Strahlen bewusst ein. Nach dem Erleben der Dunkelheit der Polarnacht wusste ich sie erst recht zu schätzen.

Auf Umwegen in die Arktis


Meistens kommt alles anders, als man denkt. So erging es mir auf meiner Reise mit F., als wir einen Tag, nachdem wir ins Jahr 2024 gestartet waren, zu unserer Reise nach Nordnorwegen aufbrachen. Es sollte eine Nachtzugreise werden. Dachten wir. Doch es kam anders. 
Ich habe es schon oft erlebt, dass auf Reisen nicht immer alles glatt geht, zum Beispiel, dass sich Unterkünfte ganz anders darstellen, als sie auf den Fotos aussahen, dass die Bahn streikt oder sich die Eigentümer einer Unterkunft erst zwei Minuten vorm Check-In melden. Manchen Stolperstein konnte ich erleben, wenn ich reiste, und ich lernte nirgendwo mehr, meine Komfortzone zu verlassen und flexibel zu reagieren. Immer wieder konnte ich feststellen, dass all die Erlebnisse auf Reisen, die mir den Atem raubten, wie die grünen Berglandschaften der Schweiz oder die Wasserfälle in Bosnien, und mir ein Lächeln auf die Lippen zauberten, mich all die vorangegangenen Strapazen vergessen ließen. 

Was auf dieser Reise passieren sollte, damit hätten F. und ich jedoch nie gerechnet: Die Temperaturen an der schwedisch-norwegischen Grenze waren während unserer Reisetage so kalt, mit knackigen minus vierzig Grad (ich wiederhole: minus vierzig Grad!), dass weder Busse, Bahnen oder Autos nach Tromsö fuhren. Auch wenn der Norden Europas auf tiefe Temperaturen eingestellt war, toppte dies noch einmal alles. Unser Nachtzug fiel aus, wie uns einen Tag vorher, als wir im Zug nach Stockholm saßen, mitgeteilt wurde. Wir fielen aus allen Wolken und versuchten, uns am Bahnhof in Stockholm durch die schwedische Bahn Hilfe zu holen: Wir sollten das online regeln und uns die Bahntickets zurückerstatten lassen, hieß es dort. Was ich bei der Gelegenheit lernte: Skandinavien ist noch weiter in der Digitalisierung vorangeschritten als es in Deutschland und Südeuropa der Fall ist.
Nach langen Überlegungen, Diskussionen und einigen Tränen nahm ich mit F. einen Zug nach Oslo und stieg nach einer weiteren Übernachtung in Oslo letztlich ins Flugzeug, um nach Tromsö zu kommen: Meinen Vorsatz, innerhalb Europas nicht mehr zu fliegen, den ich seit fünf Jahren konsequent verfolgt hatte, warf ich zum ersten Mal über den Haufen: Andernfalls wäre die Reise, die zudem auch nicht gerade billig war, völlig geplatzt. 
Es fühlte sich merkwürdig an, nach all den Jahren wieder zu fliegen: Das erste Mal war ich mit meinem Prinzip, der Umwelt zuliebe nicht mehr zu fliegen, in ein absolutes Dilemma geraten: Vor allem betraf die Situation nicht nur mich, sondern auch meine Freundin und Mitreisende F..
Lange Rede, kurzer Sinn: Trotz allem schafften wir es letzten Endes, in Tromsö zu landen und erlebten das erste Mal in unserem Leben die Polarnacht. Das Abenteuer Arktis, das wir lange ersehnt hatten, konnte nun beginnen.

Sonntag, 26. November 2023

Zwischen Tower Bridge und Tuchakrobatik in good old London

Ich bin in der Vergangenheit immer wieder in London gewesen, sei es auf Klassenfahrt in Schulzeiten, Durchreisen zu Festivals und anderen Orten oder Wochenendtrip. Und jedes Mal gab es wieder etwas Neues zu entdecken. So auch dieses Mal.

Diesmal hatten meine Kindheitsfreundin Ji, die Luftartistik genauso sehr liebt wie ich, die Idee, ein einwöchiges Luftartistik-Training in London zu absolvieren. Wir mieteten uns ein Airbnb nahe der Tower Bridge und brachen jeden Morgen zum Luftartistik-Studio auf, um zu trainieren. Zur Mittagszeit kehrten wir in unsere Unterkunft zurück und zogen dann wieder nach einer Stärkung los, um London zu erkunden. Die im Dunkeln angeleuchtete Tower Bridge ließen wir uns dabei nicht entgehen, und auch nicht das Szeneviertel Notting Hill mit den bunten Häusern, das mir bei meinen letzten Besuchen schon sehr gefallen hatte. In der herbstlichen Atmosphäre mit den teils orangerot verfärbten Bäumen und der goldenen Herbstsonne, die sich zwischendurch immer mal wieder blicken ließ, hatte das Ganze noch einen besonderen Charme. 

London kann auf der einen Seite mit traditionellen, britischem Charme punkten, in Form roter Telefonzellen sowie roter Doppeldeckerbusse und English Black Tea, ist auf der anderen Seite total international, bunt und verrückt, wie an den Werbetafeln des Picadilly Circus, den mit Lampions geschmückten Straßen der Chinatown und den vielfältigen Food-Angeboten, darunter auch eine Menge vegan für uns, am Camden Market erkennbar ist. Alleine die Fahrt mit der Metro ist schon ein Erlebnis für sich. Zur Vegan-Szene gehört auch Deliciously Ella, in deren Laden wir einkehrten und ein Heißgetränk bestellten. Ji schlemmte sich durch die Angebote der Food-Hallen, unter anderem am Camden Market, und ich aß so viele Bagels wie nie zuvor. Am ersten Abend kauften wir uns jeweils einen Bagel mit Avocado und Erdnussbutter bei Beigel Bakery in der Brick Lane. "Ich kenn niemanden, der Bagels so sehr liebt wie du", stellte Ji fest, als ich die Tage danach bei einer Zwischenmahlzeit wieder einen Bagel aus meiner Brotdose hervorkramte. Tatsächlich bekomme ich immer Lust darauf, wenn ich in Großbritannien bin, genauso wie auch auf English Black Tea mit Hafermilch.

Neben den Standard-Sehenswürdigkeiten wie Buckingham Palace, West Minster Abbey und Big Ben, die ich Ji und ich beide von unseren vergangenen London-Trips schon kannten, entdecken wir ein paar Geheimtipps- die britische Hauptstadt ist schließlich noch viel mehr als das. Im gotischen Stil und leicht verwunschen war der Park um die Kirche St. Dunstan, besonders nach dem Regen, der kurz vorher hinabgetröpfelt war. Habe ich schon erwähnt, dass es in London viel regnet? Meistens hatten wir Glück und saßen gerade in der Metro oder in einem der roten Doppeldecker-Busse, während wir die Stadt hinter den Scheibenwischern sahen. Ich hatte bei unserem Ausflug nach St. Dunstan Nüsse dabei und konnte schon hier auf dem Gelände ein neugieriges Eichhörnchen entdecken, dass uns ein paar aus unseren Handflächen klaubte. Noch viele weitere kamen uns später  im Hyde Park entgegen gerannt kamen. 

Es gibt für mich kaum etwas Niedlicheres, als eine Eichhörnchen-Pfote, die in meine Hand greift und dann Nüsse knuspert. 

Bunt und verrückt war auch die Bälle-Bar Ballie Ballerson, in der nicht nur die Barkeeper mit Shaker jonglierten, sondern es auch eine Halle mit bunt angeleuchtetem Bällebad und großen Spiegeln an der Decke gab. Eine verrücktere Location habe ich selten gesehen - Ji und mir machte es großen Spaß, in dem Pool zwischen bunten Lichtern und Plastikkugeln abzutauchen. Der restliche Bereich ist mit Sitzgelegenheiten versehen und Ecken, in die sich die Besucher*innen mit einem Drink oder Snack von der Bar hinsetzen können. 

Ebenfalls schräg war die Neonschilder-Ausstellung von God's Own Yunkyard. Ji und ich fuhren mit der Metro ein kleines Stück außerhalb und konnten dann die verschiedenen Neontafeln bewundern, zwischen denen wir vor Ort einen Rundgang machen konnten. Selbst bei mehreren Durchgängen ist immer noch ein neues Schild und ein neues Detail zu entdecken. Ji mutmaßte, dass die Stromrechnung hier unfassbare Ausmaße nehmen musste. 

Auch diese Reise nach London hat gezeigt, dass es in der Hauptstadt Großbritanniens nicht so schnell langweilig wird. Es gibt Verschiedenes zu entdecken: Museen, Ausstellungen, Essen, sportliche Aktivitäten (die hatten wir dank unseres Luftartistik-Trainings ohnehin schon mit dabei) und Märkte. Bill Bryson formulierte es so: "London isn't a place at all. It's a million little places."

Dienstag, 1. August 2023

Mädelstrip nach Budapest

Wie schon beim letzten Mal kam ich wieder in Hamburg an und musste bereits einen Tag später feststellen, dass nach der Reise gleichzeitig vor der Reise bedeutet: Es gab ein ausgelassenes Wiedersehen mit meiner Freundin J., die schon länger mit mir die Idee im Kopf gehabt hatte, einen Mädelstrip in die ungarische Hauptstadt Budapest zu machen. Wir hatten beide noch frei, zumindest noch eine gemeinsame Woche. Schnell stand also die Frage im Raum: "Warum machen wir es jetzt nicht einfach spontan?" 

"Wenn ich zuhause bin, guck ich mal wegen den Verbindungen", versprach ich J., während wir im Park spazieren gingen und über den Trip sprachen. J. überlegte kurz, dann sagte sie: "Am besten bringe ich dich jetzt zum Bus und du schaust direkt nach, damit wir das fertig buchen können." Gesagt, getan. Wir hatten unglaubliches Glück, dass wir drei Tage vor Aufbruch sowohl eine schicke, preisgünstige Unterkunft als auch zwei Fernbusfahrten mit einmal Umsteigen fanden. Als wir im Bus saßen und die Nacht durchfuhren, konnte ich selbst kaum glauben, dass J. und ich es tatsächlich hinbekommen hatten, so spontan nach Budapest zu gelangen.

Budapest gilt als wunderschöne, ästhetische Stadt und ich kann nur bestätigen, dass sie diesem Ruf gerecht wird. Die Menschen wirken freundlich und entspannt, die Gebäude sowie die gesamte Innenstadt sind gepflegt und die Lebenshaltungskosten sind für ein europäisches Land relativ gering.
Vom Busbahnhof aus testeten wir zum ersten Mal den Nahverkehr der Stadt mit U-Bahn und Straßenbahn. In die gelben, nostalgischen Straßenbahnen, die J. und ich in ähnlicher Form auch in Lissabon erlebt haben, verliebte ich mich wieder direkt. Wenn wir die Wahl hatten, Straßenbahn oder ein anderes Verkehrsmittel zu unserem Zielort in Budapest zu nutzen, schlug ich am liebsten die Straßenbahn vor. Ich liebte es, mit J. darin zu sitzen und durch die Straßen zu rattern.

J. und ich entdeckten eine architektonische Augenweide nach der anderen, besonders am Ufer der Donau. Während einer Schifffahrt am ersten Abend kamen wir am Parlament vorbei, das in seiner Größe sogar genau einen halben Meter länger als die Titanic ist, und an der märchenhaft anmutenden Fischerbastei sowie passierten die Brücken, die in unterschiedlichem Baustil gebaut waren. Besondere Atmosphäre machte sich in der Dunkelheit breit, als wir das Schiff wieder verlassen hatten, sodass wir noch etwas an einer der Brücken verweilten, während die Lichter nach und nach aufleuchteten. 

Wer nach Budapest reist, wird früher oder später auf Lángos stoßen, einer ungarischen Spezialität aus frittierten Teig, der mit Sourcreme bestrichen und Reibekäse bestreut ist. Nachdem J. und ich durch das bunte jüdische Viertel zwischen Streetart und mehreren Bars bis hin zum Karavan Food-Markt geschlendert waren und dort noch kein Essen gefunden hatten, das uns überzeugte, entschieden wir uns dafür, vegane Lángos in dem beliebten Laden "Retro Lángos" zu holen, bei dem wir draußen sitzen konnten. Die Spezialität ist natürlich sehr gehaltvoll, doch etwas, das mir in Deutschland bisher unbekannt war und mich somit neugierig gemacht hatte. "Essen ist Kultur", sagt J. öfters und da kann ich ihr nur Recht geben. Vegane Lángos fanden wir auch danach häufiger an vielen Ecken der Stadt, genauso die zuckrigen "Chimney cakes", die ich in Prag auch schon kennen gelernt hatte. Generell war es leicht, vegane Angebote in Budapest zu finden, ob unterwegs oder im Supermarkt, obwohl die traditionelle ungarische Küche eigentlich recht fleischlastig ist. Wir kamen an einer Vielzahl veganer Restaurants und Cafés vorbei. Vermutlich liegt es daran, dass Budapest eine so junge Stadt ist.

Die Fischerbastei nahmen wir am Abend danach noch näher in Augenschein. Nach 21 Uhr war sie kostenfrei zugänglich und ich hatte den Eindruck, dass sich um diese Tageszeit auch weniger Menschen hier aufhielten. Die Luft war angenehm warm und trocken, während auf der anderen Flussseite der Donau der Himmel ganz andere Signale aussendete: Blitze erleuchteten zwischenzeitlich den Himmel in der Ferne, allerdings so weit weg, dass wir keinen Donner grollen hören konnten. "Hier hast du noch eine extra Lightshow dazu", sagte ich zu J., als wir erstaunt die Blitze wahrnahmen. Der Fischerbastei nahm das jedoch überhaupt nicht ihre Romantik und auch nicht dem in goldenen Licht angestrahlten Parlament auf der anderen Flussseite. Eine Straßenmusikerin spielte, die Stimmung war ausgelassen und wir beide genossen es, den Abend hier ausklingen zu lassen.

Meistens gingen wir abends noch einmal hinaus und unternahmen etwas, wie zum Beispiel einen Ausflug ins Open Air Kino. Innerhalb einer bunten Anlage mit Skaterbahnen, Essensbuden, bei denen J. sich einen veganen Lángos kaufen konnte, und bunten Streetart-Wällen gab es ein Beachvolleyball-Feld, das mit Liegestühlen versehen wurden. Mit einbrechender Dunkelheit wurde hier kostenfrei der Film "Bad Boys" abgespielt, während J. und ich bei einer Popcorn-Tüte in jeweils einem Liegestuhl saßen und die Stunts auf der Leinwand vor uns mitverfolgten. Da es zunehmend frischer wurde, blieben wir nicht bis zum Ende, doch ich war froh, die Atmosphäre des Open Air Kinos miterlebt haben zu dürfen.

Das Finale war die Radtour am letzten Tag, von der J. mich überzeugt hatte. Zuerst hatte ich große Zweifel, ob ich mich auf dem Fahrrad wohlfühlen und damit gut zurechtfinden würde, da es zu den Fortbewegungsmitteln gehört, die ich normalerweise meide. J. redete mir gut zu und letztendlich ließ ich mich auf das Experiment ein und radelte inmitten einer kleinen Gruppe über die Brücken und an den bekanntesten Plätzen der Stadt vorbei, während der Guide dazu etwas erzählte. Voller Eindrücke im Kopf saß ich in den Nachmittagsstunden vor unserer Abreise mit J. am Ufer der Donau neben dem Parlament und sog mit ihr die Schönheit dieser Stadt mit den Augen auf. 

Über Bari zurück nach Deutschland

Die letzte Etappe unserer Reise war erneut Bari, bevor es mit der Trenitalia und ÖBB zurück nach Deutschland gehen sollte. Von Korfu aus nahmen wir wieder über Nacht eine Fähre, in der wir wie auch letztes Mal in Sesseln schliefen. Ich wurde früh wach und ging an Deck, um mir den Sonnenaufgang anzusehen. Sonnenaufgänge und -untergänge hatte ich auf dieser Reise noch mehr lieben gelernt als zuvor.

M. und ich kosteten noch einen vollen Tag das süditalienische Leben mit Pizza Marinara, Focaccia Barese und Soia-Espressino in meinem Lieblingsbistro Vergnagno in Bari aus, sogen das Gefühl auf, durch die Altstadt zu wandern. Nach einigem Suchen fanden wir schließlich auch die Orecchiette-Dame wieder, bei der wir am ersten Abend in Bari Pasta gekauft hatten. Mit reichlich italienischem Essen, darunter auch Taralli und Olivenöl, im Gepäck würden wir demnach am nächsten Tag in die Trenitalia steigen und wieder nach Deutschland zurückkehren.
Mit gut gefüllten Mägen gingen wir abends schlafen und es wurde allmählich realer, dass nun der zweite Teil der Reise sich zum Ende neigte. M. und ich konnten gemeinsam feststellen, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, unsere Reise fortzusetzen und all die Dinge zu erleben, die wir in den letzten Wochen erlebt hatten. Wir hatten Italien nun noch besser kennen gelernt, fühlten uns dort erst recht zuhause und ich hatte einen intensiveren Eindruck von einigen südosteuropäischen Ländern und ihrer Vergangenheit bekommen. Wieder einmal war diese Reise zusammen mit M. ein Abenteuer, das ich nicht missen möchte.

Kerkyra: Griechisches Leben auf Korfu

Da Korfu zweimal der Zwischenstopp auf den Fahrten zwischen Italien und Albanien war, hatten wir Gelegenheit, hier einige Stunden zu verbringen, ohne hier zu nächtigen. Schon auf der Hinfahrt hatte mich Korfus Hauptstadt Kerkyra sehr begeistert, mit ihren warmen Farben, den Streetart-Kunstwerken mittendrin und der Freundlichkeit der Menschen. In Kerkyra holten wir uns in der heißen Nachmittagssonne einen kühlen, frisch gepressten Saft und bewegten uns mit ihm in der Hand durch die schattigen Seitengassen der Altstadt.

Auf der Rückfahrt von Saranda aus hatten M. und ich noch etwas vor: Wir wollten eine Tour mit dem örtlichen Piratenschiff  machen. Da sich die Zeit eine Stunde nach vorne verschob, war es bereits Mittagszeit, als wir dort ankamen und wieder einmal unser Gepäck in der Gepäckaufbewahrungsstation verstauten. Im Nachhinein erinnere ich mich sehr gern an diese Piratenschiff-Tour zurück. Das Schiff, die "Black Rose" war an sich schon ein Erlebnis, so reichlich, wie es in Gold und Schwarz im Detail verziert war, mit einer Schatztruhe auf dem Deck. 

In der Schatztruhe gab es Accessoires wie Piratenhüte und Säbel, sodass wir unser Äußeres auch piratenmäßig auf das Schiff abstimmen konnten. Das Schiff fuhr uns mit musikalischer Untermalung ein Stück die Küste entlang und bot uns somit noch ein bisschen Sightseeing. 

Es brachte uns zu einem Platz, an dem die Flugzeuge sehr dicht über unsere Köpfe hinwegflogen. Beeindruckt warfen wir unsere Köpfe in den Nacken und blickten der Maschine hinterher, die über uns hinwegsauste. M. und mir erschien die Fahrt wie das musikalisch begleitete Ende eines Films, was ganz gut passte, weil wir am Ende dieser Reise standen.