Dienstag, 31. Dezember 2024

Weihnachtszeit in den andorranischen Pyrenäen


Nach den letzten Trips dieses Jahr in die kleinsten Staaten Europas, die in der letzten Zeit mehr und mehr meine Neugier geweckt haben, war es auch im Dezember noch nicht vorbei: Über Paris fuhren wir in den in den Pyrenäen gelegenen Staat Andorra.
 Bei den Deutschen ist Andorra ein noch vergleichsweise unbekanntes Reiseland. Unsere Unterkunft befand sich mitten in der Altstadt von der Hauptstadt Andorra La Vella. Auf der Höhe der Stadt lag kein Schnee, doch die Stadt glitzerte vor lauter Weihnachtsbeleuchtung und war mit kreativen Weihnachtsinstallationen geschmückt, sodass hier definitiv Weihnachtsstimmung aufkam. Nahe unserer Unterkunft befand sich sogar ein singender Weihnachtsbaum, aus dessen beigefügter Musikbox jeden Abend Weihnachtslieder zu hören waren.
Auch die Brücke im Zentrum, auf der in großen Buchstaben "Andorra La Vella" stand, leuchtete jeden Abend ansprechend im Dunkeln.

An einem der letzten Abende fand vor der Brücke eine Wasserlicht-Show statt, bei der das in Fontänen sprudelnde Wasser mit Musik untermalt in verschiedenen Farben angeleuchtet wurde. Viele Straßen sowie der Weihnachtsmarkt waren mit Lichterketten überdacht und die Hauptstraße war gespickt mit verschiedenen Figuren wie Micky Maus, Olaf, der Schneemann aus "Die Eiskönigin" und Pinguinen aus bunten Lichterketten. Von dem Wanderweg, dem Passeig del Sol, hatten wir daher nicht nur tagsüber einen guten Überblick über die Hauptstadt von oben, sondern auch im Dunkeln, wenn alles leuchtete.

Schnee sollten wir jedoch auch noch erleben: Mit der längsten Seilbahn Europas fuhren wir den Berg vom Ort Encamp hinauf in die Schneelandschaft der andorranischen Bergwelt. Für mich war diese Seilbahnfahrt die erste, bei der ich mit M. allein eine Gondel teilte. Auf der 25-minütigen Fahrt hatten wir genügend Zeit, das Bergpanorama in uns aufzusaugen. Mir kam der Spruch "Paradise doesn't have to be tropical" in den Sinn, demnach Paradiese nicht zwingend immer tropisch sein müssen. Das Gesicht dieser Erde hat noch einiges mehr zu bieten. Wir stapften beim Gebiet um den Gipfel durch den Schnee, während einige Skifahrer*innen in unserer Nähe herumwuselten, und ließen uns die Sonne, die auf dieser Höhe sehr hell schien, auf die Nasenspitze scheinen. Ein Stück tiefer am Berghang liefen wir wenig später über eine Hängebrücke, die jedoch nicht ganz so hoch war, und spazierten an ein paar einsamen Steinhäusern in traditioneller andorranischer Bauweise vorbei. Dadurch, dass wir Schneehosen anhatten und warm eingepackt waren, froren wir auch nicht so schnell.

Am letzten Tag vor unserer Abreise ging es nach Canillo, einem Ort, der mit typischen andorranischen Steinhäusern im Tal und malerischen Aussichten in den Bergen lockt. Die Hängebrücke, die im Vergleich zu der in Canillo wesentlich höher gespannt war und dementsprechend ein adrenalinreiches Erlebnis zu werden versprach, war wetterbedingt leider geschlossen, weshalb wir sie nur aus der Ferne anschauen konnten. Roc El Quer, einer der bekanntesten Aussichtspunkte war jedoch geöffnet. Wir wanderten die Serpentinen der Straße den Berg hinauf, passierten irgendwann die Schneegrenze und wurden mit der Aussicht auf die Berge belohnt. Von hier aus konnten wir sogar den schlangenlinienartigen Weg zurückverfolgen, den wir bis hierher zurückgelegt hatten. Auf dem Rückweg nahmen wir den wesentlich steileren Fußgänger*innen-Weg an einem Bach entlang, der dementsprechend schneller ging als die Tour bergauf.

Am Abend, als M. und ich gerade aus Canillo zurückgekehrt waren und in unserem Hostelzimmer unser Abendessen zubereiteten, hörten wir plötzlich laute Musik von der Straße her. Uns war sofort klar, dass da draußen irgendetwas los war, wussten nur nicht, was. "Sollen wir kurz rausgehen und nachschauen?", fragte ich. Gesagt, getan. Wir schlüpften in unsere Jacken und gingen die Treppe zum Hinterhof hinaus. Bei der Hauptstraße ein paar Wegbiegungen entfernt erwartete uns eine Weihnachtsparade ganz in Weiß, die mit dem großen Mammut aus Pappmaché wohl unter dem Motto Steinzeit stand. Ein paar weiß gekleidete Tänzer*innen führten ihre Choreographie zu und das Ganze wurde mit einem weißen Konfettiregen abgerundet. Atemlos kehrten wir wenig später in unsere Unterkunft zurück und ich fand, dass das für uns der genau richtige Abschied gewesen war, bevor wir Tags darauf die Heimreise antraten.

Mit dem Zug ins herbstliche Luxemburg

Mit meiner Freundin F. fuhr ich im November in den kleinen Staat Luxemburg, um dort ein verlängertes
Wochenende zu verbringen. Der kleine Staat liegt eingebettet zwischen Deutschland und Frankreich, was sich auch in der dortigen Sprache widerspiegelt. Wie wir schon auf dem Weg zu unserem Airbnb feststellen konnten, bestanden die Straßennamen aus einer Mischung aus Französisch und Deutsch. Neben Luxemburgisch, das selbst nach einem wilden Mix aus eben diesen beiden Sprachen klingt, sind Deutsch und Französisch die offiziellen Amtssprachen des Zwergstaats. Im Café wurden wir auf Deutsch angesprochen, im Supermarkt auf Französisch. Mit beiden Sprachen kamen wir hier ziemlich weit.

Die Hauptstadt Luxemburgs besteht aus einer "Unterstadt", die vorwiegend durch alte Häuser geprägt ist, sowie aus einer modernen "Oberstadt". Zu dem Zeitpunkt, an dem wir da waren, waren die Bäume in bunte Herbstfarben getaucht. Besonders schön anzusehen war dies von dem Aussichtspunkt am Panoramaaufzug, der die Oberstadt mit de Unterstadt verband. Neben dem Fahrstuhl in der Oberstadt befindet sich ein großes gläsernes Panoramafenster mit einem Glass Walk, das mir besonders gefiel und für meinen Geschmack einer der besten Orte von Luxemburg ist.

Im Zentrum konnten wir uns alte Ruinen anschauen, die uns in vergangene Zeiten zurückversetzten und zwischen dem Herbstlaub der Bäume eine märchenhafte Atmosphäre erzeugten. Im unteren Teil der Stadt konnten wir einem Fluss folgen, der Alzette, an deren Ufer eine lilafarbene, moderne Statue einer Meerjungfrau aus dem 3D-Drucker auf uns wartete: Die Melusina. Der Legende nach heiratete die Nixe Melusina den ersten Grafen von Luxemburg im Jahr 963 unter der Bedingung, dass sie jeden Samstag Zeit ungestört für sich habe. Als der Graf irgendwann vor unstillbarer Neugier sein Versprechen bricht und Melusina durchs Schlüsselloch beobachtet, wobei er ihren Fischschwanz in einem Wasserbottich entdeckt, erschrickt sie und verschwindet für immer in den Fluten der Alzette.

Am zweiten Tag unseres Luxemburg-Trips fuhren F. und ich nach La Rochelle, was übersetzt so viel  wie "Kleiner Felsen" bedeutet. Der Name wird dem Ort absolut gerecht, denn nicht nur die Burg dort thronte auf einem Felsen, sondern wir konnten einige Wanderwege finden, die an märchenhaft anmutenden Felsen vorbeiführten. In La Rochelle ging es sehr ruhig auf den Wanderwegen zu. Wir fanden einen kleinen Wasserfall am Wegesrand und konnten ein paar wunderschöne Aussichten in Richtung Burg bestaunen, für die allein sich dieser Trip schon gelohnt hatte.
Von der Luxemburger Hauptstadt kamen wir mit einer etwas längeren Busfahrt dorthin. Der Nahverkehr innerhalb Luxemburg ist übrigens komplett kostenlos, sowohl für Einheimische als auch Tourist*innen. Das habe ich zum ersten Mal in einem anderen Land kennen gelernt und finde dies sehr entspannt, da die Planung und Organisation von Fahrkarten dadurch komplett wegfällt.
Insgesamt fand ich Luxemburg als Kurztrip im Herbst super, um entspannt wandern und spazieren zu gehen, Burgen bzw. Burgruinen anzuschauen und die entspannte Atmosphäre zu genießen.

Donnerstag, 17. Oktober 2024

Posen: Die polnische Perle

Meine Freundin L. und ich entschlossen uns, den goldenen Herbstanfang auszukosten und ein verlängertes Wochenende wegzufahren, um die polnische Stadt Posen kennenzulernen. Wir fuhren mit dem Fernbus über Berlin und waren von dort aus innerhalb von zwei Stunden dort. Unser Nachbarland Polen ist von unserer Hauptstadt schnell erreichbar und doch gehört es zu den Destinationen, die ich lange nicht so auf dem Schirm hatte. Apropos Schirm: Während unseres verlängerten Wochenendes Ende September schien die Sonne bei sommerlich warmen 24 Grad und es zogen zwischendurch kein einziges Mal graue Wolken auf. Einen schicken, bunt gemusterten Regenschirm kaufte sich L. trotzdem, denn das würde sie in unserer norddeutschen Heimatstadt noch gut gebrauchen können, wie sich nach unserer Rückkehr herausstellen sollte. 

Posen erschien mir auf den ersten Blick von den Ausmaßen, unter anderem beim Busbahnhof, größer und ausladender, als ich es zuerst erwartet hatte. Die Gebäude und Bürgersteige wirkten sehr modern und gepflegt, von dreckigen Gehwegen war keine Spur. Unsere Unterkunft am Rande der Altstadt Stary Rynek war für sich schon ein Highlight unseres Posen-Trips. Abends konnten wir hier sitzen und Smoothie oder trinken, mit Blick auf die Spitze des Rathauses, während die Stadt ringsum in goldenem Licht versank. "Das müssen wir ausnutzen", befand ich, "Nun müssten wir jeden Abend hier sitzen." Das taten wir dann auch.

In der Altstadt ging es ähnlich gepflegt zu. Der Platz um das Rathaus war riesig, sodass allein hier schon vier Brunnen mit Göttern aus der griechischen Mythologie Platz fanden. Um 12 Uhr war der Platz vorm Rathaus recht voll, weil aus der Rathausuhr zwei hölzerne, weiß angestrichene Ziegenböcke aus einer Klappe herausspazierten und sich pünktlich zur vollen Stunde mit ihren Hörnern duellierten. Allgemein sind die beiden Ziegenböcke Programm in dieser Stadt: Es gibt Statuen, Streetart-Bilder an den Wänden und jede Menge Souvenirs. Leider auch zwei echte, angebundene Ziegen, die ich an einem Vormittag in der Altstadt auf dem Marktplatz ausmachen konnte, mit denen sich Tourist*innen fotografieren lassen konnten- was die Menschen dabei als Spaß empfinden, ist für die Tiere eher selten ein Spaß, wenn sie den Geräuschen und Gerüchen ringsum ausgesetzt sind.

Insgesamt konnten wir viel Zeit in der Innenstadt verbringen: Es gab kleine, süße Cafés und Straßenlokale in bunten Farben zu entdecken, mit Blumen verzierte Wände und Streetart-Bilder. Die rosa Kathedrale, in der Orgel gespielt wurde, war auch nicht weit weg. Die Gebäude waren teilweise schon sehr alt, waren in der Vergangenheit jedoch immer wieder restauriert worden, sodass sie auf mich taufrisch wirkten und die Farben ziemlich klar waren. 

Von der Innenstadt aus gelangten wir auch ziemlich einfach zur Dominsel, dem ältesten Teil Posens, der sogar Jahrhunderte zuvor den ursprünglichen Stadtkern dargestellt werden. Der Dom selbst zeichnet sich durch den Backsteinbau aus, wirkt dadurch jedoch gar nicht so alt, wie er eigentlich ist. Hinter dem Dom fanden wir die fotogene rote Brücke, die die Dominsel mit dem Viertel Sródka verband. Sródka ist ein entspanntes und zugleich hippes Viertel mit kleinen Läden und Cafés, das sich vor allem durch verschiedene Streetart-Motive und -Installationen auszeichnet. 
Abends ging es für uns in den Zitadellenpark, einem großen Park mit weitläufigen Spazierwegen, Wiesen und modernen Skulpturen sowie einer Fläche, auf der Panzer und Kanonen ausgestellt waren. Auch gegen 19 Uhr war es noch so warm, dass wir hier auf einer Parkbank picknicken konnten. 

Am zweiten Tag erkundeten wir den Maltasee, der mit einem längeren Spaziergang von 30 Minuten von Stary Rynek fußläufig erreichbar ist. Dort gibt es nicht nur einige Wassersport-Anlagen für Wasserski und Sportboote, sondern auch einen kleinen Freizeitpark mit Bobbahn und Sommerrodelbahn. Das Erlebnis ließen wir uns nicht entgehen und zogen an einem Automaten Tickets für beide Bahnen. Kurz darauf sausten wir den Berghang hinauf und rasten nach einer Kurve abwärts die Schienen entlang mit Blick auf den Maltasee. Meine Bobbahn bremste ein wenig ab, als ich auf der Strecke durch einen Tunnel voller bunt gefärbter Blätter fuhr - quasi ein herbstlicher Märchenwald- und ich hielt kurz inne, um einen Blick ringsum zu werfen. Dann kam L. um die Ecke gesaust und auch ich gab wieder Gas, sodass wir die restliche Strecke zum Ziel schlitterten. 

Wir setzten unseren Spaziergang am Maltasee fort und bogen irgendwann in den Wald ob, wo sich ein Baumwipfelpfad befindet. Dieser schien noch recht neu zu sein, da das Holzgerüst noch taufrisch und hell wirkte. Hier konnten wir ein paar hundert Meter über die Holzkonstruktion spazieren, von oben in den Wald spähen und auf einer Holzbank eine Rast einlegen. Ein wenig später vollendeten wir unsere erste Runde um den See, bei der wir noch Adrenalinjunkies, die sich von einem Kran aus im Bungee-Jumping probierten, kreischen hören konnten (Ich hatte nicht vor, das auszuprobieren, was L. sehr beruhigte), war unsere Zeit am Maltasee noch nicht zu Ende: Wir fuhren noch ein paar Stationen mit der Maltanka, einer kleinen, dampfbetriebenen Eisenbahn) durchs Unterholz. Nun war auch dieser Tag in Posen ein Erlebnis, das wir nicht missen möchten.

Sonntag, 15. September 2024

Menton: Zwischen Steinstrand, Socca-Pfannkuchen und Sonnenschein

Auf dem Rückweg von Monaco stiegen J. und ich in Menton aus. Menton liegt mit dem Zug nur fünfzehn Minuten von Monaco entfernt und doch fühlte ich mich gleich wieder wie in einer anderen Welt. Wo Monacos Gebäude blitzeblank waren und mehrstöckig in die Höhe ragten, hatte Menton kleine Nebenstraßen mit älteren Häusern, an denen die Wände charmant abgeblättert waren. Statt Luxusrestaurants waren hier Stände mit Socca, dem regionalen Streetfood aus in Öl gebackenen Kichererbsen-Pfannkuchen, für drei Euro fünfzig zu finden. Socca ist quasi die französische Entsprechung zu den italienischen Farinata, die ich in Genua kennen gelernt hatte.

J. und ich, nach dem vielen Bergauf- und Bergab-Laufen unter der monegassischen Sonne gingen direkt zum Strand, ich tauschte nach kurzem Überlegen mein elegantes Kleid gegen Bikini und wir ließen uns in klare, kühle Meerwasser der C'ote d'Azur gleiten. Die C'ote d'Azur und Ligurien zeichnen sich dadurch aus, dass sie hauptsächlich aus Steinstrand bestehen. Wenn es in der Region Sandstrand gibt, ist dieser meistens künstlich aufgeschüttet. Die Steine mögen beim Hineingehen an den Füßen piksen, haben andererseits den Vorteil, dass nach einem Bad im Meer der Sand nicht am halben Körper klebt. 

Zufälligerweise waren wir an einem Hundestrand gelandet. Ringsum konnten wir verschiedenste Hunde beobachten, die mit ihren Menschen im Wasser plantschten. Einige dösten faul in der Sonne, andere schwammen hinter ihren Menschen hinterher, teils um mit ihnen zu tollen, teils, um sie aus dem ungeheuerlichen Nass zu retten, oder jagten hinter geworfenen Frisbee-Scheiben hinterher. Allein wegen der ganzen niedlichen Hunde hatte dieser Strand sich schon gelohnt. Hier konnten wir erstmal bleiben und es auch in der Nachmittagssonne, die inzwischen ihren Höhepunkt erreicht hatte, aushalten. "Dieser Strand gehört bisher mit zu den Schönsten bisher während dieses Urlaubs", sagte J. und schloss genussvoll die Augen. Da konnte ich nur Recht geben.

Als wir uns genug entspannt hatten und die Luft auch wieder angenehmer werden zu begann, begaben wir uns auf einen Rundgang durch die Altstadt. Zitronen waren hier das Programm, weil Menton auch als Stadt der Zitronen gilt. Es wird sogar alljährlich zur Karnevalszeit ein Zitronenfest gefeiert. Es gibt jede Menge Souvenirshops, die die gelbe Frucht durch Seifen mit Zitronenduft, Tischdecken mit Zitronenmotiv und Zitronen-Magneten ehren. Die Farbe Gelb war in Menton jedoch nicht nur durch die Zitrone vertreten, sondern durch durch die Farben der altstädtischen Häuser, die in warmen Orange-, Gelb- und Grapefruit-Tönen leuchteten.  Einen Sommertag in Menton verbinde ich nun mit dem glitzernd kristallblauen Wasser der C'ote d'Azur, mit dem Grün der Berge hinter einer Altstadt aus warmen Farben, die wie in einen Vintage-Filter getunkt zu sein scheint, und südfranzösischer sorgloser Leichtigkeit, die an einen schier niemals endenden Sommertag an der Jugend erinnert. Wenn hier kein Sommerfeeling aufkommt, dann weiß ich auch nicht...

Monaco

Der Bürgersteig war wie geleckt, die Gebäude und die Straßen wie blank poliert und die Luft durch die stehende Hitze gefühlt zum Schneiden dick. Wir waren von Sanremo aus mit einem Zug zum italienischen Ort Ventimiglia gefahren, von wo aus wir in einen französischen Zug stiegen. Nach etwas mehr als einer Stunde befanden wir uns im Fürstentum Monaco. 
Der zweitkleinste Staat dieser Erde nach dem Vatikan ist vom umliegenden Frankreich unabhängig und gehört nicht zur EU (weshalb es klug ist, wie auch in der Schweiz und in anderen Zwergstaaten wie Vatikan & Co vor der Einreise das Datenroaming auszuschalten). Als EU-Staatsbürger*innen ist es trotzdem möglich, mit Personalausweis einzureisen. 

Wir spazierten vom Hafen aus, in dem sich eine Yacht neben die andere reihte, zum Stadtteil Monte Carlo, zu dem neben einem dschungelartig angelegten Park und einer ebenso tropisch begrünten Einkaufsmeile das berühmte Casino von Monaco gehört. Auf dem Platz davor tummelten sich so viele Menschen, dass sichtbar wurde, was es für einen Hotspot in Monaco darstellt. Das Foyer des Casinos konnten wir sogar betreten und von dort aus einen Blick auf die Nebenräume erhaschen, wo einige Menschen zum Blackjack-Spielen auf edlen Sesseln saßen. Genau so, als wäre die Szene einem James-Bond-Film entsprungen und so, wie ich es mir vorstellte. Als ich später M. ein Foto von dem Casino mit ein paar Ferrari davor schickte, kommentierte er: "Du stehst da etwa vor einer Million Euro". Kein Wunder, wir waren schließlich auch in Monaco, dem Staat, in dem die Reichen in Yachten und Luxus-Immobilien residierten. 

Sogar die Bahnlinie, mit der wir gekommen waren, war unter der Erde angelegt, da die Fläche des Staates dicht bebaut mit Letzteren war. 
Schließlich gilt Monaco als das Land mit den weltweit höchsten Lebenshaltungskosten. Ein Tagesausflug bot sich für mich und J. daher perfekt an: Anschauen wollten wir Monaco gern, doch zum Essen und Wohnen sagte Italien uns mehr zu.

Besonders angetan hatte es mir der Park direkt gegenüber des Casinos. Zwar war auch hier alles millimetergerecht gestutzt, doch ein wenig tropisches Flair inmitten der dichten Bauten Monacos verströmte er allemal. Zudem spendete er uns das eine oder andere schattige Plätzchen und bot uns auch den einen oder anderen schönen Blick auf das Casino. 

Montag, 9. September 2024

Sanremo


Nach einem kurzen Zwischenstopp in Mailand, den wir dazu nutzten, um Focaccia zu kaufen, und einem weiteren Zwischenstopp in Genua, wo sich die Nachmittagshitze allmählich merklich aufstaute, gelangten wir nach Sanremo. Dort waren wir am Ziel dieser Reise angelangt. Durch einen schier endlosen Tunnel ging es durch das Bahnhofsgebäude hinaus. Durch die Rolltreppen, die geradeaus verliefen, fühlte ich mich, als befänden wir uns in einer Flughafenhalle. 
Etwas erschöpft durchquerten J. und ich das Stadtzentrum von Sanremo und rollten unsere Koffer durch die Fußgängerzone in Richtung unseres Apartments. Das pulsierende Leben empfing uns direkt und wir kamen bereits am Casino und der architektonisch prachtvollen russisch-orthodoxen Kirche vorbei, ehe wir einen Fuß in die Unterkunft gesetzt hatten. 

Zuerst wunderte ich mich, dass es hier keinen ausgeprägten Busverkehr gab. Offenbar besaß die Mehrheit der Menschen hier ein eigenes Auto. Insgesamt wirkten die Menschen auf uns hier ziemlich wohlhabend. Als J. und ich auf einer Bank an der mit Palmen gesäumten Promenade unser selbst gekochtes Mittagessen, Pasta mit gebratenem Gemüse, aßen, wurden wir von einigen vorbeilaufenden Familien recht schief angeschaut. Anscheinend war das unter Urlaubenden hier nicht unbedingt üblich.

Als wir abends nach einem Strand suchten, um uns ein wenig im Sand bzw. auf Steinen zu entspannen, stellten wir fest, dass die meisten Strände zu einer Anlage gehörten und damit zu dieser späten Zeit bereits abgeschlossen waren. Das Meeresrauschen war in einiger Entfernung zu hören und wirkte sehr verlockend. Zwar gilt Sanremo als einer der schönsten Badeorte von Ligurien, ist in der Hochsaison allerdings auch ein klassischer Fall von Sonnenschirmchen-Liegen-Strand. Was Strände angeht, reizen mich die am meisten, an denen ich kilometerweit durch die Brandung und den Sand laufen kann und das Rauschen der Wellen im Ohr habe, ohne dass der Strand überfüllt und voller Lärm der Menschen ringsum ist. 
Da wir zunächst nichts anderes fanden, verbrachten J. und ich einen Vormittag an einem kostenpflichtigen Strand unweit unserer Unterkunft. 

Der Vorteil war hierbei, dass wir unsere Sachen in einen Spind schließen und somit zusammen im Wasser sein konnten. Dabei machte ich Bekanntschaft mit einem Fisch, der sich im wahrsten Sinne des Wortes an meine Fersen heftete und (ohne Scherz) daran zu knabbern begann. Erst fragte ich mich, was da kitzelte, dann schaute ich an mir herab ins klare Wasser und begann, zu lachen. "Solange es kein Petermännchen ist", sagte ich grinsend zu J., "Ich hab es offenbar mit den Fischen." Über mein Zusammentreffen mit dem giftigen Petermännchen in Gibraltar vor drei Jahren habe ich ebenfalls in einem Blogbeitrag berichtet.

J. und ich fanden während unserer Zeit in Sanremo doch noch einen Strand, der nicht überfüllt war und an dem wir erneut einen Sonnenuntergang genießen konnten. In Sanremo nutzten wir nun sogar ziemlich häufig die Gelegenheit, Sonnenuntergänge anzusehen, da wir mehr abends als tagsüber draußen waren. Tagsüber war es ziemlich heiß, sodass wir uns zwischendurch in unsere Unterkunft zurückzogen und uns mit Wassermelone erfrischten. Als wir uns einem Nachmittag in die Altstadt Sanremos wagten und viele Treppen hinauf zu einem Park stiegen, gerieten wir dabei ganz schön ins Schwitzen. Die Aussicht auf die Dächer der Stadt von oben war letztlich ein Besuch wert, doch ist bestimmt auch frühmorgens oder in der Abendstimmung wunderschön.

Jeden Abend gehörte es zu meinen Highlights, die Silhouetten der Palmen im Abendrot zu sehen. Ich liebe nämlich nicht nur Sonnenuntergänge, sondern auch Palmen. Und: Pizza Marinara liebe ich auch. J. und ich holten uns die älteste Pizza der Welt (die von Grund auf vegan ist und nicht etwa mit Meeresfrüchten, wie viele glauben) und setzten uns damit an den Strand, an dem zum Glück viel Platz war und an dem wir auch bis zum Einbruch der Dunkelheit bleiben konnten. Leider erinnerte die Pizza eher an Flammkuchen, wie wir feststellten, und entsprach nicht dem, was eine neapolitanische Pizza mit dickem Rand ausmacht. "Wie eine Frisbeescheibe", meinte J. trocken mit einer entsprechenden Handbewegung und wir lachten. Ein paar Tage später wiederholten wir den Pizzaabend. Ich fand einen Pizzaladen mit großem, iglu-förmigen Ofen und ein paar mit Pizzateig davor hantierenden Pizzaiolos- hier schienen wir richtig zu sein. Als wir diese Pizza mit Blick aufs Meer vernaschten, waren wir diesmal auch mit unserem Abendessen sehr zufrieden.

Sonntag, 8. September 2024

Comer See

Die Zugfahrt von Basel nach Como führte durch die Schweiz und gehört mit Abstand zu den schönsten Zugfahrten, die ich auf dieser Reise erleben durfte. Zwar war es voll im Zug und zwischendurch machte sich die Mittagshitze bemerkbar, die Aussicht jedoch war ein Traum: Aus dem Zugfenster konnten wir kitschig hellblaue Seen entdecken, sattgrün bewachsene Berge und hier und da zwischendurch plätschernde Wasserfälle. Italien war schön, doch auch der Schweiz wohnte ein gewisser Zauber inne.

In Como kamen wir in der schwülen Nachmittagshitze an.
Als wir im Hotel eincheckten, war ich erleichtert, dass es keine Komplikationen aufgrund der zuvor verpassten Nacht gab. Nachdem wir die erste Nacht ungeplant in Basel verbracht hatten, hatten wir nur eine Nacht in Como. Als wir das Zimmer betraten, fanden wir eine Panorama-Tapete mit dem Motiv des Comer Sees bedruckt vor, dafür kein Fenster. Insofern war ich im Nachhinein gesehen gar nicht einmal so böse darum, die eine Nacht in dem lichtdurchfluteten Hotelzimmer in Basel verbracht zu haben. Hier waren wir ohnehin nur zum Schlafen.

Nachdem wir Focaccia und Obst zur Stärkung besorgt hatten, wurde es langsam etwas kühler. Ein guter Zeitpunkt, um am Comer See entlang zu spazieren. Der Comer See selbst ist ziemlich groß, sodass ein einzelner Tag lange nicht ausreicht, um alles zu entdecken. Wir gingen von der Bahnstation Como di Lago dorthin. Dabei passierten wir einige Gassen und Marktplätze des Ortes, in denen das gastronomische Leben pulsierte. Das italienische Lebensgefühl war hier sofort wieder zu spüren, auch wenn Como als sehr touristisch empfunden werden mag. J. und ich merkten, wie wir uns beim Gehen und mit der aufkommenden Abendstimmung immer mehr entspannten.

Es gab eine Fontäne direkt am Wasser, die munter vor sich hin sprudelte. Einige Menschen standen unter dem spritzenden Wasser und hatten damit die perfekte Abkühlung. "Wollen wir?", fragte ich. Wir überlegten einen Moment, da wir nicht wussten, ob der Boden zu rutschig war, doch bei den anderen schien es auch zu funktionieren. Also traten wir in den Sprühnebel und genossen die kühlen Wassertropfen auf der Haut.

Der Sonnenuntergang verwandelte den Comer See in ein schönes Farbspiel, sodass ich mich wieder einmal fragte, warum ich so selten dazu kam, Sonnenuntergänge anzuschauen. Dabei gibt es jeden Tag einen, auch in Deutschland, und trotzdem verpasse ich die meisten davon. Mit der Dunkelheit erschienen die warmen Lichter, spiegelten sich im Wasser und es wurde Straßenmusik gespielt wie auch gestern in Basel. Das Gefühl eines lauen Sommerabends machte sich breit. "Eigentlich sollte man so etwas viel öfter machen", sagte J.. "Dorthin fahren, wo es schön ist, und die Atmosphäre genießen wie hier." Würde nicht am nächsten Morgen die Weiterfahrt nach Sanremo auf uns warten, hätten wir noch länger hier auf der Bank mit Blick auf den See sitzen können.