Dienstag, 24. September 2019

Nach dem letzten Trip ist vor dem nächsten Trip...

Dass ich aus Venedig zurückgekehrt bin, mit einem weiteren Zwischenstopp bei meinem Freund M., ist noch nicht allzu lange her. Und doch kann ich mich bereits auf meinen nächsten Trip freuen, wie öfters in diesem Sommer: Meine Freundin A., die ich vor mehreren Jahren im Sportcenter kennen gelernt habe, und ich werden die Zeit nutzen, bevor wir wieder in Seminaren und Vorlesungen an unserer Universität sitzen, um ein paar Tage nach Prag zu fahren. Nach ihrem Auslandssemester hatte A. nämlich plötzlich auch das Reisefieber gepackt. Noch im Ausland sagte sie zu mir während unseres Telefonats: "Ich dachte ja eigentlich nicht, dass ich so der Reisetyp bin, weil ich unsere Heimatstadt so sehr liebe. Doch von nun an werde ich öfter ein paar Kurztrips machen."
Kurze Zeit, nachdem sie zurück war, buchten wir also Prag.
Ich freue mich darauf, liebe Leser und Leserinnen, euch dann wieder an unseren Erlebnissen teilhaben zu haben.

Enjoy and respect Venice

Insgesamt hatten S. und ich Tage in Venedig verbracht, die wir so schnell nicht vergessen werden. Manchmal waren wir einfach nur stundenlang durch die Gassen spaziert und hatten eine Brücke nach der anderen überquert. Einmal sogar eine Brücke ohne Geländer, was in dieser Stadt nur selten zu finden ist.

Und manchmal setzten wir uns einfach an den Kanal und tunkten nach einem langen Fußmarsch unsere Füße in das kalte Wasser, während die Vaporetto-Wasserbusse und Wassertaxis an uns vorbeirauschten. Wir kamen an vielen Gewürzmärkten vorbei und an Marktständen, die Pasta in unterschiedlichsten Formen darboten.
Millionen Tourist/innen wollen nach Venedig und das hat auch seinen Grund, wie wir feststellen konnten.




Der Andrang ist so groß, dass innerhalb der Stadt mit der Kampagne "EnjoyRespectVenice" geworben wird und der Hashtag auf sozialen Medien geteilt wird, der darauf aufmerksam machen soll, dass der Charme der Stadt nicht durch das unachtsame Verhalten von Touristen zerstört wird. Die Kampagne legt den Besucher/innen der Stadt ans Herz, nicht zu lange auf den beliebten Brücken zu verweilen, zum Fotografieren etwa, um eine Verstopfung der dieser zu verhindern. Zudem empfiehlt sie, nicht nur die ausgetretenen touristischen Pfade zu nehmen, sondern auch mal in die weniger belebten Seitengassen zu spazieren. Dies lohnt sich meiner Meinung nach auf jeden Fall, da dies die Chance bietet, auch Ecken wie die Libreria Acqua Alta zu entdecken.

 Auf Fahrradfahren und Schwimmen in den Kanälen sollte ebenfalls verzichtet werden, was zeigt, dass dies offenbar nicht immer eine Selbstverständlichkeit darstellt, wie man vielleicht zuerst denken würde. Meiner Meinung nach lohnt sich, Venedig zu sehen; die Stadt kann einem viel geben, und dementsprechend ist es nur fair, ihr Respekt und Wertschätzung entgegenzubringen, damit ihre Schönheit und ihre Magie die nächsten Jahrzehnte überdauern können.

Sonnenuntergang in Venedig


S. und ich freuten uns während des Venedigtrips an den wunderschönen Sonnenuntergängen, die wir am Wasser beobachten konnten. Von dem Restaurant direkt bei unserer Unterkunft aus,von dem aus das Wasser zu sehen war, konnten wir bei einer Pizza zusehen, wie sich der Himmel orangerot färbte. Einen Tag später saßen wir am Wasser, ließen die Beine über den Rand baumeln, die ganze Stadt vor uns, und stießen wir bei einem Bier auf uns und das Leben an und freuten uns, hier zu sein. Die Farbe der glutroten Sonne spiegelte sich auf der glitzernden Wasseroberfläche und die weißen, prunkvollen Gebäude Venedigs in weiter Ferne wurden in ein malerisches Licht getaucht. "Es heißt ja immer, dass die Natur an Schönheit nicht zu übertreffen ist", sagte S., während wir den Dogenpalast in der Ferne erspähten. "Doch ich finde, Menschen haben auch wunderschöne Bauten und Städte geschaffen." Venedig ist in der Tat ein Beispiel dafür, da gab ich ihr Recht. Ein paar Boot schipperten noch übers Wasser, während allmählich die Dunkelheit hereinbrach. Und in diesem Moment wusste ich, dass ich zur richtigen Zeit am genau richtigen Ort war und dafür unendlich dankbar war. Dankbar, mit S. in dieser schönen Stadt zu sein, für die Möglichkeit, reisen zu können, so viel ich wollte, und für dieses Leben, das so farbenfroh wie der Himmel über uns war. S. erging es ähnlich. "Wenn ich mal Kinder habe", sagte sie zufrieden. "Kann ich ihnen erzählen, dass ich mit meiner Freundin in Venedig war. Darauf freue ich mich jetzt schon." Wir sahen zu, wie die Sonne langsam hinter den Gebäuden der Stadt versank.

Libreria acqua alta

Nachdem S. und ich vieles von Venedig gesehen hatten, das fast jede/r kennt, wartete noch ein Geheimtipp auf uns (Bei dem man sich allerdings fragen kann, ob es noch wirklich ein Geheimtipp ist, im Hinblick darauf, dass er in S.`s Reiseführer stand): Die Libreria Acqua alta, ein Bücherladen direkt am Kanal, der einen besonderen Charme hat und als schönster Buchladen der Welt gilt. Wie schön und besonders, fanden wir heraus, nachdem wir den Weg durch zahlreiche, kleine Gassen zu ihm gefunden hatten. In seiner Mitte befand sich eine Gondel, die vor lauter antiquarischen Büchern fast überquoll. Als S. und ich etwas näher traten, sprang plötzlich eine schwarze Katze zwischen den Büchern hervor - offenbar war der Laden von Katzen bewohnt, wie uns nun klar wurde. Das erklärte auch die vielen Katzenpostkarten, die wir am Eingang gefunden hatten.

Insgesamt war der Laden größer, als wir zuerst gedacht hatten: Es gab an den Seiten in sich geschlossene Höfe, in denen meterhohe Bücherstapel standen, und sogar von innen einen Zugang zum Kanal, an dem eine Gondel festgebunden war. Hier hatten S. und ich die Gelegenheit, zum ersten Mal in einer Gondel zu sitzen- mitten in einer kleinen Gasse mit hübschen Häusern an der Seite. Das Highlight des Bücherladens kam aber noch: In einer der Höfe befand sich ein riesiger Bücherstapel, der schon einige Überschwemmungen erlebt hatte, und auf den eine Art Treppe errichtet wurde. Die Treppenstufen, die an einer Seite hoch und an der anderen Seite hinabführten, bestanden aus dicken, schweren Büchern. S. und ich probierten diese Treppe natürlich direkt aus und setzten uns auf den Bücherstapel, um von dort die Beine herunterbaumeln zu lassen. Dies war mit der Abstand der verrückteste Bücherladen, den ich je gesehen hatte.

Libreria acqua alta, Hochwasser-Bibliothek, heißt der Bücherladen, da er mehrere Überschwemmungen erlebt hat und auch jetzt noch regelmäßig überflutet wird. Wer sich fragt, wie das gehen kann, vor allem bei wasserempfindlichen Büchern, den wird die kreative und künstlerische Atmosphäre des Laden ziemlich erstaunen. Der Besitzer hat aus eben den Büchern, die unter den Überschwemmungen gelitten haben, die Büchertreppe erbaut und damit den Laden in etwas Besonderes verwandelt.

 Beim Hinausgehen, nachdem wir noch einige Postkarten gekauft hatten, entdeckten S. und ich eine weißrote Katze, die sich inmitten der Bücher und Schriften zusammengerollt hatte. Wir sahen sie auch erst auf den zweiten Blick, wahrscheinlich war sie schon da gewesen, als wir den Laden betreten hatten. Es war so niedlich, dass wir erstmal ein Foto machen mussten. S. und ich waren uns einig, dass der Besuch des Bücherladens zu unseren schönsten Erlebnissen in Venedig gehörte.

Ausblick über die Dächer Venedigs



Die Rialto-Brücke in Canale Grande, den wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten, war von der Dachterrasse des dortigen Luxus-Kaufhauses gut zu beobachten. Das erste Mal auf unserem Trip, als wir mit dem Wasserbus den Canale Grande entlangfuhren, fuhren wir unter der weißen Rialto-Brücke durch, um uns wenig später das jüdische Ghetto anzusehen. Für S. als Studentin der Kultur der Metropole war dieses von großem Interesse. Uns fiel auf, dass das Ghetto, das im 16. Jahrhundert unter Napoleon entstanden und 1796 wieder aufgehoben wurde, eine andere Architektur aufwies als das restliche Venedig: Die Wohnungen schienen viel kleiner zu sein und die Häuser etwas schlichter gebaut.
Zudem herrschte hier nicht so viel Rummel wie an der Rialto-Brücke.

Zu dieser gelangten wir an einem anderen Tag erneut, mit dem Vorhaben, auf die Terrasse des Luxuskaufhauses zu gehen, um den Ausblick über Venedig zu genießen. Vor Ort konnten wir uns den Ausflug auf die Dachterrasse zu einer bestimmten Uhrzeit reservieren, der Eintritt war sogar ein kostenfreies Angebot des Kaufhauses. S. und ich spazierten zuerst durch die vielen Etagen des glamourösen Kaufhauses und gelangten bis ganz nach oben zum Dachgeschoss, in dem schon einige andere Ausflügler/innen warteten. Einige Minuten später gingen wir die Treppe zur Dachterrasse hinauf.

Von hier aus hatten wir nun den Rundumblick über die Dächer Venedigs und konnten die Krümmung des Canale Grandes sehen und die Rialto-Brücke unter uns. Unzählige Dachziegeln, manche davon unebenmäßig und schief, umgaben uns. Ich liebe dieses Unperfekte, Abgerockte, das auf seine individuelle Art schön und einzigartig ist.

Die Sonne schien warm an diesem Nachmittag und war in der Höhe besonders spürbar. S. und ich wanderten einmal rundum über die Dachterrasse und erspähten einige Gebäude ringsum, die wir bisher nur von unten kannten."Ich muss gerade an den Film 'Herr der Diebe' denken", sagte ich zu S. und holte meine venezianische Maske aus meiner Handtasche, die ich vor einigen Tagen gekauft hatte. "Der ist immer über die Dächer der Stadt gelaufen." S. und ich hatten diesen Film, der auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Cornelia Funke basiert, vor einigen Wochen zur Einstimmung auf den Urlaub geschaut.

Murano

Neben Burano gibt es noch Murano, die Glasbläser-Insel, auch als "Klein-Venedig" bekannt, von der das bekannte Murano-Glas stammt. Hier fuhren S. und ich so früh hin, dass wir nur den Einwohner/innen bei ihrem morgendlichen Spaziergang begegnet. Wir hatten inzwischen selbst die Erfahrung gemacht, was für einen Unterschied es macht, Venedig und die umliegenden Inseln morgens statt nachmittags zu erkunden. Zudem ist Murano generell nicht so überlaufen wie Venedig selbst. Es dauerte nur zwanzig Minuten mit dem Wasserbus, in Murano anzukommen.

Im Zentrum stießen wir auf einen knallbunten Weihnachtsbaum komplett aus Glas, der mich eher an moderne Kunst als ein kitschiges Exemplar zum Hinstellen erinnerte.
Die Gebäude am Wasser waren wieder auf ihre Art wunderschön, mit Blumenkästen vor den Fenstern und Säulen, die teilweise schief geratene Gebäude stützten. Am Rand der Kanäle parkten wieder jede Menge Boote, die die Gebäude zu ergänzen scheinen. Zudem reiht sich ein Glasgeschäft ans andere, in deren Schaufenstern Glaskunst in allen möglichen Formen ausgestellt wird.

S. und ich durchquerten über einige Brücken Murano bis zum Rand, von wo aus wir über die Adria blicken konnten und wieder einmal bei strahlend blauem Himmel die Alpen am Horizont schemenhaft entdecken konnten. Die entspannte, ursprüngliche Atmosphäre in Murano sagte mir und S. sehr zu. 

Samstag, 21. September 2019

Burano: Die bunteste Stadt der Welt


Wenn man sich die Insel Burano bei Venedig auf sozialen Netzwerken anguckt, wird sie als bunteste Stadt der Welt angepriesen, weshalb es auch viele Instagramer/innen dorthin zieht. S. und ich waren nicht als einzige auf die Idee gekommen, die Insel mit den bunten Häusern in den knalligsten Farben zu besuchen.
Etwa eine Dreiviertelstunde fuhren wir mit dem Wasserbus dorthin und konnten unterwegs sogar am Horizont wieder die Umrisse schneebedeckter Alpen ausmachen.
In Burano befanden S. und ich uns schnell inmitten von fotografierenden und posierenden Menschen, woraufhin wir uns einen Seitenarm eines Kanals suchten und Grissini snackten, während wir am Wasser saßen, mit Blick auf eine knallbunte Hausfassade.


Als wir die Kanäle in Burano entlang schlenderten, wusste ich zuerst nicht, wohin ich zuerst blicken sollte. Der Legende nach hatten die Bewohner/innen der Stadt die Häuser so bunt angemalt, damit Fischer ihre Häuser leichter finden konnten und ihnen das Anlegen an der richtigen Stelle leichter fiel.
In der Lagune von Venedig gehört Burano zu den am dichtesten besiedelten Inseln, mit über 2700 Einwohner/innen.