Montag, 20. August 2018

Djaama el Fna

Der Djaama el Fna ist der beliebteste und bekannteste Platz von Nordafrika, lese ich im Reiseführer. Früher war er der Platz der Gehängten, wo über Schwerstverbrecher gerichtet wurde, heute ist es der Platz der Gaukler. Zu Recht, denn wir konnten am späten Abend einige Artisten beobachten, die Saltos und Handstand präsentieren, umringt von einem Kreis aus Schaulustigen.
Ich war ganz aus dem Häuschen, auch hier im entfernten Orient mein Hobby von zuhause, Artistik, erleben zu können.
Als J. und ich über den Platz schlenderten, konnten wir Trommler entdecken, Märchenerzähler, die bei einer orientalischen Lampe im Schneidersitz Geschichten erzählten, und Schlangenbeschwörer. An allen Seiten priesen Händler ihre Ware an und versuchten, uns von dem Kauf zu überzeugen. Souvenirs und ein paar Postkarten hatten wir jedoch bereits. Sie riefen noch lange hinter uns her, während wir uns den Weg durch das Gewusel bahnten. Ich liebte es, vor allem um diese Zeit. J. und ich hatten vorsorglich ein Taxi genommen, um abends hier sein zu können.

Die meisten Schlangenbeschwörer hatten wir schon bei Tag gesehen, am Anfang unseres Urlaubs. Da gab es Anacondas, die zusammengerollt neben den Beschwörern lag, und schwarze Kobras mit aufgestelltem Nackenschild. Die Händler winkten uns heran, in der Hoffnung, dass wir ein Foto mit den Schlangen machten, gegen einige Dirham. Grundsätzlich finde ich es sehr faszinierend, mich mit Schlangen zu beschäftigen, sie anzufangen oder sie mir um den Hals zu legen. Dazu war ich bereits in Singapur gekommen, als ich mir während meiner Asienreise eine Anaconda um den Hals gelegt hatte. Doch über die Tiere auf dem Djaama el Fna hatte ich zu viele unschöne Geschichten gehört, nach denen die Tiere nicht gut behandelt und zuviel Stress ausgesetzt werden. J. und ich hatten nicht vor, das zu unterstützen, deshalb erblickten wir die Schlangen nur aus der Ferne. Auch an den Ständen mit angeketteten Affen gingen wir schleunigst vorbei.

Wir hatten den Tipp bekommen, uns in der Dämmerung auf eine der Dachterrassen rund um den Platz der Gaukler zu setzen und mitzuerleben, wie die Sonne untergeht und sich der Djaama el Fna immer mehr mit Menschen füllt, sowohl mit Einheimischen als auch Touristen. Deshalb suchten J. und ich uns eine Dachterrasse, auf der noch vergleichsweise wenig los war, und bestellten uns einen Minztee. Dieser wurde uns in orientalisch verzierten Teekannen serviert, ganz passend zu der Umgebung. Hinter der Koutoubia-Moschee ging dann mit der Zeit die Sonne unter, während J. und ich plauderten und das Gewusel auf dem Platz beobachteten.

Am Himmel flog eine Schar schwarzer Vögel entlang und erinnerte von der Anordnung an eine Schlange. Bei Einbruch der Dunkelheit gingen nach und nach die Lichter auf dem Platz an und die Atmosphäre wirkte märchenhaft auf mich.

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