Montag, 20. August 2018

Die Wasserfälle von Ouzoud

J. und ich saßen ganz vorne im Reisebus, voller Erwartungsfreude, neben dem Fahrer, während die Landschaft neben der Landstraße an uns vorüberzog. Überall sahen wir silbergrüne Olivenbäume, Ziegen, winkende Kinder und danach sehr viel Gebirge. Mit weiteren Touristen aus Brasilien, Spanien und England strebten wir heute ein Ziel an, für das wir um acht Uhr morgens das Hotel verlassen hatten: Die Wasserfälle von Ouzoud.

Über zwei Stunden kurvten wir durch die Landstraßen Marrokkos und durch das Atlasgebirge. Allein der Anblick der bergigen Landschaft faszinierte mich.
In den nächsten Stunden führte uns M., der Tourguide, zu Fuß durch das Gebirge. Unterwegs trafen wir auf eine weitere Reisegruppe und einige Affen, die sich dort versammelt hatten, voller Erwartung auf Futter. Ich war begeistert beim Anblick der Tiere und zückte direkt mein Smartphone. Aus ihren fast menschlich wirkenden Augen blinzelten die Primaten uns an. J. und ich bekamen jeweils eine Erdnuss in die Hand gedrückt. Die Affen, sicherlich schon gut genährt durch den Touristenandrang, fackelten nicht lange und griffen mit ihren Händen nach der Nuss.

Bei einer zwischenzeitlichen Rast bekamen wir die Gelegenheit, in einer Lagune in kristallklarem Wasser zu baden, inmitten der Felsen. Das war genau meins. Als J. und ich im Wasser saßen und ich die Libellen beobachtete sowie die Felsenspringer aus unserer Truppe, die sich von einem Felsvorsprung ins Wasser stürzten, war ich höchstzufrieden. Da störte es auch gar nicht, dass meine Haare durch einen besonders gewagten Sprung triefend nass wurden. "Es ist schöner als die Ostsee", sagte J. zu mir. Und das will etwas heißen bei ihr.

Nach ausgiebigem Plantschen und weiterem Fußmarsch erreichten wir sie: Die Ouzoud-Wasserfälle. In aller Größe erstreckten sie sich vor uns und ergossen sich tosend in das Tal vor uns. Keine Postkarte und kein Foto, das ich geschossen habe, reicht an diesen Blick heran. Nun wussten J. und ich, dass sich der Weg gelohnt hatte. Mohammed führte uns ins Tal, zum Fuß des Wasserfalls. Bei einer Bootstour kamen wir den rauschenden Wassermassen besonders nahe, als der Bootsmann dicht heranruderte. Ein Sprühregen aus der Richtung des Wasserfalls legte sich auf mein Gesicht und meine Arme- es war einfach nur beeindruckend.
Im Tal tummelten sich viele Menschen, sowohl Touristen als auch Einheimische. Viele schwammen in dem Naturpool vor dem Wasserfall oder sprangen in unterschiedlichsten Schrauben von Felsvorsprüngen.

Beim Mittagessen, bei uns vegetarische Tajine (Kartoffeln und Gemüse in einer öligen Soße) genossen J. und ich die paradiesische Atmosphäre des Tals.
M. erklomm mit uns weiter den Berg, als wir satt waren, und zeigte uns den Wasserfall aus unterschiedlichsten Perspektiven. Ich empfand ihn aus allen Höhen als imposant, ebenso die Aussicht auf die weitläufigen Berge des Atlas-Gebirges.

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