Sonntag, 6. September 2020

Elsässisch für Anfänger


Am Morgen unserer Abreise begaben M. und ich uns im strömenden Regen zu unserer Flixbus-Station. Die Tage davor hatten wir Glück mit dem Wetter gehabt- es war immer angenehm warm gewesen, doch nicht zu heiß. Es dauerte keine fünfzehn Minuten, dass wir kurz darauf im Flixbus über die Brücke nach Deutschland hinüberfuhren und Frankreich bereits wieder verlassen hatten.

Insgesamt waren die Tage Straßburg eine schöne Auszeit, vor allem war es unser erster Urlaub, seitdem die Corona-Krise begonnen hatte. In der elsässischen Stadt ist der deutsche Einfluss stark
zu spüren, was schon an den Straßenschildern erkennbar ist. Unter dem französischen Namen steht immer noch ein Name auf Altdeutsch. Mit Deutsch kommt man hier tatsächlich genauso gut weiter wie mit Englisch. Als ich in einem Restaurant an der Theke etwas auf Englisch bestellen wollte, stellte sich heraus, dass der Mitarbeiter perfekt Deutsch sprach, worüber ich im ersten Moment etwas erstaunt war. Ich konnte auch beobachten, dass sich an den Glasscheiben mancher Läden Aufkleber mit der Aufschrift "Wir sprechen Deutsch" befanden- und das waren nicht wenige.

Für einen Kurztrip empfanden wir Straßburg als sehr passend. Der Charme der Stadt besteht in den alten Häusern, den Gassen, durch die wir schlendern können und der liebevollen Gestaltung der Stadt. Jedoch ist Straßburg keine Stadt, in der sich viel unternehmen lässt und in der Actionliebhaber auf ihre Kosten kämen, sodass es völlig ausreichend ist, ein paar Tage dort zu verbringen und das französische Flair zu erleben.

Als wir nach leckerem veganen Essen suchten, stellten wir fest, dass die hier angebotenen Süßteilchen hier besonders beliebt sind, mehr noch als das pikante Essen, das wir in den veganen Restaurants und Imbissen auffinden konnte. M. ließ sich beispielsweise einen Biskuit-Muffin mit süßer Creme obenauf schmecken. Darüber hinaus konnten wir neben der elsässischen Küche einiges an internationaler Küche, wie es in den meisten Städten üblich ist, in Straßburg finden. Öfters genossen wir es jedoch, fernab von Restaurants unter freiem Himmel zu essen, beispielsweise eine Portion Obstsalat, während wir am Wasser saßen.

Das Europaviertel

Schon am ersten Abend bei unserer Ankunft in Straßburg konnten M. und ich die hochmodernen Straßenbahnen in Straßburg entdecken, die eigentlich so gar nicht zu den charmanten Altstadtbauten passten. Die Straßenbahn war größtenteils gläsern und sah so aus, als würde sie über die Straße schweben. Mit den windschiefen, altertümlichen Häusern dahinter sah dies sehr witzig aus.

Einen weiteren Kontrast konnten wir in dem Europaviertel Straßburgs ausfindig machen.

Dort befinden sich der Europäische Gerichtshof und das Europa-Parlament. M. und ich liefen dafür von unserer Unterkunft zu Fuß dorthin und durchquerten dabei eine lange Straße, in der sich ein Konsulat an das andere reihte. Darunter befand sich beispielsweise die russische Botschaft.

Rund um das Europa-Parlament gab es noch ein paar Spots zu entdecken. Sogar ein Stückchen Berliner Mauer mit einem französischen Schriftzug konnten wir durch die Stäbe eines Zauns erkennen. 

Zudem gab es Skulpturen zur Erklärung der Menschenrechte durch Europa und Wandtafeln, auf denen die Grundsätze Europas auf Französisch und auf Englisch aufgelistet waren. 

Als wir das Europa-Parlament ein Stück umrundet hatten und in eine Straße mit farblich einheitlichen Wohnhäusern einbogen, bot sich uns wieder ein kontrastreiches Bild, das M. sogleich mit seiner Handykamera festhielt: Wenn man zwischen den terrakottafarbenen Wohnhäusern und deren Grundstücken hindurchsah, ragte dahinter das gläserne Europa-Parlament auf. Es kam uns so vor, als prallten zwei Welten aufeinander.

Park de l'orangerie


Direkt gegenüber von dem Europa-Parlament liegt der Park de l'Orangerie, Straßburgs ältester Park. Der Park hat seinen Namen daher, dass hier nach der französischen Revolution Orangenbäume gepflanzt wurden.

M. und ich hatten belegte Baguettes eingepackt, mit denen wir uns an den großen Teich in dem Park setzten. Es dauerte nicht lange, dass wir Besuch von einer sehr hungrigen und sehr anhänglichen Wasserschildkröte bekamen. Mit großem Appetit verschlang sie zwei Salatblätter, die wir ihr zuwarfen.

 Als ich wenig später noch ein Stückchen Pfirsich ins Wasser warf, war sie leider nicht schnell genug, sodass sich ein Fisch es blitzschnell schnappte und dann wieder im dunklen Wasser verschwand. Offensichtlich lebte einiges in diesem Teich.

Der Park an sich hat ein paar künstliche Wasserfälle, eine tropischen Garten zu bieten sowie einen romantischen, weißen Pavillon. 

An hübschen Fotomotiven ist hier einiges zu finden. Bei dem Teich, an dem wir unser Picknick machten, gab es die Möglichkeit, Ruderboote zu mieten. M. und ich zogen es jedoch vor, durch den Park zu laufen. Die Gelegenheit, uns sportlich zu betätigen, bekamen wir trotzdem. In dem Park konnten wir einen Fitness-Spot mit Geräten zum Krafttraining finden, die wir direkt ausprobierten. An den Geräten war alles anhand von Bildern erklärt und nicht in französischer Sprache, sodass M. sich fast wie in Deutschland fühlte, wie er sagte. Um ein wenig Zeit in der Natur zu verbringen nach dem Erkunden der Gassen in der Altstadt Straßburgs war dieser Park genau das Richtige.

Petit France

Petit France - "Kleines Frankreich" wörtlich übersetzt- ist ein Viertel in Frankreich mit kleinen malerischen, windschiefen Häusern am Wasser, zwischen denen die Wege teilweise mit schmucken Brücken verbunden sind. Die Ill fließt durch dieses Viertel, dessen Fachwerkhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammen. Während das Viertel zu der Zeit eher unbeliebt und voller finsterer Gestalten wie Banditen gewesen sein soll (wozu M.'s Assoziation eines der Häuser mit dem Wilden Westen passt), ist Petit France heute ein Besuchermagnet und eine Augenweide.

Mit Straßburg wird das Bild der Fachwerkhäuser am Wasser  am meisten verbunden und auch ich habe es mit der elsässischen Stadt assoziiert, bevor ich hierhergekommen bin.

Ein beliebter Punkt sind die gedeckten Brücken, von denen inzwischen gar nicht mehr alle gedeckt sind. Der Name rührt noch aus früheren Zeiten, wo die Brücken als Wehr dienten, gegenüber von den Wehrtürmen und damit als Schutz. M. und ich konnten von einer Plattform, die auf der Wehrbrücke lag, auf Petit France blicken. Die hübschen Häusern lassen sich von diesem Aussichtspunkt jedoch nicht so gut betrachten wie bei einem Rundgang durch die Gassen, weshalb Letzteres mir noch besser gefallen hat.

 An einem Abend besuchten M. und ich bei Einbruch der Dunkelheit das Viertel und sahen uns die beleuchteten Häuser und den angestrahlten Wehr bei den gedeckten Brücken an. Am Wasser und zwischen den Häusern befanden sich zahlreiche Straßencafés und Restaurants, in denen sich viele Menschen tummelten. Auch am Wasser hatten sich einige junge Menschen versammelt, um den lauen Abend hier ausklingen zu lassen. Sehr beeindruckend sind die Spiegelungen im Wasser, die sich zu dieser Zeit beobachten lassen.

Blick auf den Münster


Das  Erste, das ich vollführte, als ich unsere Airbnb-Unterkunft in Straßburg betrat, war ein kleiner Freudentanz. In der Airbnb-Anzeige hatten wir bereits gelesen, dass unser Zimmer den Blick auf die in Straßburg beliebte Kathedrale "Notredame" (nicht nur in Paris gibt es eine "Notredame", daher bitte nicht damit verwechseln) gerichtet hatte. Doch mit einer solch guten Sicht auf das Bauwerk hatte ich nicht gerechnet und auch nicht damir, dass wir uns im Dachgeschoss befanden, von wo wir über die Dächer der Altstadt den Turm des Münsters erspähen und sogar fast nach Deutschland hinüberblicken konnten, damit hatte.

Als wir am gleichen Abend nach einem kleinen Erkundungs-Spaziergang fast wieder bei unserer Unterkunft angekommen waren, konnten wir beobachten, dass sich auf dem Platz vor dem Münster ganz viele Menschen versammelten. Der Bereich war abgesperrt, die Handtaschen wurden kontrolliert und der Mindestabstand betrug ein Meter. Mir fiel ein, dass ich gehört hatte, es würden abends Lightshows am Münster stattfinden, bei denen ich zuerst geglaubt hatte, diesen würden aufgrund der Corona-Sicherheitsmaßnahmen ausfallen. 

Als wir das Sicherheitspersonal danach fragten, stellte sich heraus, dass sich die Leute tatsächlich versammelt hatten, um den in den bunten Farben angestrahlten Münster mitzuerleben. M. und ich befanden uns ziemlich weit vorne, sodass die Kathedrale in all ihrer Größe vor uns aufragte. Wir legten uns auf das Straßenpflaster, teilten uns seinen Rucksack als Kopfkissen und hörten, wie die Menschen ringsum den Countdown bis zur Beginn der Lightshow herunterzählten: "...cinq, quatre, trois, deux, on, zero..." Der Münster wurde daraufhin in bunte Lichteffekte getaucht, mit Musik unterlegt. Zwar hätte die Show unserem Geschmack nach noch dynamischer sein können, besonders zum Ende hin, doch sie anzusehen, war auf jeden Fall ein Highlight am ersten Abend. Da diese Show mehrmals am Abend stattfindet, konnten wir sie wenig später auch durch unser Zimmerfenster aus beobachten. Und nicht nur an diesem Abend: Auch die folgenden Abende, unter anderem, wenn wir gerade schlafen gingen, fand immer wieder die Show vor unserem Fenster statt. Wir witzelten darüber, wie es sein müsste, wenn Menschen hier wohnten und die Lightshow in der Dauerschleife miterlebten, ob sie es wollten oder nicht.

Gegen Eintritt können die 332 Stufen des Münsters zu seiner weit oben liegenden Plattform auch bestiegen werden. M. und ich taten dies ein paar Tage später, nachdem er mich davon überzeugt hatte, ich würde es schaffen. Ich bin bisher schon einige Bauwerke während meiner Reisen hochgelaufen, jedoch fühlten sich meine Beine zu dem Zeitpunkt unglaublich schwer an, nachdem ich sie die Wochen vor dem Trip beim Sport sehr gefordert hatte. 

Stück für Stück ging es die Wendeltreppe hinauf, sodass ich Mühe hatte, keinen Drehwurm zu bekommen. Auf dem halben Weg mussten wir draußen einen schmalen Weg an der Kathedrale längs laufen, um auf dem gegenüberliegenden Turm weiter die Wendeltreppe bis zur Aussichtsplattform hochzulaufen. 

Von dort aus hatten wir einen Blick über die verschiedenen Viertel Straßburgs, über Petit France bis zum Europaviertel auf der anderen Seite des Münsters. Hier wurde noch einmal ganz deutlich, dass die Häuser kreuz und quer in die Gegend gebaut worden waren. Auch das Haus, in dem sich unsere Unterkunft befand, konnten wir von hier aus sehen. In der Ferne konnten wir den Schwarzwald erkennen, hinter dem sich Deutschland befand und auch Heidelberg, wohin wir am Folgetag wieder zurückkehren sollten. Für mich war es ein unglaubliches Gefühl, so weit oben auf diesem antiken Bauwerk stehen. Bis an den Rand zu treten und über die Stadt zu blicken, die sich zu meinen Füßen erstreckte, kostete mich erst etwas Überwindung.

Mit dem TGV nach Straßburg


Es ist nun das erste Mal in diesem Jahr, dass ich mich wieder außerhalb von Deutschland begeben habe, nachdem die Coronakrise alle Lebensbereiche beeinflusst hat, darunter natürlich auch das Reisen.

Mein Freund M. und ich haben nun unseren lang ersehnten Trip nach Straßburg antreten können, den wir im März aufgrund des Corona-Ausbruchs im Elsass verschieben mussten. Sowohl auf der Hinfahrt als auch auf der Rückfahrt haben wir einen Zwischenstopp in Heidelberg eingelegt. Von Baden-Württemberg aus sind einige attraktive Orte im Umland schnell zu erreichen, wie ich bereits in der Vergangenheit durch Trips wie nach Venedig feststellen konnte.

Mit dem TGW, einem französischen Zug, der sogar schneller ist als der ICE, sind wir am Schwarzwald entlang nach Frankreich gedüst. Wir beide haben es genossen, zusammen einen gemeinsamen Trip nach längerer Zeit erleben zu können und uns diese Auszeit an den warmen Sommertagen nehmen zu können. Unsere kleinen Trolley-Koffer konnten wir gerade so eben zwischen unsere Beine vor unseren Sitzen quetschen (Der TGW ist minimalistisch vom Platz her und eher rund gebaut), doch die Fahrt vom Hauptbahnhof Heidelberg aus dauerte nicht lange. Nach bereits eineinhalb Stunden überquerten wir in dem Zug die französische Grenze und erreichten Straßburg. Als wir ausstiegen und mit unseren Trolleys quer durch die schmalen, nostalgischen Gassen mit den windschiefen Häusern in Richtung unserer Airbnb-Unterkunft im Stadtzentrum liefen, während die Sonne allmählich unterging, hieß es ab jetzt für uns "Salut, France".

Mittwoch, 1. April 2020

Heidelberg

Ich war das erste Mal in Heidelberg, als ich fünfzehn Jahre alt war. Zu dem Zeitpunkt spazierte ich an einem Sommerabend über die Alte Brücke und kaufte in einem kleinen Deko-Laden ein kleines Windspiel mit einer blauen Perle in der Mitte, das seitdem bei mir im Zimmer hängt.
Da wusste ich noch nicht, dass eine Zeit kommen würde, in der ich mich immer wieder in die Bahn oder in den Flixbus setzen würde, um nach Baden-Württemberg hinunterzufahren. Ich wusste auch noch nicht, dass ich einem Menschen begegnen würde, für den ich mich auf diese Reise begeben würde.

Es ist das erste Mal, das ich einen Blogbeitrag einer Stadt meines Heimatlandes widme. Doch da Heidelberg für mich eine zweite Heimat geworden und zudem eine wunderschöne Stadt ist, in die ich letztes Jahr insgesamt wesentlich öfter gefahren bin als ins Ausland, habe ich mich dafür entschieden. Dort zu sein, empfinde ich tatsächlich auch wie eine Auszeit, die ich zusammen mit meinem Freund M. erlebe.

Am Neckar liegt die Stadt, umgeben von Hügeln - M. und ich nennen sie Berge, während die angestammten Heidelberger wahrscheinlich darüber lachen würden- und kann mit alten Häusern in warmen Farben und schmalen Gässchen, in denen ich mich immer wieder gerne absichtlich verlaufe, punkten.
M. und ich lieben es, am Neckar längs zu laufen, über eine der Brücken auf die andere Uferseite zu gelangen und durch die Natur bergauf zu spazieren, wo es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt - einen neuen Weg, einen kleinen Wasserfall oder eine grandiose Aussicht. Wer historische Stätten mag, wird sich auch die Kloster und Ruinen nicht entgehen lassen, die in den Bergen zu finden sind.

Etwas, was mich während der ersten Besuche in Heidelberg besonders erstaunt hat, war die Erkenntnis, dass sich in Heidelberg grüne Papageien angesiedelt haben. Diese sind vor längerer Zeit aus dem Zoo ausgebrochen, so berichtete es mir M., und haben sich seither in dem süddeutschen Klima stark vermehrt, sodass sie an einigen Ecken der Stadt anzutreffen sind. Wenn ich in M.'s Wohnung am Frühstückstisch sitze und aus dem Fenster spähe, sitzen sie meistens im Baumwipfel und sind bereits lange vor mir wach. Dass diese Papageien in Heidelberg frei leben, ist kein Witz, wie ich meinen Freundinnen zuhause öfters in Whatsapp-Videos gezeigt habe.


Ein großes Highlight, das früher oder später auf Spaziergängen sichtbar wird, ist das Schloss. Teilweise ist eine Ruine und doch ist unverkennbar, dass es als märchenhaftes Bauwerk auf dem niedrigen Hügel hinter der Altstadt hervorsticht, abends sogar hell erleuchtet. Majestätisch und mit einem Hauch Romantik thront leicht erhöht über der Altstadt.
Nicht weit davon ist die Alte Brücke, die älteste und mit Abstand schönste Brücke der Stadt, die mit den Straßenlaternen auch im Dunkeln immer wieder eine Überquerung wert ist und eine besondere Atmosphäre besitzt. Nicht zuletzt die Spiegelung der Lichter im Wasser ist traumhaft schön.

Es gibt sehr viel, das ich aufzählen könnte, das an Heidelberg schön ist und das mich dazu gebracht hat, zu verstehen, weshalb M. sich dort wohlfühlt. Ich denke, das jeder, der durch die Hauptstraße in der Altstadt läuft und an der einen oder anderen Ecke das studentische Flair aufsaugt, seine persönlichen Highlights finden wird. Durch M. habe ich bereits viele kennen gelernt. Und wir werden, wenn wir zusammen da sind, immer wieder welche entdecken: Mein Rucksack wär dann schonmal gepackt. Bis bald, Heidelberg!

Samstag, 11. Januar 2020

Hygge

Dänemark gilt als sehr glückliche Nation, obwohl es viel regnet und die Sommer kurz sind. Es gibt ein Wort, das dieses Lebensgefühl auf den Punkt bringt: Hygge.
Dieses seltsam und auch gewissermaßen lustig klingende Wort ist eines, mit dessen Bedeutung ich mich auf dem Kurztrip mehr beschäftigt habe. Mein persönlicher Hygge-Moment war es im Nachhinein, mit J. im Tivoli-Park zu sitzen, von einem Lichtermeer umgeben, und Falafel zu essen. Im Kettenkarussell über die Stadt zu blicken, würde ich auch dazu zählen.

Und Nyhavn im Dunkeln zu betrachten, wozu J. und ich uns am letzten Abend nach einem gemeinsamen Trinkengehen im Restaurant noch entschieden, ebenfalls. Nachdem wir die bunt beleuchtenden Häuser der Hafenstraße betrachtet hatten, liefen wir über eine Brücke, die gleichzeitig eine Fahrrad-Autobahn darstellte,und hörten am anderen Ende die Musik, die auf der dortigen Eisbahn erklang. Die Vorstellung von meinem Kopenhagen'sche Wintermärchen hatte sich mit diesem Trip tatsächlich erfüllt.

Wer sich abschließend fragt, ob ich als Veganerin hier denn auch satt geworden bin, kennt die Antwort sicherlich bereits: Nicht nur, dass es in Kopenhagen auch die bekannten deutschen Supermarktketten wie Netto oder Lidl gibt, auch,wer nach Cafés und Restaurants sucht, die ein veganes oder sogar ausschließlich veganes Angebot haben, wird fündig werden- besonders in der Nähe von Christiania.
Insgesamt ist Kopenhagen - was angesichts der geringen Entfernung auch nicht so verwunderlich ist- deutschen Städten sehr ähnlich, natürlich auch, was das Wetter betrifft.

Für mich war es zum Abschluss des Jahres der letzte Trip und das achte Mal in 2019, dass ich im Ausland war, wie auf der Rückfahrt nach Hamburg realisiert habe.

Rückblickend kann ich sagen, dass 2019 für mich ein Jahr war, in dem ich so viel gereist bin wie noch nie- sogar innerhalb Deutschlands war ich im Vergleich zu den Vorjahren viel unterwegs.
Ich bin unglaublich dankbar für all das, was ich auf jedem einzelnen Trip erleben durfte, auch für all das, was eher unvorgesehenpassiert und mit Herausforderungen verbunden war.
Und an all die Menschen, die sich mit mir aufgemacht haben: Danke, dass ihr mich begleitet habt und euch von meinem Reisefieber habt anstecken lassen!

Tivoli Park

 Ursprünglich hatten J. und ich nicht vor, in den Tivoli Freizeitpark zu gehen, der in Kopenhagen sehr beliebt ist und direkt am Hauptbahnhof liegt. Ich hatte vor unserem Trip Geschichten gehört, nach denen der Eintritt sehr hoch sein sollte und die Fahrgeschäfte dann jedoch nicht inklusive, sondern extra zu bezahlen war.
Vor Ort stellten wir fest, dass der Eintritt, in Euro umgerechnet, normalerweise etwa fünfundfünfzig Euro gkostet hätte, und die Fahrgeschäfte jeweils auch über zehn Euro, wenn die Dänischen Kronen umrechnet werden (Im Vergleich: Beim Hamburger Dom in Deutschland kostet eine Fahrt der gleichen Länge etwa drei Euro).

Doch wir hatten wieder einmal Glück: Unsere Airbnb-Vermieterin hatte eine Gold Card, mit der man offenbar unlimitierten Eintritt in den Park hatte, und schlug uns vor, sie konnte uns einen Nachmittag hineinnehmen. Dieses Angebot nahmen J. und ich begeistert an. Wir lernten wieder einmal, wie viel Beziehungen ausmachen. Wenn man Menschen vor Ort kennt und mit ihnen in Kontakt tritt, wie es dank unserer Buchung über Airbnb der Fall war, eröffnen sich ganz andere Möglichkeiten.

H. führte uns somit am Nachmittag durch den Park, der mich an eine Mischung aus Disneyland und Jahrmarkt erinnerte. Er war nicht riesengroß, wie viele es möglicherweise von deutschen Freizeitparks gewohnt sind, doch sehr hübsch aufgeteilt, mit einem See an der Seite, verschiedenen Fahrgeschäften wie Kettenkarussell, Autoscooter und Achterbahnen.

Ein aufwendig gestalteter Weihnachtsmarkt mit Kunstschnee und dekorierten Weihnachtsbäumen war auch dabei. Ein Weihnachtsbaum schien sogar von Svarovski gestellt zu sein und glitzerte in den Abendlichtern, als die Dunkelheit einbrach. So einen mit Liebe zum Detail dekorierten Weihnachtsmarkt hatte ich bisher auch noch nicht gesehen.

Insgesamt war ich von Anfang an ziemlich begeistert von dem Park, weil ich bunte Kulissen und die ausgelassene Atmosphäre oft sehr genieße. Nachdem H. sich von uns verabschiedet hatte, gönnten J. und ich uns die Fahrt auf einem Fahrgeschäft: Einem Kettenkarussell, das sich immer weiter in die Höhe schraubt und einen Blick über die ganze Stadt bot. Kurz darauf ging es los. J. und ich saßen in einer Schaukel, die mit Metallketten befestigt war.

Christiania












Der Tag, an dem wir quer durch Kopenhagen spazierten, war noch nicht ganz vorbei, als wir sogar für weniger als eine Stunde die EU verließen. Wir betraten nämlich die Freistadt Christiania in Kopenhagen, einer alternativen Wohnsiedlung, die sich als autonome Gemeinde versteht und vom Staat geduldet wird. Es wird sogar vom Staat geduldet, dass weiche Drogen dort verkauft und konsumiert werden.

Als wir durch das mit Streetart versehene Tor spazierten und beherzigten, dass Fotos von den Einwohner/innen auf gar keinen Fall gern gesehen werden, weshalb ich mein Handy auch weggepackt hatte, betraten wir einen Bereich voller Baracken, Wohnwägen (nach diesen hielt ich insgeheim am meisten Ausschau, als Wohnwagenbesitzerin und -liebhaberin) und Aussteigerleben, dass sich durch den Geruch von Marihuana bemerkbar machte.
Es gab einige Stände mit Essen, auch veganem Essen, und bunten Souvenirs in Regenbogenfarben.
Ich hatte vorher mitbekommen, dass es innerhalb Christianias eine eigene Währung gab (LØN), die in Dänische Kronen umgerechnet werden konnte. Da ich während des Trips nur mit EC-Karte unterwegs war, bekam ich jedoch persönlich davon nichts mit.

Als J. und ich durch die Kommune spazierten und herauszufinden versuchten, ob der Ort wirklich so asozial und heruntergekommen war, wie viele es sich vorstellten und es uns geschildert worden war, begann es bereits, zu dämmern. Bevor es ganz dunkel wurde, verließen wir die Freistadt und betraten mit wenigen Schritten wieder die EU.

Ich kann mir vorstellen, dass Christiania außerhalb des Winters noch bunter erscheint und dann viele Blumen und Pflanzen aufgestellt werden, die zum Hippie-Flair passen. Einen Eindruck von der Kommune hatte ich an diesem Tag auf jeden Fall bekommen.

Spaziergang durch Kopenhagen

J.'s und meinen Plan, mit einem der vielen Fahrräder, die es in Kopenhagen gibt, umherzufahren, verwarfen wir am Morgen unseres ersten Tages, da unsere Wetter-App minus zwei Grad anzeigte. Stattdessen spazierten wir dick angezogen durch die Stadt, nachdem wir mit der Metro in die Innenstadt gefahren waren. Es war wieder ein kleines Erlebnis gewesen, im vorderen Zugteil mit Blick in den beleuchteten Tunnel zu sitzen.

In der Innenstadt angekommen, wollten wir uns zu Fuß weiter auf den Weg machen. Dabei schlenderten wir zuerst durch die bunte Gasse Nyhavn, die für ihre Kulisse aus Fachwerkhäusers und Segelbooten bekannt ist. die Segelboote waren über und über mit Lichterketten behängt. Wenn ich mich später an den Kopenhagen-Trip erinnern werde, werde ich dabei die meterlangen, unterschiedlich farbigen  Lichterketten immer mit im Kopf haben - selbst unsere Airbnb-Vermieterin H. hatte viele davon in ihrer WG. Am letzten Abend konnte ich zudem feststellen, dass Nyhavn im Dunkeln fast noch schöner ist als tagsüber, da die bunten Lichter noch mehr zur Geltung kommen.

Vn Nyhavn aus liefen wir am Wasser lang, wärmten uns zwischendurch in einer kleinen Kirche auf und machten uns auf die Suche nach der Statue der kleinen Meerjungfrau. Obwohl mir schon viele Freunde mitgeteilt hatten, dass die Statue als Wahrzeichen der Stadt kleiner sei, als man denken würde, und ansonsten auch nicht sehr spektak
ulär sei, wollte ich sie trotzdem einmal gesehen haben und mich selbst davon überzeugen.

Die kleine Meerjungfrau, eine bronzene Statue aus dem gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen, entpuppte sich tatsächlich als sehr klein. Das hielt eine Touristenschar jedoch nicht davon ab, sich in unterschiedlichster Weise davor in Szene  zu setzen. J. und ich scherzten darüber, dass die kleine Meerjungfrau selbst nachts im Dunkeln belagert sein könnte. "Die Armen sehen sie nur von hinten", sagte J., als ein Boot mit Touristen hinter der Statue vorbeifuhr und Fotos zu knipsen anfing. Hier war bisher der einzige Platz, an dem wir wirklich etwas von dem Tourismus in Kopenhagen zu spüren bekamen- und das im Vergleich zum Sommer wahrscheinlich immer noch wenig. Sehr interessant fand ich die Statue vom äußeren Erscheinungsbild wie erwartet tatsächlich nicht, doch ich war zufrieden, sie gesehen zu haben. Wir konnten weitergehen und gönnten uns als Nächstes eine Pause in einem Cafè einlegen, um uns nach den kalten Temperaturen draußen etwas aufzuwärmen.


Danach liefen wir noch die Einkaufsstraße, in der J. sich spontan mit Handschuhen und Mütze versorgte, um noch wärmer eingepackt mit mir unseren Spaziergang fortzusetzen. Mir fiel auf, dass in der ausladenden Weihnachtsdeko, die zwischen die Häuser gespannt war, sich viele dicke rot leuchtenden Herzen befanden - vielleicht hatte das auch etwas mit der Einstellung hier zu tun. Auf einem Platz mit Brunnen spielte ein Musiker so schön, dass J. es am Ende des Tages als ihr Highlight bezeichnete. Wir blieben eine Weile stehen und lauschten den Liedern.

Mit Flixbus und Fähre nach Dänemark

2019 ist vorbei - doch bevor sich das Jahr ganz dem Ende zuneigte, hatten meine Freundin J. und ich noch ein Highlight vor uns: Einen Kurztrip nach Kopenhagen.
Da wir vor den Feiertagen sehr viel Zeit mit Lernen fürs Studium und der Anwesenheit an unserer Uni beschäftigt waren, war es uns nur recht, noch einmal zum Abschluss dieses Jahres wegzufahren- als winterliche Stadt erschien Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen dafür sehr passend. Fünf Stunden brauchten wir mit dem Flixbus in den Norden, inklusive einer Fährenfahrt.
Auf dem Schiffdeck war es so windig, dass unser Urlaub mit ein paar Sturmfrisur-Videos begann, die uns auf J.'s Smartphone noch Tage später zum Lachen bringen sollten.

Auf der Fahrt zu unserer Unterkunft stellten wir fest, wie ruhig Kopenhagen zwischen den Feiertagen war- offenbar hatten wir einen Zeitraum gewählt, in dem die Stadt nicht überlaufen war. In den Bahnen war jede Menge Platz für Fahrräder vorgesehen. Insgesamt erinnerte mich Kopenhagen von der Fahrrad-Freundlichkeit sehr an Amsterdam- die Fahrradautobahnen und Fahrradparkhäuser sollte ich die folgenden Tage in Kopenhagen noch erspähen.
Die Ankunft bei unserem Airbnb-Zimmer gestaltete sich zuerst etwas abenteuerlich, da unsere Vermieterin noch nach uns aus ihrer Heimat England eintrudelte und sich herausstellte, dass sie selbst auf dem Sofa schlief, während J. und ich ihr Zimmer bewohnten, das mit Jesusbildern gespickt war. J. und ich nutzten den ersten Abend, um etwas anzukommen.

Wir entschieden uns, vorwiegend die Zeit im Hellen zu nutzen, um die Stadt zu erkunden, da es sehr früh dunkel wurde - bereits um 16 Uhr nachmittags war es draußen stockfinster. Daher machten wir es uns am ersten Abend mit ein paar Mais-Wraps in unserer Airbnb-Unterkunft im Viertel Frederiksberg gemütlich und beschlossen, am nächsten Tag voller neuer Energie in den Tag zu starten und die Stadt am hellichten Tag zu entdecken.