Von der Schule bei Bechem, wo wir drei hinfuhren, diesmal im VIP-Bus, hatte H. mir und A. schon viel erzählt. Nachdem sie vor zwei Jahren ein halbes Volunteer-Jahr absolviert hatte, befanden sich ihre Schwester N. und deren beste Freundin T. dort. Nach einer sehr langen Fahrt im Bus, nach der ich wünschte, ich müsste ein paar Stunden zur Abwechslung nicht sitzen, kamen wir in der Dämmerung an der Schule an. Schon auf dem hügeligen Weg, den unser Taxi rumpelnd auf dem letzten Stück Strecke überquerte, sahen wir N. und T. entlang spazieren. Die Wiedersehensfreude mit H. war groß.
Im Nebenraum der Schule wurden wir mit üppigen Essen empfangen, dass für uns fünf tatsächlich die nächsten drei Mahlzeiten reichte. Zum ersten Mal hatte ich die Gelegenheit, Red Red zu essen, frittierte Kochbananen mit Bohnensoße.
Und ich freute mich, dass es hier eine Dusche mit richtigem Duschkopf gab anstelle von Eimern mit Wasser, die man sich über den Kopf gießen musste.
Am gleichen Abend fanden N. und T. in der Dusche noch einen Skorpion, den sie schleunigst zur Strecke brachten. Danach hatte ich Gelegenheit, endlich ausgiebig zu duschen.
Doch vorher kamen noch die Nachbarskinder vorbei, ins Nebenzimmer unserer Unterkunft, wo laute Musik abgespielt wurde, mit der man uns offenbar willkommen hieß.
Die Kinder fingen an, zu tanzen, und forderten uns auf, es ihnen gleich zu tun. Zugleich wollten sie unentwegt auf unseren Arm, unsere Haare und unsere (bisher noch ziemlich blassen) Arme anfassen (ganz besonders mein Sonnen-Tattoo auf dem Oberarm). Tanzen konnten sie wirklich mit einer Dynamik und Rhytmik, von der ich mich schnell anstecken ließ. Ich liebe es, zu tanzen. Mit diesen Kindern, die offensichtlich mit so viel Spaß bei der Sache waren, egal, wie klein sie noch waren, war es noch ein ganz anderes Erlebnis. Es war unglaublich heiß und der Tag war lang gewesen, aber nach dem langen Sitzen im Bus wollte ich nichts mehr, als mich zu bewegen und zu tanzen. Die Lebensfreude der Kinder und der anderen, die mit uns tanzten, übertrug sich auf mich.
An dem Abend hatte ich das Gefühl, wirklich in Ghana angekommen zu sein.
Samstag, 10. März 2018
Freitag, 9. März 2018
Reis
Wie viele von euch, liebe Leser und Leserinnen, vorher sicherlich schon vermutet haben, kommt eins in Ghana sehr oft auf den Teller: Reis. Gebrater Reis, Reis mit Gemüse, Jollof Reis (mit Tomatensoße) usw..Dementsprechend sind große Portionen von Reis auch in den Geschäften zu finden. Als ich einmal vor einem Regal in einem etwas größeren Shop stand, staunte ich nicht schlecht über das Angebot an Reis und vor allem die Menge in einer Tüte. Ein Grund, weshalb Reis so beliebt sein könnte, ist der, dass er nicht viel kostet, sättigt und in verschiedenen Variationen lecker zuzubereiten ist.
Von Trotros und VIP-Bussen
Während der Zeit in Ghana tourten wir drei viel mit dem Bus durchs Land. Meistens nahmen wir Trotros, die ähnlich wie VW-Busse gebaut sind, und die, wenn man ein Signal gibt, am Straßenrand halten und einen mitnehmen, falls es die gewünschte Richtung ist. Darin saß immer jemand, der die Schiebetür bediente und das Geld von den Fahrgästen einsammelte. Wenn man Trotro fährt, sollte man nicht zu schnell genervt sein von der lauten Musik bzw. den Musikvideos, die durchgehend abgespielt werden, bzw. von den anderen Fahrgästen, die sich an einem vorbeiquetschen oder bei der Fahrt neben einem einschlafen. Nach meinem ersten Tag in Accra, an dem wir mit mehren Trotros sehr lange im Stau standen, war ich tatsächlich genervt von den rumpelnden Gefährten, sodass ich erstmal froh war, dass wir tags darauf auf dem langen Weg nach Bechem einen VIP-Bus nahmen. Die VIP-Busse in Ghana sind mit den Reisebussen in Deutschland vergleichbar und etwas teurer als die Trotros. Aus diesem filmte ich das obige Video.
Später gewöhnte ich mich allerdings auch an die Trotros, sodass es mir nichts mehr ausmachte, damit Langstrecken zu fahren, meinen Backpackerrucksack unter den Sitzen. Übrigens: In Ghana gibt es keine Fahrpläne. Der Bus bzw. das Trotro fährt los, wenn er voll ist. Und wenn das drei Stunden dauert. Das mag unvorstellbar sein, wenn ich sehe, dass manche Fahrgäste in Deutschland sich schon aufregen, wenn die U-Bahn drei Minuten zu spät kommt. Nicht so in Ghana, da gelten andere Regeln. Deshalb dürfte es auch nicht wundern, dass A. und ich vor unserem Abflug überpünktlich am Abreisetag zum Flughafen aufgebrochen sind. So überpünktlich, dass wir sechs Stunden zu früh dran waren. Jedenfalls, trotz aller Turbulenzen, die man mit den Gefährten in Ghana erlebt, sind wir immer zum Ziel gekommen, wo wir hinwollten, auch wenn es manchmal ein bisschen gedauert hat.
Vegan in Afrika
An unserem ersten Tag in Ghana hatte B. uns ein Bohnengericht mit Lauch und anderem Gemüse besorgt, von dem wir drei sehr schnell satt wurden. Auf den ersten Blick mochte es nicht unbedingt appetitlich aussehen, doch es schmeckte ganz in Ordnung. Es ist hier normal, Reis oder Bohnen oder überhaupt scharfes Essen zum Frühstück zu verspeisen statt Brot mit Marmelade."Das Essen stopft ganz schön", erklärte H.. So war es kein Wunder, dass wir selbst nach unserem langen Tag in der Hitze und langen Fahrten in den Trotros bzw. Bussen kaum Hunger verspürten. Von den Nudeln mit Gemüse, die bei B. zuhause nach dem Kinobesuch auf uns warteten, konnte H. mich und A. dann doch überzeugen. Liebe Leser und Leserinnen, habt ihr schonmal scharfes Essen beim asiatischen Imbiss in Deutschland bestellt? Vielleicht auch das, bei dem am Kartenrand angemerkt ist, dass es besonders scharf sei? Und haben euch danach fast die Ohren gequalmt? Ich habe fast geweint, so scharf waren die Bratnudeln, und doch fand ich sie ziemlich lecker, auch wenn es sich so anfühlte, als könnte ich danach Feuer speien.
Während meiner weiteren Zeit in Ghana lernte ich viele exotische Gerichte kennen. Mein Lieblingsgericht in diesem Land wurde "Red Red". Es besteht aus frittierten Kochbananen und stark gewürzter Bohnensoße. In Bechem bei H.'s Schwester kam ich erstmals in den Genuss von Red Red und bestellte es mir daraufhin ziemlich häufig zum AbendessenHungern musste ich als Veganerin ganz sicher nicht in Ghana. Kuhmilch ist hier so gut wie gar nicht zu finden, höchstens welche, die importiert wurde. Fleisch ist hier auch eher Luxus für die Einheimischen und weit nicht so oft auf der Speisekarte zu finden. Meiden musste ich hier eher Fisch und Ei, beides war wesentlich üblicher. Viele Menschen halten sich Hühner, vor allem in den Dörfern, und fischen an der Küste. H. half mir und A., nur die Gerichte zu essen, die auch vegetarisch (für sie und A. ) und vegan (für mich) waren. Somit kam ich mit Essen in den drei Wochen ziemlich gut zurecht.
Erst am letzten Tag, als A. und ich bereits am Flughafen saßen, bestellte ich mir meinen wohlbekannten Jollof Reis, der bisher auf meiner Ghanareise immer vegan gewesen war, und bat, kein Ei daran zu tun. Leider fiel A. auf, dass in dem Reis Fisch enthalten war, und zwar erst, nachdem die Portion verputzt war. Er war so stark gewürzt, dass man den Fisch nicht herausschmeckte. Ich ekelte mich so sehr (auch, wenn das für Nicht-Veganer höchst seltsam sein muss), dass ich die Mahlzeit auf der nächsten Toilette erbrach.
Wenn man von diesem Missgeschick am Ende einmal absieht, ist vegane Ernährung in Ghana an sich nicht schwerer hinzukriegen als bei mir zuhause. Ich musste in den Imbissen sehr selten Sonderbestellungen machen oder darum bitten, etwas Tierisches wegzulassen. Das gewürzte Essen war oftmals erst gewöhnungsbedürftig, doch ich kam auf den Geschmack. Es ging soweit, dass ich in unserem Lieblings-Frühstücksimbiss an unserer letzten Etappe Busua zum Frühstück Indomie (scharfe Nudeln mit Gemüse, wie oben schon erwähnt) oder Avocadosalat bestellte, während die anderen Pancakes oder Toast wählten. Übrigens, in Ghana gibt es riesige, cremige Avocados, wie man sie in Deutschland kaum zu Gesicht bekommt. Ich glaube, das Essen ist hier auch so scharf, weil die Schärfe die Keime abtötet, die sich in der Hitze rasch entwickeln können. Das gilt auch fürs Frühstück.
An unserem letzten Abend in Ghana schlug H. vor, A. und ich sollten mal Banku probiert haben, bevor wir nachhause fuhren. "Wie kann ich mir Banku vorstellen?", wollte ich wissen. "Es ist so ähnlich wie Kartoffelklöße", meinte H. daraufhin. Als es uns zusätzlich mit einer Schüssel und einer Kanne Wasser zum Händewaschen serviert wurde (Dieses Gericht isst man offenbar mit der Hand), war ich doch etwas erstaunt. Banku war eine breiartige Masse, von der wir uns mit den Händen etwas abnahmen und es in die dazu gestellte Erdnusssoße tauchten. A. stellte schnell fest, dass es nicht ihr Fall war. H., ihre Schwester N. und deren Freundin T. waren es im Gegensatz zu uns beiden schon gewöhnt. "Das ist mit Abstand das Seltsamste, das ich je gegessen habe", verkündete ich, doch eigentlich schmeckte es mir ganz gut. Wer exotisches Essen liebt, ist in Ghana gut aufgehoben.
Accra
An unserem ersten Tag brachen wir zum Markt auf. B. nahm uns auf dem Weg zur Arbeit ein Stück mit. Während laut Musik im Autodudelte, sah die Stadt an mir vorüberziehen: Die Strassen waren von Flachdach-Häusern gesäumt und bestanden manchmal nur aus dunklem, staubenden Sand.
Der afrikanische Markt in Accra ist, wie man sich vielleicht schon vorstellen kann, sehr farbenfroh. Das trifft sowohl auf die von den Händlern angepriesene Ware zu als auch auf Dekosachen aller Art. Es ging ähnlich zu wie auf einem türkischen Bazar, jeder wollte einen reinbitten und uns die Ware vorzeigen. An Angeboten mangelte es nicht, doch ich stellte schnell fest, dass die allzu bunte Mode nicht meins ist. Oftmals präsentierten uns Künstler gemalte Bilder mit Motiven wie Zebras in der Steppe oder Frauen, die einen Obstkorb auf dem Kopf trugen. Ich musste ziemlich schnell klar machen, dass ich nicht vorhatte, mit meinem Backpacker-Rucksack eingerollte Gemälde, Mini-Trommeln oder bunt gemusterte Jumpsuits mit nach Deutschland zu nehmen.
Lustig wurde es bei einem Trommlerstand, wo wir von dem Händler eingeladen wurden, hinzusetzen und die Trommeln vor uns zu stellen und zu trommeln. Ich hab noch nie getrommelt und bin auch sonst nicht besonders musikalisch begabt. Spaßig war es trotzdem zusammen mit A. und H.
Zu meinem Erstaunen befand sich in Accra sogar ein Kino, was in Ghana eher ungewöhnlich ist. Wir sahen uns zusammen mit H.'s Freunden, die den Film ausgesucht hatten, "Black Panther" an. Darin wird die Geschichte des ersten schwarzen Superhelden im Comic-Universum erzählt, mit viel Action und politischen Aspekten an einem fiktiven Ort in Afrika. Mir fiel auf, dass die Kinobesucher alle zu johlen begannen, als in einer Szene im Museum das Wort "Ghana" einmal fiel. Ebenso brach der Kinosaal in Jubel aus, als König T'Challa alias Black Panther totgeglaubt den brennenden Trümmern eines abgestürzten Flugzeugs entsteigt, um sich dann in den Kampf mit seinem Widersacher Killmonger zu stürzen. Von der Kussszene am Schluss muss ich gar nicht erst reden.
Der afrikanische Markt in Accra ist, wie man sich vielleicht schon vorstellen kann, sehr farbenfroh. Das trifft sowohl auf die von den Händlern angepriesene Ware zu als auch auf Dekosachen aller Art. Es ging ähnlich zu wie auf einem türkischen Bazar, jeder wollte einen reinbitten und uns die Ware vorzeigen. An Angeboten mangelte es nicht, doch ich stellte schnell fest, dass die allzu bunte Mode nicht meins ist. Oftmals präsentierten uns Künstler gemalte Bilder mit Motiven wie Zebras in der Steppe oder Frauen, die einen Obstkorb auf dem Kopf trugen. Ich musste ziemlich schnell klar machen, dass ich nicht vorhatte, mit meinem Backpacker-Rucksack eingerollte Gemälde, Mini-Trommeln oder bunt gemusterte Jumpsuits mit nach Deutschland zu nehmen.
Lustig wurde es bei einem Trommlerstand, wo wir von dem Händler eingeladen wurden, hinzusetzen und die Trommeln vor uns zu stellen und zu trommeln. Ich hab noch nie getrommelt und bin auch sonst nicht besonders musikalisch begabt. Spaßig war es trotzdem zusammen mit A. und H.
Zu meinem Erstaunen befand sich in Accra sogar ein Kino, was in Ghana eher ungewöhnlich ist. Wir sahen uns zusammen mit H.'s Freunden, die den Film ausgesucht hatten, "Black Panther" an. Darin wird die Geschichte des ersten schwarzen Superhelden im Comic-Universum erzählt, mit viel Action und politischen Aspekten an einem fiktiven Ort in Afrika. Mir fiel auf, dass die Kinobesucher alle zu johlen begannen, als in einer Szene im Museum das Wort "Ghana" einmal fiel. Ebenso brach der Kinosaal in Jubel aus, als König T'Challa alias Black Panther totgeglaubt den brennenden Trümmern eines abgestürzten Flugzeugs entsteigt, um sich dann in den Kampf mit seinem Widersacher Killmonger zu stürzen. Von der Kussszene am Schluss muss ich gar nicht erst reden.
Samstag, 24. Februar 2018
Ankunft
Vor Kurzem landeten H., A. und ich in Ghanas Hauptstadt Accra, nach einem langen, teilweise schaukeligen Flug über den Wüstensand der Sahara.
Noch morgens an unserem heimatlichen Flughafen waren wir umgeben von Eis und Schnee, am selben Abend schlug uns beim Austreten aus dem Flugzeug die heiße Luft Afrikas entgegen. Was für ein Kontrast das war, könnt ihr euch sicherlich vorstellen. Das war der Moment, bei dem ich realisierte, dass wir wirklich angekommen waren. Ich war froh, dass bis jetzt alles geklappt hatte. Unsere Gelbfieberimpfung wie das Visum konnten wir wie verlangt vorzeigen und die Malaria-Tabletten waren geschluckt. Wir waren bereit für Ghana.
H.'s guter Freund B. holte uns ab, da wir bei ihm zwei Tage in Accra unterkommen sollten. Gastfreundschaft wird in Ghana hoch angesehen, daher holte er unterwegs noch drei Flaschen Bier. Mit denen stießen wir auf der Veranda von B.'s Haus an und freuten uns, angekommen zu sein. Das flache, gelbe Haus mit dem Eingangstor und den Zimmern voller Fliesen war mein erster Eindruck, den ich von Accra hatte. Die Nacht war warm, irgendwo bellte ein Hund und der Sand auf der Straße war mahagonifarben. Wir saßen noch eine Weile draußen und brachten B. ein paar Wörter auf Deutsch bei. Amtssprache hier in Ghana ist übrigens Englisch, aber es gibt noch sehr viele Sprachen nebenbei, von Region zu Region unterschiedlich, die ich mir nicht alle vom Namen her merken kann.
Wenig schliefen wir tief und fest. Ich war ziemlich erschöpft vom Flug, zugleich sehr gespannt, was uns die kommenden Tage erwartete.
Zunächst schreibe ich ein paar Dinge auf, die ich direkt am Anfang lernte:
1. Es wird richtig viel mit Reis gegessen (und zwar so scharf, dass ich selten ohne Taschentücher auskomme). Vielleicht sieht nicht alles auf den ersten Blick appetitlich aus, aber es macht sehr satt und schmeckt exotisch.
2. Geduscht wird hier mit einem Eimer Wasser über den Kopf, den man beim Wassertank vorm Haus nachfüllen kann. Das mag spartanisch klingen, aber bei 30 Grad Hitze ist es gar nicht so unangenehm, sich kaltes Wasser übers Haupt zu giessen. Die Toilette spült man auf gleiche Weise.
3. Auf der Strasse laufen viele Menschen mit einer Schüssel o.ä. auf dem Kopf herum und verkaufen unterschiedlichste Sachen, die sie darin transportieren, an die Passanten oder vorbeifahrenden Autos. So etwas hatte ich zuvor nie gesehen.
Eins kann ich für den Anfang zunächst auch nochmal deutlich feststellen: Dieses Land hier ist ganz anders als das, was ich bisher kenne. Und deshalb bin ich ja auch hier.
Noch morgens an unserem heimatlichen Flughafen waren wir umgeben von Eis und Schnee, am selben Abend schlug uns beim Austreten aus dem Flugzeug die heiße Luft Afrikas entgegen. Was für ein Kontrast das war, könnt ihr euch sicherlich vorstellen. Das war der Moment, bei dem ich realisierte, dass wir wirklich angekommen waren. Ich war froh, dass bis jetzt alles geklappt hatte. Unsere Gelbfieberimpfung wie das Visum konnten wir wie verlangt vorzeigen und die Malaria-Tabletten waren geschluckt. Wir waren bereit für Ghana.
H.'s guter Freund B. holte uns ab, da wir bei ihm zwei Tage in Accra unterkommen sollten. Gastfreundschaft wird in Ghana hoch angesehen, daher holte er unterwegs noch drei Flaschen Bier. Mit denen stießen wir auf der Veranda von B.'s Haus an und freuten uns, angekommen zu sein. Das flache, gelbe Haus mit dem Eingangstor und den Zimmern voller Fliesen war mein erster Eindruck, den ich von Accra hatte. Die Nacht war warm, irgendwo bellte ein Hund und der Sand auf der Straße war mahagonifarben. Wir saßen noch eine Weile draußen und brachten B. ein paar Wörter auf Deutsch bei. Amtssprache hier in Ghana ist übrigens Englisch, aber es gibt noch sehr viele Sprachen nebenbei, von Region zu Region unterschiedlich, die ich mir nicht alle vom Namen her merken kann.
Wenig schliefen wir tief und fest. Ich war ziemlich erschöpft vom Flug, zugleich sehr gespannt, was uns die kommenden Tage erwartete.
Zunächst schreibe ich ein paar Dinge auf, die ich direkt am Anfang lernte:
1. Es wird richtig viel mit Reis gegessen (und zwar so scharf, dass ich selten ohne Taschentücher auskomme). Vielleicht sieht nicht alles auf den ersten Blick appetitlich aus, aber es macht sehr satt und schmeckt exotisch.
2. Geduscht wird hier mit einem Eimer Wasser über den Kopf, den man beim Wassertank vorm Haus nachfüllen kann. Das mag spartanisch klingen, aber bei 30 Grad Hitze ist es gar nicht so unangenehm, sich kaltes Wasser übers Haupt zu giessen. Die Toilette spült man auf gleiche Weise.
3. Auf der Strasse laufen viele Menschen mit einer Schüssel o.ä. auf dem Kopf herum und verkaufen unterschiedlichste Sachen, die sie darin transportieren, an die Passanten oder vorbeifahrenden Autos. So etwas hatte ich zuvor nie gesehen.
Eins kann ich für den Anfang zunächst auch nochmal deutlich feststellen: Dieses Land hier ist ganz anders als das, was ich bisher kenne. Und deshalb bin ich ja auch hier.
Mittwoch, 7. Februar 2018
Auf nach Ghana
Es ist nun über zwei Jahre her, dass ich meine Rundreise durch Asien gemacht habe. In meinem Leben ist seitdem wieder eine Menge passiert, doch das Reisefieber hat mich seitdem nie mehr losgelassen. Tatsächlich steht nun meine zweite größere Reise an: Es geht nach Ghana in Westafrika.Wie kam es dazu? Als ich anfing, zu studieren, lernte ich meine Freundin H. kennen. Sie war zur Uni gekommen, nachdem sie ein Jahr lang in Ghana gewesen war. Sie erzählte mir, was sie dort erlebt hatte, von den Menschen, von der Kultur und von der vielen Sonne. Zwischendurch reiste sie öfter dorthin und ich fand es jedesmal spannend, von ihren Erlebnissen zu hören. Zusammen mit uns studierte unsere Freundin A. Als H. im Herbst wieder nach Hamburg kam, berichtete sie uns bei einem gemeinsamen Abendessen wieder von dem, was sie erlebt hatte, und von ihrem Traum, eines Tages dort in einem Haus am Strand zu leben. "Wenn das so ist", sagte ich mit einem Augenzwinkern. "Dann komme ich dich besuchen.". Diesem Vorschlag schloss sich A. an.
Doch so lange sollte es gar nicht dauern, denn H. schlug vor, dass wir auch innerhalb der nächsten Monate mit ihr nach Ghana kommen könnten und eine Rundreise machen können. Mein Fernweh und meine Abenteuerlust, die ich vor der Asienreise zuletzt so sehr gehabt hatte, meldeten sich in mir wieder. Die Gelegenheit, endlich wieder zu reisen, war zum Greifen nahe. Ich war Feuer und Flamme.
Die letzten Wochen hatte ich einiges zu tun, zum Beispiel ein Visum beantragen (Notiz an alle, die Gleiches vorhaben: Schickt immer den Original-Pass zum Konsulat und nicht nur eine Kopie, das erspart euch Stress!), mich impfen lassen und Sachen packen. Wenn man mit einem Backpacker-Rucksack drei Wochen durch ein Land reist, indem die Menschen arm sind, Luxusgüter wie Seife und Co gering sind, und man sich vor fiesen Mücken und Krankheiten schützen muss, ist sorgfältige Vorbereitung gefragt.
Doch nun ist es tatsächlich in einer Woche so weit: Wir drei Mädels werden dann in den Flieger steigen und touren am Meer entlang, von Ort zu Ort.
Warum gerade Ghana, fragen sich viele jetzt, wo doch so viele Menschen von dort gefährliche Reisen auf sich nehmen, um in ein so beschütztes Land wie Deutschland zu kommen, statt umgedreht.
Wenn ich Orte kennen lernen will, die anders sind, als das, was ich sonst so kenne, bin ich dort richtig, denke ich. Und ich habe Menschen an meiner Seite, die mir das Land so zeigen können, wie es wirklich ist.
Auf meinem Blog möchte ich dies gern wieder mit euch teilen, liebe Leser/innen, und bin gespannt, was ich erlebe.
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