Freitag, 9. März 2018

Vegan in Afrika

An unserem ersten Tag in Ghana hatte B. uns ein Bohnengericht mit Lauch und anderem Gemüse besorgt, von dem wir drei sehr schnell satt wurden. Auf den ersten Blick mochte es nicht unbedingt appetitlich aussehen, doch es schmeckte ganz in Ordnung. Es ist hier normal, Reis oder Bohnen oder überhaupt scharfes Essen zum Frühstück zu verspeisen statt Brot mit Marmelade.
"Das Essen stopft ganz schön", erklärte H.. So war es kein Wunder, dass wir selbst nach unserem langen Tag in der Hitze und langen Fahrten in den Trotros bzw. Bussen kaum Hunger verspürten. Von den Nudeln mit Gemüse, die bei B. zuhause nach dem Kinobesuch auf uns warteten, konnte H. mich und A. dann doch überzeugen. Liebe Leser und Leserinnen, habt ihr schonmal scharfes Essen beim asiatischen Imbiss in Deutschland bestellt? Vielleicht auch das, bei dem am Kartenrand angemerkt ist, dass es besonders scharf sei? Und haben euch danach fast die Ohren gequalmt? Ich habe fast geweint, so scharf waren die Bratnudeln, und doch fand ich sie ziemlich lecker, auch wenn es sich so anfühlte, als könnte ich danach Feuer speien.

Während meiner weiteren Zeit in Ghana lernte ich viele exotische Gerichte kennen. Mein Lieblingsgericht in diesem Land wurde "Red Red". Es besteht aus frittierten Kochbananen und stark gewürzter Bohnensoße. In Bechem bei H.'s Schwester kam ich erstmals in den Genuss von Red Red und bestellte es mir daraufhin ziemlich häufig zum Abendessen

Hungern musste ich als Veganerin ganz sicher nicht in Ghana. Kuhmilch ist hier so gut wie gar nicht zu finden, höchstens welche, die importiert wurde. Fleisch ist hier auch eher Luxus für die Einheimischen und weit nicht so oft auf der Speisekarte zu finden. Meiden musste ich hier eher Fisch und Ei, beides war wesentlich üblicher. Viele Menschen halten sich Hühner, vor allem in den Dörfern, und fischen an der Küste. H. half mir und A., nur die Gerichte zu essen, die auch vegetarisch (für sie und A. ) und vegan (für mich) waren. Somit kam ich mit Essen in den drei Wochen ziemlich gut zurecht.
Erst am letzten Tag, als A. und ich bereits am Flughafen saßen, bestellte ich mir meinen wohlbekannten Jollof Reis, der bisher auf meiner Ghanareise immer vegan gewesen war, und bat, kein Ei daran zu tun. Leider fiel A. auf, dass in dem Reis Fisch enthalten war, und zwar erst, nachdem die Portion verputzt war. Er war so stark gewürzt, dass man den Fisch nicht herausschmeckte. Ich ekelte mich so sehr (auch, wenn das für Nicht-Veganer höchst seltsam sein muss), dass ich die Mahlzeit auf der nächsten Toilette erbrach.

Wenn man von diesem Missgeschick am Ende einmal absieht, ist vegane Ernährung in Ghana an sich nicht schwerer hinzukriegen als bei mir zuhause. Ich musste in den Imbissen sehr selten Sonderbestellungen machen oder darum bitten, etwas Tierisches wegzulassen. Das gewürzte Essen war oftmals erst gewöhnungsbedürftig, doch ich kam auf den Geschmack. Es ging soweit, dass ich in unserem Lieblings-Frühstücksimbiss an unserer letzten Etappe Busua zum Frühstück Indomie (scharfe Nudeln mit Gemüse, wie oben schon erwähnt) oder Avocadosalat bestellte, während die anderen Pancakes oder Toast wählten. Übrigens, in Ghana gibt es riesige, cremige Avocados, wie man sie in Deutschland kaum zu Gesicht bekommt. Ich glaube, das Essen ist hier auch so scharf, weil die Schärfe die Keime abtötet, die sich in der Hitze rasch entwickeln können. Das gilt auch fürs Frühstück.

An unserem letzten Abend in Ghana schlug H. vor, A. und ich sollten mal Banku probiert haben, bevor wir nachhause fuhren. "Wie kann ich mir Banku vorstellen?", wollte ich wissen. "Es ist so ähnlich wie Kartoffelklöße", meinte H. daraufhin. Als es uns zusätzlich mit einer Schüssel und einer Kanne Wasser zum Händewaschen serviert wurde (Dieses Gericht isst man offenbar mit der Hand), war ich doch etwas erstaunt. Banku war eine breiartige Masse, von der wir uns mit den Händen etwas abnahmen und es in die dazu gestellte Erdnusssoße tauchten. A. stellte schnell fest, dass es nicht ihr Fall war. H., ihre Schwester N. und deren Freundin T. waren es im Gegensatz zu uns beiden schon gewöhnt. "Das ist mit Abstand das Seltsamste, das ich je gegessen habe", verkündete ich, doch eigentlich schmeckte es mir ganz gut. Wer exotisches Essen liebt, ist in Ghana gut aufgehoben.

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