Sonntag, 18. Juni 2023

Split: Die Hafenstadt

Die Altstadt Splits schien wie aus einer anderen Welt zu sein. Wenig verwunderlich fand ich es daher, dass unter anderem die Fantasyserie "Games of Thrones" hier gedreht wurde. Das goldene Tor, wie der Eingang zu einer Seite hin genannt wird, lag nur zwei Straßen von unserem Apartment entfernt, weshalb M. und ich fast täglich die Altstadt durchquerten, wenn wir zum Wasser gelangen wollten. 

Wir waren sehr froh darüber, eine Küche in unserem Apartment zu haben, da die Preise in Split wesentlich höher erwartet hatten. Natürlich waren wir in einem stark frequentierten Stadtteil, doch selbst die Supermärkte ein paar Straßen weiter waren nicht unbedingt günstiger. Das Essen begeisterte uns auch nicht so sehr, vor allem, nachdem wir noch kurz zuvor in Italien leckere Pasta und Focaccia hatten schlemmen können. Die folgenden Tage kochten wir häufiger Nudeln mit Ajvar, einer scharfen Soße aus Tomaten, Aubergine und Paprika.  

Doch mit Natur konnte Kroatien definitiv punkten: Ein Ort, der in Kroatien weltweit bekannt ist und auch ein Traumziel von mir darstellte, war der Krka Nationalpark mit Wasserfällen, umgeben von beeindruckender, grüner Natur. Mit einem Reisebus ging es durch die Berge zum Krka Nationalpark. Über Holzstege liefen wir wenig später durch die grüne Natur und ihre Gewässer, wobei wir schillernd blaue Libellen, lauthalsquakende Frösche und große Fische im durchsichtigen Wasser beobachten konnten. Zwischendurch konnten wir immer wieder von unterschiedlichen Aussichtspunkten einen Blick auf die Stufen des Wasserfalls erhaschen. Wie erwartet, war der Park zur Hauptsaison sehr voll, sodass sich viele weitere Menschen die Wege über die Stege mit uns teilten, doch ein Erlebnis war der Tag allemal und es hatte sich meiner Meinung nach gelohnt, die Natur auf diese Weise zu erleben. Der Reisebus brachte uns anschließend noch in das Dorf Sibenik am Meer, wo sich M. Obst vom Markt kaufte und ich eine Runde schwimmen gehen konnte. 

In Split selbst konnte ich mich besonders für die Aussicht vom Marjan Hill, dem Hausberg der Stadt, begeistern. Der erste Aufstieg zu der Aussichtsplattform war eigentlich nicht weit vom Weg, jedoch in der schwülen Mittagssonne eine kleine Herausforderung. Zudem führte er durch das etwas ursprünglichere Viertel V
aros, in dem es im Vergleich zu der Altstadt wesentlich ruhiger zuging und das mehr eine Art Wohngegend darstellte, mit wenig Gastronomie und Geschäften. M. und ich marschierten von der Aussichtsplattform noch ein Stück weiter hinauf, zu einer kleinen Kirche. Bei dieser fand ich später heraus, dass sie eine der ältesten katholischen Kirchen ist, die noch existieren. Bei Sonnenuntergang erklommen wir erneut an einem der Abende die Stufen zur Aussichtsplattform des Marjan Hill und konnten beobachten, wie nach und nach die Lichter im Hafen und in der Stadt angingen, während sich der Himmel hinter den Bergen zunehmend rosa verfärbte. 

Ein weiteres Erlebnis zu später Stunde hatten wir mit einem Kajakausflug, den wir von Split aus gebucht hatten. Von Split aus wurden M. und ich zusammen mit anderen Teilnehmer*innen abgeholt und zu einem Campingplatz gebracht, der am Wasser grenzte. Die Besonderheit unserer Kajaks bestand darin, dass sie komplett durchsichtig und mit verschiedenen Farben beleuchtet waren. Während der Fahrt konnten wir manchmal Fische unter uns durchschwimmen sehen, über uns leuchteten die Sterne und das Wasser fühlte sich warm an, wenn ich meine Hand hineintunkte. Ich empfand den Ausflug als wunderschön und musste daran zurückdenken, dass er zuhause, bevor wir wieder aufgebrochen waren, auch Teil von M.'s Vorschlägen gewesen war, unter den Dingen, die in Kroatien möglich waren.

Generell blühte Split gerade abends auf, wo es noch mehr Menschen als tagsüber in die Gastronomie und an den Hafen zog. Beim Diokletian-Palast gab einen Platz mit Säulen, hinter denen eine steinerne Sphinx saß, auf dem abends Livemusik gespielt wurde und auf den Stufen sich jede Menge festlich angezogene Menschen versammelten. Es herrschte Sommerabend-Feeling. M. und ich nahmen uns vor, die Stadt zu einer komplett gegensätzlichen Uhrzeit zu erleben, nämlich frühmorgens. Da war die Stadt noch relativ leer und außer uns waren nur ein paar Menschen unterwegs, die die Stadt aufräumten und die Gehwege säuberten. Das erklärte wohl auch, weshalb die Stadt insgesamt so sauber und ordentlich wirkte.

Eine Überraschung erwartete uns in einem kleinen Park abseits des Trubels der Altstadt, in einer Nebenstraße nahe unserer Unterkunft. Genau genommen war es für mich in dem Moment schon die Überraschung, als unser Bus Richtung Krka-Nationalpark durch die Straßen kurvte: Ein paar Pfauen, die offenbar in diesem Park lebten und dort herumstolzierten. Manche davon hüpften auch in die Bäume und präsentierten uns von dort aus ihr schillernd buntes Gefieder. M. und ich freuten uns daran, sie hier zu beobachten.

Mittwoch, 14. Juni 2023

Mit der Fähre nach Split

Es war ein warmer, sonniger Tag, als M. und ich in Rimini aufbrachen und mit der Trenitalia über Venezia Mestre in die Stadt Ancona fuhren. Die nächsten Wochen lag Kroatien vor uns, ein Land, in dem ich bisher noch nicht gewesen war und wo ich auch schon länger hinwollte, nachdem mir von kristallklarem Meerwasser und wunderschönen Wasserfällen dort erzählt worden war. In Ancona verbrachten wir noch einige Zeit mit unserem Gepäck im Schatten und spielten Karten.

Am frühen Abend stiegen wir auf die Fähre, auf der wir eine Kabine gemietet hatten: Die Erfahrung mit der Fähre nach und von Tunesien hatte uns gezeigt, dass es eine sehr gute Idee war. Und das war es tatsächlich: Nach einem Rundgang an Deck, bei dem wir den Sonnenuntergang beobachten konnten, fielen wir in unserer Kabine in einen tiefen, ruhigen Schlaf. Von hohem Wellengang war nichts zu spüren. Am nächsten Morgen standen wir früh auf, den die Fähre lief schon zu früher Stunde in den Hafen von Split ein. Vom Deck aus, wo noch wenig Menschen anzutreffen waren, konnten wir im Sonnenaufgang sehen, wie wunderschöne, mediterrane Berglandschaften am Ufer an uns vorbeizogen. Sie waren noch leicht von Morgennebel verhüllt. "Das ist Kroatien", rief ich, nun hellwach. Für mich war es ein Anblick, den ich so schnell nicht vergessen werde.  

In Split angekommen war es nicht besonders aufwendig, das Schiff zu verlassen. Wir befanden uns schließlich immer noch in der EU. Somit nahmen wir wie all die anderen Passagiere unser Gepäck, gingen von Bord und aus dem Hafen hinaus. Nicht weit vom Hafen stießen wir direkt auf die Mauern der Altstadt aus porzellanfarbenen Gestein und ließen uns auf einer Bank inmitten des mit Palmen und Blumen gesäumten Boulevard am Wasser nieder. Der erste Eindruck von Split versprach, dass wir es mit einer sehr ästhetischen Stadt zu tun hatten, die mit Blumen an keinem Winkel der Altstadt sparte.


Dienstag, 13. Juni 2023

San Marino: Zwischen Mittelalter und Moderne

Der Zwergstaat San Marino liegt auf dem Monte Titano bis hin zu dessen Bergfuß und ist von Norditalien umschlossen. Zudem gilt San Marino als älteste Republik der Welt und zählt etwa 30.000 Einwohner*innen. M. und ich gelangten nach etwa einer Stunde Busfahrt morgens von Rimini dorthin. Der Bus setzte uns auf dem Bergkamm ab, auf dem die Altstadt mit den historischen Burgtürmen liegt. Nun stiegen wir in einem anderen Land aus, das offiziell nicht einmal zur EU gehört. Trotzdem wird hier mit dem Euro bezahlt. 

Wie wir feststellen konnten, besteht San Marino quasi hauptsächlich aus guten Ausblicken. Nicht alle Burgtürme waren begehbar, doch der, in den wir hineinspazieren konnten, entpuppte sich als wahres Erlebnis. Über eine Leiter kletterten wir in den Burgfried hinauf, der überdacht war und kleine Fenster zu allen Seiten hin besaß. Von hier aus. konnten wir weit über das grüne Land Italiens ringsum blicken. Insgesamt fühlte ich mich bei dem Rundgang durch San Marino ins Mittelalter zurückversetzt, schließlich war es ein großes Burggelände, das wir durchquerten. 

Da wunderte es wenig, dass in den Souvenirläden auch viele aufs Mittelalter bezogene Artikel wie Holzschilde etc. verkauft wurden, neben der Flagge von San Marino in verschiedenen Größen. Besonders tief ins Tal blicken konnte ich bei dem Hexenpfad, der deshalb so genannt wird, weil im Mittelalter wahrscheinlich dort als Hexe beschuldigte Frauen hinabgestoßen wurden. So makaber die Vergangenheit des Pfades auch sein mag, so sehr stellt er eines der interessantesten Pfade der Burg dar. In manchen Bereichen waren historische Kanonen ausgestellt.

Nach einiger Zeit des Hinauf- und Hinablaufens innerhalb der Gassen San Marinos bekamen wir Hunger. Einen nicht ganz so gut ausgestatteten Supermarkt fanden wir nach einem längeren Fußweg weiter in Richtung Tal gefunden, sodass die dortige Ausbeute nur für einen Snack reichte. Daher setzten wir uns etwas später für eine Pizza Marinara in eines der örtlichen Restaurants. Das Essen des Zwergstaates gleicht im Grunde der italienischen Küche. Von unserem Platz am Fenster konnten wir noch einmal ganz entspannt bei einem leckeren Essen die Aussicht auf Italien genießen. 

Rimini: Mehr als eine Partystadt

Es roch nach Jasmin und lauem Sommerabend, als M. und ich vom Bahnhof in Rimini über einen Weg durch einen Park in die kleine Straße einbogen, in der sich unter Hotel befand. Wir picknickten noch am ersten Abend am Strand. Dort waren schon überall Liegen mit Sonnenschirmen aufgestellt- genau das, was ich von Rimini schon erwartet hatte, doch da wir uns offenbar noch in der Nebensaison hier aufhielten, waren diese leer, soweit unser Auge reichte. Der Strand war in Abschnitte mit Nummern aufgeteilt und mit zahlreichen Strandbars versehen. Die Luft am Meer empfand ich als sehr angenehm und ich war dankbar, dass die Überschwemmungen und Unwetter, die es bis vor einigen Tagen noch in der Region Emilia-Romagna gegeben hatte, uns nicht getroffen hatten. Jetzt war jedenfalls nichts mehr davon in Rimini spürbar, nur einige angeschwemmte Äste zeugten davon. 

Am Strand gab es ein weißes, nostalgisches Riesenrad, auf dem M. und ich uns eine Fahrt gönnten. Da es außer uns nicht viele Gäste gab, blieben wir davon verschont, Schlange zu stehen, und konnten eine Gondel für uns allein betreten. Der Zeitpunkt war perfekt, denn die Sonne ging gerade unter. Von hier oben konnten wir den Hafen von der einen Seite überblicken und von der anderen den Strand. "Nun habe ich ein richtiges Urlaubsfeeling", bekundete ich begeistert, als wir durch die warme Abendluft an der Parallelstraße der Strandpromenade an jede Menge kreativ eingerichteten Cafés und Restaurants vorbeispazierten. Lichterketten leuchteten mir überall entgegen, es gab teilweise Schaukeln statt Stühlen und Vieles war mit Blumen dekoriert. 

"Das ist das Ziel von diesem Ort", erwiderte M.. Die nächsten Tage wurde es zu einem Ritual, abends am Strand zu picknicken oder einen mitgebrachten Smoothie zu trinken und am Strand entlang zu spazieren. In unserer Unterkunft hatten wir morgens das Glück, mehrere Tage hinterher einen Espresso schlürfen zu dürfen, der uns vom Haus spendiert wurde, bevor wir losgingen. Einen Tag verbrachten wir in Italia in Miniatura, einem Freizeitpark für Italienfans, den wir mit einem Nahverkehrsbus erreichten. In diesem Park wurden Italien und einige Sehenswürdigkeiten Europas im Kleinstformat unter freiem Himmel ausgestellt. Es waren viele Orte dabei, die mir auch in Lebensgröße bekannt waren: Venedig mit der Rialto-Brücke, Pisa mit seinem schiefen Turm, der Eiffelturm von Paris, Torre de Belém in Lissabon und Weiteres. Zudem gab es ein nachgebautes Venedig in dem Freizeitpark, sodass M. und ich auch außerhalb der Lagunenstadt in den Genuss kamen, zu romantischer Musik in einer Gondel durch die Kanäle zu schippern. Genauso verrückt war der Platz mit Hausfassaden, an deren Türen die Besucher*innen klingeln und sich daraufhin von einer italienischen Nonna-Puppe beschimpfen lassen konnten, die die Fensterläden aufriss und sogar vor lauter Empörung Wasser aus dem Fenster kippte. Besonders beliebt war diese Attraktion bei den Schulklassen, die sich immer wieder einen Spaß daraus macht, bei der Nonna-Puppe zu klingeln. Der Park bot zudem noch andere Fahrgeschäfte wie eine Wasserrutsche und eine Bahn, die hoch in der Luft eine Runde durch Italia in Miniatura drehte. M. und ich hatten einen Heidenspaß.

In Rimini entdeckten wir fernab vom Strand die Altstadt und das Viertel Borgo San Giuliano, wo sich noch ganze andere Seiten des Ortes offenbaren als die Party- und Strandmeile. In der Altstadt fanden wir eine traditionelle Pasticcheria, die eine gute Auswahl an veganen Cornetti hatte. Zusätzlich zu den Espressi, die wir zuvor in unserem Hotel getrunken hatten, hatten wir hiermit wieder ein leckeres, süßes Frühstück. Borgo San Giuliano lockte mich mit seinen farbenfrohen Häusern in schmalen Gassen, in denen es von ästhetischen Streetart-Motiven und Blumen als Dekoration nur so wimmelte. Wir gelangten über die antike Tiberius-Brücke dorthin. Es gab viele Motive aus Filmen, die dem Filmemacher Federico Fellini gewidmet sind, sowie Wale, gemalte Blumen und vieles mehr, die dazu einluden, in Borgo San Giuliano zu verweilen. Später am Fluss konnten wir noch eine Künstler*innenmeile entdecken, in der direkt am Wasser Hausfassaden mit künstlerischen Motiven zu Themen wie dem Meer und passenden poetischen Schriftzügen versehen waren.

Rimini mag weltweit als Partyort bekannt sein und auch andere Ecken als das verbleibende Italien haben, wie zum Beispiel den Strand mit den Basketballplätzen und Skating-Flächen. Doch die Tage, die wir dort während der Nebensaison verbrachten, fühlte ich mich sehr wohl, und konnte auch dem Strand etwas abgewinnen, obwohl ich normalerweise naturbelassene und weitgehend leere Strände bevorzuge. Der Ort, den wir ursprünglich gewählt hatten, um den nahegelegenen Zwergstaat San Marino kennen zu lernen, war somit auch eine Entdeckung wert.

Udine


Der Reisebus brachte uns innerhalb von zwei bis drei Stunden über die italienische Grenze nach Udine. Udine wirkt im Vergleich zu anderen italienischen Orten etwas weniger von Tourist*innen besucht, wie uns sehr schnell auffiel: Es gab kaum Souvenirshops und wenig Postkarten, die gekauft werden konnten. 
Als wir in die Stadt hineinfuhren, konnten wir schon vom Bus aus erkennen, dass die Straßen mit jede Menge italienischer Flaggen geschmückt waren, die offenbar noch von einem Fest stammten, das hier stattgefunden hatte. 
In unserer Unterkunft gab es eine Küche, sodass M. seiner Kochleidenschaft wieder nachgehen konnte. Die folgenden Tage kamen jede Menge Pasta und Polenta, gekochter Maisgrieß, auf den Tisch. Polenta ist typisch für die Region Frauli-Venetien, in der wir uns befanden, und schmeckt besser, als es vielleicht im ersten Moment klingt. Ebenso erfreute ich mich an der Kaffeemaschine, die extrem leckeren, schaumigen Kaffee zubereitete.

Als wir Udine an einem Samstag erkundeten, war eine Menge im Stadtzentrum los: Es wurden parallel mehrere Hochzeiten, ein Kinderfest und eine Jobmesse abgehalten. Wir stießen unter anderem auf der anderen Seite der Burg auf einen Flohmarkt, auf dem ich allerdings noch nicht fündig wurde. Auf dem Castello, der Burg, die an Udines Innenstadt angrenzt, stießen wir auf schöne Rundbögen-Architektur und schöne Aussichten auf die Stadt. 
Der leicht abgeblätterte Charme und die terrakottafarbenen sowie weißen Gebäude, die ich mit Italien stark verbinde, waren hier in großer Zahl zu finden. Mir gefiel der kleine Kanal, der ein Stück durch die Nebenstraßen der Innenstadt führte. Am belebtesten wirkte die Stadt abends bei Dunkelheit, wenn die Luft etwas abgekühlt war und es die Menschen in die Gastronomie zog. In den Gassen wurde geschlemmt, getrunken und geplaudert; selbst unter der Woche wirkte die Atmosphäre ziemlich feierlich.

Einen weiteren Tagesausflug von Udine aus planten M. und ich in den nahegelegenen Ort Cividale, dessen Attraktion eine alte, pittoreske Brücke ist, die über den Fluss führte. Als wir dort ankamen, fand dort, wie am Vortag in Udine, ein großer Flohmarkt statt - mir kam dies wie gerufen, weil ich noch dringend ein Sommerkleid suchte. Tatsächlich wurde ich fündig und war überaus glücklich, im Besitz eines neuen Lieblingsteils zu sein, das mich ab jetzt auf der weiteren Reise begleiten würde. Die Brücke versprühte märchenhaftes Feeling und der Ort wirkte an sich ziemlich versteckt und wie eine kleine Welt für sich. Die Brücke sahen M. und ich uns noch vom Wasser aus an, wofür wir ein Stück Weg zum Ufer hinab liefen. Da es ein warmer Tag war und ich daher einen kurzen Jumpsuit trug, zog ich kurzerhand meine Sandalen aus und watete bis zu den Knien ins Wasser. So konnte ich hinter der Böschung die Brücke genauer erspähen. 
Ansonsten hatten wir Cividale nach zwei Stunden ausreichend erkundet und kehrten mit der Trenitalia nach Udine zurück. 

Triest

Von Udine machten M. und ich mit der Trenitalia einen Tagesausflug in die Stadt Triest. Im Gegensatz zu Udine wirkte Triest beim Verlassen des Bahnhofs viel weitläufiger und großstädtischer als Udine. Triests Architektur ähnelte an einigen Stellen der in Venedig, ganz besonders der Hauptplatz, der mich stark an den venezianischen Markusplatz erinnerte. Die Lagunenstadt Venedig befindet sich auch nicht besonders weit entfernt von Triest. 

Erst überlegten wir, uns einen Kaffeepass bei der Tourist-Information zu holen, mit dem in verschiedenen Locations rund um den Hauptplatz Kaffee getrunken werden kann, sozusagen auf einer Kaffee-Tour. Wir entschieden uns aber dagegen, nachdem wir feststellten, dass nur Edelrestaurants daran teilnahmen. 

Lieber verließen wir das Zentrum der Stadt und gingen in einen Laden in einer Nebenstraße, um uns einen Kaffee am Tresen zu gönnen, wie die Italiener*innen es auch üblicherweise tun. Hier kostete ein Espresso 1,20 Euro statt 4 Euro an dem Hauptplatz. Der Laden war klein, die Barista unterhielt sich mit einem weiteren Gast, der am Tresen saß, und bereitete mir auf meinen Wunsch hin einen Soja-Latte zu. 

Gestärkt mit Kaffee im Magen erkundeten M. und ich die Stadt zu Fuß. Wir liefen die Hafenpromenade entlang, wo einige Möwen posierten, zur Burg hinauf und konnten beobachten, wie die Stadt immer voller wurde und ab der Mittagszeit immer heißer. Irgendwann beschlossen wir, uns in einem Park mitten in Triest etwas im Schatten der hohen Bäume zu entspannen und unsere Brote zu essen. In dem Tümpel plantschte eine Gruppe Schildkröten und daneben lagen einige regungslos auf Steinen, während ihnen die Sonne auf den Panzer schien. Es machte mir großen Spaß, sie zu beobachten. 

Am frühen Abend nahmen wir den Zug zurück nach Udine. Triest hat einiges an schöner Architektur und lebhafter Gastronomie zu bieten, doch ich freute mich nun, in das kleinstädtische Flair und die Entspanntheit Udines zurückzukehren.

Sonntag, 11. Juni 2023

Ljubljana: Die grüne Hauptstadt Sloweniens

In ein Land, über das ich bisher noch nicht allzu viel wusste, gelangten wir durch unseren Besuch von Slowenien. M. und ich stiegen in der Hauptstadt Ljubljana aus, nachdem wir eine Bahnfahrt in einem überfüllten Zug hinter uns hatten. Während der Zugfahrt hatten wir aus dem Fenster wunderschöne Bergpanoramen erblicken können, allerdings auf unseren Koffer sitzend in dem schmalen Gang des Zuges. Somit war ich froh, dass es von Salzburg nur vier Stunden Fahrt insgesamt hierher waren. 

Unsere Erwartungen an Slowenien waren nicht sehr hoch, doch die Stadt wusste uns zu überraschen. Slowenien ist überaus grünes Land mit einer im Vergleich zu Deutschland sehr geringen Bevölkerungszahl und auch Ljubljana war eine der grünsten Städte, die mir bisher untergekommen waren. M. und ich hatten eine kleine, gemütliche Unterkunft wenige Schritte von der Drachenbrücke mitten in Ljubljana gebucht. Der Drache ist Programm in dieser Stadt: Es gibt kaum ein Souvenir ohne ihn, sogar ein nationales Bier gibt es, auf dessen Dose ein Bild von ihm abgedruckt ist. Aus den ehemaligen Legenden, in denen der Drache als böses Monster dargestellt wird, das es zu bekämpfen gilt, wurde mit der Zeit der Schutzpatron und das Wahrzeichen der slowenischen Hauptstadt. "Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Slowenen so freundlich sind", sagte M. "Vielleicht hat sich der Drache dann gedacht, dass er dann auch so freundlich zu den Menschen hier sein sollte.". Wir erlebten die Menschen hier als wirklich überaus freundlich, ob es die Supermarktkassiererin war oder der Busfahrer, der seinem Job offenbar mit Vergnügen nachging.

M. und ich gingen auf einen Ausflug zum Bleder See und stiegen dafür in einen Bus, der äußerst komfortabel wie ein Reisebus ausgestattet war. Zu meinem Erstaunen waren die Preise für die Bustickets am Wochenende deutlich günstiger als unter der Woche und unterschieden sich ziemlich stark, je nachdem an welchem Busschalter wir nachfragten. Als wir unsere Runde um den See drehten, konnten wir die Insel in der Mitte betrachten, auf der die bekannte Kirche steht, um die sich einige Legenden ranken. Oben auf dem Felsen befindet sich zudem eine Burg- die gesamte Kulisse bietet sich somit durchaus an für Mythen und Legenden. Von einem Aussichtspunkt, zu dem wir durch eine etwa fünfzehnminütige Wanderung gelangten, konnten wir den See und die Insel in der Mitte gut überblicken. 

Zurück in Ljubljana angekommen, gönnten wir uns einen leckeren Smoothie in einem veganen Laden. Da es in Slowenien erstaunlich viele deutsche bzw. österreichische Supermärkte wie Spar und Hofer gibt, auch direkt bei der Drachenbrücke und somit nahe unserer Unterkunft, konnten wir dort auch relativ schnell einige vegan gekennzeichnete Produkte ausfindig machen. In Ljubljana selbst erkundeten wir an einem Tag die so grüne Stadt noch etwas intensiver, darunter auch das knallbunte, autonome Gebiet Metelkova (ähnlich dem Freistaat Christiania in Kopenhagen), und marschierten den steilen, aber kurzen Weg zur Burg hinauf. Als wir dort ankamen, fand dort vor den Burgmauern ein Mittelalterfest statt - an einem Stand nutzte ich die Gelegenheit und probierte das erste Mal nach vielen Jahren wieder Bogenschießen mit einem hölzernen Recurve-Bogen aus. In der Burg selbst gab es einige Räume, die ohne Eintritt besichtigt werden können. Insgesamt waren die Burg mit dem Innenhof sowie das Gelände außenherum auf dem Berg gut gepflegt. Nicht weniger sehen lassen konnte sich die Innenstadt mit den zahlreichen, malerischen Brücken über den Fluss und den pittoresken Gebäuden. Insgesamt haben M. und ich Ljubljana als sehr saubere Stadt erlebt. 

Einen weiteren Tag nutzen wir, um zu der Postojna-Höhle zu fahren, die zu den beliebtesten Zielen innerhalb Sloweniens gehört. Auch hierfür nutzen wir einen öffentlichen Bus, der ähnlich wie der zum Bleder See wie ein Reisebus ausgestattet war. Unter der Woche kostete er allerdings das Dreifache von dem Ticket, das wir für die Fahrt nach Bled gekauft hatten. Vor der Höhle wurden wir von unserem Guide begrüßt und stiegen dann in eine Bergbahn, die mich ein wenig an ein Fahrgeschäft auf einem Jahrmarkt erinnerte. Die Postojna-Höhle ist die zweitgrößte Tropfsteinhöhle der Welt, daher fuhren wir erst einmal zehn Minuten in das Höhlensystem hinein. Von dort aus ging es dann zu Fuß weiter, zusammen mit einer großen Gruppe an Menschen, die mit uns zusammen die verschiedenen, angeleuchteten Gesteinsformationen betrachtete. Es gab ein feuchtes Klima in der Höhle, wie es für Tropfsteinhöhlen üblich ist, und so schön ich die riesigen Hallen empfand, merkte ich doch nach einer Weile, wie schnell ich das Sonnenlicht vermisste. Am Ende der Tour ging es mit dem gleichen Bummelzug wieder genau dorthin zurück.

Die Tage danach genossen M. und ich noch weiterhin die entspannte Atmosphäre und das Grün Ljubljanas. Wenn es zu regnen anfing, zogen wir uns in unsere Unterkunft, die ich als unsere "Drachenhöhle" betitelt hatte, zurück. Ljubljana hatte uns beide positiv überrascht und als charmante kleine Stadt, die viele Geschichten zu erzählen hat, vollends überzeugt.