Am Strand gab es ein weißes, nostalgisches Riesenrad, auf dem M. und ich uns eine Fahrt gönnten. Da es außer uns nicht viele Gäste gab, blieben wir davon verschont, Schlange zu stehen, und konnten eine Gondel für uns allein betreten. Der Zeitpunkt war perfekt, denn die Sonne ging gerade unter. Von hier oben konnten wir den Hafen von der einen Seite überblicken und von der anderen den Strand. "Nun habe ich ein richtiges Urlaubsfeeling", bekundete ich begeistert, als wir durch die warme Abendluft an der Parallelstraße der Strandpromenade an jede Menge kreativ eingerichteten Cafés und Restaurants vorbeispazierten. Lichterketten leuchteten mir überall entgegen, es gab teilweise Schaukeln statt Stühlen und Vieles war mit Blumen dekoriert.
"Das ist das Ziel von diesem Ort", erwiderte M.. Die nächsten Tage wurde es zu einem Ritual, abends am Strand zu picknicken oder einen mitgebrachten Smoothie zu trinken und am Strand entlang zu spazieren. In unserer Unterkunft hatten wir morgens das Glück, mehrere Tage hinterher einen Espresso schlürfen zu dürfen, der uns vom Haus spendiert wurde, bevor wir losgingen. Einen Tag verbrachten wir in Italia in Miniatura, einem Freizeitpark für Italienfans, den wir mit einem Nahverkehrsbus erreichten. In diesem Park wurden Italien und einige Sehenswürdigkeiten Europas im Kleinstformat unter freiem Himmel ausgestellt. Es waren viele Orte dabei, die mir auch in Lebensgröße bekannt waren: Venedig mit der Rialto-Brücke, Pisa mit seinem schiefen Turm, der Eiffelturm von Paris, Torre de Belém in Lissabon und Weiteres. Zudem gab es ein nachgebautes Venedig in dem Freizeitpark, sodass M. und ich auch außerhalb der Lagunenstadt in den Genuss kamen, zu romantischer Musik in einer Gondel durch die Kanäle zu schippern. Genauso verrückt war der Platz mit Hausfassaden, an deren Türen die Besucher*innen klingeln und sich daraufhin von einer italienischen Nonna-Puppe beschimpfen lassen konnten, die die Fensterläden aufriss und sogar vor lauter Empörung Wasser aus dem Fenster kippte. Besonders beliebt war diese Attraktion bei den Schulklassen, die sich immer wieder einen Spaß daraus macht, bei der Nonna-Puppe zu klingeln. Der Park bot zudem noch andere Fahrgeschäfte wie eine Wasserrutsche und eine Bahn, die hoch in der Luft eine Runde durch Italia in Miniatura drehte. M. und ich hatten einen Heidenspaß.In Rimini entdeckten wir fernab vom Strand die Altstadt und das Viertel Borgo San Giuliano, wo sich noch ganze andere Seiten des Ortes offenbaren als die Party- und Strandmeile. In der Altstadt fanden wir eine traditionelle Pasticcheria, die eine gute Auswahl an veganen Cornetti hatte. Zusätzlich zu den Espressi, die wir zuvor in unserem Hotel getrunken hatten, hatten wir hiermit wieder ein leckeres, süßes Frühstück. Borgo San Giuliano lockte mich mit seinen farbenfrohen Häusern in schmalen Gassen, in denen es von ästhetischen Streetart-Motiven und Blumen als Dekoration nur so wimmelte. Wir gelangten über die antike Tiberius-Brücke dorthin. Es gab viele Motive aus Filmen, die dem Filmemacher Federico Fellini gewidmet sind, sowie Wale, gemalte Blumen und vieles mehr, die dazu einluden, in Borgo San Giuliano zu verweilen. Später am Fluss konnten wir noch eine Künstler*innenmeile entdecken, in der direkt am Wasser Hausfassaden mit künstlerischen Motiven zu Themen wie dem Meer und passenden poetischen Schriftzügen versehen waren.
Rimini mag weltweit als Partyort bekannt sein und auch andere Ecken als das verbleibende Italien haben, wie zum Beispiel den Strand mit den Basketballplätzen und Skating-Flächen. Doch die Tage, die wir dort während der Nebensaison verbrachten, fühlte ich mich sehr wohl, und konnte auch dem Strand etwas abgewinnen, obwohl ich normalerweise naturbelassene und weitgehend leere Strände bevorzuge. Der Ort, den wir ursprünglich gewählt hatten, um den nahegelegenen Zwergstaat San Marino kennen zu lernen, war somit auch eine Entdeckung wert.



Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen