Donnerstag, 24. November 2022

Auf der anderen Seite des Tejo

 Abends fuhren wir mit einem Boot, das zum Nahverkehr Lissabons gehört, über den Tejo. Während der Fahrt konnten wir die riesige steinerne Jesus-Statuen erkennen, die mit ausgebreiteten Armen auf der anderen Seite auf einem Felsen thronte. Auf der anderen Seite fanden wir etwas vor, das uns an eine Downtown erinnerte, mit abgeblätterten Schildern von Imbissen und Häusern, die aussahen, wie ein nicht mehr ganz taufrischer Abklatsch von Lissabons bunter Innenstadt. Wir beschlossen, uns hier nicht weiter aufzuhalten, sondern lieber am Ufer des Flusses entlang zu spazieren. Auf dem Weg kamen wir an einigen maroden Gebäuden daran, die mich an einen Lost Place erinnerten. Mit der Zeit wurde der Weg immer schöner und lockte mit einigen Cafés am Wasser. 

An einem winzigen Stück Strand, falls sich dieser überhaupt als Strand betiteln lässt, lag etwas Großes Glibberiges im Sand, bei dem ich genauer hinsehen musste, um es zu erkennen. "Das sind ja monströse Quallen", stellte ich fest. Möglicherweise handelte es sich bei den riesigen Tieren sogar um Feuerquallen. Zum Glück hatten wir an diesem  Abend nicht vor, hier zu baden.

Einen Fahrstuhl gab es auch auf dieser Seite des Wassers, den J. und ich zusammen mit anderen Passant*innen hinauffuhren. Im Gegensatz zu dem Fahrstuhl, der zur Jesusstatue führt, war dieser kostenfrei. Von der Plattform aus hatten wir einen sehr weiten Blick über den Tejo und konnten tief hinabschauen. Es war sehr windig hier oben. Allmählich sank die Sonne immer tiefer. Uns wurde bewusst, dass wir an diesem einen Tag eine Menge erlebt hatten.

"Da hinten scheint eine Grünfläche zu sein", sagte ich, wieder unten angekommen, "Vielleicht können wir uns da einmal hinsetzen." Gesagt, getan. Wir setzten uns auf einen grünen Hügel am Ufer des Tejo, zu unserer Linken konnten wir die rote Brücke ausmachen und hinter uns hatte sich ein Sänger mit einem Standmikrofon platziert, sodass wir seiner Musik lauschen konnten. Wir waren absolut zufrieden, hier zu sein, und beschlossen, erstmal nicht so schnell aufzustehen. "Ich hätte nicht gedacht, dass es sich so sehr lohnt, auf die andere Seite zu fahren", sagte J.. Das fand ich auch.

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