Ich hatte mich für das Langsam-Reisen in den letzten Jahren immer mehr begeistern können. Es gefiel mir, ein Gefühl dafür zu bekommen, durch welche Orte ich mich auf dem Weg zum Ziel bewegte, wie sich das Klima Stück für Stück veränderte, und wie sich die Orte auf der Landkarte in meinem Kopf so zusammenfügten, dass es Sinn ergab. Zudem empfand ich es als entspannend, in aller Seelenruhe ein Buch zu lesen und immer wieder aus dem Fenster zu schauen, wo die nächste Landschaft oder Stadt vorbeizog. Auf der Strecke durch Andalusien konnte ich vom Zugfenster einen rosa Flamingo in einem flachen Gewässer erspähen, was mich sehr begeisterte. Als der Bus nach meiner langen Anreise mit mehreren Umstiegen die Brücke über den Tejo überquerte, hüpfte mein Herz vor Aufregung und Freude. Ich hatte es geschafft.
Mittwoch, 2. November 2022
Lissabon ruft
"Hey, ich habe im September eine Woche frei. Hast du Lust, in der Zeit mit mir einen Mädelstrip nach Lissabon zu machen?", ploppte auf meinem Smartphone eine Nachricht auf, die von meiner Freundin J. stammte, "Wir können ein Airbnb mieten und dort gemeinsam kochen." Ich war mit J. in den vergangenen Jahren viel auf Reisen gewesen, doch inzwischen lag unsere letzte gemeinsame Reise schon einige Jahre zurück. Schon da hatten wir die Idee im Kopf gehabt, nach Lissabon zu fahren, doch dazu war es nicht gekommen. Genauso wenig, wie es dazu gekommen war, dass M. und ich im Sommer 2021 während unseres Interrailtrips nach Portugal durchkamen. Lissabon hatte aufgrund steigender Corona-Infektionszahlen die Stadt dicht gemacht.Ich sagte J. zu und hoffte innerlich, dass diesmal unserem Trip nichts in die Quere kommen würde. Ich suchte in den kommenden Tagen nach einer guten Verbindung durch Busse und Bahnen, was sich als wesentlich komplizierter herausstellte als all meine Reisen zuvor, bei denen ich nicht mehr geflogen war. Ich würde komplett durch Frankreich und Spanien durchreisen, um es bis an die portugiesische Atlantikküste zu reisen. "Das ist schon verrückt", hörte ich aus meinem Umfeld einige Stimmen sagen, als ich erzählte, innerhalb kurzer Zeit nach Portugal zu reisen, ohne das Flugzeug zu nehmen. Doch genau das war die Challenge, die ich mir selbst gestellt hatte: An die Sehnsuchtsorte zu reisen, ohne der Umwelt dabei zu sehr zu schaden, und das Abenteuer zu wagen, das zwischen ICE, TGV und Fernbussen auf mich wartete.Auch J. überlegte zuerst, mit mir zusammen durch Bus und Bahn anzureisen, entschied sich jedoch dagegen, weil sie weniger Tage zur Verfügung hatte als ich. Also vereinbarten wir, uns vor unserer Unterkunft in Lissabon zu treffen. Für mich startete damit eine meiner aufregendsten Bus- und Bahnreisen durch Europa. Rund sechstausend Kilometer Strecke warteten auf mich, dazu eine Übernachtung in Madrid auf der Hinreise.
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