Wenn wir aus dem Fenster sahen, konnten wir den Miradouro de Santa Luzia weit oben erkennen. Das Airbnb war sehr klein, mit Kochnische und Kühlschrank, und schien mit seinen leicht schiefen Treppen und quietschenden Türen sehr alt zu sein. Wie uns ein Zettel auf dem Esstisch verriet, war das Gebäude schon uralt- das machte es wiederum noch interessanter.
Einen Nachmittag übersetzten wir uns in das winzig kleine Wohnzimmer, - insofern es sich der kleine Raum mit dem Sofa, einem Kühlschrank und einer Kommode sowie zwei Fensterfronten an den Außenseiten überhaupt als Wohnzimmer bezeichnen lässt -tranken Kaffee mit Schoko-Sojamilch und konnten den leichten Regenschauer hinter der Glasscheibe beobachten, der sich zum ersten Mal während unserer Reise ereignete.
Manchmal gefallen mir gerade auch die Momente, in denen ich bei einem Kaffee an einem charmanten Platz sitze und die Umgebung auf mich wirken lasse. Es gefiel mir, hier in der Unterkunft fernab der Straßen und inmitten Fußgänger*innengassen zu sein.
J. und ich nahmen uns die Tage, die wir dort wohnten, Zeit dafür, die Treppen hinauf und hinabzulaufen und uns überraschen zu lassen, was an der nächsten Ecke auf uns wartete. Manchmal waren es ein paar Blumensträucher, die sich vor dem weißen Stein in die Höhe rankten, oder ein neuer Aussichtspunkt.
Die meisten Miradouros scheint es in Alfama zu geben. Wenn wir vom Miradouro de Santa Luzia die gepflasterte Straße weiter hinaufliefen, gelangten wir zum Miradouro das Portas do Sol, der eine noch weitläufigere Aussicht auf die Dächer Alfamas und den dazwischen emporragenden Palmen bietet sowie auf das Meer. Für mich war dies einer der schönsten Aussichtspunkte der Stadt.
Den letzten Abend unserer Reise liefen J. und ich die Treppenstufen von unserer Unterkunft zu den beiden Miradouros hinauf, um den Blick noch einmal bei Sonnenuntergang zu erleben. Das Bild, wie der Himmel sich hinter den orangefarbenen Dachschindeln rosa färbt und die Kulisse noch malerischer aussehen lässt, werde ich so schnell nicht vergessen.
Während unserer Spaziergänge konnten wir noch weitere Aussichtspunkte und kleine Parks zum Verweilen ausfindig machen, darunter den Miradouro de Graca, eine weit oben gelegene Terrasse mit Aussicht. Eingebettet waren sie zwischen kleinen Läden mit bunten Sachen und kleinen Cafés, vor denen man bei einem Getränk sitzen konnte. Zwischendurch konnten wir immer mal wieder einen Blick auf die gelbe Tram erhaschen, wenn wir die Fußgänger*innen-Pfade verließen und auf die Gassen gelangten, die auch von Autos befahren waren.
An dem Abend, als wir im Dunkeln und mit leeren Handyakkus zu unserer Unterkunft zurückkehrten, nach einem aufregenden Tag beim Torre de Belém und am Strand, liefen wir fast Gefahr, uns in den verwinkelten Gassen im warmen, dunkelgelben Licht der Straßenlaternen zu verlaufen. Zugegeben, es gibt schlechtere Orte als Alfama, um sich zu verlaufen.
Nachdem wir zwischen vielen Straßenrestaurants, vor denen Menschen speisten, durchgelaufen waren und Teil des bunten Treibens geworden waren, erkannten wir den Platz mit dem Straßenbrunnen und der kleinen weißen Kirche, an dem unsere Unterkunft grenzte: Wir waren wieder zurück.




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