Die Anlage um den Pena-Palast mit einem großen Park nicht weit von Lissabon sollte sich als Tourist*innen-Magnet herausstellen. Von einem Bahnhof im Zentrum Lissabons fuhren J. und ich, die zur Feier des Tages schöne Kleider angezogen hatten, mit einem Zug etwa eine Dreiviertelstunde nach Sintra. Der Bahnhof war ziemlich voll, da die Tickets in die Umgebung der Stadt sehr beliebt zu sein schienen, und ich sah uns schon stundenlang darauf warten, dranzukommen. Dafür ging es dann jedoch ziemlich schnell.
In Sintra spazierten wir erst durch das Zentrum, in dem jede Menge Zeichnungen vom bunten Pena Palast, den wir besuchen wollten, verkauft wurden. Die Preise waren wir noch einmal deutlich höher als in Lissabon selbst, konnten wir feststellen- auch beim Essen, wie es bei weltweit gehypten Orten öfters der Fall ist. Ich war schon voller Vorfreude darauf, den Palast in seinen kräftigen Farben zu erkunden.
In einem Park, in dem wir exotische Pflanzen vorfanden und einen Bereich, in denen Kaninchen herumhoppelten und Hühner frei herumliefen, aßen wir unser Mittagessen: Wraps mit Guacamole, Tomaten und Karottensalat. Das war während der Tage hier eines unser liebsten Unterwegs-Essen geworden. Stück für Stück spazierten wir dann die Straße zum Pena-Palast hinauf und konnten das gelbe Gebäude hinter so mancher Wegbiegung aus der Entfernung erspähen. Tourist*innen-Busse sowie Fahrrad-Rikschas sausten an uns vorbei und ich hatte den Eindruck, dass so manche der Insass*innen uns belächelten, weil wir den gesamten Weg zu Fuß liefen. Ein Stück liefen wir auch durch den Wald, was mir ganz gut gefiel. Dichtes Grün und knorrige Baumwurzeln umgaben uns auf der Strecke durch den Wald, dazu ein hell scheinende Sonne.
Nachdem wir den hügeligen Weg erklommen hatten und viele weitere Autos an uns vorbeigedüst waren, erreichten wir den Park um den Pena-Palast. Der Ticketautomat am Eingang des Parks bot uns ein Ticket an, mit dem Eintritt in den Park sowie auf die Terrassen des Pena-Palastes erhielten. Da wir an das Innere des Palast nicht so interessiert waren wie an dem, was außen zu sehen war, entschieden wir uns dafür. Leider hatten wir nicht damit gerechnet, dass der Palast nicht nur von innen voll war, sondern sich die Schlange an Besucher*innen auch rund um den Palast herumschlängelte. Es würde Stunden dauern, bevor wir auch nur einen Fuß auf die Terrassen setzen würden. Und inmitten der Menschenmassen, die J. und ich schon vom Fuß des Palasts sehen konnten, zu stehen, erschien uns zudem wenig attraktiv. Ich hatte den Verdacht, dass der Palast vor lauter Menschen kaum zu sehen sein würde.
Etwas enttäuscht traten J. und ich den Rückweg an, doch es dauerte nicht lange, dass wir über unseren Ausflug lachen konnten. Ich habe beim Reisen immer wieder festgestellt, dass wir an einen bestimmten Ort bestimmte Erwartungen mitbringen. Diese können in manchen Fällen nicht erfüllt werden und in anderen Fällen wiederum übertroffen werden. In anderen Situationen wurde ich wiederum positiv überrascht von einem Ort oder einem Erlebnis, von dem ich mir vorher nicht viel versprochen hatte. Auch das ist ein Teil des Reisens: Neugierig und offen zu sein für die Dinge, die wir noch nicht kennen, und herausfinden, was uns bei ihnen erwartet.
Sintra hat zudem außerhalb des Pena-Palasts viele schöne Ecken, die wir nur zum Teil gesehen haben, von den Parks her und der farbenfrohen Architektur des Zentrums, den kurvigen Gassen - wer sich daran sehr erfreuen kann, wird hier fündig werden.



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