Montag, 31. Juli 2023

Durch die albanischen Berge nach Gjirokaster

Die Fahrt nach Gjirokaster, die ich gern mit den örtlichen Bussen statt mit einer geführten Tour vornehmen wollte, stellte sich zunächst als Herausforderung dar. Doch ich lernte dabei viel über das Bussystem der Einheimischen. Gjirokaster ist ein Ort in den albanischen Bergen, der von wesentlich mehr Einheimischen als Saranda bewohnt ist und ein noch vergleichsweise traditionelles Erscheinungsbild hat. 

Die Busfahrer standen im Zentrum von Saranda und riefen lauthals die Ziele, an denen die Busse hielten. Uns fiel auf, dass die Preise variierten, doch im Vergleich zu einer geführten Tour auf Getyourguide waren sie wesentlich günstiger und auch erlebnisreicher. Zu meinem Erstaunen versuchten die Busfahrer auch nicht, uns zur Mitfahrt zu überzeugen und feilschten auch nicht um die Preise. Das wirkte auf uns wesentlich angenehmer, als wenn es anders gewesen wäre.

Unter der Woche standen wir extra wieder früh auf, um den Bus nach Gjirokaster zu nehmen. Innerhalb weniger Minuten war der Kleinbus voll und wir kurvten durch die Berge. M. und ich bückten uns ein wenig, um einen Blick durch die niedrig angesetzten Fenster auf die Landschaft zu erhaschen. Einige Zeit später, es war immer noch früh, wurden wir in Gjirokaster abgesetzt. Ein kurzer Fußmarsch den Berg hinauf führte uns in die Altstadt, die uns am meisten interessierte. Wir konnten die Burg sehen und die Häuser mit den auf eine besondere Art angeordneten Dachschindeln, dank derer Gjirokaster auch als "City of the roofs" gilt. Weit oben in der Altstadt gelangten wir zum traditionellen, ottomanischen Skendaki-Haus, das wir uns von innen ansehen konnten. Es machte mir unglaublich Spaß, durch das abgedunkelte, reichlich verzierte Haus zu spazieren. Außer uns waren kaum andere Menschen hier und ich fühlte mich wie in eine andere Zeit zurückversetzt. Auf dem Boden lagen rot-schwarz gemusterte Teppiche und Sitzgelegenheiten, wohl gleichzeitig auch Schlafgelegenheiten, an der Wand. Die Fenster waren mit bunten Gläsern versehen und fast jeder Raum besaß zudem einen schmucken Kamin. Toiletten, die aus einem viereckigen Loch im Boden mit Klappdeckel bestanden, gab es auch in jedem Raum, was Rückschlüsse zuließ, die ich durchaus erstaunlich fand. Zwischendurch gab es von den Terrassen immer wieder eine schöne Aussicht auf das grüne Tal. Hier und da ragte auch das Minarett einer Moschee aus der Landschaft. 

Nach dem Besuch des Skendaki-Haus schlenderten M. und ich zwischen den hölzernen Häusern der Alststadt Gjirokasters herum, bestaunten die Teppiche, die hier verkauft wurden und konnten insgesamt einiges buntes entdecken. Rund um die Burg konnten wir zwischen grünen Bäumen im Schatten etwas spazieren gehen. Auf dem Rückweg hatten wir direkt Glück, auf einen Busfahrer zu stoßen, der uns nach Saranda zu bringen gedachte. Außer uns stiegen noch andere Urlauber*innen ein, auch zwei ältere italienische Damen, die eine große Begeisterung für Albanien teilten und sich etwas mit uns unterhielten. Der Busfahrer holte auf dem Weg noch einige Pakete ab und gab sie währenddessen woanders ab; es wurden also gleichzeitig mit dem Passagiertransport auch Warentransporte verbunden. Ich konnte damit wieder einmal die Erfahrung machen, dass wir durch die Nutzung einheimischer Verkehrsmittel am meisten erleben und lernen konnten. Gjirokaster hatte uns außerdem noch eine andere Seite Albaniens, fernab von den Strandspots Saranda und Ksamil, gezeigt, die ich nicht missen möchte.

Saranda: Sonne, Sand und Meer in Albanien

Von Ostuni aus ging es mit der Trenitalia nach Brindisi, das wenige Minuten entfernt ist und über einen Hafen verfügt, von dem aus uns eine weitere Fährenfahrt erwartete: Diesmal nach Korfu. Von der griechischen Insel aus war unser Ziel Saranda in Albanien nur eine weitere halbe Stunde Fährenfahrt entfernt. Auf Korfu kamen wir bereits im Sonnenaufgang an und konnten in den noch fast menschenleeren Gassen der Hauptstadt Kerkyra verweilen. Ich konnte mich sehr für die orangefarbenen Häuser und die warmen Farben der griechischen Stadt begeistern. Auch M. konnte sich für die Atmosphäre auf der griechischen Insel erwärmen. Die Fährenfahrt von Brindisi aus war vergleichsweise entspannt gewesen dank der verstellbaren Sessel, auf denen leichtes Dösen sogar gut möglich war. Trotzdem war ich todmüde, als wir unser Gepäck bei der Gepäckaufbewahrungsstation in Kerkyra wieder abholten. Von der kurzen Fährenfahrt mit einem kleinen Boot nach Saranda bekam ich wenig mit, da ich an M.'s Schulter einnickte. 

Der Checkout am Hafen von Saranda lief wesentlich schneller ab als gedacht und so erklommen wir kurz darauf den Weg an der Straße den Berg hinauf, auf dem unsere Unterkunft lag. Der anstrengende Aufstieg lohnte sich: Als wir in unserem geräumigen, sauberen Apartment ankamen, das zudem eine Terrasse mit Blick auf die Stadt und auch ein Stück aufs Meer besaß, war ich überaus zufrieden, dort zu sein. Vor der Eingangstür tollten in den nächsten Tagen immer wieder zwei Katzenbabys herum, die sich uns und unserem Apartment neugierig näherten. Wir schliefen erst einmal gründlich aus, kochten uns Essen und machten uns die Folgetage daran, Saranda ausgiebiger zu erkunden.

Tagsüber brannte meistens die Sonne, weshalb wir uns besonders in den Abendstunden draußen bewegten. Zu diesem Zeitpunkt war an der Strandpromenade auch am meisten Action. Wir konnten türkische Eisverkäufer dabei beobachten, wie sie Tricks vor staunenden Kinderaugen mit dem Eisstab vollführten. Es sah aus, als würden sie quasi mit dem Eis jonglieren, was mir jedes Mal ein Lächeln entlockte. An der Promenade reihten sich Badestrände, Cafés, Strandbars und sogar auch ein kleiner Jahrmarkt mit Riesenrad zwischen Palmen. Beleuchtete Piratenschiffe mit dem Gesicht des furchterregenden Piraten Davy Jones aus "Fluch der Karibik" stachen uns aus der abendlichen Beleuchtung der Strandpromenade ins Auge. Ich nutzte den frühen Abend unter anderem dazu, am Badestrand plantschen zu gehen und die Taucherbrille aus Monopoli zu nutzen. Das Wasser war zwar trüber als dort, doch ich konnte trotzdem einige Fische und Unterwasserpflanzen erspähen.

Noch mehr Strand fanden wir in Ksamil, dem Nachbarort von Saranda vor. Zum Glück hatten wir es inzwischen geschafft, albanische LEK in einer Wechselstube umzutauschen, nachdem sich das Abhaben mit Kreditkarte am Geldautomaten als sehr schwierig und teuer erwiesen hatte. Im Bus wurde nämlich durch einen Jugendlichen während der Fahrt das Busfahrgeld, was umgerechnet etwa einen Euro kostete, eingesammelt.

Es wurde zunehmend heiß und M. und ich hatten Mühe, einen guten Platz zwischen der Masse an Badegästen zu finden, der schattig und zugleich keine astronomische Gebühr kostete. Das karibisch blaue Wasser empfand ich als wunderschön, doch das Gewusel durch die vielen Menschen machte es uns nicht ganz so leicht, einen Platz zum Entspannen zu finden. Doch irgendwann hatten wir Glück. Oberhalb einer Strandbar fanden wir einen Picknicktisch, der etwas abgelegen im Schatten lag und von dem aus wir zwischen Baumzweigen auf das Meer und die dahinterliegenden Berge blicken konnten. Ich holte M. und mir ein paar Getränke aus der Strandbar, in der die jungen Servicekräfte mir mit großer Freundlichkeit begegneten. Es sah so aus, als hätten wir nun unsere kleine Oase gefunden. Danach konnten wir mit neuer Energie weiterziehen und die hawaiianisch anmutenden Skulpturen vor den Strandbars oder die Skulptur einer riesigen blauen, aus dem Wasser ragenden Hand entdecken. Strandbars mit tropischen Skulpturen aus Bast fanden wir in den Strandgegenden Albaniens öfter vor: Auch in Saranda gab es Bars und Cafés, die auf eine ähnliche Art und Weise kreativ gestaltet waren. Doch am liebsten erinnere ich mich an den Platz an dem versteckten Holztisch zurück, unserer Oase, die wir in Ksamil zufällig gefunden hatten.

Samstag, 15. Juli 2023

Ostuni, die weiße Stadt Apuliens


Wieder führte der Weg M. und mich
über Bari, als wir von Matera aus nach Ostuni weiterreisten. Der Bahnhof lag etwas außerhalb der weißen Stadt, weshalb wir mit unseren Koffern erst einmal vierzig Minuten zu Fuß in der Sonne die Straße den Berg hinauflaufen mussten.
Doch der Anblick lohnte sich: Ich habe schon einige weiße Städte gesehen auf dieser Welt, doch keine erschien mir so weiß wie Ostuni es ist. Überall waren Kakteen gepflanzt und andere Blumen, die neben dem Himmel der einzige Farbtupfer in dem Weiß darstellten. Es gab Ape-Taxis, die regelmäßig an uns vorbeisausten, und verschiedene kleine Cafés, mit und ohne Aussicht auf die Stadt. In einem davon tranken M. und ich einige Tage später auch einen Aperol Spritz und einen Eiskaffee. 

Wir hausten während unserer Zeit in einer für diese Orte typischen Unterkunft mit weißen Wänden, Rundbögen und der Tür, die beim Öffnen gleichzeitig als Lichtquelle diente. So konnten wir uns darin hineinfühlen, wie es sich in süditalienischen Erdgeschoss-Wohnungen lebt, und verstanden noch besser, weshalb es hierzulande als höflich geht, an den geöffneten Türen in den Gassen vorbeizugehen und weder neugierig hineinzuschauen noch die Leute zu grüßen. Englisch wird hier auch nicht selbstverständlich von den Einheimischen gesprochen, was wir auch bei unseren Gastgebern feststellten und bei unserem Check-In zuerst für etwas Chaos sorgte. 

Letztendlich konnten wir in Ostuni etwas ankommen, nach der Zeit in Matera ausschlafen und wieder leckeres Essen ausfindig machen. Es gab zum Beispiel einen Laden, in dem wir uns Pettole, salzige frittierte Bällchen aus Pizzateig, mitnehmen und auf der Stadtmauer von Ostuni schlemmen konnten. Zuvor statteten wir einem Gartencafé einen Besuch ab, das fußläufig nur wenige Minuten von Ostunis Innenstadt entfernt war, von dort aus gesehen allerdings wesentlich weiter weg wirkte: Von hier ließ sich Ostuni gut erspähen, wie es sich mit seinem bergigen Stadtbild aus dem Meer aus Olivenbäumen erhob. Das Besondere an dem Gartencafé war zudem, dass die Lebensmittel auf der Speisekarte direkt auf dem Gelände angebaut wurden. Die beiden großen Stücke Wassermelone, die wir uns bestellten (für mich als Obstliebhaberin natürlich genau das Richtige, vor allem bei dem warmen Sommerwetter), stammten somit direkt aus dem Beet, neben dem wir auf Strohballen saßen. 

Die Tage in Ostuni verbrachten M. und ich hauptsächlich in der Stadt selbst. Ein Tagesausflug nach Cisternino hatte nicht geklappt wie geplant, da sich am Bahnhof von Cisternino herausstellte, dass die Altstadt des Örtchens noch mehrere Kilometer zu Fuß entfernt lag. Wir hatten das Glück, zumindest auf dem Rückweg auf einen Laden zu treffen, der vor Ort gepresstes Olivenöl verkaufte. So war der Ausflug nicht ganz umsonst gewesen. Lieber nutzten wir die folgenden Tage, um das italienische Leben in Ostuni zu genießen. Als wir am letzten Abend vor unserer Abreise den Sonnenuntergang von meinem Lieblingsaussichtspunkt betrachteten (ich habe Sonnenuntergänge auf dieser Reise besonders schätzen gelernt)
, wusste ich, dass es sich gelohnt hatte, hierherzureisen.

Ausflug in die Basilikata: Von Brotgenuss und Feuerwerksschuss

Von Bari aus gelangten M. und ich mit einem Zug, der auf einer separaten Zugstrecke fuhr, in die Region Basilikata, die nördlich von Apulien liegt. Unser Ziel war die Höhlenstadt Matera, doch wir legten davor noch einen Zwischenstopp in Altamura ein. Deutschland ist gut im Brotbacken, doch die Italiener in Altamura können es auch: Es gibt in dem kleinen Ort, der weltweit für sein Brot bekannt ist (zu Recht), sogar ein kleines Brotmuseum, in der uns vor Ort erklärt wurde, wie das Brot gebacken wird. Die Rezeptur ist immer vegan und in dem Fall auch regional, weil das Getreide in den Feldern angebaut wird, durch die zuvor unser Zug gefahren war. Somit kamen wir bereits wohlgesättigt und zufrieden mit dem Zug in Matera an.

In Matera sollte an dem Wochenende unseres Aufenthalts das Festa della Bruna gefeiert werden, anlässlich der Schutzpatronin der Stadt, Maria della Bruna. Die Aussicht auf die Sassis, die Höhlensiedlungen im Berg rund um die Stadt und inzwischen UNESCO-Weltkulturerbe, empfand ich als sehr besonders. Genau wie die Altstadt von Matera, deren Bauweise noch wieder ganz anders war als in den Orten, die wir zuvor gesehen hatten. Im Dunkeln, als alles angeleuchtet war, und die Musik von dem Fest zu uns hinüberklang, war Matera ebenfalls wunderschön. Es wundert mich nicht, dass die Stadt als Drehort für so manchen Kinofilm ausgewählt wurde, wie zum Beispiel für "James Bond - No time to die". Auch hier trafen wir auf andere Touris, doch es war ähnlich wie in Alberobello trotz der Feierlichkeiten nicht überlaufen. 

Abends erstrahlten die Plätze der Innenstadt unter gewaltigen, bunten Lichtinstallationen, unter denen M. und ich hindurchspazieren konnten. Die Nacht wurde kurz, denn bereits um drei Uhr nachts standen wir wieder auf, um die frühmorgendliche Prozession auf dem Hauptplatz mitzubekommen, mit der der finale Tag des Festa della Bruna eingeläutet werden sollte. Wir waren erstaunt darüber, wie viele Menschen sich schon zu früher Stunde versammelt hatten und der Rede des Bischofs beiwohnten, von der wir aufgrund unserer noch nicht so ausgeprägten Italienischkenntnisse wenig verstanden. Interessant war es trotzdem.

 Kurze Zeit danach, als die Sonne aufging, zogen mehr und mehr Menschen mit uns zusammen durch die Straßen und hielten zwischendurch an, um auf dafür abgesperrten Plätzen ein Feuerwerk anzuzünden. Nach dem andächtigen Morgen wurde es nun wild und laut. Nach dem ereignisreichen Morgen gönnten M. und ich uns in unserer Unterkunft eine Pause. 

Danach spazierten wir wieder durch die Altstadt Materas, ich ließ mir auch hier den Sonnenuntergang nicht entgehen und verfolgten die Parade durch die Stadt, an deren Ende traditionellerweise von den jungen Menschen der geschmückte Wagen zerstört wird. Zu dem Zeitpunkt, als Letzteres passieren sollte, befanden wir uns allerdings schon bei einem Aussichtspunkt, um das Feuerwerk mitzubekommen, das um Mitternacht von den Sassis aus geschossen wurde. Leider klappte es mit der Pyrotechnik nicht ganz so wie geplant, denn zwischendurch wurde es unterbrochen. Doch trotzdem war es ein Erlebnis, diesen Tag hier verbracht zu haben.

Unterwegs in Apulien


M. und ich hatten eine Unterkunft in Molfetta gebucht, was nah an Bari lag und von den Preisen wesentlich günstiger war. Zudem schien das Leben im Gegensatz zum großstädtischen, belebten Bari etwas gemütlicher abzulaufen. 
Unser Apartment war über ein Dach begehbar und besaß eine Terrasse, auf der uns die nächsten Abende malerische Sonnenuntergänge erwarteten, die ich so schnell nicht vergessen werde. Von Molfetta aus erkundeten wir die nächsten Tage einige Orte ringsum in Apulien mithilfe der Trenitalia. Auf keiner der Fahrten waren wir dabei länger als eineinhalb Stunden unterwegs und jeder der Orte lohnte sich auf seine Art und Weise.

Sehr begeisterte mich darunter das Dorf Casamassima, das durch seine blaue Altstadt begeistert. Wir erlebten den Ort als bislang noch sehr unbekannt und hatten auch erst nach intensiver Recherche erfahren, dass er überhaupt existiert. Als wir dort ankamen, verliebte ich mich sofort in das blaue Gassenlabyrinth mit den Blumen, schmucken Treppen und zahlreichen Details. Immer wenn wir um die Ecke gingen, erwartete uns eine weitere Treppe mit bepflanzten Blumenkübeln oder ein blaues Fahrrad oder eine Bank mit einem italienischen Spruch darauf. Auch das Obst, das wir unterwegs in einer Frutteria in Casamassima kauften, gehörte zu den köstlichsten und saftigsten, die ich gegessen habe. Der Verkäufer packte uns sogar freundlicherweise noch ein paar weitere Früchte extra mit ein, nachdem wir bezahlt hatten.

Da wir in Bari bisher nur einen Abend verbracht hatten, fuhren M. und ich dort noch ein paar weitere Male hin. Schließlich gab es dort so viel zu entdecken, dass es sich lohnte, dort noch etwas mehr Zeit zu verbringen. In der Altstadt war es tagsüber wesentlich ruhiger, während abends dort das Leben in der Gastronomie tobte. Wir entdeckten unter anderem den hübsch bepflanzten Häuserübergang in einer Gasse mittendrin, zu dem eine Legende existiert: Laut der wurde er innerhalb einer einzigen Nacht von dem Vater eines liebenden Mannes gebaut, damit er zu seiner Liebsten auf der anderen Straßenseite gelangen konnte, deren Eltern gegen diese Liebe waren.

 M. und ich fanden in der Altstadt noch die beliebte Orecchiette-Straße, die offizielle und belebteste Straße in der Altstadt, in der die dort lebenden Hausfrauen vor den Häusern Orecchiette herstellen. Wir ließen uns die Gelegenheit nicht entgehen, noch weitere Tüten Orecchiette zu kaufen. Als Kaffeeliebhaberin konnte ich noch eine weitere regionstypische Kaffeespezialität ausfindig machen: Espressino. Espressino ist eine Mischung aus Espresso und aufgeschäumter Milch mit etwas Kakao drinnen, die ich im traditionellen Café Vergagno mit Sojamilch am Tresen schlürfen konnte. Dieses Kaffeegetränk war absolut nach meinem Geschmack. 

In Polignano a Mare fanden wir einen paradiesischen Steinstrand, der in einer Bucht zwischen den Felsen lag. Das Wasser leuchtete an diesem Morgen in einem tiefen Blau und lud dazu ein, hineinzuspringen oder mit den Füßen hineinzugehen, wie ich es tat. Als sehr besonders empfand ich die Aussicht von der Klippe zu der gegenüberliegenden Klippe, auf die die Altstadt gebaut war. Ein paar Tage später würde hier auch ein legendäres, öffentliches Klippenspringen stattfinden. In der Altstadt war wesentlich mehr los als an den anderen kleineren Orten, die wir bisher ringsum von Bari aus besucht hatten. Es gab einige hübsche Terrassen auf den Klippen, von denen aus wir aufs Meer hinausblicken konnten. Ein Vintage-Laden reihte sich zudem nach dem anderen in den weißen Gassen. 

In dem Ort Monopoli am Meer mit einem pittoresken, alten Hafen ging es vom Lebensstil wieder sehr gemütlich zu, sodass morgens hauptsächlich ein paar vereinzelte Einheimische anzutreffen waren, die die Gassen kehrten und allmählich ihr Tagwerk begannen. Ein Stück außerhalb der Innenstadt gibt es an den Steilküsten einige Strände, zu denen wir hinabklettern konnten und die als Schnorchelspots sehr beliebt sind. Nach einigen Überlegungen, ob wir eine Schnorcheltour buchen sollten, entschieden wir uns in dem Fall, uns in Monopoli selbst eine Taucherbrille zu kaufen. Es lohnte sich: Unweit vom Ufer konnten M. und ich am Meeresboden Fischen in verschiedenen Größen und schillernden Farben sowie Wasserpflanzen beobachten. Der Vorteil hierbei war, dass das Wasser kristallklar ist.

Einer unserer Tagesausflüge führte uns nach Gravina, einer kleinen Stadt, deren Brücke im Zentrum über eine Schlucht führt und dabei ein beeindruckendes Bild abgibt. Wer "James Bond - No time to die" gesehen hat, konnte sich auf der Kinoleinwand bereits ein Bild von dem Ort verschaffen: Von dieser Brücke hat sich James Bond nämlich am Anfang dieses Films geschwungen. "Gravina" bedeutet übersetzt auch nichts anderes als "Schlucht". Eines der besten Focaccia Pugliese fanden wir übrigens in einer traditionellen Bäckerei in einer kleinen Seitenstraße nicht weit weg von der Schlucht: Dort gab es wirklich gute Qualität für einen kleinen Preis. 

Freitag, 14. Juli 2023

Alberobello: Übernachtung im Trullo-Haus

  
Auf die nächste Etappe hatten M. und ich uns schon länger gefreut: Alberobello. Das Dorf ist bekannt für die Fülle seiner Trulli, Häuser mit zipfelmützenartigen Dächern. Nirgendwo in Apulien gibt es so viele wie hier. Die Trulli-Häuser haben eine bestimmte Bauweise, bei der auf den runden Untersatz aus Steinen ein Dach errichtet wird, das dicht ist, ohne durch Mörtel oder Ähnliches verbunden zu werden. Es heißt, dass die Häuser im 17. Jahrhundert gebaut wurden und, um Steuern zu sparen, das Dach ohne Zement oder Mörtel errichtet wurde, dass es im Falle einer Inspektion wieder abgenommen und als nicht steuerpflichtiger Stall deklariert werden konnte. 

M. und ich bezogen in Alberobello für eine Nacht eine Unterkunft, die direkt zwischen zwei Trulli lag und eine Terrasse hatte. Auf dieser würden wir am gleichen Abend die Orecchiette aus Bari genießen. Ein Bus hatte uns vom Hauptbahnhof Bari direkt nach Alberobello gebracht. Den Tag schlenderten wir durch das UNESCO-Weltkulturerbe, bestaunten das Meer an Trulli-Häusern, das sich vor uns unter blauem Himmel auftat und aßen Focaccia Pugliese. Die Gassen waren wie in den meisten apulischen Orten schön hergerichtet, mit Blumen, Sprüchen an den weißen Wänden und anderer Dekoration. Es gab außer uns einige weitere Touris, doch im Gegensatz zu anderen italienischen Orten wie Venedig oder Mailand wirkte es hier sehr entspannt und überhaupt nicht überfüllt. 

Später sahen wir uns auch das größte Trullo des Ortes an, das allerdings im Vergleich zu neuzeitlichen Häusern immer noch klein war. Romantisch wurde es abends, als sich der Himmel orangerot verfärbte und hinter den weißen Trulli mit den grauen Steindächern ein wunderschönes Bild abgab. Nach und nach gingen die Lichter an, ein Trullo wurde sogar bunt angeleuchtet, und sommerabendliche Stimmung in Alberobello machte sich breit - es war magisch und ich liebte es. 

Donnerstag, 13. Juli 2023

Bari: Das Tor zu Apulien

Zurück nach Italien ging es nach den Wochen in Kroatien wieder mit der Fähre. Mit unseren Koffern gelangten wir an dem Morgen unseres Abreisetages auf die Fähre und konnten dann eine ziemlich entspannte Überfahrt nach Bari erleben. M. freute sich wie verrückt, dass wir in sein Lieblingsland zurückkehren konnten, und in eine Region, in der wir beide bisher auch noch nicht waren: Apulien. Es nicht lange her, da wusste ich gar nicht, dass es existiert. Worauf ich mich nun besonders freute, war das Essen. Das Essen war auch das, was mir an dem Abend besonders in Erinnerung bleiben würde.

Nachdem wir die Koffer in die Unterkunft gebracht hatten und es schon allmählich zu dämmern begann, schlug uns auf den Straßen der Duft von Focaccia und von Pizza entgegen. Focaccia Barese, Focaccia mit eingebackenem Gemüse, ist vegan, da es in dieser Region ohne Schmalz, dafür mit Olivenöl, zubereitet wird. In der Altstadt konnten wir wieder Gassen in hellen Farben, mit verschiedenen Blumen und anderen Pflanzen sowie einiges an Streetfood wie Sgagliozze, frittierter Maisgrieß, entdecken. 

Dort begegneten wir auch noch am selben Abend einigen Orecchiette-Damen, Hausfrauen, die in den Gassen vor ihrem Haus Orecchiette-Nudeln herstellen und verkaufen. Man kann ihnen dabei zuschauen, wie sie die Pasta zubereiten. M. und ich kauften eine Tüte Orecchiette und freuten uns jetzt schon darauf, sie am nächsten Tag zu essen. 

Gegessen wurde an diesem Abend erstmal Pizza und zwar von Da Michele, dem Laden, in dem wir in Neapel am Maradona-Tisch gesessen hatten. Eine Filiale des Pizzabäckers gibt es auch in Bari, wie wir feststellten. Wir nahmen uns jeweils eine Marinara im Pappkarton mit und setzten uns ans Wasser, bevor wir sie genüsslich schlemmten: Nun waren wir wieder offiziell im Land des Essens angekommen. In Bari schien an diesem Abend allgemein viel los zu sein: Konzerte fanden statt; irgendwo in der Innenstadt hatte sich ein Chor zum Singen platziert. Die ganze Stadt schien zu vibrieren. 

Dubrovnik

Allein die Fahrt nach Dubrovnik war aufgrund der bergigen Naturlandschaften schon ein Erlebnis. Die Fahrt von Split verlief ohne weitere Komplikationen, nachdem der Busfahrer vor dem Aufbruch zusammen mit Kollegen einige Zeit versuchte, die klemmende Bustür aufzubekommen. Kurz bevor wir in der zweiten kroatischen Stadt auf unserer Reise ankamen, fuhr unser Bus über eine weiße Brücke, mithilfe der wir nach Dubrovnik gelangen konnten, ohne dafür ein Stück von Bosnien-Herzegowina durchqueren zu müssen. 

Die Gastgeberin N., die uns in unserer Unterkunft empfing, sprach zu unserer Überraschung perfekt Deutsch, da sie selbst einige Jahre in unserer Heimatstadt gelebt hatte. Kurz danach erkundeten wir die Altstadt, die vor Menschen nur so überquellen zu schien. Die Nachmittagssonne brannte uns im Nacken und die Luft war unheimlich schwül, sodass wir nicht die Energie hatten, uns allzu lange hier aufzuhalten. In der Nähe unserer Unterkunft, unweit der Altstadt, fanden wir einen Supermarkt, in dem wir uns mit Essen eindecken konnten. Die Auswahl war ähnlich wie in Split und zu den etwa gleichen Preisen wie dort. 

Ein wenig milderes Wetter er
wartete uns tags darauf, als wir mit einem Boot aus dem alten Hafen Dubrovniks zur nahe gelegenen Insel Lokrum hinüberfuhren. Lokrum ist ein kleines Inselparadies aus schroffer Steilküste, tropisch anmutenden Parks, Felshöhlen am Wasser und umherspazierenden Pfauen. Besonders süß fanden wir es, die Pfauenküken zu beobachten, die um die Pfauenmutter herumstaksten. Zwischendurch regnete es ganz leicht, was uns in dem schwülen Klima sehr angenehm vorkam. So konnten wir entspannt die Gemäuer und Ruinen, die auf der Insel verteilt waren, erkunden. Als "Totes Meer" wurde ein mit Salzwasser gefüllter See auf der Insel bezeichnet, der mit den ockerfarbenen Felsen ringsum auch eine Augenweide für mich darstellte. 

In den Tagen danach erkundeten wir die Gassen von Dubrovnik und erklommen die Stufen in Richtung des Bergs Srd. Sobald wir uns ein paar Schritte in die Nebengassen begeben hatten, fühlte ich mich augenblicklich wohler als auf den überfüllten, wenig schattigen Hauptwegen der Altstadt, so schön die weiße Altstadt auch sein mochte. Rundherum gab es auch immer wieder schöne Plätze, von denen wir die Steilküste hinunterblicken, die Festung in der Dämmerung betrachten oder in malerischen Buchten verweilen konnten. 

An einem der letzten Tag nahmen wir morgens vom neuen Hafen die
Fähre zur Insel Lopud, die uns aufgrund ihres schönen Strands mit Karibik-Flair empfohlen wurde. Als ganz so schön und karibisch empfand ich den Strand zwar nicht, an dem wir abseits der Menschenmengen einen Platz auf einem Felsen im Schatten fanden, doch Lopud hatte auch noch anderes für uns zu bieten. Zum Beispiel das Café ein Stück über dem Strand, das eine Oase mit vielen liebevoll gestalteten Details mitten im Grünen darstellte. Ich war sehr zufrieden, als ich meinen Kaffee in einer Korbschaukel trinken konnte und M. mir mit einem Bier gegenüber saß. "Eigentlich müsste ich hier gar nicht mehr weg die nächsten Stunden", sagte ich und M. lachte. Die nächsten Stunden hatten wir dann allerdings doch noch ein bisschen etwas zu entdecken auf Lopud: einen botanischen Garten mit Dschungelfeeling und ein paar abgelegene Plätze nah beim Hafen, bei denen wir auf Felsen sitzen und die Füße ins Meerwasser tunken konnten. Um uns herum sonnten sich ein paar kleine Krabben, die wir schon häufiger in Kroatien gesehen hatten. 

Wie ich in Mostar bosnischen Kaffee probierte

Wie in einer anderen Welt kam ich mir im bosnischen Mostar mit der Steinbrücke, dem farbenfrohen Basar und den in die Höhe ragenden Minaretten der Moschee vor. Von Dubrovnik, das von Bosnien umschlossen ist, begaben M. und ich uns auf einen Tagesausflug dorthin. An der Grenze bekamen wir einen Stempel in unseren Reisepass, bevor der Bus durchgewunken wurde. 

Während der Busfahrt klärte uns unsere Guide über die Geschichte des ehemaligen Jugoslawiens auf, zu dem sowohl Bosnien als auch Kroatien sowie einige weitere heutige Länder wie Montenegro, Serbien und der Kosovo gehören. Ich war erstaunt, zu hören, dass die Länder, in denen M. und ich zurzeit unterwegs waren, somit nicht älter als zwanzig Jahre waren- als jünger an Jahren als wir beide! Unserer Guide, einer Kroatin, war dabei anzumerken, dass sie dem Thema nicht gerade neutral gegenüber stand und die Geschichte aus der kroatischen Sichtweise erzählte. In jedem Fall lernte ich an diesem Tag einiges Neues und die blinden Flecken, die meine Landkarte im Kopf bisher innerhalb Südosteuropas hatte, verflüchtigten sich wieder ein wenig.

In Mostar erwartete uns buntes Treiben rund um die bekannte Brücke. Diese war wirklich ein Juwel. Obwohl ich schon Fotos von ihr gesehen hatte, war mir vor dieser Reise nicht in den Sinn gekommen, sie zu besuchen. Als ich davor stand, wusste ich, dass es sich gelohnt hatte, hierherzukommen: Mostar war absolut ein kleines Erlebnis für sich. Von der Brücke sprangen geübte Turmspringer in das kalte Wasser und gingen vorher herum, um ein wenig Geld einzusammeln. Je mehr Geld man ihnen gab, desto mehr Tricks vollführten sie für das Publikum rund um die Brücke. Im Vergleich zu Kroatien wirkte Bosnien auf mich wesentlich ärmer, was auch daran liegt, dass es nicht Teil der EU ist. Die Preise sind wesentlich günstiger, die muslimisch geprägte Kultur ist spürbar und leider begegneten wir rund um die Brücke auch bettelnden Kindern. 

Ich hatte mir fest vorgenommen, einmal traditionellen bosnischen Kaffee zu probieren. In einem Café an der Brücke nahe am Wasser war wenig los, erstaunlich wenig für diese Ecke, und ich war begeistert, als uns jeweils ein Tisch-Service mit silberfarbenen, verzierten Kaffeekännchen gebracht wurde. Wie es hier üblich ist, bekamen wir auch ein Stück türkischen Honig dazu, ließen diesen allerdings liegen, weil wir uns nicht sicher waren, ob dieser immer rein pflanzlich ist.

Nach den Stunden in Mostar wartete ein weiteres Highlight auf uns, für das ich mich sehr begeistern konnte: Die Kravicer Wasserfälle. Im Gegensatz zu den Krkna-Wasserfällen war es hier noch erlaubt, schwimmen zu gehen. Das ließ ich mir nicht entgehen: Das Wasser war ziemlich frisch, schließlich war es vorher den Wasserfall hinabgeströmt, doch ein bisschen Erfrischung vor der wunderschönen Kulisse war durchaus drin. Auch hier waren einige Menschen, die sich am Ufer tummelten, doch das Wasser an sich war nicht so voll, wie man vielleicht hätte denken können. Wir hatten nur eine Stunde an den Wasserfällen zur Verfügung, doch ich nutzte sie, um sie vollends zu genießen. Auf dieser Reise hatten wir bereits viele Wasserfälle gesehen, doch auch diese fand ich wieder auf ihre eigene Art schön und die Reise wert.