Montag, 31. Juli 2023

Durch die albanischen Berge nach Gjirokaster

Die Fahrt nach Gjirokaster, die ich gern mit den örtlichen Bussen statt mit einer geführten Tour vornehmen wollte, stellte sich zunächst als Herausforderung dar. Doch ich lernte dabei viel über das Bussystem der Einheimischen. Gjirokaster ist ein Ort in den albanischen Bergen, der von wesentlich mehr Einheimischen als Saranda bewohnt ist und ein noch vergleichsweise traditionelles Erscheinungsbild hat. 

Die Busfahrer standen im Zentrum von Saranda und riefen lauthals die Ziele, an denen die Busse hielten. Uns fiel auf, dass die Preise variierten, doch im Vergleich zu einer geführten Tour auf Getyourguide waren sie wesentlich günstiger und auch erlebnisreicher. Zu meinem Erstaunen versuchten die Busfahrer auch nicht, uns zur Mitfahrt zu überzeugen und feilschten auch nicht um die Preise. Das wirkte auf uns wesentlich angenehmer, als wenn es anders gewesen wäre.

Unter der Woche standen wir extra wieder früh auf, um den Bus nach Gjirokaster zu nehmen. Innerhalb weniger Minuten war der Kleinbus voll und wir kurvten durch die Berge. M. und ich bückten uns ein wenig, um einen Blick durch die niedrig angesetzten Fenster auf die Landschaft zu erhaschen. Einige Zeit später, es war immer noch früh, wurden wir in Gjirokaster abgesetzt. Ein kurzer Fußmarsch den Berg hinauf führte uns in die Altstadt, die uns am meisten interessierte. Wir konnten die Burg sehen und die Häuser mit den auf eine besondere Art angeordneten Dachschindeln, dank derer Gjirokaster auch als "City of the roofs" gilt. Weit oben in der Altstadt gelangten wir zum traditionellen, ottomanischen Skendaki-Haus, das wir uns von innen ansehen konnten. Es machte mir unglaublich Spaß, durch das abgedunkelte, reichlich verzierte Haus zu spazieren. Außer uns waren kaum andere Menschen hier und ich fühlte mich wie in eine andere Zeit zurückversetzt. Auf dem Boden lagen rot-schwarz gemusterte Teppiche und Sitzgelegenheiten, wohl gleichzeitig auch Schlafgelegenheiten, an der Wand. Die Fenster waren mit bunten Gläsern versehen und fast jeder Raum besaß zudem einen schmucken Kamin. Toiletten, die aus einem viereckigen Loch im Boden mit Klappdeckel bestanden, gab es auch in jedem Raum, was Rückschlüsse zuließ, die ich durchaus erstaunlich fand. Zwischendurch gab es von den Terrassen immer wieder eine schöne Aussicht auf das grüne Tal. Hier und da ragte auch das Minarett einer Moschee aus der Landschaft. 

Nach dem Besuch des Skendaki-Haus schlenderten M. und ich zwischen den hölzernen Häusern der Alststadt Gjirokasters herum, bestaunten die Teppiche, die hier verkauft wurden und konnten insgesamt einiges buntes entdecken. Rund um die Burg konnten wir zwischen grünen Bäumen im Schatten etwas spazieren gehen. Auf dem Rückweg hatten wir direkt Glück, auf einen Busfahrer zu stoßen, der uns nach Saranda zu bringen gedachte. Außer uns stiegen noch andere Urlauber*innen ein, auch zwei ältere italienische Damen, die eine große Begeisterung für Albanien teilten und sich etwas mit uns unterhielten. Der Busfahrer holte auf dem Weg noch einige Pakete ab und gab sie währenddessen woanders ab; es wurden also gleichzeitig mit dem Passagiertransport auch Warentransporte verbunden. Ich konnte damit wieder einmal die Erfahrung machen, dass wir durch die Nutzung einheimischer Verkehrsmittel am meisten erleben und lernen konnten. Gjirokaster hatte uns außerdem noch eine andere Seite Albaniens, fernab von den Strandspots Saranda und Ksamil, gezeigt, die ich nicht missen möchte.

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