Sonntag, 7. April 2019

Wieder über den Atlantik zurück

Ich saß am JFK-Airport, während ich diese Zeilen tippte, und begann, mich wieder auf Deutschland zu freuen und darauf, meinen Lieben alles erzählen können. Den letzten Tag meiner Reise verbrachte ich damit, durch New York City zu spazieren und die Frühlingssonne im Bryant Park zu genießen- das Wetter war zum Abschluss nochmal so schön wie an dem Tag, an dem L. und ich bei 18 Grad ohne Jacke durch Manhattan schlendern konnten.

Und zum Abschluss gehörte ebenso ein wenig abschließende Aufregung dazu: Just in dem Augenblick, als ich meine Metrocard aufladen wollte, um zum Flughafen zu gelangen, und sie in den Automaten steckte, blieb sie, wo sie war. Hinter mir hatte sich eine lange Schlange gebildet und die Leute schienen mein Gefummel an dem Automaten nicht wirklich zu registrieren. Als ich am Schalter nur ein Formular bekam, mit dem ich eine schriftliche Verlustmeldung für die Metrokarte veranlassen konnte, heulte ich mich zunächst ein wenig per Whatsapp bei L. aus und fragte sie um Rat. Als ich erneut zum Schalter ging und die Situation schilderte, dass ich die Metrocard nur für den letzten Weg gebraucht hätte, gab mir der Zuständige zu verstehen, ich sollte unter dem Drehkreuz durchkriechen. Zweifelnd sah ich ihn an. Ich musste es missverstanden haben, so gut war mein Englisch auch nicht, er musste etwas anderes gemeint haben. Doch das tat er nicht. Und die beiden uniformierten Polizisten, die in der Bahnstation standen, sahen gerade nicht herüber. Kurzerhand schob ich meinen Koffer unter dem Drehkreuz durch, dann meine Handtasche und zuletzt mich selbst. Danach kam ich sehr schnell am Flughafen an und bekam sogar meine Metrocard ersetzt.

Im Nachhinein kann ich wieder einmal feststellen, dass ich in den drei Wochen an der Ostküste einiges erlebt habe. Von New York City ausgehend bin ich mit L. durch Connecticut nach Massachusetts gereist, nachdem wir mit Philadelphia auch dem US-Staat Pennsylvania einen Besuch abgestattet hatten. Mit der Tour zu den Niagarafällen bin ich anschließend noch einmal quer durch den US-Staat New York gereist, habe die kanadische Grenze überquert (Während meiner Zeit dort sogar ein weiteres Mal zu Fuß über die Rainbow Bridge) und den Süden Kanadas, Ontario, betreten. L. und ich hatten eine tolle Zeit zusammen und ich bin sehr glücklich darüber, dass wir beide die Gelegenheit hatten, so viel gemeinsam unterwegs zu sein.

Und ich bin froh darüber. Selbst, wenn es stressige Situationen gibt, so wie heute, es gibt überall auf diesem Planeten neben allen Trickbetrügern und Abzockern, vor denen ich vorher gewarnt worden war, wohlwollende Menschen und immer gewisse Highlights, die den Stress wert sind. Und das liebe ich. Wie nach jeder Reise freute ich mich darauf, all das Erlebte für euch aufzuschreiben, liebe Leser und Leserinnen. Davor freute ich aber zuerst auf eines: meinen Freund M.

Die Niagarafälle bei Nacht


Ab etwa zwanzig Uhr entfalten die Niagarafälle ihren ganz besonderen Zauber, der zu dem Las-Vegas-Charakter des Ortes passt: Sie werden farbig angestrahlt und stellen somit eine Attraktion fürs Auge da. Ich habe mir das Highlight natürlich nicht entgehen lassen und bin auf Anraten meiner Vermieterin relativ spät losgegangen, um es mir anzusehen.

Die Niagarafälle

Morgens gegen acht kam ich in Ontario am Busbahnhof an und folgte einfach dem Niagarafluss, an dessen Ende ich schon aus der Ferne einen Blick auf die aufsteigenden Nebelschwaden erhaschen konnte. Das Örtchen, in dem ich das Finale meiner Reise- diesmal im Alleingang- verbrachte, nannte sich wie seine größte Sehenswürdigkeit: Niagara Falls. Der Fluss, der aus den Fällen mündete, teilte Kanada und USA, was auch der Grund dafür war, dass ich über die Grenze reisen musste, um dorthin zu gelangen. Die Grenzkontrolle war noch einmal aufwendig gewesen (alle Reisenden mussten mitsamt ihrem Gepäck dafür aus dem Reisebus aussteigen), doch ich hatte es nun geschafft und freute mich so sehr, hier zu sein, dass ich ganz vergaß, wie wenig ich geschlafen hatte.

“Niagara“ kommt aus dem Indianischen und bedeutet so viel wie “donnerndes Wasser“. Als ich davorstand, bekam ich dieses Donnern direkt mit. Mein Auge konnte nur schwer erfassen, wie viele Hunderte Liter jede Sekunde den Abhang herunterstürzten. Und damit noch nicht genug: In Kanada herrschten teilweise noch winterliche Temperaturen, sodass im Niagara Lake riesige Eisplatten schwammen und an den Fällen sich auch an manchen Stellen eine Eiskruste gebildet hatte. Blendet man die hohen Bauten Buffalos dahinter aus - oder den Skylon-Tower sowie die Partymeile von Niagara Fall, je nachdem, auf welcher Seite man steht- hört sich dies ziemlich märchenhaft an. Wer die Niagarafälle in aller Intensität erleben möchte, sollte sich hauptsächlich auf das vorhandene achte Weltwunder konzentrieren. Mir ging es jedenfalls so, sodass ich bewusst die meiste Zeit bei den Fällen verbrachte und den hinabstürzenden Wassermassen zusah.

Denn die Stadt Niagara Falls erschien mir alles andere als märchenhaft- eher wie ein ausgestorbenes Las Vegas. Das meine ich nicht zwangsläufig negativ. Es kann nur etwas gewöhnungsbedürftig sein, weil Wasserfälle meistens mit Wildnis und Natur in Verbindung gebracht werden. Die Natur, die in Niagara Falls zu finden ist, sind die Wasserfälle selbst. Ansonsten ist es eine Stadt mit lauter Läden, Pommesbuden, Fahrgeschäften und Casinos, die drumherum gebaut wurde. Vieles war zu dem Zeitpunkt, zu dem ich dort war, auch geschlossen, aufgrund der Nebensaison in Niagara Falls. Ich selbst fand es sehr angenehm, mich nicht durch Touristenmassen schieben zu müssen.

In den Tagen in meiner Unterkunft hatte ich Gelegenheit, etwas herunterzukommen nach den bisherigen Trips, und spazierte jeden Tag gemächlich durch Niagara Falls. Meine Vermieterin war sehr freundlich und gab mir jede Menge Ratschläge für den Ort, als wir bei einem Nachmittagskaffee in ihrer Küche saßen und so lange quatschten, dass wir ganz die Zeit vergaßen.

Als Veganerin in den USA

Als ich in Amerika ankam, musste ich mich ziemlich an des Essen gewöhnen. In Northampton, an L.s College, lebte ich quasi im veganen Paradies, denn so liberall und multikulturell, wie Northampton als Studentenstadt ist, so wurde hier auch für Vegetarier, Veganer, Sportler und Koscher-Essende gesorgt. Ich bediente mich jeden Tag am Buffet, an dem es öfters vegane Burger, Reis mit Bohnen und Gemüse, asiatische Eintöpfe und Vieles, das ich hier gar nicht alles aufzählen kann, gab. Zum Frühstück standen mir zahlreiche Soja- Reis- und Mandelmilchsorten, darunter auch Vanille und Schokolade, zur Verfügung. Ich bekam sogar die Gelegenheit, mir im Campus-Museum eine Ausstellung dazu anzusehen, wie Plastik dem Planeten schadet, was auf künstlerische Weise inszeniert wurde. Kurzum: In Northampton ließ es sich wunderbar als Veganerin leben.

Dagegen war es in Niagara Falls schwieriger, etwas zu finden. Dort war es jedoch allgemein schwierig, etwas Nahrhaftes aufzutreiben, da Supermärkte dort unauffindbar schienen. Stattdessen drängte sich ein Burger King (sogar mit einem Frankenstein-Kopf als Plastikfigur dahinter) an den anderen und der süßliche Geruch aus den Zuckerläden wehte ständig zu mir herüber, als ich durch die Straßen lief. Vieles hatte zudem ohnehin nicht geöffnet, sodass ich mich hauptsächlich an der Tankstelle versorgte, die nah bei meiner Unterkunft lag. An meinem letzten Morgen ging ich sogar das erste Mal in meinem Leben zu Subway und holte mir ein Ciabatta mit Guacamole zum Frühstück, was sich als zufrieden stellende Notlösung herausstellte.

Davor in New York hatten L. und ich das Glück, einen Supermarkt in der Nähe zu haben. Dort waren viele Lebensmittel auch überzuckert, vor allem das Müsli und die Brötchen, die allesamt aus Weißmehl bestanden, doch wir hatten hier mehr Auswahl. Meistens packten wir uns Erdnussbutter-Sandwiches und Bagels ein, um tagsüber einen Snack dabei zu haben. Für mich war das Essen erst eine ziemliche Umstellung, weil ich Deutschland vorwiegend zuckerfrei esse und Weißmehl möglichst meide. Zudem erlebte ich es, ähnlich wie auf meiner Asienreise vor einigen Jahren, dass in Amerika alles in Plastik eingepackt wird. In einer Bäckerei, in der ich mich eines Morgens in New York aufhielt, hatte die Äpfel einzeln in Plastik eingeschweißt, was ich mit hochgezogenen Augenbrauen betrachtete. Auch überzeugte ich die Kassierer regelmäßig mit einem "No bag, please" davon, dass ich keine Plastiktüte für meine Einkäufe haben wollte. Zuhause in Deutschland wurde mir schon prophezeit, dass die Menschen an der Ostküste Amerikas nicht sehr ökologisch leben, und sie hatten Recht. Northampton stellte dabei eine Ausnahme dar, über die ich mich sehr freute.

Abschied in Northampton

Nachdem L. und ich aus Boston nach Northampton zurückkehrten und L. mit der Vorbereitung für ihre Prüfungen begann, überlegte ich mir, wie ich die letzte Zeit an der Ostküste noch nutzen wollte. Der Gedanke, die Niagarafälle zu sehen, reizte mich dabei sehr.
Mir war nach ausführlicher Recherche klar, dass der Weg weit und aufwendig sowie kostspielig sein würde und ich die letzten drei Tage ziemlich auf mich allein gestellt wäre. Doch ich wusste, ich würde es im Nachhinein bereuen, die Tour nicht gemacht zu haben. So schnell würde ich in den nächsten Jahren wahrscheinlich nicht an die Ostküste der USA zurückkehren.

Folglich buchte ich den Greyhound-Bus für den darauffolgenden Abend und entschied mich, die Nacht durchzufahren, um genügend Zeit bei den Niagarafällen zu haben. Das gute College-Essen genoss ich noch einmal bewusst, da ich schon ahnte, dass das Essen in Ontario nicht so gut sein würde. L. hatte für alle Fälle einen Mietwagen gebucht, was sich als sehr guter Einfall erwies, da wir ihn für die Fahrt zum Busbahnhof im Nachbarort Springfield gut gebrauchen konnten. Es war das erste Mal, dass sie in ihrer Zeit in den USA ein Auto fuhr, doch sie brauchte nicht lange, um sich auf das Mietauto einzustellen. Ich verabschiedete mich im Wohnzimmer von L.'s Freunden, die mir eine gute Weiterreise wünschten.

Um zehn Uhr abends brausten wir über die amerikanische Autobahn, während der Sternenhimmel über uns funkelte. Als ich mit ihr zwischendurch an der Tankstelle ausstieg, roch die Luft nach Abenteuer und ich war etwas aufgeregt, nun zu meiner letzten Etappe dieser Reise zu gelangen. Der Gedanke, die letzten Tage ohne L. unterwegs zu sein, war seltsam, da wir nun fast drei Wochen ununterbrochen zusammen verbracht hatten. Diese Zeit wollte ich auf keinen Fall missen. Nun würde es noch ein wenig anders werden und auch meine Heimreise lag plötzlich gar nicht mehr in so weiter Entfernung. Wir verabschiedeten uns in Springfield und ich durchquerte den hell beleuchteten, aber verlassenen Busbahnhof. Nun war ich bereit für die Niagarafälle.

Italienisches Viertel in Boston


Ich fand den Gedanken sehr interessant, dass sich dieser Wegweiser etwa sechstausend Kilometer von Italien, dazu durch einen ganzen Ozean von dem Land getrennt, befindet. "Die Richtungen können für ziemliche Verwirrung sorgen", stellte L. fest, doch ich fragte mich: Führen nicht alle Wege nach Rom, wie ich im Lateinunterricht in der Schule gelernt hatte? ;)  Bzw. nach Italien?

Als wir L.'s italienischem Freund F. am College davon berichteten und ihm auch das Foto links zeigten, stellte er fest, dass nicht einmal alle Städtenamen auf den Schildern richtig geschrieben wurden.
Offenbar gab es in Boston eine andere Auffassung von Italien.

Weekendtrip to Boston

Das nächste Ziel von mir und L. stellte Boston dar, das nicht weit von Northampton liegt, auch im US-Staat Massachusetts.Wir hatten wieder über Airbnb ein Zimmer gebucht und fuhren für ein Wochenende dorthin.

Boston hat eine vielfältige Geschichte aufzuweisen und wirkt ziemlich europäisch für eine amerikanische Stadt- bekannt ist sie auch für die Boston Tea Party. Mein Freund M. lachte, als ich ihm erzählte, ich wäre durch die Bostoner Innenstadt spaziert und hätte mich fast gefühlt wie daheim in Deutschland. Wir waren uns beide einig, dass uns gerade die Fremdheit anderer Orte reizte. Dennoch war es interessant, Boston als Teil Neuenglands und als eine der ältesten Städte der USA kennen zu lernen.

An unserem ersten Tag folgten L. und ich dem Freedom Trail, einem Pfad aus Backsteinen, der über die Fußgängerwege und Straßen führt, direkt an den historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Durch diese etwa vier Kilometer lange Besichtigungsroute sind ganze siebzehn Sehenswürdigkeiten miteinander verbunden. Wir kamen an Friedhöfen vorbei, an vielen hübschen alten Häusern sowie an dem Bunker Hill Monument, einem Turm, von dem wir eine weite Aussicht auf die Straßen Bostons hatten. Das Bunker Hill Monument erschöpfte uns beim Aufstieg mehr als erwartet; vermutlich lag dies daran, dass wir schon einen langen Fußmarsch hinter uns gelegt hatten. Jedenfalls mussten wir eine kurze Verschnaufpause auf der Treppe einlegen und uns durch ein Schild darauf aufmerksam machen lassen, dass wir nicht vergessen sollten, genug zu trinken.

Ein Italienisches Viertel durchquerten wir auch in dieser Stadt, indem wir dem Freedom Trail folgten. Die Hausfassaden fand ich sehr hübsch, in diesem Viertel ließ sich einiges Buntes, Historisches entdecken, was mir ziemlich gut gefiel. Allerdings wunderte ich mich anfangs darüber, dass die Häuser gar nicht so historisch aussahen wie zuerst gedacht. Ich musste mir immer wieder in Erinnerung rufen, dass Amerika noch keine so weit zurückliegende Geschichte wie Europa vorzuweisen hat, von Beginn der europäischen Besiedlung an.

Am Tag danach schafften L. und ich es, den Freedom Trail zu Ende abzulaufen, nachdem wir am Abend vorher erschöpft in das riesige, weiche Bett unserer Airbnb-Unterkunft gefallen waren. Die Vermieterin und ihre Familie, die etwas außerhalb des Zentrums wohnten, waren sehr hilfsbereit und wunderten sich nicht allzu sehr, als ich zögerlich hereinspazierte. L. und ich mussten feststellen, dass die Klingel offenbar kaputt war und fanden nach einigem Überlegen heraus, dass das Haus nicht abgeschlossen war- was mich in dieser Gegend etwas wunderte, die ein wenig verlassen erschien. In dem großen Haus fühlte ich mich dann allerdings sehr wohl und erholte mich dort genügend für den Folgetag. Die Geräumigkeit amerikanischer Häuser und Villen faszinierte mich immer wieder aufs Neue.

Am zweiten Tag besuchten L. und ich die "Acorn Street", einer kleinen Gasse mit Kopfsteinpflaster hübschen Häusern mit Fensterläden. Diese Straße ist nicht sehr lang, dennoch ist es die bekannteste und meistfotografierteste Straße in Boston, in der auch nicht selten Heiratsanträge stattfinden. Als wir da waren, fanden wir einige Instagramer vor, die vor den Hauseingängen posierten. Mir gefiel die hübsche, sehr charmante Gegend mit den typisch amerikanischen Feuerleitern.

Sehr typisch für Boston ist auch der Hafen, der für die "Boston Tea Party", einem weltbekannten geschichtlichen Ereignis, sehr bekannt ist. Den besuchten wir in der Nähe zum Abschluss unseres Trips und hatten noch etwas Zeit, am türkisfarbenen Wasser in der Sonne zu sitzen, bevor wir zurück nach Northampton fuhren.

Am Smith College

Northampton ist ein kleines Städtchen im US-Staat Massachusetts, das sehr liberal und alternativ ist, mit einem College, das viel zu bieten hat. Dort studiert L. seit einiger Zeit und ich bekam die Gelegenheit, sie dorthin zu begleiten und ihr Leben am College kennen zu lernen. L. wohnt mit anderen Austauschstudentinnen und Studenten aus ganz Europa in einem Haus in historischem Stil. Daraus war eine Clique entstanden, aus den unterschiedlichsten Leuten, mit denen wir die folgenden Tagen zusammen zum Mittagessen und Abendessen in den campuseigenen Dining Halls gingen. Die Dining Halls stellten sich für mich als ziemlichen Luxus heraus: Es gab eine Menge, was mein Veganerinnen-Herz begehrt. Jeden Tag gab es vegane Speisen, teilweise sogar vegane Burger, an denen ich mich bedienen konnte, sowie die verschiedensten Soja- und Reismilchsorten und manchmal sogar veganen Nachtisch. Auch bei meinen Spaziergängen durch die ruhigen Straßen Northampton zeigten mir die Speisekarten vor den Cafés und Restaurants jede Menge vegane Alternativen auf. Ich begann somit sehr schnell, mich zuhause zu fühlen und freute mich jedes Mal darauf, mit den anderen in geselliger Runde essen zu gehen. Mein Freund M., auch Veganer, sagte mir, als ich mit ihm telefonierte, an meiner Stelle würde er während der Zeit in den USA gar nicht von dort weg gehen wollen. 

Ich bekam sogar die Möglichkeit, an manchen Veranstaltungen des Colleges teilzunehmen, und kam mir dabei fast vor, als wäre ich für einige Tage selbst Studentin. Sehr schnell fühlte es sich an, als wäre ich sehr viel länger dort als ein paar Tage. An einem Abend ging ich zu einem Vortrag über veganes Leben, bei dem einige Bestseller aus der Veganer-Szene vorgestellt wurden, darunter das Buch "Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen" von Melanie Joy in der englischen Fassung. Ich futterte mich durch das Angebot an veganen Keksen und Kuchen, die bereit standen (Ich hatte zuvor selten solch leckeres Gebäck gegessen), versuchte, mit meinen allmählich wieder zum Leben erwachenden Englischkenntnissen dem Vortrag zu folgen und wurde sogar ein wenig emotional, obwohl ich nicht alles verstand und es mir normalerweise eher selten passiert, dass ich von den Inhalten gerührt bin. Jedenfalls war ich davon so sehr inspiriert, dass ich anschließend einen Slamtext zu dem Thema zu schreiben anfing, während L. und die anderen im Wohnzimmer neben mir ihre Hausarbeiten schrieben. Das abendliche Beisammensitzen im Wohnzimmer wurde zum Ritual, bei dem ich die nächsten Tage dabei war und bereits die Weiterreise plante. Einmal schlief L.'s Freundin A. sogar auf dem Sofa ein zu später Stunde, woraufhin wir sie zudeckten, ihr die Brille von der Nase nahmen und uns auf leisen Sohlen aus dem Wohnzimmer schlichen, um sie nicht zu wecken. 

Die Tage darauf begleitete ich L. zu ihren
Kursen und streifte durch die Umgebung des Colleges. Einen Nachmittag lief ich durch die umliegenden Berkshire Mountains, in denen es geschneit hatte, und genoss die frische Luft. L.'s Kommiltonin M. warnte mich zuvor vor den Bären, die dort lebten, doch ich begegnete keinen, im Gegensatz zu einer Studentin, die dort joggen gewesen und plötzlich auf zwei Bärenbabys getroffen war. Der einzige Bär, den ich in den USA sehen sollte, befand sich in einem Laden direkt am Time Square und bestand komplett aus Plüsch. ;)

L. und ich hatten viel Spaß zusammen in den Tagen in Northampton. Ihr guter Freund F., dessen Muttersprache Italienisch war, lud mich ein, sie zu dem Italienisch-Tutorium zu begleiten, das er für die Studenten anbot. Ich sprach zu dem Zeitpunkt kein Wort Italienisch, doch dies störte mich in dem Seminar überhaupt nicht. L. saß neben mir und berichtete in kurzen Worten, was wir in New York erlebt hatten. Als ich aus dem Seminar herausging, hatte ich zumindest gelernt, was "danke" (grazie) und "Wie geht es dir?"(Come stai?) sowie "gut" (bene) bedeuteten.

Ab und zu entspannte ich mich ein wenig in dem großen Gewächshaus des Colleges, in dem sich ein Meer aus den farbenfrohesten Blumen und tropischen Pflanzen befand, anbei sogar ein Brunnen mit einem kleinen Buddha. Wenn ich tropische Luft schnuppern wollte, ging ich dorthin.

New York für Anfänger

Als ich mit L. im Bus zu ihrem College in Northampton fuhr, wurde mir allmählich bewusst, was wir alles erlebt hatten in dieser einen Woche. Wir waren sehr viel zu Fuß gelaufen, waren mit der Subway kreuz und quer durch die Stadt gefahren und hatten die unterschiedlichsten Menschen gesehen. Ich hatte jede Menge von den berühmten gelben Taxis beobachten können, jedoch andere Verkehrsmittel bevorzugt.
Nie zuvor habe ich eine solch trubelige Stadt erlebt. Nicht einmal Hongkong erschien mir so pulsierend im Vergleich zu New York.
Als ich mich umhörte, fiel mir auf, dass die wenigsten Menschen dauerhaft in New York wohnen. Die meisten Menschen, die dort sind, kommen und gehen, wohnen nur für einen begrenzten Zeitraum dort, sei es für den Job, zum Reisen oder aus anderen Gründen. Zu der Atmosphäre, die dort herrscht, passt das Kommen und Gehen. L. und ich stellten fest, dass New York einen total flashen kann, großen Eindruck hinterlässt und jede Menge Möglichkeiten bietet, aber zugleich eine sehr anstrengende Stadt ist.
Eine Woche lang hatten wir uns auf die pulsierende Großstadt eingelassen, danach beschlossen wir, uns erstmal ein wenig von all den vorbeirauschenden Erlebnissen zu erholen und sie zu verarbeiten. Das Bild der Skyline von Manhattan wird mir nachhaltig in Erinnerung bleiben und auch die Lichter der Stadt, die abends nach und nach angehen und ein unverwechselbares Bild schaffen.
Ich stellte auch fest, dass es ratsam ist, genug Geld nach New York mitzunehmen, unabhängig davon, ob man shoppen gehen möchte oder nicht, denn es gibt viel, das man machen kann und vielleicht ausnutzen möchte, während man da ist. Dazu ist es eine der teuersten Städte, in denen ich bisher war, was nicht weiter verwunderlich ist, wenn man denkt, wie beliebt und "hip" die Stadt ist. Jede Person, der ich zuhause von New York berichtet habe, hat erst einmal leuchtende Augen bekommen.

Bevor sich die Gelegenheit ergab, L. zu besuchen, stand New York noch nicht auf meiner Bucket List meiner Wunschreiseziele. Doch nun finde ich, dass es sich gelohnt hat, die Stadt und ihre berauschende Schnelllebigkeit einmal zu erleben. Sie ist vielleicht von der Architektur nicht die Schönste im Vergleich zu anderen Orten, dafür jedoch sehr vielseitig und aufregend. Und wenn eine Stadt das beides bieten kann, ist es für mich unbedingt ein Grund, hinzufahren.

Ein Tag in Philadelphia

Philadelphia liegt mit dem Bus zwei Stunden von New York City entfernt, sodass L. und ich während der Zeit dort einen Tagesausflug in die Stadt planten. Sie ist die größte Stadt Pennsylvanias und hat geschichtlich viel zu bieten. L. und ich besichtigten das Haus, in dem die Unabhängigkeitserklärung unterschrieben wurde, und die Liberty Bell, die Glocke aus dem zugehörigen Glockenturm, als Symbol der Freiheit ausgestellt ist.

Zahlreiche Gebäude schimmerten weiß und die Architektur insgesamt stellte einen Kontrast zu den Wolkenkratzern New Yorks dar. Einige Hochbauten gibt es auch hier, doch dazwischen sind auch viele historische Gebäude, die an alte Zeiten erinnern. L. fühlte sich hier sehr wohl; sie liebte die schönen, verzierten Bauten und die Geschichte der Stadt, die überall ersichtlich war. Wir bekamen sogar die Gelegenheit, Bibliotheksluft zu schnuppern, worüber sie sich sehr freute. Tatsächlich waren in der Bibliothek auch viele altdeutsche Schriften unter den poetischen Werken zu finden. Der europäische Einfluss auf die Ostküste der USA ist unverkennbar.

Philadelphia wird aufgrund der Geschichte als Stadt der brüderlichen Liebe bezeichnet, was sich durch die knallrote Love-Statue im Zentrum äußert. "City of Brotherly Love" oder "Philly" wird diese Stadt daher auch liebevoll genannt. Liebe wird in Philadelphia ganz groß geschrieben, was wir auch anhand Mural Arts und zahlreiche Herzen an den Hauswänden bemerkten. Eine Statue mit dem Schriftzug "Amor", erotische Liebe, fanden wir auch, allerdings steht die allgegenwärtige Liebe im Fokus, die Liebe zu anderen Menschen insgesamt.

Eine Straße mit vielen heimeligen Cafés fanden L. und ich am Ende des Tages auch noch, in der zudem wieder viele bunte Murals zu finden waren und ganze Hausfassaden, die mit Mosaiksteinchen verziert waren.Am Ende des Tages waren wir von den Eindrücken des Tages so erschöpft, dass wir uns während der Wartezeit auf den Bus auf den Bürgersteig setzten und die Eindrücke zu verarbeiten versuchten.
L. stellte fest, dass ihr Philadelphia fast noch besser gefiel als New York City. Mir gefiel es, Philadelphia an diesem Tag erlebt zu haben, doch ich kann nicht leugnen, dass ich dem Reiz New York Citys in den letzten Tagen erlegen war, auch wenn es kein Ort ist, an dem ich gern dauerhaft bleiben würde. Erschöpft, aber glücklich ließen wir uns auf die Sitze des Reisebusses fallen, um nach New York zurück zu fahren.

World Trade Center

Das World Trade Center war ein riesiger Bürokomplex in Lower Manhattan, der aus sieben Gebäuden bestand und in dessen Mitte sich die weltweit bekannten Twin Towers, Zwillingstürme, befanden. Mit jeweils 110 Stockwerken und einer Höhe von bis 417 Metern prägten sie die Sklyine New Yorks. Durch die Terroranschläge vom 11, September 2001 stürzten diese beiden Türme ein und brachten eine gewaltige Anzahl an Todesopfern mit sich.

L. und ich besuchten die Gedenkstätte, die sich nun an dem Platz befindet, an dem die Twin Towers standen. An den beiden ehemaligen Grundrissen der Gebäude ist ein riesiger Brunnen eingelassen, mit dem die Leere gut nachfühlbar ist, die durch das Auslöschen der beiden Türme hinterlassen wurde. Die Namen der Todesopfer sind am Rand eingraviert, anbei befinden sich ab und zu weiße Rosen als Gedenken.Für uns war es erstaunlich, diese Stätte inmitten der pulsierenden Metropole zu finden, ein Ort, der sich von dem restlichen Großstadtlärm abgrenzt, obwohl er sich eigentlich inmitten dessen befindet. Als wir eine Pause in der Nähe einlegten, packte L. ihren Bagel nach einer Weile ein. Wir hatten über das Ereignis, das wir in unserer Kindheit nur grob über die Medien bzw. unsere Eltern mitbekommen hatten, gesprochen und infolgedessen war ihr der Appetit vergangen. Ich stellte fest, dass mir der Terroranschlag so vorkam, als wäre er ewig her, dabei ist es im Vergleich zu anderen geschichtlichen Geschehnissen noch gar nicht so lange her: Inzwischen sind 18 Jahre seitdem vergangen.
Als ich vor der Gedenkstätte stand, kam mir das Ganze fast surreal vor, einerseits zeitlich weit weg, dennoch viel präsenter als in einem Zeitungsartikel, den man in Deutschland nebenbei liest und sich längst nicht so ausführlich befasst, wie wenn man direkt vor den Brunnen steht und sich vorstellt, was hier passiert ist.
L. und ich fanden es gut, dass die beiden Plätze ausschließlich den Gedenken gewidmet wurden, statt wieder mit neuen Hochbauten zugebaut zu werden. Der Ort machte einen sehr friedlichen Eindruck auf mich.

St.Patricks-Day: New York wird grün

Die Woche, bevor ich nach New York gereist war, hatte ich zum ersten Mal den Kölner Karneval miterlebt, wo es sehr fröhlich und trubelig zuging. Vergleichbar war der St. Patrick's Day in New York, bei dem die irische Unabhängigkeit gefeiert wird. Die zugehörige Parade findet nicht etwa in Irland selbst statt, sondern mitten in New York City. Dabei wird die ganze Stadt grün: Es gibt grüne Ballons in Kleeblattform, grüne Hüte, grüne Kleidung, grünes Make-Up, grüne Getränke und in anderen Gegenden der USA wird sogar der Fluss grün - z.B. in Chicago.

Die Bäckereien statten ihr Essen dementsprechend auch mit grüner Lebensmittelfarbe aus. L. und ich hatten das Glück, an unserem vorletzten Tag in New York den St. Patrick's-Day miterleben zu dürfen. Die Sonne schien und die ganze Stadt war unverkennbar in Feierlaune. L. hatte sich eine grüne Schleife in den Pferdeschwanz gebunden, mit grünem Kleeblatt-Muster, und ich hatte grünen Lidschatten aufgelegt - im Vergleich zu den feiernden Menschen um mich herum wirkte ich jedoch nicht besonders grün gestylt.
 Die Parade zog an uns vorbei und wir reckten innerhalb der Menschenmassen die Hälse, um einen Blick darauf zu erhaschen.
Die Outfits der Menschen um mich waren so schrill, dass es mich an Karneval erinnerte, nur im Zeichen des grünen Kleeblatts.

Nach kurzer Online-Recherche erfuhr ich, dass St. Patrick ein irischer Missionar gewesen war, der am 17. März gestorben war, sodass die Parade auch auf dieses Datum gelegt wurde - es sei denn, der 17. März fällt auf einen Sonntag, wie es dieses Jahr der Fall war, dann wird sie auf den Samstag vorverlegt.

Nachdem wir die Feierlichkeiten rund um die St.Patrick's-Parade miterlebt hatten, zogen wir uns erstmal in die Public Library zurück, in der wir eine Führung durch das geschichtsträchtige Gebäude bekamen und uns von dem Trubel ein wenig erholten.

Die Bibliothek liegt am Bryant Park, der mir in guter Erinnerung geblieben ist: Einige Tage davor hatten L. und ich dort Jongleure getroffen, die auf dem Platz inmitten der Wolkenkratzer mit bunten Keulen, Bällen und alles, was ein Zirkusherz wie meines begehrt, neue Tricks einstudierten.
Als ich die Jongleure mit einem Anflug von Sehnsucht beobachtet hatte, kam einer der Jongleure auf uns zu und erfuhr von L., dass ich es in meiner Freizeit liebe, zu jonglieren. Daraufhin wurden mir drei Bälle in die Hand gedrückt, L. auch, und wir wurden direkt in die Gruppe der jonglierenden Menschen integriert. Ich stellte zwar fest, dass ich aus dem Training etwas raus war, doch ich genoss es, mitten in New York unter diesen Straßenkünstlern zu sein und meinem Hobby in der Sonne an diesem spannenden Ort nachgehen zu können.

Time Square bei Nacht


 

In den letzten Tag überlegten L. und ich, was wir  in New York auf keinen Fall verpassen wollten, bevor wir weiterreisten. Ich hielt es für eine gute Idee, den Time Square noch einmal in der Dunkelheit zu besuchen, nachdem wir letztes Mal am hellichten Tag da gewesen waren. Dabei nahm ich dieses Video auf. Die ganzen Werbetafeln bieten besonders in der Dunkelheit ein faszinierendes Schauspiel, bei dem ich gar nicht wusste, wohin ich zuerst blicken sollte. Zudem wirkte es noch voller als tagsüber.

5th Avenue

Wer gerne shoppen geht, ist in der 5th Avenue in New York genau richtig. In dieser Straße reiht sich ein Geschäft an das andere, unter anderem sehr bekannte Marken wie Zara, Victoria's Secret und Versace. Ich gehe nicht so gern shoppen und es war mein Plan, möglichst wieder mit Handgepäck nachhause zurückzukehren, L. erging es ähnlich, doch die Straße hatte trotzdem genug Interessantes für uns zu bieten.


Kennen Sie den Film "Frühstück bei Tiffany's", liebe Leser und Leserinnen? Mit diesem Film ist Audrey Hepburn in ihrer Rolle des leichten Mädchens Holly Golighty unsterblich geworden, indem sie mit hochgesteckten Haaren und Sonnenbrille ihr Croissant vor dem Schaufenster des Schmuckladens auspackt. Viel Geld, um sich Schmuck leisten zu können, hat Holly zwar nicht, aber sie zelebriert den Besuch des Ladens "Tiffany's auf ihre Weise und liebt Schmuck über alles.
Tiffany's gibt es tatsächlich und auch immer noch, nicht nur in dem Film. Als L. und ich vor dem Schaufenster standen, packte ich mein Erdnussbutter-Sandwich aus und interpretierte damit das Frühstück bei Tiffany's noch einmal neu. ;) Nach einem Rundgang durch den Laden konnte ich feststellen, dass er genauso aussah wie in dem Film und sich von der Gestaltung offenbar nicht viel geändert hatte. Die teure Halskette, die Audrey Hepurn trug, ist zudem dort ausgestellt.

Nur ein paar Meter entfernt entdeckten L. und ich den Trump Tower, der sich rabenschwarz in die Höhe erhob und unserer Meinung nach gut zu dem Präsidenten passte. Im Trump Tower befanden sich ein Trump Café, eine Trump Bar und insgesamt ein ganzes Einkaufszentrum, das dem Präsidenten gewidmet war - es erschien uns fast schon absurd. L. und ich gingen weiter.

Insgesamt ist die 5th Avenue sehr lang, sodass wir eine ganze Weile zu Fuß liefen, um alles zu sehen. Zudem waren wieder Unmengen von Menschen unterwegs, besonders in dieser bekannten Straße. An der Kreuzung zum Broadway gelangten wir zum Flat Iron Building, das, sobald man im schrägen Winkel davorsteht, extrem schmal an der Vorderseite aussieht. Ich hatte eine Geschichte dazu gelesen, dass Frauen früher ziemliche Probleme hatten, sich im Minirock daneben aufzuhalten, weil der Wind hier gut durchkam und die Röcke hochwehte. Ob das wirklich so war oder nur eine Legende ist, weiß ich nicht. Jedenfalls sieht der Gebäude sehr ungewöhnlich aus und hinterlässt Eindruck. L. und ich rätselten darüber, wie viel Platz jemand überhaupt hätte, der im vorderen Teil der Räume saß. Nicht ohne Grund hat das Flat Iron Building seinen Namen.

Ansonsten befanden sich von der 5th Avenue auch das Empire State Building in unserem Sichtfeld sowie das Rockefeller Center. Wer einige Seiten von New York auf einen Schlag sehen möchte, ist somit in der 5th Avenue gut aufgehoben.

Coney Island

Coney Island erreichten L. und ich dadurch, dass wir zum südlichsten Zipfel Manhattans führen, direkt an die Atlantikküste. Dort befindet sich ein riesiger Freizeitpark mit nostalgischem Charme. Er hatte nicht geöffnet, doch L. und ich nutzten die Zeit, um an der Strandpromenade durch den kühlen Küstenwind zu laufen und dabei die verschiedenen Attraktionen des Parks in Coney Island anzusehen, während die Sonne im Meer versank. Den wärmsten Tag während unserer Woche in New York wollten wir dafür nutzen, den Ort außerhalb der City zu besuchen und das Meer zu sehen.

Insgesamt gefiel es mir, am Strand zu sein, und fernab des Trubels in New York die besondere Atmosphäre aufzunehmen, während mir der Wind ins Gesicht wehte.

“Ist es nicht ein seltsamer Gedanke“, sagte ich zu L.. als wir über den Atlantik blickten. “Dass hinter diesem Ozean unser Zuhause liegt?“ L. fand das auch. Als Geschichtsstudentinnen hatten wir gelernt, dass es unglaublich viel Mühe vor dreihundert Jahren noch gekostet hatte, den Ozean mit Schiffen zu bezwingen. Ich war in acht Stunden Direktflug einfach hinübergeflogen und nahm ihn erst jetzt, vor meinen Füßen, wahr. Sechstausend Kilometer Strecke über den Ozean hinweg trennten uns von Europa.


Während wir die Strandpromenade entlang wanderten, sahen wir die große Kulisse des Freizeitparks, der wie ausgestorben in der Dämmerung lag und doch einen sehenswerten Anblick bot. Zudem konnten wir einige Streetart-Wälle bewundern, von denen wir schon einige in den USA gesehen hatten. Sie präsentierten Bilder, die auf den Plastikmüll im Meer hinwiesen. Meiner Meinung nach ist dies an der Ostküste der USA auch ein wichtiges Thema, da hier viel Plastik verbraucht wird und ich bei jedem Einkauf die Verkäufer/innen darum bitten musste, nicht alles in Plastik einzupacken.

Als es dunkel wurde und auch innerhalb des Freizeitparks kein Licht mehr leuchtete, begaben L. und ich uns auf den Weg nachhause. In Coney Island war es inzwischen ziemlich finster und ruhig geworden.

The pinkest Café ever

Wer am Pietro Nolitas, einem Cafe im Viertel Soho, in der Elisabeth Street vorbeikommt, kann es nur schwer übersehen: Denn es ist einfach total pink. So pink und retro, dass es schon wieder etwas Trendiges hat. Somit hat es mich auch nicht verwundert, dass L. und ich auf einige sonnenbebrillte Instagrammerinnen trafen, die nach einem Cocktail im Pietro Nolitas vor der rosa Herzchen-Wand posierten. Genau das taten wir auch.

L. und ich tranken zusammen einen Kaffee und ich war ziemlich begeistert. Einerseits, weil ich Soja-Capucchino liebe (damit ist mein Tag meistens ohnehin schon halb gerettet), andererseits, weil ich die pinke Location absolut feierte.

Als L. und ich später zur Toilette gingen (die hier übrigens als “restroom“ bezeichnet wird, nicht etwa, wie ich bislang geglaubt hatte, als “toilet“, was genau genommen Kloschüssel bedeutet), ließen wir uns Zeit. Denn das stille Örtchen ganz in rosa toppte alles in dieser Location. So eine schrille Toilette hatte ich noch nie zuvor gesehen.

 Die Mädels vor mir drängten sich erstmal für einige Selfies in den kleinen, mit Herzen und Love-Botschaften verzierten Raum. Ich selbst ließ es mir im Anschluss auch nicht nehmen, im Spiegel ein paar Selfies zu machen und auch L. nutzte die Gelegenheit nach mir. "Das ist doch genau das Richtige für dich", stellte L. fest, als ich auf einem der Barhocker Platz nahm und mich wie in einem Retro-Film fühlte. Da hatte sie Recht.

Streetart in New York

Sehr beliebt ist die "Mural Art" in New York, worunter Streetart zu verstehen ist, für die die Wälle, Mauern und Hausfassaden der Stadt zu finden sind. Mit dem Graffiti, das ich von deutschen Bahnhöfen kenne, hat dies allerdings wenig zu tun. Selten habe ich so schöne und detaillierte Straßenkunst gesehen wie in New York. Wenn man sich in Ruhe Zeit nimmt, durch die Straßen zu schlendern, wird man nach und nach mehr davon entdecken. Besonders im alternativen Trendviertel Soho gibt es sehr viel davon, neben bunten Cafés, die unter anderem originelle Namen tragen wie "Grumpy's" (der dementsprechend schlecht gelaunt aussehende Smiley ist auf dem Schaufenster abgebildet). L. und ich machten noch ein Café komplett in Pink aus und beschlossen, dorthin auf einen Kaffee zurückzukommen. Die "Mott Street", in der es von Mural Arts nur so wimmelt, ist besonders bei jungen Instagramern sehr beliebt. Ich fragte eine Clique junger Mädchen, die vor einem Wall posierten, nach einem Straßennamen und sie konnten uns schnell Auskunft geben. 

L. und ich entdeckten viele Herzen und zugehörige Sprüche wie "i choose love". Eine Hauswand, die von bunten Herzen übersäht war, war leider von einem wesentlich weniger schönen Graffiti übersprüht worden, sodass ich darauf verzichtete, ein Foto zu machen. 

John Lennon, der aus New York absolut nicht wegzudenken ist, sah uns auf einem Mural entgegen, mit Yoko Ono an der Seite. Dieses Bild mit dem Wiedererkennungswert fand ich auch wunderschön, passte es doch gut zu den ganzen Botschaften über Liebe und Frieden, die in Soho verteilt waren.

L. und ich wollten uns zudem einmal wie ein Engel oder ein Schmetterling fühlen, wozu wir an einem der Hauswände, die noch näher im Zentrum lagen, Gelegenheit bekamen. Es war der wärmste Tag während unserer Zeit in New York, als wir bei dem gemusterten Flügel-Mural ankamen, und uns für einen kurzen Augenblick in das Kunstwerk schlichen.


Aussicht über Manhattan


Wir hätten, wie viele uns empfohlen hatten, zum Top of the Rock im Rockefeller Center gehen können, um die Skyline von Manhattan von ganz oben bestaunen zu können. Oder auf das Empire
State Building, das aus zahlreichen Hollywoodfilmen bekannt ist, nur dass man das Gebäude an sich nicht so sehr erkennt, wen man sich darauf befindet. Doch L. und ich hatten andere Pläne, zudem waren wir Low-Budget-Reisende (Wie geht das denn in New York,
werden einige von euch jetzt fragen, und ich kann sagen, bei manchen Attraktionen geht das durchaus). Wir riefen bei Sixty-Five Rainbow Bar an, die sich im 65. Stockwerk des Rockefeller Centers befindet, und reservierten für den gleichen Abend einen Platz - so überbucht wie befürchtet war sie gar nicht. Ich sah meine Chance gekommen, mir für den Abend mein pinkes Partykleid anzuziehen, das ich extra für derartige Anlässe eingepackt hatte. “Warum nennen die sich Rainbow-Bar?“, überlegte L. laut, als wir unsere Robe raussuchten. “Vielleicht ist das eine Schwulen- und Lesbenbar?“. “Ich glaube, der Name ist einfach total kitschig“, sagte ich nach einem Blick auf die Homepage, die ziemlich edel aussah.

Abends ließen wir uns mit dem Fahrstuhl in den 65. Stock transportieren und waren noch rechtzeitig da, um den Sonnenuntergang hinter den Wolkenkratzern mitzuerleben.


Das Empire State Building befand sich praktisch direkt vor unserer Nase. Mir kamen einige US-amerikanische Filme in den Sinn, in denen eine ähnliche Aussicht auf das Empire State Building vorkommt. L. und mir wurde ein Platz zugewiesen und sobald wir einen Cocktail für sie und ein Mermaid-Bier für mich (typisch deutsch eigentlich) bestellt hatten, standen wir wieder von unserem Tisch auf, um den Anblick der glutrot untergehenden Sonne zu zelebrieren. Die Bar war fast rundum verglast, sodass wir freie Sicht auf die Skyline hatten. Wir hatten fast ganz New York City im Blick, ein Meer aus Wolkenkratzern, in dem nach und nach die Lichter Manhattans angingen, bis es ganz dunkel wurde. L. und ich stießen auf unseren Urlaub an und waren zu dem Zeitpunkt sehr zufrieden mit dem, was wir bisher erlebt hatten. Nachdem wir den Tag über durch den Central Park marschiert waren, war dies ein Highlight zum Abschluss des Tages.

John Lennon im Central Park

 

Dieses Zitat fanden L. und ich im Central Park in dem Garten, der John Lennon gewidmet war. Jemand hatte es mit Kreide auf den Asphalt gemalt, als Erinnerung an die Botschaft der verstorbenen Musiklegende.


Spaziergang im Central Park

Als L. und ich einen halben Tag durch den Central Park liefen, wurde mir klar, dass es die ganzen Jogger nicht nur in den Filmen gibt. Tatsächlich sind sie überall und auch für Radfahrer gibt es befestigte Wege. Umrahmt von der Großstadt ist der Central Park ein rechteckiges Erholungsgebiet, in mehrere kleine Themenbereiche aufgeteilt. Wir liefen durch einen bewaldeten Teil des Parks, in dem Bäche flossen und sich Eichhörnchen mit schwarzen Knopfaugen beobachten ließen. Solchen Eichhörnchen sollte ich noch öfters begegnen in den USA. Ich konnte mich an den putzigen Tieren kaum sattsehen und fing an, ein paar Videos aufzunehmen.
Als wir etwa in der Mitte des Central Parks angekommen waren, machten wir erstmal Lunch Break und genossen das zwar kühle, aber sonnige Wetter, während wir unsere Erdnussbutter-Sandwichses aßen.

In einem Bereich entdeckten wir eine Statue von Alice, dem Kaninchen und den Figuren aus "Alice im Wunderland" mit Zitaten aus dem Buch, die in den Gehweg eingraviert waren. Ich fand das Buch schon immer toll, weshalb ich die Gelegenheit nutzte, mit L. vor den verrückten Gestalten zu posieren.

Zitate von bekannten Poeten fanden wir zudem in extra angelegten Gärten, die den Persönlichkeiten gewidmet waren. Besonders gefiel mir der Garten, der John Lennon gewidmet war und ein Gedenken an ihn darstellte.Jemand hatte Blumen auf das kreisrunde Muster im Boden gelegt, das mit dem Songtitel "Imagine" versehen war, John Lennons Hymne für die Friedensbewegung in den Siebzigern. Zudem war auf den Asphalt mit Kreide ein Zitat von ihm aufgeschrieben worden, in dem es ebenso um Liebe und Frieden ging. Ich fand es schön, dass der Musiker in diesem Park so gewürdigt und auch heute offenbar noch so gefeiert wurde.

L. und gingen noch zu Bethesda Fountain, einem Brunnen mit einer Engelstatue mitten im Central Park, mit einem mosaikverzierten Torbogen, unter dem Gitarrenspieler Musik machen, wie auch an diesem Tag. Der hübsche Torbogen in hellen Farben wirkte im Vergleich zu den anderen architektonischen Elementen des Parks ziemlich historisch und so gar nicht amerikanisch.

Als wir am Ende des Central Parks angekommen waren, befanden wir uns wieder in der Nähe des Times Squares und waren von unserem nächsten Ausflugsziel gar nicht weit entfernt. Das Rockefeller Center stand als Nächstes auf unserer Liste.

Samstag, 6. April 2019

Im High Line Park

Durch einen Park zwischen den Wolkenkratzern New Yorks durchspazieren? Ja, das geht! Ursprünglich war der High Line Park, wie der Name bereits vermuten lässt, eine Eisenbahnstrecke, wovon noch die Überreste von Bahngleisen zeugen, die sich dort bewundern lassen. Inzwischen wurde die High Line zu einem Park umgebaut, dessen Weg in einigen Metern Höhe längs führt. L. und ich besuchten in vor Sonnenuntergang und hatten großen Spaß daran, zwischen den hohen Häusern durchzuspazieren.
Wir blickten dabei an den meterhohen Hausfassaden hoch und versuchten zu zählen, wie viele Stockwerke sie hatten - vergebens. Einige künstlerische Elemente fanden wir auch auf dem Weg: Skulpturen (eine sah aus wie Donald Trump, doch ein Blick auf das entsprechende Schild zeigte, dass es nicht so war) und bemalte Hauswände befanden sich um uns herum. Bepflanzte Beete und Sträucher umgaben uns, allerdings war es noch zu früh dafür, dass die Pflanzen in aller Pracht wuchsen.
Mich reizte besonders der Ausblick auf die Straße von einer Glasfront, die an dem Überbleibsel der Eisenbahnbrücke eingesetzt worden war. Davor waren sogar einige Sitzbänke eingelassen. Es war wie eine andere Art von Autokino...

Der High Line Park ist etwa zweieinhalb Kilometer lang, die wir von einem Ende zum anderen abgingen. Je weiter wir gingen, desto höher erschienen mir auch die Hochhäuser, durch die sich der Park durchschlängelte. Ganz zum Schluss konnten wir beobachten, wie die Sonne hinter dem Fluss versank und sich dabei in der Glasfront der Wolkenkratzer spiegelte.

Staten Island Ferry

Über den Fluss fahren einige Fähren, besonders zwischen Manhattan und den umliegenden Orten. Auch von unserer Airbnb-Unterkunft New Jersey aus, wie L. und ich an unserem zweiten Tag in New York feststellten. Der Himmel war strahlend blau und die Sonne schien hell, jedoch kam leider kein Bus in Sicht, mit dem wir in New York City hereinfahren konnten.
L. schaltete daraufhin Google Maps ein und lotste mich damit durch New Jersey, bis wir unerwarteterweise an einem Pier ankamen, an dem uns eine Fähre nach Manhattan bringen konnte. Der Pier und kurze Zeit später auch die Fenster der Fähre boten einen fantastischen Anblick auf die Skyline Manhattans - diesmal von der anderen Seite als von der Brooklyn Bridge aus. "Eigentlich ist es gar nicht so schlecht, dass der Bus nicht so gekommen ist", stellte ich fest. "Sonst hätten wir das hier gar nicht gesehen.


Noch am selben Tag sollten wir die Skyline vom Fluss aus beobachten können, vom Staten Island Ferry aus, einer Fähre, die Manhattan mit Staten Island verband. Die Fähre, die von Einheimischen vorwiegend dazu genutzt wird, nach Staten Island zu pendeln und somit nicht ausschließlich für Touristen gedacht ist, war ziemlich voll. Doch nicht alle drängten sich ans Fenster, um hinauszublicken, wie wir. L. und ich standen an der großen Glasfront der Fähre warteten gespannt, dass die Freiheitsstatue in unser Sichtfeld rückte. Majestätisch stand sie auf einem Steinblock, die Feuerfackel in die Höhe erhoben. Von der Fähre aus hatten wir eine ideale Aussicht.

Die Brooklyn Bridge


Als wir an unserem ersten Tag über die Brooklyn Bridge liefen, war es ein nebelverhangender Nachmittag und nur wenige Leute waren unterwegs, was die Tour für uns sehr angenehm machte. Vereinzelte Radfahrer und Jogger kamen uns entgegen. L. und ich sind uns einig, dass wir, würden wir in dieser Stadt wohnen, auch die schöne Kulisse der Brooklyn Bridge nutzen würden, um laufen zu gehen.

Als wir den Torbogen der Brücke passierten, kam die Skyline Manhattans in Sicht. Es war der erste Mal, dass ich sie wirklich sah, obwohl ich das Bild von zig Postkarten und Fotografien kannte. L. und ich liefen immer weiter und sogen den Anblick in uns auf. Sogar einen Blick auf die Freiheitsstatue in der Ferne konnten wir erhaschen, durch den Nebeldunst. An diesem Tag befanden sich noch die Überreste von Schnee in den Straßen New Yorks und so auch auf der Brücke. Dennoch war es nicht allzu kalt, eher etwas verregnet und bedeckt.

 Die Wolkenkratzer verschwanden leicht im Nebel, diese Großstadt-Romantik stellte einen eindrucksvollen Anblick dar. Wir näherten uns immer mehr dem anderen Ufer und gelangten nach dem Spaziergang über die Brücke nach Manhattan, wobei wir immer wieder Pause machten, um die Kulisse genauer zu betrachten. Die Brooklyn Bridge wirkt keinesfalls wie irgendeine Brücke: Von der Architektur ist sie nicht nur wunderschön, nostalgisch und dazu ziemlich riesig, sondern die Kulisse dahinter, nämlich die Skyline Manhattans, macht einen Spaziergang darüber zu einem ziemlichen Erlebnis.