Morgens gegen acht kam ich in Ontario am Busbahnhof an und folgte einfach dem Niagarafluss, an dessen Ende ich schon aus der Ferne einen Blick auf die aufsteigenden Nebelschwaden erhaschen konnte. Das Örtchen, in dem ich das Finale meiner Reise- diesmal im Alleingang- verbrachte, nannte sich wie seine größte Sehenswürdigkeit: Niagara Falls. Der Fluss, der aus den Fällen mündete, teilte Kanada und USA, was auch der Grund dafür war, dass ich über die Grenze reisen musste, um dorthin zu gelangen. Die Grenzkontrolle war noch einmal aufwendig gewesen (alle Reisenden mussten mitsamt ihrem Gepäck dafür aus dem Reisebus aussteigen), doch ich hatte es nun geschafft und freute mich so sehr, hier zu sein, dass ich ganz vergaß, wie wenig ich geschlafen hatte.
“Niagara“ kommt aus dem Indianischen und bedeutet so viel wie “donnerndes Wasser“. Als ich davorstand, bekam ich dieses Donnern direkt mit. Mein Auge konnte nur schwer erfassen, wie viele Hunderte Liter jede Sekunde den Abhang herunterstürzten. Und damit noch nicht genug: In Kanada herrschten teilweise noch winterliche Temperaturen, sodass im Niagara Lake riesige Eisplatten schwammen und an den Fällen sich auch an manchen Stellen eine Eiskruste gebildet hatte. Blendet man die hohen Bauten Buffalos dahinter aus - oder den Skylon-Tower sowie die Partymeile von Niagara Fall, je nachdem, auf welcher Seite man steht- hört sich dies ziemlich märchenhaft an. Wer die Niagarafälle in aller Intensität erleben möchte, sollte sich hauptsächlich auf das vorhandene achte Weltwunder konzentrieren. Mir ging es jedenfalls so, sodass ich bewusst die meiste Zeit bei den Fällen verbrachte und den hinabstürzenden Wassermassen zusah.
Denn die Stadt Niagara Falls erschien mir alles andere als märchenhaft- eher wie ein ausgestorbenes Las Vegas. Das meine ich nicht zwangsläufig negativ. Es kann nur etwas gewöhnungsbedürftig sein, weil Wasserfälle meistens mit Wildnis und Natur in Verbindung gebracht werden. Die Natur, die in Niagara Falls zu finden ist, sind die Wasserfälle selbst. Ansonsten ist es eine Stadt mit lauter Läden, Pommesbuden, Fahrgeschäften und Casinos, die drumherum gebaut wurde. Vieles war zu dem Zeitpunkt, zu dem ich dort war, auch geschlossen, aufgrund der Nebensaison in Niagara Falls. Ich selbst fand es sehr angenehm, mich nicht durch Touristenmassen schieben zu müssen.In den Tagen in meiner Unterkunft hatte ich Gelegenheit, etwas herunterzukommen nach den bisherigen Trips, und spazierte jeden Tag gemächlich durch Niagara Falls. Meine Vermieterin war sehr freundlich und gab mir jede Menge Ratschläge für den Ort, als wir bei einem Nachmittagskaffee in ihrer Küche saßen und so lange quatschten, dass wir ganz die Zeit vergaßen.
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