Donnerstag, 22. Oktober 2015

Von Tempeln und Schlössern

Wenn man nach Japan reist, sollte man sich die
Tempel nicht entgehen lassen. Das sagte mir auch meine Mutter, die schon mal hier war. Also fuhren K. und ich an einem Tag aus der Stadt heraus, um einen Tempel in Izumisano zu besuchen, von Wald und Bergen umgeben. Das Tempeldach war mit schwarzen Dachgiebeln versehen und detailierte Verzierungen schmückten das hölzerne Gebäude. Der Geruch von Räucherstäbchen hing in der Luft. Ein paar Mönche in langen Gewändern überquerten den Hof und lächelten uns dabei freundlich zu. Ansonsten sahen wir nicht viele Menschen hier. Das änderte sich erst, als eine Gruppe von Grundschulkindern mit ein paar Erwachsenen auf das Tempelgelände marschierte und uns beide mit großen Kinderaugen anblickte.

Auch inmitten der Stadt gab es Tempel. Diese sind nur nicht ganz so ursprünglich und glamourös. In Kishiwada gingen wir durch eine auf den ersten Blick unscheinbare Nebenstraße, in der sich ein Tempel an den anderen reihte. Auf der Straße spielten ein paar Kinder, die uns bei der Wegfindung halfen und sich auf Englisch nach unseren Namen erkundigten, um uns dann einen schönen Tag zu wünschen. Selbst die Kinder sind hier immer so höflich. In einen der Tempel, der nach hinten offen war, konnten wir hinausblicken. “Es erinnert mich an eine Kirche“, sagte ich zu K. , als ich die im Chor singenden Menschen in den Reihen aus Bänken sitzen sah. “Nur dass es hier keine Jesusfigur, sondern eine andere Götterfigur gibt.“ In den Vorgärten der Tempel fanden wir mit Blumen dekorierte Götterstatuen und neben Grabsteinen für Menschen auch Grabsteine für Hunde.

Am Ende das Tages gelangten wir zum Kishiwada
Castle, einem wunderhübschen Schloss. Es stand auf einem Hügel, von Wassergräben umgeben, und wies den typischen japanischen Archikturstil auf. Wir befanden uns dort, als gerade die Sonne unterging und alles in ein rotgoldenes Licht tauchte. Das Schloss kam mir vor wie aus einem Märchenfilm, nur eben nicht die europäische Art mit Türmchen, sondern die japanische.

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