Sonntag, 28. Mai 2023

Sidi Bou Said

Der Ort, der mich in Tunesien am meisten begeisterte, war Sidi Bou Said. Der Ortsteil von Tunis bestach mit weißblauen Flachdachhäusern, Rooftop-Terrassen und Blumen an den Fassaden. Zum Frühstück besorgten M. und ich uns am nächsten Morgen in einem Supermarkt in Tunis eine Packung Datteln sowie Reiswaffeln mit Harissa. Die Gewürzpaste war ziemlich scharf, doch hier in Tunesien gewöhnte ich mich ziemlich schnell daran, scharf zu essen. Es war ein sonniger Tag, an dem wir zu einem Bahnhof in Tunis spazierten und für wenige Münzen der nationalen Währung Zugtickets nach Sidi Bou Said ergatterten. Die Tickets wurden dabei auch von einem Mitarbeiter per Hand ausgegeben und abgestempelt. Wenig später ratterte unser Zug über einen Damm über die Lagune von Tunis, wobei sich ein paar Jugendliche einen großen Spaß daraus machten, die Schiebetüren unterwegs immer wieder ein Stück aufzureißen- bei diesen Zügen war das offensichtlich möglich. Aus dem Fenster konnten wir innerhalb der Lagune von Tunis einige Wasservögel, darunter auch Flamingos, in der Ferne erkennen.

Kurz darauf schlenderten wir durch das frühlingshafte Sidi Bou Said. Das "Dar El Annabi", in dem eine tunesische Familie die Räume zur Besichtigung freigegeben hatte, um sie wie in einem Museum zu präsentieren, gefiel mir dabei extrem gut. Ich konnte mich an dem farbenprächtigen, grün bepflanzten Innenhof und den zahlreichen Räumen, in denen die Liebe zum Detail gut erkennbar war, kaum sattsehen. Wir konnten uns einen Gebetsraum anschauen, eine Sofaecke mit bunt gemusterten Kissen und Decken, und durften uns zwischendurch von dem gesüßten Minztee nehmen, der in hübsch gemusterten Gläsern auf Tabletten im Innenhof serviert wurde. Einen weiteren, stark gesüßten Minztee genossen M. und ich auf einer Dachterrasse, genau wie ich es mir zur Feier des Tages gewünscht hatte. Wir kosteten darüber hinaus Bambalouni, ein tunesisches, frittiertes Teiggebäck, das kreisrund und mit einem Loch in der Mitte versehen ist. Da Bambalouni ein Traditionsgebäck nach bestimmten Rezept ist, hatte eine kurze Recherche ergeben, dass aus pflanzlichen Zutaten besteht. Wer die weiche Konsistenz und den zuckrig-salzigen Geschmack mag, wird Bambalouni sicher lieben.

Eine musizierende Gruppe Jugendlicher zog durch die Straßen, die Stimmung in den Straßen war ausgelassen und steckte mich an. In Sidi Bou Said konnte ich das Bunte und Schöne, das ich mir von diesem Ort erhofft hatte, überall entdecken: In meiner Halskette aus Narzissenblüten, die M. für mich von einem Straßenhändler kaufte, die auffällig bunten, oben abgerundeten Türen an jedem Haus und die Aussicht über die flachen, weißen Dächer aufs Meer. Ich war glücklich, an diesem Tag hier zu sein.

Abends gab es, zurück in unserer Unterkunft in der Medina von Tunis, Teigfladen mit Harissa und einem ähnlich scharfem Salat namens Mechouia aus dem Glas. Während unserer Zeit in Tunis wurden Harissa und Mechouia schnell zu einem unserer Hauptnahrungsmittel, weshalb der Geschmack mich künftig immer an dieses Land erinnern wird. Die Medina, die die Altstadt und zugleich das labyrinthartige Zentrum Tunis' ist, ist mir gleichzeitig in Verbindung mit den den lauten Märkten und dem wuseligen Treiben in den engen Gassen in Erinnerung geblieben. Meine Sinne waren geschärfter denn je, wenn wir durch Tunis liefen. Zwischendurch konnten M. und ich den Ruf des Muezzin aus dem Minarett der Moschee hören. Wenn wir den Innenhof unserer Unterkunft durchquerten und die zahlreichen Stufen des Hauses erklommen, gelangten wir auf die Dachterrasse. Von dort aus konnten wir über die weißen Dächer der Medina hinüber zu dem aufragenden Minarett, dem Turm der Moschee, blicken. Besonders bei einsetzender Dämmerung bot dies ein beeindruckendes Bild.

Mit der Fähre nach Tunesien


Es ist lange her, dass ich für viele Stunden am Stück auf einem Schiff war. Bei der zehnstündigen Fährenfahrt von Palermo nach Tunesiens Hauptstadt Tunis, die ziemlich ruhig und ohne viel Geschaukel verlief gewann ich eine Erkenntnis: Seegang, auch wenn er nur leicht ist, vertrage ich nicht ganz so gut. Dass die Passagiere an Bord das Schild, das auf das Rauchverbot an Bord hinwies, geflissentlich ignorierten und sich in dem geschlossenen Raum an Bord eine Zigarette nach der anderen anzündeten, machte es nicht besser. 

Mit an unserem Tisch saß ein tunesisch-stämmiger Passagier, der Brot in eine Dose mit Chilipaste dippte und uns etwas davon anbieten wollte. Wir lehnten dankend ab, doch die Dose mit der Chilipaste ließ er trotzdem stehen, als er den Tisch verließ. "Das ist Harissa", stellte ich bei genauerem Hinsehen fest, denn über die in Tunesien überaus beliebte, scharfe Paste hatte ich schon einiges gelesen. Noch wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht, dass ich die Harissa-Pasta die nächsten Tage sehr oft konsumieren würde. 

M. spazierte während der Fahrt immer mal wieder aufs Deck hinaus, um frische Luft zu schnappen. Nachdem er kurz vor unserer Ankunft in Tunis aus der Dunkelheit draußen wieder hineinkam, verkündete er mir: "Ich kann die Lichter von Tunis sehen." Ich sah auf die Uhr: Dafür, dass ich die Überfahrt als nicht die Angenehmste empfunden hatte, waren zehn Stunden doch ziemlich schnell vergangen. Nur noch wenige Stunden und ein neues Lebensjahr brach für mich an. Mir kam in den Sinn, dass ich witzigerweise nun kurz vor dem Anbruch meines 27. Geburtstages auf das siebenundzwanzigste Land in diesem Leben meinen Fuß setzen würde. Mein Herz schlug bei diesem Gedanken vor Aufregung schneller.

Beim Auschecken am Fähranleger in Tunis musste ich feststellen, dass die Einheimischen bei der Passkontrolle nicht sehr beeindruckt wirkten, als ich mich in ein paar Floskeln auf Hocharabisch versuchte. Auf mein "As-salam-u-alaykum" und "Skukran" ("Danke") wurde zumindest nicht reagiert oder wir wurden auf Englisch oder Französisch angesprochen. Also versuchten wir es künftig auch mit diesen beiden Sprachen, soweit es möglich war. Sobald wir das Gebäude beim Fähranleger verlassen hatten, traten uns einige Taxifahrer in den Weg und wollten uns überzeugen, sich mit ihrem Taxi zu unserer Unterkunft bringen zu lassen.

Da wir noch Bargeld mit meiner Kreditkarte abheben mussten und es schon spät war - die Aus- und Einführung von Tunesischen Dinar aus uns ins Land ist nämlich nicht möglich- wurde ich angesichts der aufdringlichen Taxifahrer und einiger anderer Einheimischer, die uns als Fremde in diesem Land erkannt hatten, zunehmend nervös. M. tat sein Bestes, mich zu beruhigen. Den Zug, den wir zuerst geplant hatten, zu unserer Unterkunft in der Medina von Tunis zu nehmen, war nicht aufzufinden, doch nach einigem Suchen fanden wir einen Geldautomaten, bei dem ich Tunesische Dinar abheben konnten. Mit einem Taxifahrer handelten wir einen Tarif aus, für den er uns zu unserer Unterkunft bringen sollte. In der Medina angekommen, zwängte er sich mit seinem Auto durch die schmalen Gassen und fragte sich das letzte Stück zu unserer Unterkunft durch. 

"Das hätten wir nie gefunden, wären wir mit dem Zug gefahren", sagte M. und ich war ziemlich froh darüber, dass wir uns in dieser uns noch so fremden Stadt nicht noch abends lange damit beschäftigen mussten, uns zu orientieren. M. und ich beschlossen daher, dem Taxifahrer als Dankeschön ein Trinkgeld zusätzlich zu dem vereinbarten Betrag in die Hand zu drücken. Zu meinem Entsetzen jedoch bestand der Taxifahrer nun darauf, noch wesentlich mehr Geld zu erhalten, als abgesprochen war, angeblich habe er den höheren Betrag genannt. Zwar ist Taxifahren in Tunesien weitaus günstiger als in Deutschland, doch es machte mich in dem Moment unglaublich wütend, dass der Taxifahrer die Dreistigkeit besaß, sich nicht an unsere Abmachung zu halten. Während ich mit dem Taxifahrer entnervt diskutierte, öffnete sich die Tür zu unserer Unterkunft. Unsere Gastgeberin kam heraus und versuchte, zu beschwichtigen. Nach einigen Minuten Diskussion gab der Taxifahrer endlich auf und zog von dannen. Erschöpft und froh, nun angekommen zu sein, ließen wir uns von unserer Gastgeberin in unser wunderhübsch hergerichtetes Zimmer mit dunklen Holzmöbeln und bestickten Teppichen sowie Kissen bringen. Von M. gab es einen kleinen Geburtstagstisch, sobald die Uhr Mitternacht anzeigte, und ich realisierte: Nicht nur ein neues Lebensjahr, auch unser Abenteuer in Tunesien hatte soeben begonnen.

Palermo, die Perle Siziliens

Mit dem Zug fuhren wir durch die grüne Landschaft Siziliens in den Norden nach Palermo. M. erfreute sich an den Orangenbäumen und Zitronenbäumen, die er vom Zugfenster aus betrachten konnte. Hier trafen wir in den schönsten Bahnhof ein, den wir bisher auf unserer Reise durch Italien gesehen hatten. Er war mit Palmen bepflanzt und detailreicher Architektur versehen. Doch auch Palermo selbst überraschte uns damit, dass es wesentlich gepflegter und bunter auf uns wirkte, als wir es zuerst erwartet hatten. 

Wir hatten ein Apartment im Zentrum gemietet, das wir von einem Innenhof erreichten. Von dort spazierten wir eine Wendeltreppe hinauf und hatten einen Raum mit Bett, Esstisch sowie Stühlen und einer Kochnische nebst einem Badezimmer. Dass der Vermieter unserer Unterkunft sich wie auch schon in Catania erst relativ kurz vor unserer Ankunft dazu zurückmeldete, wie die Schlüsselübergabe laufen sollte, wunderte mich inzwischen schon fast nicht mehr. "Das ist bestimmt die sizilianische Entspanntheit", vermutete M. und auch ich glaubte inzwischen, dass es damit zusammenhängen könnte.

Das Wetter in Palermo war zwischendurch noch klarer und sonniger als die Tage zuvor in Catania, sodass wir weit von der Strandpromenade aufs Meer blicken konnten. Genauso konnten wir immer wieder, wenn wir in der Stadt unterwegs waren, die grünen Berge am Horizont erblicken. Erst einige Tage später zogen Gewitter auf.

Grün war Palermo selbst auch und zwar wesentlich mehr, als ich es zuerst vermutet hatte. Kleine Parks mit interessanten Pflanzen, zum Beispiel uralt anmutenden Bäumen mit lianen-ähnlichen Gewächsen, bildeten in der Stadt kleine Oasen. Mein Lieblingspark in Palermo wurde der Palmenpark in der Nähe des Quattro Canti, bei dem wir zwischendurch auf Parkbänken zwischen allerhand Palmen entspannen konnten. Im regem Treiben der Hauptstraße fanden wir wieder Arancini, diesmal nicht in der spitzen Variante, sondern in Kugelform. Zu M.'s Freude gab es auch Granita, eine typisch sizilianische, an Sorbet erinnernde Süßspeise, das wir schon in Ligurien gekostet hatten. In der Nähe des Teatros in der Innenstadt gab es eine nostalgische Kaffeebar, ähnlich wie in Rom, wo ich am Tresen den besten Latte di Soia - so hieß der Latte Macchiato mit Sojamilch dort- auf dieser Reise schlürfen konnte, während M. seinen Espresso trank. Wir waren uns absolut einig, seit wir hier waren, dass Palermo eine wirklich lebenswerte Stadt in Italien war und unsere Erwartungen stark übertroffen hatte.

Palermo war unser letzter Ort, bevor es mit der Fähre vom Hafen der Stadt nach Tunesien gehen sollte. Ich konnte es kaum fassen, dass wir inzwischen schon einen ganzen Monat unterwegs waren, und merkte genau wie M., dass es gut tat, in dieser schönen Stadt alles etwas langsamer anzugehen als die Wochen zuvor. Manche der Tage war es regnerisch, sodass wir die Zeit damit verbrachten, entspannt in unserer Unterkunft zu kochen, zwischendurch die Füße hochzulegen oder im Café um die Ecke Smoothies trinken zu gehen. An mehreren Abenden nutzte ich die Gelegenheit, in der örtlichen Zirkusschule Luftartistik-Stunden zu nehmen, genau wie bei uns zuhause in Deutschland. 

Die Tage in Palermo flogen nur so dahin, die Aufregung auf den nächsten Abschnitt unserer Reise stieg, und eines Morgens war es dann soweit: Zu Sonnenaufgang brachen wir zum Hafen auf, um mit der Fähre nach Tunesien aufzubrechen.

Samstag, 27. Mai 2023

Am Fuß des qualmenden Ätna in Catania

Wenn ich an Catania zurückdenke, denke ich vor allem an den Ätna, an dessen Fuß die Stadt liegt. Von der Präsenz des sizilianischen Vulkans zeugen die dunklen, aus Lavagestein erbauten Häuser, die Arancini, frittierte Reisteilchen mit verschiedenen Füllungen, die in dieser Region vulkanförmig sind, und der Blick, der zwischen den Häusern immer wieder auf selbigen fällt, besonders bei klarem Wetter.

Frühmorgens kehrten wir von Malta mit einer Fähre zurück nach Pozallo, die mit ihren bequemen Sesseln wieder nach meinem Geschmack war. In Pozallo angekommen hatten wir Glück, dass wir spontan für kleines Geld einen Reisebus zum Flughafen von Catania erwischten, nachdem sich herausstellte, dass im Fährenticket doch kein Zug nach Catania vom Fähranleger inkludiert war. Vom Flughafen in Catania brachte uns ein Zug der Trenitalia ziemlich schnell ins Zentrum. Das Erste, was wir dort probierten, waren Arancini in genau dieser eben erwähnten, spitzen Vulkanform.

Catania erwies sich während unserer Tage dort als trubelige, dreckige Stadt mit süditalienischem Flair. Es gab an vielen Ecken neben den Marktständen mit Lebensmitteln Stände, an denen frisch gepresster Saft verkauft wurde. Ab und zu hielten dort auch Vespafahrer*innen an, um sich einen Saft zu kaufen und dann wieder davonzubrausen. 

Gleich am nächsten Tag gingen wir zusammen mit dem Geologen Mc. und einer Gruppe weiterer Vulkan-Interessierter auf eine geführte Tour abseits der Touri-Massen den Ätna hinauf. Auf diesen Tag freuten wir uns nach dem Ausflug auf den Vesuv schon lange. Bevor wir aufgebrochen waren, hatte ich noch nie einen aktiven Vulkan gesehen und nun war dies schon der dritte, in dessen Nähe wir uns aufhielten, selbst wenn wir Stromboli nur von Weitem hatten erkennen können. Der Guide sei genau genommen nicht er selbst, erklärte uns Mc. dabei, sondern seine kleine, weiße Hündin Gea. Bei der Autofahrt, durch die uns Mc. sowie ein kanadisches Ehepaar ein Stück den Vulkan hinaufbrachte, schlossen Gea und M. auf dem Vordersitz sehr schnell Freundschaft. Sie saß abwechselnd auf Mc.'s und seinem Schoß und freute sich genauso sehr wie wir auf die Tour. Bei einer kurzen Pause gönnten wir Reisenden uns einen Espresso und ließen uns dann weiter die freigeschaufelten Straßen zwischen den Schneemassen auf den Ätna fahren. 

Als wir eine gewisse Höhe erreicht hatten, wurden wir mit Trekking-Stöcken und Wanderstiefeln ausgestattet. Das Wetter war sonnig und die Luft sowohl frisch als auch klar. Mit den Trekkingstöcken arbeitete sich unsere Reisegruppe im Gänsemarsch den Vulkan hinauf, während sich unter unseren Füßen glitzernder Schnee mit dunkler Vulkanerde abwechselte. Unterwegs begegnete unsere Wandertruppe einer Frau, die offenbar auf eigene Faust und ohne Ausrüstung den Vulkan zu erklimmen versuchte. Unsere Guide rieten ihr, umzukehren, weil dies ein sehr gefährliches Unterfangen sei, doch es dauerte eine Weile, bis sie es einsah und den Rückweg antrat. Mc. klärte uns während der Wanderung neben vieler anderen Fakten zum Ätna darüber auf, dass ein Vulkan wie dieser von manchen Menschen leider unterschätzt wird und daher einige von den Lavahöhlen, die auf dem Vulkanberg existieren, offiziell nicht mehr betreten werden dürfen, um Unfälle mit der brodelnden Lava zu verhindern. Eine Lavahöhle bekamen wir auf der Tour auch zu sehen. Das dunkle Gestein war innen hohl und an einer Seite nach außen offen, sodass wir ein kleines Stück hineingehen konnten. M. nahm sich einen kleinen, leichten Lavastein mit lauter kleinen Löchern von dem herumliegenden Geröll als Andenken mit, nachdem Mc. uns die Entstehung von Lavagestein erklärt hatte.

Zur Mittagszeit waren wir an einem Punkt angelangt, von dem aus wir dem rauchenden Gipfel gut erkennen konnten. Diesem durften wir uns nur einer bestimmten Entfernung nähern, um in Sicherheit zu sein. An diesem Platz ließen wir uns für eine Pause nieder und öffneten unsere Metall-Brotdosen fürs Mittagessen. An der klaren Luft genossen wir unser Mahl und beobachteten, wie die Rauchschwaden aus dem Ätna aufstiegen. Es war immer noch schwer zu fassen, dass wir uns mitten auf einem gewaltigen Vulkan befanden und er unter uns brodelte, auch wenn wir dies nicht spürten. 

Durch den Schnee ging es danach steil den Vulkanhang hinab, wobei Mc. uns riet, in die Fußstapfen der Person vor uns zu treten. Ohne die Trekkingstöcke hätten wir wahrscheinlich viel Mühe gehabt, uns am Berghang festzuhalten und trotzdem vorwärtszukommen. Weit unter uns lag, wenn auch durch die tief hängenden Wolken zu schemenhaft erkennbar, Catania. Lange Zeit sah ich vor mir nur glitzernden Schnee, Gea, die uns scheinbar mühelos vorauslief, und zwischendurch Felder mit dunkler Vulkanerde. Manche aus der Gruppe gingen nach einiger Zeit sogar dazu über, den Hang auf dem Schnee einfach auf dem Hinterteil hinunterzurutschen, was für allgemeine Erheiterung in der Gruppe sorgte. 

Nach dem Erlebnis der Vulkantour liefen wir erschöpft und zufrieden zu dem Laden Mr. Arancino, um dort viele verschiedene Sorten Arancini sowie Cannoli zum Nachtisch für M. zu besorgen. In unserer Unterkunft wurde das Essen von uns zelebriert, und ich kann sagen, dass ich selten so etwas Leckeres gegessen habe. Ich beschloss, die Zeit auf Sizilien zu nutzen, um öfters welche zu essen. 

Karneval, Kultur und Klippen auf Malta

Malta lässt sich als Zwergstaat im Mittelmeer schwer in eine Kategorie einordnen: Das zeigt sich unter anderem daran, dass hier neben dem Linksverkehr rote Telefonzellen zu finden sind, seit die Insel britische Kolonie war, und das zum Beispiel auch in der ehemaligen Festungsanlage "Mhdina", die in ihrer römisch und arabisch geprägten Architektur an eine Wüstenstadt erinnert. Die Amtssprache ist eine Mischung aus Italienisch, Arabisch sowie weiteren Sprachen. Dies spiegelt sich in Ortsnamen wie "San Pawl-il-Bahar" oder "Marsaxlokk" wider, bei denen ich erst etwas überlegen musste, wie ich sie ausspreche. Prägend für die Insel sind die roten, ringsum geschlossenen Balkone, die bunt gestrichen aus den hoch gelegenen Stockwerken der Häuser herausragen. In Valletta sind viele Straßen und Treppen zu finden, die es sich lang zu laufen lohnt, um die schmucken Balkone in verschiedensten Farben und die Straßencafés darunter zu entdecken.

M. und ich konnten bei unserer Ankunft feststellen, dass wir vom italienischen Winter offenbar im maltesischen Frühling gelandet waren. Beim Verlassen der Fähre zog ich ziemlich bald meine Winterjacke aus. Das Klima war hier anders. So wie vieles in Malta direkt anders wirkte.

Das Ausgefallene, das Malta meinem Eindruck nach an sich hatte, war auch bei dem Gastgeber unser Unterkunft, A., gegeben. In unserem Zimmer wurden M. und ich zu unserem Erstaunen mit einem riesigen Essenskorb begrüßt. Doch nicht nur das: Am nächsten Morgen kam A. persönlich vorbei, um uns ausgiebig über die Aktivitäten auf Malta zu informieren, wobei er seine eigene, nahezu leidenschaftliche Begeisterung für die Insel, die er sein Zuhause nannte, nur schwer verbergen konnte.

Während unserer Woche auf Malta erkundeten wir den Zwergstaat mit dem Bus, nachdem wir für etwa 21 Euro ein Ticket kauften, das für sieben Tage gültig war. Das Busfahren war an sich schon recht abenteuerlich, da wir rasch lernten, dass der Bus keine Leute mehr einsteigen ließ, sobald er nur ansatzweise voll war. Das führte dazu, dass wir meistens an der ersten Station in Valletta einstiegen, um auf jeden Fall einen Platz zu bekommen. Mit dem Bus gelangten wir zu dem Örtchen Marsaxlokk mit knallbunten kleinen Booten. Der Hafen und der Markt waren dort jedoch nicht das, was uns am meisten dort reizte, sondern die tiefblauen Lagunen, die eine kurze Wanderung von Marsaxlokk entfernt waren. Dort fanden wir darüber hinaus wunderschöne Felsformationen, Salzpfannen und St.Peter's Pool, ein Wasserloch in den Felsen mit Verbindung zum Meer. Noch mehr Salzpfannen und Stein-Landschaften, so wie ich sie mir auf dem Mond vorstelle, konnten wir bei einem Tagesausflug auf die Nachbarinsel Gozo entdecken, die auch zu Malta gehört und ein Wanderparadies darstellt. 

Die Dingli Cliffs mit weitem Blick über das Wasser wussten uns nicht zu überzeugen, wie ich zuerst gedacht hatte. Dort gab es zudem einen Stand direkt neben der Klippe, der Kaktusfeigensaft verkaufte. M. kaufte uns eine kleine Flasche des Getränks und mochte es im Gegensatz zu mir, doch ich freute mich, es einmal probiert zu haben. Die Kaktusfeigen als ganze Früchte, die ich letzten Sommer in Genua gern gegessen hatte, sagten mir mehr zu (bis ich irgendwann pieksige Hände von den Stacheln hatte, doch das ist eine andere Geschichte). Typisch für Malta sind zudem Kinnie's, ein Getränk, das einer zuckerhaltigen Brause ähnelt, und Cisk, maltesisches Bier. Beides ist auch nicht mein Fall, doch Bierliebhaber*innen sowie Cola-Fans könnte es gefallen. Ansonsten ist die maltesische Küche ziemlich international, was mich bei den unterschiedlichen kulturellen Einflüssen auch nicht verwunderte. Etwas gewöhnungsbedürftig und in kleinen Portionen dennoch lecker schmeckte mir das maltesische Brot, als ich es das erste Mal probierte, mit einer würzig-süßlichen Note.

Schon am ersten Abend konnten wir die Eröffnungsparade des maltesischen Karnevals in Valetta miterleben. Wir hatten unseren Aufenthalt in Malta zeitlich so gelegt, dass wir das Event hier miterleben konnten. Diesen Abend und auch die darauffolgenden Tage bekamen wir auf diesem einiges zu sehen: Die Kostüme der Parade schienen in meinen Augen schon ein Kunstwerk für sich zu sein und mit offenbar viel Fantasie erarbeitet. Es gab Piraten mit einem auf dem Rücken befestigten Steuerrad, Seepferdchen mit überdimensionalen Reifröcken und Sambatänzerinnen in knalligen Kostümen, alle mit nicht weniger ausschweifenden Hüten plus Dekoration auf den Köpfen. Die Umzugswagen standen dem in ihren Anfertigungen aus Pappmaché, die in der Dunkelheit leuchteten, Konfetti durch die schmalen Gassen bliesen und sich an den Stellen, an denen die Gassen mal nicht ganz so eng waren, ausfahren und bewegen ließen, in nichts nach. Die Parade-Tänzer*innen liefen während der Parade, die jeden Tag gut ein paar Stunden dauerte, bis sie sich durch die Straßen gezwängt hatte, keinesfalls geordnet, sondern waren ziemlich entspannt, manchmal auch mit einem Drink in der Hand, unterwegs. Das hatte zur Folge, dass M. und ich an der Parade wirklich nah dran sein und vollends in die Stimmung eintauchen konnten. Solch einen ausgelassenen und knallbunten Karneval habe ich bis dato noch nicht erlebt.

Freitag, 26. Mai 2023

Über die Straße von Messina nach Pozallo

Nachdem wir Tropea verlassen hatten und erneut in dem Trenitalia-Zug stiegen, erwartete uns noch ein
Zugerlebnis der besonderen Art. Sobald unser Zug die Straße von Messina, der Meerenge zwischen der Insel Sizilien und dem süditalienischen Festland Kalabriens, erreicht hatte, wurde er geteilt. Die Zugteile wurden auf die Fähre geladen, die uns nach Sizilien brachte. Wir konnten sogar während der Fährenfahrt aus unserem Waggon aussteigen. 

Weiter ging es über Sizilien nun auf unserem Weg Richtung Süden in den kleinen Ort Pozallo im Süden der Insel. Die Natur Siziliens entpuppte sich schon vom Zugfenster aus als vielsprechend mit zum Teil grünen Landschaften. Sogar einen Vorgeschmack auf den schneebedeckten Ätna sowie auf die Stadt Catania bekamen wir vom Zugfenster aus. Beides gedachten wir in den nächsten Wochen noch genauer zu erkunden. In dem Ort Siracusa, oder Syrakus auf Deutsch, hatten wir genug Zeit, uns in einem örtlichen Supermarkt etwas fürs Abendessen zu besorgen, bevor wir den Anschluss nach Pozallo nehmen wollten. Der Bahnhof in Siracusa wirkte ziemlich leer zur späten Stunde. 

Als wir auf dem Bahnsteig saßen, kam ein Mitarbeiter des Bahnhofs zu und fragte uns, ob wir den Zug nach Pozallo suchten. Dieser sei der letzte Zug, der an diesem Abend führe, und er befände sich noch auf einem etwas abgelegenerem Gleis. Dankbar für den Hinweis gingen wir zu dem Gleis und fanden einen nostalgisch wirkenden, sehr kleinen Bummelzug vor. M., der ein großes Interesse für Züge und Zugfahrten pflegt, war angesichts dieses Zuges sehr begeistert.

Erschöpft von der Reise, doch voller Vorfreude auf unser nächstes Ziel am Folgetag, Malta, kamen wir in Pozallo an. In Pozallo liefen wir durch eine Wohnsiedlung mit schachbrettartig verlaufenden Straßen und vielen bunten Neubauten mit Flachdachhäusern. Im Gegensatz zu den Orten auf Sizilien, die wir an diesem Tag aus dem Zugfenster gesehen hatten, wirkte es hier noch ein ganzes Stück anders. Der Gastgeber unserer Unterkunft begrüßte uns freundlich beim Eintrudeln in seiner Unterkunft. Das Zimmer war so schön hergerichtet, dass wir es fast schade fanden, nur eine Nacht hier zu bleiben. 

Am nächsten Morgen standen wir wieder früh auf, um mit Koffer und Rucksack zum Fähranleger zu laufen. Dort wartete die Fähre nach Malta auf uns. Die Fähre wirkte auf mich äußerst komfortabel, mit großer Fensterfront zum Meer vor uns und unglaublich bequemen Sesseln, auf denen ich mich fühlte, als säße ich im Kino- nur dass ich nicht auf eine Leinwand blickte, sondern aufs Mittelmeer. Malta konnte kommen! Es dauerte auch nur etwa eineinhalb Stunden von Pozallo, ehe die sandfarbenen Gebäude von Valletta, Maltas Hauptstadt, in der Ferne auftauchten. Ab jetzt waren wir wieder in einem anderen Land.

Mittwoch, 24. Mai 2023

Tropea: Zwischen roten Zwiebeln und zauberhaften Sonnenuntergängen

 

Nach Neapel ging es mit der Trenitalia nach einem kurzen Umstieg weiter an den Küstenort Tropea. Dort hatten wir direkt neben dem Strand einen Bungalow auf einem Campingplatz gemietet. Vor unserem Bungalow pickten einige Hühner herum und schlichen Katzen umher. Sobald wir uns auf dem Gelände bewegten, schielten sie neugierig zu uns hinüber.

Wenn wir zum Strand gingen und aufs Meer hinausblickten, konnten wir die Umrisse der Äolischen Inseln erahnen, darunter auch Stromboli. Stromboli ist der aktivste Vulkan Italiens, mit durchschnittlich einer Eruption alle fünfzehn Minuten. Zu unserem Pech waren wir außerhalb der Hauptsaison im Sommer hier, sodass keine Bootstouren zu den Äolischen Inseln herüber stattfanden. Sonst hätten wir uns gern genauer angesehen, wie Stromboli seine Lava durch die Gegend sprühte. Doch dazu wird es zu einem späteren Zeitpunkt noch kommen. 

In Tropea fand auch sonst nicht so viel statt. Die Stadt, die in den Felsen gebaut wurde und deren Strände von türkisblauem Wasser gesäumt waren, war sehr hübsch, doch leider auch sehr ausgestorben. Der Weg zum Kloster, das überaus fotogen auf einem der Felsen thronte, war leider gesperrt. Der Tartufo-Laden, in dem M. gern einmal die örtliche Spezialität Tartufo gekostet hätte, blieb all diese Tage genauso geschlossen wie der Großteil der verbleibenden Gastronomie vor Ort. Unsere Erkenntnis war: Tropea ist ein Urlaubsort, der davon lebt, dass die Tourist*innen, von denen viele Italiener*innen sind, im Sommer hierher strömen und urlauben. Wir nahmen uns vor, die Ruhe des Ortes zu nutzen, nach den letzten aufregenden Wochen etwas herunterzufahren, nicht zuviel auf Achse zu sein und einfach die Seele baumeln zu lassen.

Eine andere kulinarische Besonderheit von Tropea fanden wir trotzdem: Die roten Zwiebeln, die an jeder Ecke zu kaufen sind. Als ich meiner Freundin J., die selbst viel durch Italien gereist ist, eine Nachricht schrieb, wir seien in Tropea angekommen, waren die Zwiebeln eins der ersten Dinge, woran sie sich bei diesem Ort erinnerte. M. und ich stöberten in einem Laden, der viele Delikatessen in Verbindung mit der leicht süßlichen, roten Zwiebel anbot, darunter sogar Zwiebelmarmelade. Der Verkäufer, den ich in dem Laden zuerst vergeblich suchte, stieg aus seiner vor dem Laden geparkten Ape und verkaufte uns ein Bund Zwiebeln sowie rot gefärbte Zwiebelnudeln für unser Abendessen. Zur Erklärung: Eine Ape ist ein kleines Gefährt mit drei Rädern und einer Fahrerkabine vor der Ladefläche, das genau übersetzt "Biene" bedeutet, und hauptsächlich in Italien zu finden ist. 
Wenn wir die Tage danach durch die gleiche Straße schlenderten, sahen wir ihn jedes Mal in der Ape sitzen und lesen. "Ist das nicht irgendwann langweilig?", fragte ich mich. M. gab zu bedenken, dass die Menschen hier vom Geschäft in der Hauptsaison lebten und vielleicht die entspannteren Zeiten gerade genossen.

Selbst die Küche von unserem Bungalow schien auf den Sommer ausgerichtet zu sein, denn sie befand sich auf der Veranda. Unser Versuch, in der Dunkelheit ein warmes Essen auf dem Gasherd zuzubereiten, während wir in unsere Winterjacken eingekuschelt waren, scheiterte leider. Es wurde nicht warm. Als ich dann noch einen Topf mit verschimmelten Essen im Schrank fand, beschlossen wir ganz, in dieser Küche nicht zu kochen. Die Zwiebelnudeln mussten noch etwas warten. 

Wir genossen in der Zeit lieber jeden Abend den Sonnenuntergang vom Strand aus. Es entspannte mich immer wieder, zuzusehen, wie sich der Himmel grapefruitfarben verfärbte, die Silhouette der Palmen hinter uns Minute um Minute stärker hervorstach und die Sonne schließlich im Meer versank, während die Brandung unentwegt in unseren Ohren rauschte. 

Procida: Die bunteste Insel im Golf von Neapel

Ich liebe Orte mit knallbunten Häusern, wie ihr im Verlauf meiner Blogbeiträge vielleicht schon mitverfolgt habt. liebe Leser*innen. Während M. und ich in Neapel waren, nutzten wir einen Tag für einen Ausflug auf die Insel Procida im Golf von Neapel, die mit der Fähre etwa eine Stunde Fahrtzeit von der Stadt entfernt liegt. Procida gehörte zu den Orten, die schon vor Jahren Sehnsüchte in mir auslösten und auf meiner inneren Reise Bucket List standen. 

Nach einem Espresso in einer Espressobar im Hafen erkundeten wir die Insel. Da wir am Sonntagmorgen da waren, wirkte die Insel ruhig und entspannt auf uns - oder war sie das vielleicht immer im Vergleich zum Treiben in Neapel? Wir wissen es nicht.

Von einem Aussichtspunkt nahe des Hafens hatten wir eine gute Sicht auf die bunte Häuserkulisse Procidas und fanden witzigerweise, genau wie in Rom, eine davor posierende Möwe vor. 
Als wir der Straße ins Innere der Insel folgten, fuhren zeitweise immer mal wieder Autos an uns vorüber. Teilweise waren die Straßen so klein, dass sich die ohnehin kleinen Autos regelrecht an uns vorbeiquetschen mussten. Das Auto eines Einheimischen blieb jedoch kurz neben uns stehen und der Fahrer, ein älterer Herr mit grauem Haar, kurbelte das Fenster herunter, um uns daraufhin auf Italienisch zu begrüßen und neugierig anzusprechen: "Di dove siete?". Wir erklärten ihm, dass wir ihn nicht verstanden, und machten verständlich, dass wir aus Deutschland stammten, "tedesco". Eifrig versuchte sich der Fahrer an ein paar Sätzen auf Deutsch und schien sehr neugierig gegenüber uns deutschen Reisenden zu sein. Ein paar Sätze später fuhr er weiter und wir setzten unseren Weg fort, schmunzelnd über diese Begegnung. 
Auf unserem Weg wimmelte es von Zitronenbäumen, die schwere, überdimensional große und knallgelbe Früchte trugen und anderen Gewächsen. Vom Winter war in Procida nicht ganz so viel zu spüren, in der leicht warmen Mittagssonne, sodass wir unsere Winterjacken ausziehen konnten. Sogar an einem der Strände konnten wir uns eine Weile hinsetzen, um unsere mitgebrachten Snacks zu essen. Da nicht viel los war auf der Insel, hatten wir den Strand beinahe ganz für uns allein.

Zwischendurch begegneten uns auch hier einige Katzen zwischen den Wohnhäusern. Im Gegensatz zu den Straßenkatzen, die ich die Tage zuvor erlebt hatte, wirkten diese Katzen sehr gepflegt und gesund. Wahrscheinlich gehörten sie in die Familien, die hier lebten. Auf einem der Autos döste eine Katze und ließ sich die Abendsonne auf den Pelz scheinen. Wir befanden uns nicht weit von dem Aussichtspunkt, an dem wir am Vormittag gewesen waren, und nutzten die Gelegenheit, diesen noch einmal in der untergehenden Sonne zu erleben. Das spiegelglatte Wasser mit den Booten darauf, die bunten Häuser und die Farben des Himmels schienen vor unseren Augen zu einem Gemälde in verschwenderischer Farbvielfalt zu verschmelzen.

Doch damit war es für diesen Tag noch nicht genug an schönen Aussichten. Bei der Rückfahrt nach Neapel konnte ich vom Inneren der Fähre sehen, wie die Sonne allmählich unterging. "Lass uns rausgehen", sagte ich zu M. und dass es ziemlich frisch an Deck war, spielte in dem Moment keine Rolle. Vom Deck aus offenbarte sich der Golf von Neapel uns in all seiner Schönheit, in dem die untergehende Sonne das Wasser in ein rotgoldenes Licht tauchte. Als wollte er uns vor unserer Weiterreise deutlich zeigen, auf was für ein schönes Fleckchen Erde es uns hier verschlagen hatte.

Neapel: Im siebten Pizza-Himmel

Es heißt, wer das erste Mal nach Neapel kommt, weint zweimal: Einmal beim Ankommen, weil die Stadt in ihrem Trubel überwältigend und überfordernd wirken kann, und das zweite Mal, weil die Stadt es dann doch geschafft hat, das Herz der Besucher*innen zu erobern. Und ich kann im Nachhinein sagen, dass die Aussage durchaus auf mich zutrifft, auch wenn ich nicht geweint habe. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich mich wirklich für Neapel erwärmen konnte.

Es war M.'s Traum, seit ich ihn kenne, nach Neapel zu reisen, und schon lange in unserem Kopf, ihn zu erfüllen. Als wir am Bahnhof Roma Termini in den Trenitalia-Zug nach Neapel stiegen, war es für mich zudem das erste Mal, über Rom hinaus tiefer in den Süden Italiens zu gelangen.

Süditalien entpuppte sich für mich auf dieser Reise als weitaus ursprünglicher als die meisten Regionen Norditaliens, mit Wäscheleinen in den engen Gassen, Obst- und Gemüseständen auf der Straßen und abgeblätterten Gebäuden, die für das Auge für uns Reisende gerade in ihrer Perfektionslosigkeit schön wirken. Genau so lässt sich Neapel beschreiben: Als heilloses Verkehrsdurcheinander, in dem wie durch ein Wunder doch alles seinen Platz findet, als Stadt mit dreckigem, glatt geschliffenem Kopfsteinpflaster und als der Ort, in dem eine Pizza zwei Euro fünfzig kostet und gleichzeitig besser schmeckt als woanders auf dieser Welt. 

Neapel ist nämlich der Ort, an dem die weltweit beliebte Pizza entstanden ist, und demzufolge sind hier auch die ursprünglichen Sorten, Pizza Marinara und Pizza Margherita, zu finden. Die Pizza Marinara, die hier nur nach dem Traditionsrezept gebacken werden darf, ist ohne Käse und nur mit roter Tomatensoße versehen, dementsprechend also vegan. M. und ich kosteten uns die Tage in Neapel durch die verschiedenen Pizzabäckereien der Gasse "Via Tribunali", die auch als "Pizza Alley" bekannt ist. Hier fanden wir Pizza fritta (frittierte Pizza), Pizza portofoglio (zusammengeklappte Pizza) und Pizza Marinara auf die Hand.

 Bei der bekannten Pizzeria "Da Michéle" mussten wir Nummern ziehen, um einen Platz zu bekommen. Als wir am Tisch saßen und uns die riesigen und zugleich hauchdünnen Pizzen Marinara serviert wurden, stellten wir fest, dass wir den Stammplatz des legendären Fußballers Maradona erwischt hatten. Nicht nur, dass wir uns in dem Laden befanden, in dem die bekannte Szene mit Julia Roberts in dem Film "Eat.Pray.Love." gedreht wurde, wir hatten auch noch den Platz der Fußballlegende, für die M. sich sehr begeistern konnte (wie das restliche Neapel offenbar auch) erwischt. Maradona wird, wie auf dem nach ihn benannten Maradona-Platz ersichtlich wird, so gefeiert wie die Mutter Jesu, Maria, wovon Marienbilder und -statuen in jeder noch so kleinen Gasse zeugen. 

Die erste Zeit musste ich mich an die sehr eigene Atmosphäre der Stadt gewöhnen, an das Gehupe von allen Seiten, an die Abgase und den Dreck, an die Beanspruchung aller Sinne in dieser Stadt. "Es ist, als seien wir in einer anderen Welt", brachte es M. schon am ersten Abend unserer Ankunft auf den Punkt, als wir die Straßen den Berg zu unserer Ferienwohnung stapften, zwischen düsenden Vespas und kleinen, wendigen Autos. Diese lag in einem Viertel Neapels, in dem offenbar die Einheimischen lebten sowie jede Menge Straßenkatzen. Am ersten Tag erkundeten wir auf einer geführten Tour die Unterwelt Neapels und zwängten uns durch schmale Gänge. Menschen mit Platzangst würde ich dies nicht im empfehlen, für Geschichtsliebhaber*innen ist dies bestimmt genau das Richtige. Mehr ist mir jedoch die Oberwelt Neapels in Erinnerung geblieben, mit den Gerüchen und Geräuschen und dem Vesuv in der Ferne, der sich von einigen Aussichtspunkten bestaunen ließ.

Einen aktiven Vulkan wollte ich auch schon immer einmal gesehen haben. Deshalb fuhren wir an einem Tag vom Bahnhof Napoli Garibaldi nach Ercolano und ließen uns von dort aus mit dem Bus den schneebedeckten Vesuv ein Stück hinauftransportieren. Zu Fuß ging es dann ganz nah an den Kraterrand, von dem uns nur ein hölzernes Geländer trennte. Darüber hinweg konnten wir tief in den Krater hineinblicken und sehen, wie der Dampf aus dem Vulkangeröll aufstieg. Laut den Umstehenden schien er an diesem Tag sogar mehr zu dampfen als sonst, zu unserer Freude. Genau dies war auch der Vulkan, der damals Pompeji unter sich begraben hatte, was meine Freundinnen zu der Frage veranlasste, ob unser Spaziergang am Krater nicht gefährlich sei. Doch da konnte ich sie beruhigen: Da Neapel als Millionenstadt am Fuß des Vesuvs existiert, wird der Vulkan rund um die Uhr bewacht, für den Fall, dass er die Regungen eines Ausbruchs zeigt. 

Nach dem Vesuv-Erlebnis, dem Kosten von Streetfood und der weiteren Entdeckung der Stadt konnte ich noch mehr Sympathie für Neapel in seinem authentischen, quirligem Erscheinungsbild sowie den herzlichen, lauten Menschen empfinden als zuvor. Als M. und ich den Hügel von der Unterkunft am letzten Morgen wieder zum Bahnhof gingen, war mein Herz randvoll. Randvoll mit den Eindrücken der letzten Tage und randvoll mit Dankbarkeit, dass wir das endlich erleben konnten, worauf wir schon so lange hingefiebert hatten.

Auf den Spuren der Antike in Rom

"Das Kolosseum ist kleiner als ich es mir vorgestellt habe", lautete M.'s Erkenntnis, als wir uns in Rom dem Kolosseum näherten. Ich schaute ihn daraufhin ungläubig an. Beeindruckend fand er es dennoch, ganz besonders, als wir darin standen und uns für einen kurzen Moment darin hineinzuversetzen versuchten, wie es hier vor fast zweitausend Jahren zugegangen war. Ich war schon einmal nach meinem Abi im nahezu vierzig Grad heißem Sommer in Rom gewesen und hatte auch da schon im Kolosseum gestanden, doch acht Jahre später erlebte ich die sogenannte ewige Stadt noch anders als vorher. Von Venedig aus waren wir mit der Trenitalia direkt zum Bahnhof Roma Termini gelangt. Rom ist wie ein riesiges Freilichtmuseum, in dem weiter fleißig ausgegraben wird und das so viele Facetten hat, dass wir bei weiteren Besuchen wieder viel Neues entdecken konnten. Das Forum Romanum ist allein schon so riesig, dass wir mehrere Stunden dort verbringen konnten.

Die Spuren der Antike ziehen sich durch das gesamte Zentrum der Stadt. Wenn wir ein Stück um die Ecke bogen oder die Straße weiterliefen, stießen wir direkt auf die nächste Sehenswürdigkeit wie die sogenannte "Schreibmaschine", ein stufenartiges Gebäude als Denkmal für den 1.Weltkrieg, oder die nächste Ausgrabungsstätte neben der Straße. Das erklärt auch, weshalb der Tag, an dem wir während der Reise am meisten liefen, in Rom war. Wie erschöpft unsere Füße waren, merkten wir erst nach der Rückkehr ins Hotel, da wir unterwegs so sehr mit Erleben und dem Verarbeiten von Eindrücken beschäftigt waren. 

Da war der Torre di Argentina, den wir entdeckten, einer Ausgrabungsstätte des Ortes, an dem Julius Cäsar gestorben war, und die nun zu einer Auffangstation für Straßenkatzen umfunktioniert wurde. Das Gelände konnte von den Straßen ringsum überblickt werden, war jedoch für Passant*innen nicht zugänglich, da es den Katzen als Refugium vorbehalten war. M. und ich konnten beobachten, wie einige Katzen auf zerbrochenen Säulen ihre Pfoten putzen, auf den Überresten des antikes Gebäudes herumstromerten oder zwischendurch das Gelände verließen, um am Straßenrand herumzulaufen. An der Seite gab es einen Innenbereich, den wir auch betreten konnten und wo die Katzen versorgt und gefüttert wurden. Ich empfand es als sehr schöne Idee, dass die Ausgrabungsstätte nun genutzt wird, um zu helfen.

Was ich für mich außerdem neu entdecken konnte, waren die uralten Caffébars, wie zum Beispiel Eustacchio, das älteste Café Roms, in dem wir für kleines Geld einen überaus leckeren Espresso mit einer guten Portion Schaum auf dem Kaffee erhielten. In Italien ist es üblich und auch die weitaus preiswertere Variante, den Kaffee am Tresen im Stehen und nicht am Tisch (wo noch zusätzliches Servizio als Gebühren fürs Tischgedeck anfallen), zu schlürfen. Zwar liebe ich Kaffee mit Hafermilch noch mehr als rein schwarzen Kaffee, doch die italienischen Espressi habe ich inzwischen genauso lieben gelernt wie M.. 

An einem Morgen kamen wir früh bei frischer Temperatur beim Trevi-Brunnen vorbei und holten uns einen Espresso für M. und einen Latte di Soia (Kaffee mit Sojamilch) für mich, um in einem der urigen Kaffeeläden gut gelaunt in den Tag zu starten. An dem Trevi-Brunnen konnten wir bereits eine Schar von Influencer*innen finden, die sich vor dem fotogenen Hintergrund in Pose warfen. Wie vieles andere in Rom, meinem Ermessen nach, war auch er riesig, und stellte die Welt des Meeresgottes Neptun dar. Nicht ganz so spannend fanden wir die spanische Treppe, die wir fast zuerst gar nicht als solche erkannt hatten, und die von Designer-Läden umgeben ist. Als charmanter empfand ich die Straßen, durch die die Vespas an uns vorbeisausten, und die Plätze wie den Piazza Navona, an dem bis abends quirliges Treiben herrschte. 

Sogar Papageien begegneten wir mitten in Rom, so wie wir in bereits vielen Städten, auch deutschen wie Heidelberg, welche gesichtet hatten. Ihr Krächzen und ihre grüne Gefiederfarbe sind unverkennbar und zaubern mir bei jeder Begegnung ein Lächeln aufs Gesicht. Wahre Stars in Rom waren allerdings die Möwen, die sich extra für uns auf der Ponte di Umberto mit dem Vatikan im Hintergrund bei Sonnenuntergang in Pose warfen. Sie hatten kaum Scheu und stolzierten auf dem Geländer herum, als wären sie Möwen-Models. Ich vermute, dass sie den großen Andrang auf der Ponte die Umberto gewohnt waren. 

Als wir den Petersplatz vor dem Petersdom einige Stunden zuvor betreten hatten, befanden wir uns dabei zudem kurzzeitig in einem anderen Land, auch wenn das völlig abgedroschen klingt. Der Vatikan gilt als kleinster Staat der Welt. 

Neben dem Kaffee gefiel uns das Essen in Rom auch sehr gut, wobei mir die römische Pizza, die sich stückweise vom Blech in Pizzabäckereien kaufen lässt und viele Varianten ohne Käse bietet, in sehr guter Erinnerung geblieben ist. Eines meiner Highlights ist die römische Kartoffelpizza- Pizza mit Kartoffelscheiben oben drauf. M. erfüllte sich auch den Wunsch, einmal in Italien im Restaurant ein veganes, original italienisches Mehrgänge-Menü auszuprobieren. Die Supermärkte, die wir in Rom fanden, waren meistens eher klein, doch wir wurden immer fündig und konnten uns nicht über zu wenig vegane Auswahl beschweren. In dieser Stadt lohnt es sich zudem, sich nach Streetfood wie römischer Pizza umzusehen.

Karneval in Venedig

Lange schon war es mein Traum, den Karneval in Venedig mitzuerleben. Zusammen mit meiner Freundin S. war ich über drei Jahre zuvor schon hier gewesen und hatte mich in die Stadt mit der unverwechselbaren Architektur und den Kanälen, die zum Verweilen und Verlaufen einladen, verliebt. Nun war ich neugierig, ob ich die Magie des Winters in Verbindung mit den barocken Kostümen und Masken in der kleinen Stadt entdecken würde. 

M. und ich kamen in einem kleinen, einfachen Hotel unter, das vor allem dadurch punktete, dass es ein Fenster zum Canale Grande besaß. Der Kaffee, der zum Frühstück angeboten wurde, war nicht der Beste, doch es störte mich überhaupt nicht, weil ich unglaublich begeistert davon war, zum Kanal hinausblicken zu können und zu sehen, wie die rosafarbenen Laternen die Wintersonne reflektierten. In den Gassen waren schon Anzeichen des Karnevals und des bevorstehenden Wasserfestes mit zwei Paraden am Wochenende zu erkennen, in Form des Konfettis am Boden und dem Verkauf an venezianischen Masken (Mit Coronamasken war es inzwischen ganz vorbei), der im Vergleich zu meinem letzten Besuch mit S. weitaus größere Ausmaße angenommen hatte. An diesem Wochenende sollte der venezianische Karneval offiziell eingeläutet werden. Auf der Rialto-Brücke waren einige Menschen in barocken Kostümen unterwegs und manche Menschen hatten sich auch schon ein wenig verkleidet, darunter auch viele Kinder. 

M. und ich sahen uns ein wenig die Stadt, wobei ich ihm die Ecken zeigte, die mir das letzte Mal in Venedig besonders gut gefallen hatten. Für zwei Euro nutzten wir die Traghetto-Gondelfähre, um über den Canale Grande überzusetzen, was ich auch diesmal wieder als kleines Erlebnis empfand. Wir spazierten über den Markus-Platz, stiegen auf das Dach des Einkaufszentrums an der Rialto-Brücke, von wo aus wir die Aussicht auf die Stadt erleben konnten und verweilten in kleinen, romantischen Gassen. Auch nach Burano fuhren wir hinüber, die Insel mit den bunten Häusern in der Lagune von Venedig. Zwar war der Himmel natürlich nicht so blau wie im Spätsommer- was ich zu dem Zeitpunkt wunderschön gefunden hatte, doch die bunte Farbe der Häuser kam dafür trotzdem noch zur Geltung. M. war fühlte sich auf der kunterbunten Insel zumindest genauso wohl wie ich.

Vegan gekennzeichnete Speisen und Getränke konnten wir auch einige in Venedig entdecken, sogar ein vergleichsweise traditionelles italienisches Restaurant mit rein veganem Essen. An einem Kanal nahe der Innenstadt fanden wir auch einen Laden, der süße und herzhafte Waffeln in einer veganen Variante anbot, und M. kaufte sich unterwegs ein kohleschwarzes Cornetto (ähnlich dem deutschen oder französischen Croissant)- umgehauen hat mich das Essen allerdings nicht. Meinem Empfinden nach kann Venedig in puncto Essen nicht mit den anderen Regionen in Italien, in denen das Essen noch ursprünglicher und preiswerter ist, mithalten. Dafür hat die kleine Lagunenstadt, die permanent unzählige Tourist*innen anzieht, viel anderes Schönes zu bieten.

Am Abend der Parade verließ ich die Unterkunft an M.'s Seite mit Maske und meinem langen Abendkleid, das zuhause schon lange im Schrank darauf gewartet hatte, zum Karneval in Venedig angezogen werden. Das war nämlich mein Plan, seit ich es vor eineinhalb Jahren auf einer Kleidertauschparty abgestaubt hatte, und die Maske hatte ich als Andenken gekauft, als ich mit S. in Venedig gewesen war. Am Kanal standen in der Dunkelheit unzählige Menschen und die italienische Polizia tat ihr Bestes, die Massen an Menschen von den Brücken herunter zu scheuchen, was nur mäßig gelang. Nach einiger Zeit glitt ein Karnevalsschiff durch den Kanal mit Trommler*innen an Bord und tanzenden Menschen sowie Feuerartist*innen. Es wirkte unglaublich beeindruckend, doch zu der Verwirrung der anwesenden Menschen blieb es bei diesem einen Schiff auf dieser Parade. M. und ich eilten zu Fuß durch das abendliche Venedig, um die Parade bzw. das eine Schiff bei der Mündung in die offene Lagune wieder abzufangen. Dort konnten wir von der Brücke aus das Schiff erneut erspähen zwischen jede Menge bunt maskierter Menschen. Im Nachhinein kann ich darüber schmunzeln, wie ich in meinem bodenlangen Kleid Hand in Hand mit M. neben anderen verkleideten Menschen durch die spärlich beleuchteten Gassen rannte, um noch etwas von der Parade mitzubekommen. 

Als richtige Parade entpuppte sich die Wasserparade am nächsten Vormittag bei Tageslicht, bei der eher knallbunt gemixt als ausschließlich barock vom Stil her zuging. Verschiedenste Boote zogen durch den Canale Grande, darunter waren auch Disneyfiguren und zum Beispiel Super-Mario neben barock gekleideten Personen mit weißen Lockenperücken auf dem Kopf zu erspähen. Auch hier bahnten M. und ich uns den Weg durch die Menschenmenge zur Rialto-Brücke, um die Parade mitzuverfolgen. Nun war ich zufrieden und hatte mehr noch als den Abend zuvor den Eindruck, den Karneval in Venedig miterlebt zu haben. Einige Stunden später fuhr unser Zug ein Stück übers Wasser aus der Stadt hinaus und beim Greifen nach der Wasserflasche in meiner Handtasche konnte ich meine Karnevalsmaske ertasten. Nach der Rückkehr von der Reise würde ich sie wieder an ihren Platz legen, mit der Erinnerung daran, dass sie nun wirklich zum Einsatz gekommen war.

Die längste Reise meines bisherigen Lebens


Einiges ist passiert, seit ich den letzten Blogbeitrag zu meiner Reise nach Lissabon verfasst habe. Schon vor einem Jahr reifte bei M. und mir der Plan, dass wir für eine längere Zeit auf Reisen gehen wollten. Wir entschieden uns, am 1.Februar aufzubrechen, wo unsere Verträge bei unserer Arbeit teilweise ohnehin ausliefen und es für mich als Selbstständige auch gut machbar war. Außerdem würde ich dann rechtzeitig zu der Hochzeit meiner Freundin zurück sein.

Mithilfe einer Power Point Präsentation, die ich mit Fotos aus dem Internet und Stichpunkten erarbeitet hatte, stellte ich M. mehrere mögliche Reiserouten mit Bahn, Bus und Fähre innerhalb Europas vor. Da M. Italien über alles liebt (bestimmt habe ich das schonmal erwähnt), entwickelte sich der konkrete Plan, zuerst zum Karneval in Venedig zu reisen, dann über Rom, Neapel und weitere Orte über Sizilien nach Tunesien zu reisen. Zwischendurch wollten wir noch die Insel Malta besuchen, wo wir den Karneval auch gern erleben wollten. All das, was wir auf jeden Fall sehen und erleben wollten, hielten wir auf einem Vision Board fest, das bis zu Reisebeginn bei uns im Flur hing.
M. und ich läuteten schließlich das neue Jahr kurz nach Silvester damit ein, Unterkünfte und Züge zu buchen, Reisekrankenversicherungen abzuschließen und zu überprüfen, ob unser Gepäck in unsere Koffer bzw. in meinen heiß geliebten Backpacker-Rucksack passte.

Ich bin in den vergangenen Jahren schon viel gereist und in meinem Umfeld als diejenige bekannt, die wieder und wieder gern unterwegs ist. "Jetzt geht es für euch also auf Weltreise", stellte meine Freundin J. mit einem Augenzwinkern fest. Bisher war ich noch nie länger als fünf Wochen am Stück unterwegs gewesen, doch das sollte sich nun ändern. Ich hatte das große Glück, dass M. genauso große Lust auf dieses Abenteuer hatte wie ich. Die Frage, wie es sich für mich anfühlen würde, länger als für einen gewöhnlichen "Urlaub" aus Deutschland weg zu sein, stellte sich mir auch schon seit einiger Zeit. Drei Monate erschienen mir im Vergleich zu ein paar Wochen heftig lang, doch je näher der Zeitpunkt der Abreise rückte und je mehr ich desbezüglich organisiert hatte, desto realer fühlte sich unser Vorhaben an.
Nach dem aufregenden Start ins Jahr 2023, jede Menge Verabschiedungen und unermesslicher Vorfreude -auf geht's zusammen mit meiner großen Liebe auf unsere große Reise, yippieh!- klingelte früh morgens der Wecker und wir machten uns in Wintermontur auf den Weg zum Hauptbahnhof. Es wirkte wie bei fast jeder Reise, die wir bisher angetreten hatten, und bei der wir nach spätestens ein paar Wochen zurückgekehrt waren. Ich war nun mehr als bereit für die Reise und war hellwach trotz der frühen Stunde.
Noch wussten wir nicht, was uns die kommenden Monate alles erwarten würde. Das, was ich während der Zeit erlebt habe, wie M. und ich mit Zügen und Fähren immer weiter Richtung Süden gereist sind und nach unserer Zeit in Tunesien zurückgekehrt sind, das möchte ich in den folgenden Blogbeiträgen Revue passieren lassen.