Mittwoch, 24. Mai 2023

Auf den Spuren der Antike in Rom

"Das Kolosseum ist kleiner als ich es mir vorgestellt habe", lautete M.'s Erkenntnis, als wir uns in Rom dem Kolosseum näherten. Ich schaute ihn daraufhin ungläubig an. Beeindruckend fand er es dennoch, ganz besonders, als wir darin standen und uns für einen kurzen Moment darin hineinzuversetzen versuchten, wie es hier vor fast zweitausend Jahren zugegangen war. Ich war schon einmal nach meinem Abi im nahezu vierzig Grad heißem Sommer in Rom gewesen und hatte auch da schon im Kolosseum gestanden, doch acht Jahre später erlebte ich die sogenannte ewige Stadt noch anders als vorher. Von Venedig aus waren wir mit der Trenitalia direkt zum Bahnhof Roma Termini gelangt. Rom ist wie ein riesiges Freilichtmuseum, in dem weiter fleißig ausgegraben wird und das so viele Facetten hat, dass wir bei weiteren Besuchen wieder viel Neues entdecken konnten. Das Forum Romanum ist allein schon so riesig, dass wir mehrere Stunden dort verbringen konnten.

Die Spuren der Antike ziehen sich durch das gesamte Zentrum der Stadt. Wenn wir ein Stück um die Ecke bogen oder die Straße weiterliefen, stießen wir direkt auf die nächste Sehenswürdigkeit wie die sogenannte "Schreibmaschine", ein stufenartiges Gebäude als Denkmal für den 1.Weltkrieg, oder die nächste Ausgrabungsstätte neben der Straße. Das erklärt auch, weshalb der Tag, an dem wir während der Reise am meisten liefen, in Rom war. Wie erschöpft unsere Füße waren, merkten wir erst nach der Rückkehr ins Hotel, da wir unterwegs so sehr mit Erleben und dem Verarbeiten von Eindrücken beschäftigt waren. 

Da war der Torre di Argentina, den wir entdeckten, einer Ausgrabungsstätte des Ortes, an dem Julius Cäsar gestorben war, und die nun zu einer Auffangstation für Straßenkatzen umfunktioniert wurde. Das Gelände konnte von den Straßen ringsum überblickt werden, war jedoch für Passant*innen nicht zugänglich, da es den Katzen als Refugium vorbehalten war. M. und ich konnten beobachten, wie einige Katzen auf zerbrochenen Säulen ihre Pfoten putzen, auf den Überresten des antikes Gebäudes herumstromerten oder zwischendurch das Gelände verließen, um am Straßenrand herumzulaufen. An der Seite gab es einen Innenbereich, den wir auch betreten konnten und wo die Katzen versorgt und gefüttert wurden. Ich empfand es als sehr schöne Idee, dass die Ausgrabungsstätte nun genutzt wird, um zu helfen.

Was ich für mich außerdem neu entdecken konnte, waren die uralten Caffébars, wie zum Beispiel Eustacchio, das älteste Café Roms, in dem wir für kleines Geld einen überaus leckeren Espresso mit einer guten Portion Schaum auf dem Kaffee erhielten. In Italien ist es üblich und auch die weitaus preiswertere Variante, den Kaffee am Tresen im Stehen und nicht am Tisch (wo noch zusätzliches Servizio als Gebühren fürs Tischgedeck anfallen), zu schlürfen. Zwar liebe ich Kaffee mit Hafermilch noch mehr als rein schwarzen Kaffee, doch die italienischen Espressi habe ich inzwischen genauso lieben gelernt wie M.. 

An einem Morgen kamen wir früh bei frischer Temperatur beim Trevi-Brunnen vorbei und holten uns einen Espresso für M. und einen Latte di Soia (Kaffee mit Sojamilch) für mich, um in einem der urigen Kaffeeläden gut gelaunt in den Tag zu starten. An dem Trevi-Brunnen konnten wir bereits eine Schar von Influencer*innen finden, die sich vor dem fotogenen Hintergrund in Pose warfen. Wie vieles andere in Rom, meinem Ermessen nach, war auch er riesig, und stellte die Welt des Meeresgottes Neptun dar. Nicht ganz so spannend fanden wir die spanische Treppe, die wir fast zuerst gar nicht als solche erkannt hatten, und die von Designer-Läden umgeben ist. Als charmanter empfand ich die Straßen, durch die die Vespas an uns vorbeisausten, und die Plätze wie den Piazza Navona, an dem bis abends quirliges Treiben herrschte. 

Sogar Papageien begegneten wir mitten in Rom, so wie wir in bereits vielen Städten, auch deutschen wie Heidelberg, welche gesichtet hatten. Ihr Krächzen und ihre grüne Gefiederfarbe sind unverkennbar und zaubern mir bei jeder Begegnung ein Lächeln aufs Gesicht. Wahre Stars in Rom waren allerdings die Möwen, die sich extra für uns auf der Ponte di Umberto mit dem Vatikan im Hintergrund bei Sonnenuntergang in Pose warfen. Sie hatten kaum Scheu und stolzierten auf dem Geländer herum, als wären sie Möwen-Models. Ich vermute, dass sie den großen Andrang auf der Ponte die Umberto gewohnt waren. 

Als wir den Petersplatz vor dem Petersdom einige Stunden zuvor betreten hatten, befanden wir uns dabei zudem kurzzeitig in einem anderen Land, auch wenn das völlig abgedroschen klingt. Der Vatikan gilt als kleinster Staat der Welt. 

Neben dem Kaffee gefiel uns das Essen in Rom auch sehr gut, wobei mir die römische Pizza, die sich stückweise vom Blech in Pizzabäckereien kaufen lässt und viele Varianten ohne Käse bietet, in sehr guter Erinnerung geblieben ist. Eines meiner Highlights ist die römische Kartoffelpizza- Pizza mit Kartoffelscheiben oben drauf. M. erfüllte sich auch den Wunsch, einmal in Italien im Restaurant ein veganes, original italienisches Mehrgänge-Menü auszuprobieren. Die Supermärkte, die wir in Rom fanden, waren meistens eher klein, doch wir wurden immer fündig und konnten uns nicht über zu wenig vegane Auswahl beschweren. In dieser Stadt lohnt es sich zudem, sich nach Streetfood wie römischer Pizza umzusehen.

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