Nach Neapel ging es mit der Trenitalia nach einem kurzen Umstieg weiter an den Küstenort Tropea. Dort hatten wir direkt neben dem Strand einen Bungalow auf einem Campingplatz gemietet. Vor unserem Bungalow pickten einige Hühner herum und schlichen Katzen umher. Sobald wir uns auf dem Gelände bewegten, schielten sie neugierig zu uns hinüber.
Wenn wir zum Strand gingen und aufs Meer hinausblickten, konnten wir die Umrisse der Äolischen Inseln erahnen, darunter auch Stromboli. Stromboli ist der aktivste Vulkan Italiens, mit durchschnittlich einer Eruption alle fünfzehn Minuten. Zu unserem Pech waren wir außerhalb der Hauptsaison im Sommer hier, sodass keine Bootstouren zu den Äolischen Inseln herüber stattfanden. Sonst hätten wir uns gern genauer angesehen, wie Stromboli seine Lava durch die Gegend sprühte. Doch dazu wird es zu einem späteren Zeitpunkt noch kommen.
In Tropea fand auch sonst nicht so viel statt. Die Stadt, die in den Felsen gebaut wurde und deren Strände von türkisblauem Wasser gesäumt waren, war sehr hübsch, doch leider auch sehr ausgestorben. Der Weg zum Kloster, das überaus fotogen auf einem der Felsen thronte, war leider gesperrt. Der Tartufo-Laden, in dem M. gern einmal die örtliche Spezialität Tartufo gekostet hätte, blieb all diese Tage genauso geschlossen wie der Großteil der verbleibenden Gastronomie vor Ort. Unsere Erkenntnis war: Tropea ist ein Urlaubsort, der davon lebt, dass die Tourist*innen, von denen viele Italiener*innen sind, im Sommer hierher strömen und urlauben. Wir nahmen uns vor, die Ruhe des Ortes zu nutzen, nach den letzten aufregenden Wochen etwas herunterzufahren, nicht zuviel auf Achse zu sein und einfach die Seele baumeln zu lassen.
Eine andere kulinarische Besonderheit von Tropea fanden wir trotzdem: Die roten Zwiebeln, die an jeder Ecke zu kaufen sind. Als ich meiner Freundin J., die selbst viel durch Italien gereist ist, eine Nachricht schrieb, wir seien in Tropea angekommen, waren die Zwiebeln eins der ersten Dinge, woran sie sich bei diesem Ort erinnerte. M. und ich stöberten in einem Laden, der viele Delikatessen in Verbindung mit der leicht süßlichen, roten Zwiebel anbot, darunter sogar Zwiebelmarmelade. Der Verkäufer, den ich in dem Laden zuerst vergeblich suchte, stieg aus seiner vor dem Laden geparkten Ape und verkaufte uns ein Bund Zwiebeln sowie rot gefärbte Zwiebelnudeln für unser Abendessen. Zur Erklärung: Eine Ape ist ein kleines Gefährt mit drei Rädern und einer Fahrerkabine vor der Ladefläche, das genau übersetzt "Biene" bedeutet, und hauptsächlich in Italien zu finden ist.
Wenn wir die Tage danach durch die gleiche Straße schlenderten, sahen wir ihn jedes Mal in der Ape sitzen und lesen. "Ist das nicht irgendwann langweilig?", fragte ich mich. M. gab zu bedenken, dass die Menschen hier vom Geschäft in der Hauptsaison lebten und vielleicht die entspannteren Zeiten gerade genossen.
Selbst die Küche von unserem Bungalow schien auf den Sommer ausgerichtet zu sein, denn sie befand sich auf der Veranda. Unser Versuch, in der Dunkelheit ein warmes Essen auf dem Gasherd zuzubereiten, während wir in unsere Winterjacken eingekuschelt waren, scheiterte leider. Es wurde nicht warm. Als ich dann noch einen Topf mit verschimmelten Essen im Schrank fand, beschlossen wir ganz, in dieser Küche nicht zu kochen. Die Zwiebelnudeln mussten noch etwas warten.
Wir genossen in der Zeit lieber jeden Abend den Sonnenuntergang vom Strand aus. Es entspannte mich immer wieder, zuzusehen, wie sich der Himmel grapefruitfarben verfärbte, die Silhouette der Palmen hinter uns Minute um Minute stärker hervorstach und die Sonne schließlich im Meer versank, während die Brandung unentwegt in unseren Ohren rauschte.



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