Mittwoch, 24. Mai 2023

Karneval in Venedig

Lange schon war es mein Traum, den Karneval in Venedig mitzuerleben. Zusammen mit meiner Freundin S. war ich über drei Jahre zuvor schon hier gewesen und hatte mich in die Stadt mit der unverwechselbaren Architektur und den Kanälen, die zum Verweilen und Verlaufen einladen, verliebt. Nun war ich neugierig, ob ich die Magie des Winters in Verbindung mit den barocken Kostümen und Masken in der kleinen Stadt entdecken würde. 

M. und ich kamen in einem kleinen, einfachen Hotel unter, das vor allem dadurch punktete, dass es ein Fenster zum Canale Grande besaß. Der Kaffee, der zum Frühstück angeboten wurde, war nicht der Beste, doch es störte mich überhaupt nicht, weil ich unglaublich begeistert davon war, zum Kanal hinausblicken zu können und zu sehen, wie die rosafarbenen Laternen die Wintersonne reflektierten. In den Gassen waren schon Anzeichen des Karnevals und des bevorstehenden Wasserfestes mit zwei Paraden am Wochenende zu erkennen, in Form des Konfettis am Boden und dem Verkauf an venezianischen Masken (Mit Coronamasken war es inzwischen ganz vorbei), der im Vergleich zu meinem letzten Besuch mit S. weitaus größere Ausmaße angenommen hatte. An diesem Wochenende sollte der venezianische Karneval offiziell eingeläutet werden. Auf der Rialto-Brücke waren einige Menschen in barocken Kostümen unterwegs und manche Menschen hatten sich auch schon ein wenig verkleidet, darunter auch viele Kinder. 

M. und ich sahen uns ein wenig die Stadt, wobei ich ihm die Ecken zeigte, die mir das letzte Mal in Venedig besonders gut gefallen hatten. Für zwei Euro nutzten wir die Traghetto-Gondelfähre, um über den Canale Grande überzusetzen, was ich auch diesmal wieder als kleines Erlebnis empfand. Wir spazierten über den Markus-Platz, stiegen auf das Dach des Einkaufszentrums an der Rialto-Brücke, von wo aus wir die Aussicht auf die Stadt erleben konnten und verweilten in kleinen, romantischen Gassen. Auch nach Burano fuhren wir hinüber, die Insel mit den bunten Häusern in der Lagune von Venedig. Zwar war der Himmel natürlich nicht so blau wie im Spätsommer- was ich zu dem Zeitpunkt wunderschön gefunden hatte, doch die bunte Farbe der Häuser kam dafür trotzdem noch zur Geltung. M. war fühlte sich auf der kunterbunten Insel zumindest genauso wohl wie ich.

Vegan gekennzeichnete Speisen und Getränke konnten wir auch einige in Venedig entdecken, sogar ein vergleichsweise traditionelles italienisches Restaurant mit rein veganem Essen. An einem Kanal nahe der Innenstadt fanden wir auch einen Laden, der süße und herzhafte Waffeln in einer veganen Variante anbot, und M. kaufte sich unterwegs ein kohleschwarzes Cornetto (ähnlich dem deutschen oder französischen Croissant)- umgehauen hat mich das Essen allerdings nicht. Meinem Empfinden nach kann Venedig in puncto Essen nicht mit den anderen Regionen in Italien, in denen das Essen noch ursprünglicher und preiswerter ist, mithalten. Dafür hat die kleine Lagunenstadt, die permanent unzählige Tourist*innen anzieht, viel anderes Schönes zu bieten.

Am Abend der Parade verließ ich die Unterkunft an M.'s Seite mit Maske und meinem langen Abendkleid, das zuhause schon lange im Schrank darauf gewartet hatte, zum Karneval in Venedig angezogen werden. Das war nämlich mein Plan, seit ich es vor eineinhalb Jahren auf einer Kleidertauschparty abgestaubt hatte, und die Maske hatte ich als Andenken gekauft, als ich mit S. in Venedig gewesen war. Am Kanal standen in der Dunkelheit unzählige Menschen und die italienische Polizia tat ihr Bestes, die Massen an Menschen von den Brücken herunter zu scheuchen, was nur mäßig gelang. Nach einiger Zeit glitt ein Karnevalsschiff durch den Kanal mit Trommler*innen an Bord und tanzenden Menschen sowie Feuerartist*innen. Es wirkte unglaublich beeindruckend, doch zu der Verwirrung der anwesenden Menschen blieb es bei diesem einen Schiff auf dieser Parade. M. und ich eilten zu Fuß durch das abendliche Venedig, um die Parade bzw. das eine Schiff bei der Mündung in die offene Lagune wieder abzufangen. Dort konnten wir von der Brücke aus das Schiff erneut erspähen zwischen jede Menge bunt maskierter Menschen. Im Nachhinein kann ich darüber schmunzeln, wie ich in meinem bodenlangen Kleid Hand in Hand mit M. neben anderen verkleideten Menschen durch die spärlich beleuchteten Gassen rannte, um noch etwas von der Parade mitzubekommen. 

Als richtige Parade entpuppte sich die Wasserparade am nächsten Vormittag bei Tageslicht, bei der eher knallbunt gemixt als ausschließlich barock vom Stil her zuging. Verschiedenste Boote zogen durch den Canale Grande, darunter waren auch Disneyfiguren und zum Beispiel Super-Mario neben barock gekleideten Personen mit weißen Lockenperücken auf dem Kopf zu erspähen. Auch hier bahnten M. und ich uns den Weg durch die Menschenmenge zur Rialto-Brücke, um die Parade mitzuverfolgen. Nun war ich zufrieden und hatte mehr noch als den Abend zuvor den Eindruck, den Karneval in Venedig miterlebt zu haben. Einige Stunden später fuhr unser Zug ein Stück übers Wasser aus der Stadt hinaus und beim Greifen nach der Wasserflasche in meiner Handtasche konnte ich meine Karnevalsmaske ertasten. Nach der Rückkehr von der Reise würde ich sie wieder an ihren Platz legen, mit der Erinnerung daran, dass sie nun wirklich zum Einsatz gekommen war.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen