Nach einem Espresso in einer Espressobar im Hafen erkundeten wir die Insel. Da wir am Sonntagmorgen da waren, wirkte die Insel ruhig und entspannt auf uns - oder war sie das vielleicht immer im Vergleich zum Treiben in Neapel? Wir wissen es nicht.
Von einem Aussichtspunkt nahe des Hafens hatten wir eine gute Sicht auf die bunte Häuserkulisse Procidas und fanden witzigerweise, genau wie in Rom, eine davor posierende Möwe vor.
Als wir der Straße ins Innere der Insel folgten, fuhren zeitweise immer mal wieder Autos an uns vorüber. Teilweise waren die Straßen so klein, dass sich die ohnehin kleinen Autos regelrecht an uns vorbeiquetschen mussten. Das Auto eines Einheimischen blieb jedoch kurz neben uns stehen und der Fahrer, ein älterer Herr mit grauem Haar, kurbelte das Fenster herunter, um uns daraufhin auf Italienisch zu begrüßen und neugierig anzusprechen: "Di dove siete?". Wir erklärten ihm, dass wir ihn nicht verstanden, und machten verständlich, dass wir aus Deutschland stammten, "tedesco". Eifrig versuchte sich der Fahrer an ein paar Sätzen auf Deutsch und schien sehr neugierig gegenüber uns deutschen Reisenden zu sein. Ein paar Sätze später fuhr er weiter und wir setzten unseren Weg fort, schmunzelnd über diese Begegnung.
Auf unserem Weg wimmelte es von Zitronenbäumen, die schwere, überdimensional große und knallgelbe Früchte trugen und anderen Gewächsen. Vom Winter war in Procida nicht ganz so viel zu spüren, in der leicht warmen Mittagssonne, sodass wir unsere Winterjacken ausziehen konnten. Sogar an einem der Strände konnten wir uns eine Weile hinsetzen, um unsere mitgebrachten Snacks zu essen. Da nicht viel los war auf der Insel, hatten wir den Strand beinahe ganz für uns allein.
Zwischendurch begegneten uns auch hier einige Katzen zwischen den Wohnhäusern. Im Gegensatz zu den Straßenkatzen, die ich die Tage zuvor erlebt hatte, wirkten diese Katzen sehr gepflegt und gesund. Wahrscheinlich gehörten sie in die Familien, die hier lebten. Auf einem der Autos döste eine Katze und ließ sich die Abendsonne auf den Pelz scheinen. Wir befanden uns nicht weit von dem Aussichtspunkt, an dem wir am Vormittag gewesen waren, und nutzten die Gelegenheit, diesen noch einmal in der untergehenden Sonne zu erleben. Das spiegelglatte Wasser mit den Booten darauf, die bunten Häuser und die Farben des Himmels schienen vor unseren Augen zu einem Gemälde in verschwenderischer Farbvielfalt zu verschmelzen.
Doch damit war es für diesen Tag noch nicht genug an schönen Aussichten. Bei der Rückfahrt nach Neapel konnte ich vom Inneren der Fähre sehen, wie die Sonne allmählich unterging. "Lass uns rausgehen", sagte ich zu M. und dass es ziemlich frisch an Deck war, spielte in dem Moment keine Rolle. Vom Deck aus offenbarte sich der Golf von Neapel uns in all seiner Schönheit, in dem die untergehende Sonne das Wasser in ein rotgoldenes Licht tauchte. Als wollte er uns vor unserer Weiterreise deutlich zeigen, auf was für ein schönes Fleckchen Erde es uns hier verschlagen hatte.



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