Es ist lange her, dass ich für viele Stunden am Stück auf einem Schiff war. Bei der zehnstündigen Fährenfahrt von Palermo nach Tunesiens Hauptstadt Tunis, die ziemlich ruhig und ohne viel Geschaukel verlief gewann ich eine Erkenntnis: Seegang, auch wenn er nur leicht ist, vertrage ich nicht ganz so gut. Dass die Passagiere an Bord das Schild, das auf das Rauchverbot an Bord hinwies, geflissentlich ignorierten und sich in dem geschlossenen Raum an Bord eine Zigarette nach der anderen anzündeten, machte es nicht besser.
Mit an unserem Tisch saß ein tunesisch-stämmiger Passagier, der Brot in eine Dose mit Chilipaste dippte und uns etwas davon anbieten wollte. Wir lehnten dankend ab, doch die Dose mit der Chilipaste ließ er trotzdem stehen, als er den Tisch verließ. "Das ist Harissa", stellte ich bei genauerem Hinsehen fest, denn über die in Tunesien überaus beliebte, scharfe Paste hatte ich schon einiges gelesen. Noch wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht, dass ich die Harissa-Pasta die nächsten Tage sehr oft konsumieren würde.
M. spazierte während der Fahrt immer mal wieder aufs Deck hinaus, um frische Luft zu schnappen. Nachdem er kurz vor unserer Ankunft in Tunis aus der Dunkelheit draußen wieder hineinkam, verkündete er mir: "Ich kann die Lichter von Tunis sehen." Ich sah auf die Uhr: Dafür, dass ich die Überfahrt als nicht die Angenehmste empfunden hatte, waren zehn Stunden doch ziemlich schnell vergangen. Nur noch wenige Stunden und ein neues Lebensjahr brach für mich an. Mir kam in den Sinn, dass ich witzigerweise nun kurz vor dem Anbruch meines 27. Geburtstages auf das siebenundzwanzigste Land in diesem Leben meinen Fuß setzen würde. Mein Herz schlug bei diesem Gedanken vor Aufregung schneller.
Beim Auschecken am Fähranleger in Tunis musste ich feststellen, dass die Einheimischen bei der Passkontrolle nicht sehr beeindruckt wirkten, als ich mich in ein paar Floskeln auf Hocharabisch versuchte. Auf mein "As-salam-u-alaykum" und "Skukran" ("Danke") wurde zumindest nicht reagiert oder wir wurden auf Englisch oder Französisch angesprochen. Also versuchten wir es künftig auch mit diesen beiden Sprachen, soweit es möglich war. Sobald wir das Gebäude beim Fähranleger verlassen hatten, traten uns einige Taxifahrer in den Weg und wollten uns überzeugen, sich mit ihrem Taxi zu unserer Unterkunft bringen zu lassen.
Da wir noch Bargeld mit meiner Kreditkarte abheben mussten und es schon spät war - die Aus- und Einführung von Tunesischen Dinar aus uns ins Land ist nämlich nicht möglich- wurde ich angesichts der aufdringlichen Taxifahrer und einiger anderer Einheimischer, die uns als Fremde in diesem Land erkannt hatten, zunehmend nervös. M. tat sein Bestes, mich zu beruhigen. Den Zug, den wir zuerst geplant hatten, zu unserer Unterkunft in der Medina von Tunis zu nehmen, war nicht aufzufinden, doch nach einigem Suchen fanden wir einen Geldautomaten, bei dem ich Tunesische Dinar abheben konnten. Mit einem Taxifahrer handelten wir einen Tarif aus, für den er uns zu unserer Unterkunft bringen sollte. In der Medina angekommen, zwängte er sich mit seinem Auto durch die schmalen Gassen und fragte sich das letzte Stück zu unserer Unterkunft durch.

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