M. und ich konnten bei unserer Ankunft feststellen, dass wir vom italienischen Winter offenbar im maltesischen Frühling gelandet waren. Beim Verlassen der Fähre zog ich ziemlich bald meine Winterjacke aus. Das Klima war hier anders. So wie vieles in Malta direkt anders wirkte.
Das Ausgefallene, das Malta meinem Eindruck nach an sich hatte, war auch bei dem Gastgeber unser Unterkunft, A., gegeben. In unserem Zimmer wurden M. und ich zu unserem Erstaunen mit einem riesigen Essenskorb begrüßt. Doch nicht nur das: Am nächsten Morgen kam A. persönlich vorbei, um uns ausgiebig über die Aktivitäten auf Malta zu informieren, wobei er seine eigene, nahezu leidenschaftliche Begeisterung für die Insel, die er sein Zuhause nannte, nur schwer verbergen konnte.
Während unserer Woche auf Malta erkundeten wir den Zwergstaat mit dem Bus, nachdem wir für etwa 21 Euro ein Ticket kauften, das für sieben Tage gültig war. Das Busfahren war an sich schon recht abenteuerlich, da wir rasch lernten, dass der Bus keine Leute mehr einsteigen ließ, sobald er nur ansatzweise voll war. Das führte dazu, dass wir meistens an der ersten Station in Valletta einstiegen, um auf jeden Fall einen Platz zu bekommen. Mit dem Bus gelangten wir zu dem Örtchen Marsaxlokk mit knallbunten kleinen Booten. Der Hafen und der Markt waren dort jedoch nicht das, was uns am meisten dort reizte, sondern die tiefblauen Lagunen, die eine kurze Wanderung von Marsaxlokk entfernt waren. Dort fanden wir darüber hinaus wunderschöne Felsformationen, Salzpfannen und St.Peter's Pool, ein Wasserloch in den Felsen mit Verbindung zum Meer. Noch mehr Salzpfannen und Stein-Landschaften, so wie ich sie mir auf dem Mond vorstelle, konnten wir bei einem Tagesausflug auf die Nachbarinsel Gozo entdecken, die auch zu Malta gehört und ein Wanderparadies darstellt.Die Dingli Cliffs mit weitem Blick über das Wasser wussten uns nicht zu überzeugen, wie ich zuerst gedacht hatte. Dort gab es zudem einen Stand direkt neben der Klippe, der Kaktusfeigensaft verkaufte. M. kaufte uns eine kleine Flasche des Getränks und mochte es im Gegensatz zu mir, doch ich freute mich, es einmal probiert zu haben. Die Kaktusfeigen als ganze Früchte, die ich letzten Sommer in Genua gern gegessen hatte, sagten mir mehr zu (bis ich irgendwann pieksige Hände von den Stacheln hatte, doch das ist eine andere Geschichte). Typisch für Malta sind zudem Kinnie's, ein Getränk, das einer zuckerhaltigen Brause ähnelt, und Cisk, maltesisches Bier. Beides ist auch nicht mein Fall, doch Bierliebhaber*innen sowie Cola-Fans könnte es gefallen. Ansonsten ist die maltesische Küche ziemlich international, was mich bei den unterschiedlichen kulturellen Einflüssen auch nicht verwunderte. Etwas gewöhnungsbedürftig und in kleinen Portionen dennoch lecker schmeckte mir das maltesische Brot, als ich es das erste Mal probierte, mit einer würzig-süßlichen Note.
Schon am ersten Abend konnten wir die Eröffnungsparade des maltesischen Karnevals in Valetta miterleben. Wir hatten unseren Aufenthalt in Malta zeitlich so gelegt, dass wir das Event hier miterleben konnten. Diesen Abend und auch die darauffolgenden Tage bekamen wir auf diesem einiges zu sehen: Die Kostüme der Parade schienen in meinen Augen schon ein Kunstwerk für sich zu sein und mit offenbar viel Fantasie erarbeitet. Es gab Piraten mit einem auf dem Rücken befestigten Steuerrad, Seepferdchen mit überdimensionalen Reifröcken und Sambatänzerinnen in knalligen Kostümen, alle mit nicht weniger ausschweifenden Hüten plus Dekoration auf den Köpfen. Die Umzugswagen standen dem in ihren Anfertigungen aus Pappmaché, die in der Dunkelheit leuchteten, Konfetti durch die schmalen Gassen bliesen und sich an den Stellen, an denen die Gassen mal nicht ganz so eng waren, ausfahren und bewegen ließen, in nichts nach. Die Parade-Tänzer*innen liefen während der Parade, die jeden Tag gut ein paar Stunden dauerte, bis sie sich durch die Straßen gezwängt hatte, keinesfalls geordnet, sondern waren ziemlich entspannt, manchmal auch mit einem Drink in der Hand, unterwegs. Das hatte zur Folge, dass M. und ich an der Parade wirklich nah dran sein und vollends in die Stimmung eintauchen konnten. Solch einen ausgelassenen und knallbunten Karneval habe ich bis dato noch nicht erlebt.


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