Wir hatten ein Apartment im Zentrum gemietet, das wir von einem Innenhof erreichten. Von dort spazierten wir eine Wendeltreppe hinauf und hatten einen Raum mit Bett, Esstisch sowie Stühlen und einer Kochnische nebst einem Badezimmer. Dass der Vermieter unserer Unterkunft sich wie auch schon in Catania erst relativ kurz vor unserer Ankunft dazu zurückmeldete, wie die Schlüsselübergabe laufen sollte, wunderte mich inzwischen schon fast nicht mehr. "Das ist bestimmt die sizilianische Entspanntheit", vermutete M. und auch ich glaubte inzwischen, dass es damit zusammenhängen könnte.
Das Wetter in Palermo war zwischendurch noch klarer und sonniger als die Tage zuvor in Catania, sodass wir weit von der Strandpromenade aufs Meer blicken konnten. Genauso konnten wir immer wieder, wenn wir in der Stadt unterwegs waren, die grünen Berge am Horizont erblicken. Erst einige Tage später zogen Gewitter auf.
Grün war Palermo selbst auch und zwar wesentlich mehr, als ich es zuerst vermutet hatte. Kleine Parks mit interessanten Pflanzen, zum Beispiel uralt anmutenden Bäumen mit lianen-ähnlichen Gewächsen, bildeten in der Stadt kleine Oasen. Mein Lieblingspark in Palermo wurde der Palmenpark in der Nähe des Quattro Canti, bei dem wir zwischendurch auf Parkbänken zwischen allerhand Palmen entspannen konnten. Im regem Treiben der Hauptstraße fanden wir wieder Arancini, diesmal nicht in der spitzen Variante, sondern in Kugelform. Zu M.'s Freude gab es auch Granita, eine typisch sizilianische, an Sorbet erinnernde Süßspeise, das wir schon in Ligurien gekostet hatten. In der Nähe des Teatros in der Innenstadt gab es eine nostalgische Kaffeebar, ähnlich wie in Rom, wo ich am Tresen den besten Latte di Soia - so hieß der Latte Macchiato mit Sojamilch dort- auf dieser Reise schlürfen konnte, während M. seinen Espresso trank. Wir waren uns absolut einig, seit wir hier waren, dass Palermo eine wirklich lebenswerte Stadt in Italien war und unsere Erwartungen stark übertroffen hatte.
Palermo war unser letzter Ort, bevor es mit der Fähre vom Hafen der Stadt nach Tunesien gehen sollte. Ich konnte es kaum fassen, dass wir inzwischen schon einen ganzen Monat unterwegs waren, und merkte genau wie M., dass es gut tat, in dieser schönen Stadt alles etwas langsamer anzugehen als die Wochen zuvor. Manche der Tage war es regnerisch, sodass wir die Zeit damit verbrachten, entspannt in unserer Unterkunft zu kochen, zwischendurch die Füße hochzulegen oder im Café um die Ecke Smoothies trinken zu gehen. An mehreren Abenden nutzte ich die Gelegenheit, in der örtlichen Zirkusschule Luftartistik-Stunden zu nehmen, genau wie bei uns zuhause in Deutschland.Die Tage in Palermo flogen nur so dahin, die Aufregung auf den nächsten Abschnitt unserer Reise stieg, und eines Morgens war es dann soweit: Zu Sonnenaufgang brachen wir zum Hafen auf, um mit der Fähre nach Tunesien aufzubrechen.



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